Warenkorb
 

Sie haben noch keinen tolino eReader? Jetzt informieren.

Afghanistans verborgene Töchter

Wenn Mädchen als Söhne aufwachsen

(1)
Sie wollen auf Bäume klettern und Drachen steigen lassen, anderen Leute auf der Straße in die Augen gucken und laut lachen, sprechen ohne Angst zu haben und zur Schule gehen. Undenkbar für afghanische Mädchen. Um ihnen ein freieres Leben zu ermöglichen und das Ansehen der Familie zu steigern, verkleiden afghanische Familien ihre Töchter als Jungen.
Jenny Nordberg traf Mütter, die in ihrer Kindheit einige Jahre als Junge gelebt haben und auch ihre Töchter als Söhne aufwachsen lassen. Sie sprach mit jungen Mädchen, die als Jungen aufgewachsen sind und vor der Pubertät »zurückverwandelt« und verheiratet werden sollen, und begegnete Frauen, die auch noch als Erwachsene als Mann leben.
In eindrucksvollen Porträts schildert Nordberg den Brauch der bacha posh und erzählt die bewegende Geschichte von Afghanistans verborgenen Töchtern.
Portrait
Jenny Nordberg ist investigative Journalistin und arbeitet für die New York Times und renommierte Radio- und Fernsehsender in Schweden. Sie wurde mehrfach für ihre Arbeit ausgezeichnet, u.a. mit dem Pulitzerpreis für Reportage. Die Autorin lebt zurzeit als Fernsehproduzentin und Kolumnistin für die schwedische Tageszeitung Svenska Dagbladet in New York.
… weiterlesen
eBook kaufen
eBook verschenken

Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Ja i
Seitenzahl 432 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 11.03.2015
Sprache Deutsch
EAN 9783455851458
Verlag Hoffmann und Campe
Dateigröße 1414 KB
Übersetzer Gerlinde Schermer-Rauwolf, Robert A. Weiss
eBook
16,99
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar
In der Cloud verfügbar
Per E-Mail verschenken i
eBook kaufen
eBook verschenken
PAYBACK Punkte
Ihr Feedback zur Seite
Haben Sie alle relevanten Informationen erhalten?
Vielen Dank für Ihr Feedback!
Entschuldigung, beim Absenden Ihres Feedbacks ist ein Fehler passiert. Bitte versuchen Sie es erneut.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
1 Bewertung
Übersicht
1
0
0
0
0

Fesselnd bis zur letzten Seite
von Gertie G. aus Wien am 29.09.2017
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Die schwedische Journalistin Jenny Nordberg geht einem Phänomen in Afghanistan nach: Nämlich dem Kuriosum der „bacha posh“. Das sind Mädchen, die bis zur Pubertät als Jungen verkleidet aufgezogen werden – mit allen Freiheiten, die Männer in diesem Land haben, Frauen jedoch nicht. Was ist nun die Ursache für dieses... Die schwedische Journalistin Jenny Nordberg geht einem Phänomen in Afghanistan nach: Nämlich dem Kuriosum der „bacha posh“. Das sind Mädchen, die bis zur Pubertät als Jungen verkleidet aufgezogen werden – mit allen Freiheiten, die Männer in diesem Land haben, Frauen jedoch nicht. Was ist nun die Ursache für dieses ungewöhnliche Verhalten mancher Familien? Die Autorin spricht mit vielen Frauen, die einerseits selbst ihre Kindheit als Junge verbracht haben und andererseits als Mütter ihre Töchter verkleiden. Eine Frau, die keine Söhne zur Welt bringt wird verachtet, der dazugehörige Ehemann verlacht und bemitleidet. Die Frauen werden hier unglaublich unter Druck gesetzt. Von der eigenen Familie, von der Öffentlichkeit. „Über meine Familie wird viel getratscht. Wenn man keine Söhne hat, ist das ein großes Manko, und man wird von allen bemitleidet.“ (Azita, Politikerin) Es hat sich eingebürgert, nach mehrfachen Mädchengeburten, eines davon als Knaben auszugeben. Das soll einerseits als „Magie“ wirken und das nächste Kind wird „garantiert“ ein Junge. Andererseits kann so der Druck von den Frauen genommen werden. Diese Täuschung ist allgemein bekannt, so dass dies auch in den diversen Vorschriften der Imame und Mullahs Niederschlag findet. Die als Jungen aufgezogenen Mädchen haben in dieser Zeit alle Freiheiten. Viele davon geben sich betont männlich, laufen mit Waffen herum und benehmen sich entsprechend. Die Rückverwandlung dieser Pseudo-Männer in eine fügsame und unterwürfige Frau bei einsetzen der Menarche ist häufig nicht konfliktfrei. Denn wer will schon seine Freiheit, überall hingehen zu dürfen, mit dem Kerker der Konventionen tauschen? In 22 Kapiteln stellt uns Jenny Nordberg höchst unterschiedliche Frauen vor. Azita ist die gewählte Vertreterin einer armen Provinz Afghanistans, die alles versucht, das Los der Bewohner zu verbessern. Azita, Tochter von gebildeten Eltern und selbst Absolventin einer höheren Schule, unterzieht ihre jüngste Tochter dieser Prozedur. Sie wächst als „Mehran“ auf. Niemand nimmt Rücksicht auf die betroffenen Mädchen. Bei Mehran kündigen sich die Probleme, die bei der Rückverwandlung in ein Mädchen auftreten können, bereits an. Mehran will ihre Unabhängigkeit nicht aufgeben. Auch Nader ist eine bacha posh. Sie ist Fahrerin und verzichtet wegen ihres Rollentausches auf Familie und eigenen Kinder. Doch das gelingt den wenigsten Frauen. Die Konventionen, die Vorurteile, die Gesellschaft lassen es kaum zu, dass eine Frau alleine lebt. Viele Mädchen müssen sich auch als Jungs verkleiden, weil es keinen männlichen Verwandten gibt, der die Frauen auf ihren täglichen Lebenswegen, z.B. zum Einkaufen begleitet. So helfen basha posh in den kleinen Läden, um die Familie vor dem Hungertod zu retten. Leider ist kein Happy End in Sicht. Als die Politikerin Azita ihre politische Funktion verliert und ihren arbeitslosen Ehemann nicht mehr mit Geldsummen (die er übrigens verspielt, obwohl auch Glücksspiele verboten sind) bestechen kann, driftet sie ebenfalls in das Elend der, von der Schwiegerfamilie unterdrückten Frauen ab. Mit „großem Make-up“ kaschiert sie die blauen Flecken, die sie von den Schlägen durch den Ehemann davonträgt. Meine Meinung: Die Autorin geht mit diesem Thema sehr behutsam um. Obwohl in Afghanistan jeder darüber Bescheid weiß, wird kaum öffentlich über diese Tatsache gesprochen. In einer Kultur, die ihre Frauen in kleinen, dunklen Zimmern einsperrt, ihnen jedes Recht auf Selbstbestimmung abspricht ,macht Diskriminierung kreativ. Die Bemühung diverser Eroberer bzw. Befreier wie Briten, Russen oder Amerikaner die Vorherrschaft der Traditionen zu brechen, ist immer wieder schief gelaufen. In einem Land, in dem die größte Mehrheit der Menschen Analphabeten sind, tut Aufklärung not. Ehen werden nach wie vor den Eltern organisiert. Töchter werden nur nach ihrem Nutzen betrachtet – hübsch, fügsam und natürlich unberührt sollen sie sein, dann sind sie auf dem Heiratsmarkt viel wert. Oft reicht ein Gerücht, ein Mädchen hätte nicht sittsam den Blick gesenkt aus, um den „Wert“ des Heiratsgutes zu mindern. Häusliche Gewalt bis zum Ehrenmord sind die Folge. Da ist es grundsätzlich verständlich, Mädchen als Jungen aufzuziehen. Doch an die Folgen dieser zweimaligen Geschlechtsumwandlung denkt hier niemand. Gleichzeitig ist das die einzige Möglichkeit des heimlichen Widerstandes, den Frauen haben. Deshalb gefällt mir der englische Titel des Buches besser: „The Underground Girls of Kabul: In Search of a Hidden Restistance in Afghanistan“ Fazit: Ein beeindruckendes Buch über ein Thema, das berührt und eher unbekannt ist. Gerne bewerte ich dieses Buch mit 5 Sternen und gebe eine ausdrückliche Leseempfehlung ab.