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Niederrhein

Momentaufnahmen einer Region

Simone Brockes

Buch (gebundene Ausgabe)
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Beschreibung

Dieser Bildband zeigt mit hervorragenden Fotos den Zauber der Region Niederrhein.

Simone Brockes arbeitet bundesweit als freie Fotografin und Journalistin. Unter anderem
konzipierte sie Printmagazine im Auftrag verschiedener Verlage, die sie auch als Chefredakteurin
leitete.
Der Niederrhein ist für die gebürtige Viersenerin ein lebendiger Kraftort, in der die Seele mit der grünen Landschaft verschmilzt

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 200
Erscheinungsdatum 26.02.2015
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-944146-37-9
Verlag Pagina Verlag
Maße (L/B/H) 30,7/24,8/2,2 cm
Gewicht 1435 g
Abbildungen mit zahlreichen Fotos

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  • Im Land der Elfen und Kopfweiden
    Knorrige Kopfweiden säumen Flüsse und Bäche. Schnurgerade Pappelreihen schmücken Alleenstraßen. Morgennebel steigen aus saftigen Weiden und grünen Wiesen empor. Abends kann man mit etwas Fantasie Elfen über weite Moorflächen tanzen sehen: Augenblicke am Niederrhein.
    Kein Berg versperrt die Sicht zwischen Emmerich am Rhein, hoch oben im Norden bis hinunter ins südliche Heinsberg, „Ausläufer“ des Niederrheins. Flaches Land, weite Sicht – und das auf rund 435 Quadratkilometer. Soweit erstreckt sich die landschaftlich reizvolle Region, entlang der deutsch-niederländischen Grenze, tief im Westen von Nordrhein-Westfalen.
    Vielleicht beruht darauf der Weitblick der rund 1,3 Millionen Niederrheinbewohner:„ Montags schon sehen, wer sonntags zu Besuch kommt“, lautet ein gängiger Spruch bei den Einheimischen. Doch die weite Sicht wird im Frühjahr und Herbst gerne mit Nebel verschleiert. Im Klartext: Der Niederrhein „ertrinkt“ oft in seiner eigenen Nebelsuppe. Und noch öfter im Regen.
    Das jedoch tut der Schönheit dieser Landschaft keinen Abbruch. Es heißt, es sei Liebe auf den zweiten Blick … Zu Land und zu Wasser Stille und Natur pur erleben. Wer den Niederrhein von seinen schönsten Seiten kennenlernen möchte, sollte dies idealerweise mit dem Fahrrad tun.
    Zwischen Emmerich und Übach-Palenberg können Radwanderer mehr als 2000 Kilometer auf Deutschlands längstem Radwegnetz zurücklegen. Die jeweiligen Routen sind gut ausgeschildert. Individuell lassen sich die Fahrten planen: vom Tagesausflug bis zu mehrtägigen Touren.
    Natürlich kann der Niederrhein auch auf Schusters Rappen erkundet werden oder auf dem Rücken eines Pferdes. Egal für welche Art der Fortbewegung man sich entscheidet: Überall trifft der Reisende auf eine artenreiche Fauna und Flora. Die zahlreichen Seen-, Bruch- und Auenlandschaften, befinden sich fast ausnahmslos in Naturschutzgebieten. Weitläufige Heideflächen, ausgedehnte Laubwälder, geheimnisvolle Moore und tiefe Sümpfe, wollen von Individualisten und Naturfreunden entdeckt werden.
    Alternativ lässt sich der Niederrhein auch vom Wasser aus erkunden, sanft dahin gleitend in einem Kanu auf der Niers. Das kleine, für diese Region charakteristische Flüsschen, durchzieht den kompletten Niederrhein. Vorbei geht’s an historischen Wassermühlen und wunderschönen Herrenhäusern. Nur etwa 15 Kilometer der insgesamt 114 Flusskilometer liegen in den Niederlanden. In Kuckum, bei Erkelenz, entspringt die Niers und mündet bei Gennep in Holland in die Maas.
    Nach einem erlebnisreichen Tag warten am Abend auf die Besucher urige Gasthäuser, stilvolle Hotels und historische Schlösser. Auch Reitwanderstationen, Campingplätze, Jugendherbergen und Ferienwohnungen stehen dem Gast zur Verfügung. Die Heimat der Kopfweiden und Pappeln Die Niersauen, rechts und links neben dem Fluss, sind die Heimat der Kopfweiden, dem Wahrzeichen des Niederrheins. Sie stehen in Gruppen oder alleine. Einen prächtigen Anblick bieten sie immer. Kopfweiden sind nicht einfach nur Bäume, sie sind ein Kulturgut. In der Vergangenheit spielten sie eine große wirtschaftliche Rolle.
    Aus ihren Weidenruten wurden Körbe für alle möglichen Zwecke geflochten. Außerdem nutzte man die Zweige für den Bau von Fachwerkhäusern.
    Auch die Pappel gehört ins Bild des Niederrheins. Napoleon Bonaparte reiste laut Überlieferung am
    31. Oktober 1811 über Kleve nach Büderich und überquerte wohl noch am selben Abend die Pontonbrücke über den Rhein nach Wesel. Bereits 1806 wollte er einen Wasser-Verbindungsweg erbauen lassen, den sogenannten Nordkanal, der jedoch letztendlich nicht zu Ende gebracht wurde. Nach wie vor strittig ist die Frage, ob nun Napoleon die Pappel anpflanzen ließ. Der damals mächtigste Mann der Welt brachte wohl die sogenannte Hybridpappel mit, als Alleenbaum für neue Straßen gedacht.
    Aus geschichtlichen Dokumenten und frühen Gemälden geht hervor, dass die Pappel bereits viel länger am Niederrhein heimisch ist und kultiviert wurde. Es handelt sich um die sogenannte „Schwarzpappel“, die für Holzschuhe- und später für Zündhölzer verarbeitet wurde. Das weiche Material eignete sich im Industriezeitalter unter anderem für die Papier- und Zellstoffherstellung.
    Für Anwohner, die unmittelbar an der Niers leben und mit den Pappeln aufwuchsen, entbrannte 2012 die Diskussion um Sinn und Unsinn der Fällung dieser Baumgattung. Wie dem auch sei: Kopfweiden und Pappeln prägen bis heute das klassische Niederrhein-Bild.
    Auch „Vater Rhein“ spielt eine wesentliche Rolle im Leben des Niederrheiners: Täglich überqueren ihn Pendler, wie beispielsweise über Deutschlands längste Hängebrücke in Emmerich. Die dazu gehörigen Rheinauen dienen der Erholung. Bei starken und länger anhaltenden Regenperioden, gilt der bange Blick den Pegelständen. Regelmäßig bedrohen Hochwasser die am Rhein liegenden Städte und Dörfer.
    Apropos Wetter „Mal sonnig, mal wolkig, wechselhaft mit vereinzelten Regenschauern, örtliche Gewitter bei Höchsttemperaturen bis zu 26 Grad. Achten Sie vermehrt auf Unwetterwarnungen.“
    So oder ähnlich, lesen sich klassische Sommer-Wetterberichte vom Niederrhein. Sonnenschein will gesucht werden. Ist er denn da, hält er sich in besten Zeiten über mehrere Tage; romantische Sonnenuntergänge inklusive. Leider legt sich oft auch Schwüle übers weite Land. Eben noch azurblauer Himmel mit weißen „Schäfchenwolken“, schon ist es im nächsten Moment diesig und „drückend“.
    Das geht ganz schnell. Von Westen her droht Ungemach, im Sommer in Form von starken Gewittern, die es in sich haben. Binnen weniger Minuten verziehen sich die eben noch am Himmel tanzenden „Schäfchenwolken“ und machen Platz für tiefhängende, schwere und bedrohlich wirkende Wolken, die sich zum Teil dramatisch über Gerste, Korn, Kohl und Mais austoben. Der Niederrhein, seit jeher stabil in seiner Wetter-Instabilität, spürt den schleichenden Klimawechsel. Das gilt auch für die Winter. Gab es
    noch bis vor Jahren Schnee so wird dieser immer seltener. „Weiße Weihnacht“ wird mehr und mehr zur „Grünen Weihnacht“.
    Kurzum: Es herrscht ein atlantisch geprägtes Klima mit milden, regenreichen Wintern und einer langen Vegetationsperiode von etwa sechs Monaten. Was den Niederrheiner ausmacht
    Der Niederrheiner verfügt über eine profunde Halbbildung, auf die er mit Stolz blickt und in Ehren hält. Auf den Punkt brachte es einst der Ur-Niederrheiner Hanns Dieter Hüsch (06. Mai 1925 – 06.Dezember 2005): ZITAT: „Der Niederrheiner an sich ist zu allem unfähig: „Er weiß nix, kann aber alles erklären. Wenn man ihm was erklärt, versteht er nichts, sagt aber dauernd: „Ist doch logisch!“ (ZITAT ENDE). Hüsch, der den Kopf voll hatte vom Niederrhein, aber nie die berühmt-berüchtigte Schnauze.
    Bevor der gebürtige Moerser Kabarettist und Schriftsteller seine Heimat für sich entdeckte, obwohl er nach Mainz- und später nach Köln emigrierte, waren andere lange vor ihm da: Die Römer. Sie verschlug es bis nach Xanten. Der Archäologische Park erinnert an ihr Schaffen und gewährt Einblicke in das damalige Leben. So darf der Niederrheiner wohl mit Stolz von sich behaupten, auch ein bisschen Römer in sich zu tragen.
    Den Reiz vieler Städte und Dörfer in dieser Region macht das mittelalterliche Ambiente aus. Die restaurierten Stadtkerne mit Resten alter Wehrmauern und Türmen, Herrenhäuser, Burgen und Schlösser, Klöster und Kirchen, erinnern an eine ereignisreiche Geschichte auf deren Spuren der kundige Besucher immer wieder stößt. Zahlreiche architektonische Sehenswürdigkeiten aus unterschiedlichen Zeiten warten darauf, entdeckt zu werden. Auch Freunde von Festen und Veranstaltungen kommen auf ihre Kosten. Es ist kein Geheimnis, dass der Niederrheiner gerne feiert. Die Bandbreite reicht von traditionellen Schützenfesten, dem berühmten Karneval über erstklassige Konzerte: Von Klassik
    über Pop und Rock, hin zu anspruchsvollem Theater und sehenswerten Ausstellungen in ebenso ansprechenden Museen. Freizeit, Kunst und Kultur fügen sich zu einem facettenreichen Kaleidoskop. Auch das macht den Niederrhein so anziehend. Der kulinarische Niederrhein Zugegebenermaßen, wir sind nicht das Völkchen, dem man die edle, gar raffinierte Küche verdankt.
    Unsere Gerichte sind einfach und bodenständig, wodurch sie jedoch nicht weniger schmackhaft sind. Ein typischer Klassiker der heimischen Küche ist beispielsweise „Hemmel on Ähd“ – gebratene Blutwurst mit Kartoffel-Apfelmus. Beliebt bei jung und alt sind auch Reibe- und Schnibbelskuchen, die es in süßen und herzhaften Varianten gibt: mit Äpfeln, Kirschen oder Speck.
    Seit jeher ist der Niederrhein von der Landwirtschaft geprägt. Das ganze Jahr über gibt es frische Produkte, direkt vom Feld in den heimischen Kochtopf. Angebaut werden unter anderem verschiedene Salatsorten und Gemüse: Bohnen, Erbsen, Möhren, Spinat, Rübstiel, Mangold, Rote Bete, Kartoffeln und natürlich Kohl, „Kappes“ genannt. Die Auswahl ist groß: Weißkohl, Blumenkohl, Rotkohl, Rosenkohl,
    Grünkohl, Wirsing. Im Herbst ist es soweit: Dann rollen die Kohlköpfe, aus denen später Gerichte wie Kohlrouladen, Krautwickel, Sauerkraut, Krautsalat und diverse Eintöpfe entstehen. Dazu schmeckt frische Bratwurst. Natürlich darf im Frühjahr ein Gericht nicht fehlen: Der Spargel. Angeblich wurde das begehrte „Weiße Gold“ von den Römern an den Niederrhein gebracht. Woher das tolle Gemüse auch ursprünglich stammen mag: Die weißen Stangen nehmen in der Region einen hohen kulinarischen Stellenwert ein. Sobald die ersten weißen Spitzen dieses Edelgemüses – ehemals nur dem Adel vorbehalten – aus der Erde sprießen, gibt es kein Halten mehr. Städte wie Straelen, Walbeck oder Brüggen, um nur einige Spargelhochburgen zu nennen, feiern ausgiebig ihre Spargeltage. Die lukullische Spargelhochzeit beginnt meist ab Mitte April. Gestochen wird bis zum Johannistag, dem 24. Juni.
    Als traditionelle Weihnachtsessen gelten gefüllte Gans oder Kartoffelsalat mit Knackwürstchen. Weniger bekannt ist, dass es am Niederrhein fangfrischen Süßwasserfisch aus den zahlreichen Seen gibt: Forelle, Zander und Karpfen sind wahre Delikatessen und eine Alternative zu den eher deftigeren Gerichten wie rheinischer Sauerbraten mit selbst gemachen Kartoffelklößen oder Schnitzel mit Bratkartoffeln. Gegen den Durst hilft ein Alt, eine obergärige Bierspezialität, erfrischend herb im Geschmack, die sich großer Beliebtheit erfreut. Die niederrheinische Braukultur blickt auf eine lange Tradition zurück. Auch in der Küche hat das Bier seinen Platz und verleiht so manchem Gericht eine besondere Note, wie beispielsweise Rotbarschfilet in Bierteig mit Senf-Schaum oder Perlhuhnbrust in Apfelbiersauce mit frischen Erbsen. Sogar bis ins Dessert schafft es das Obergärige. Im Sommer herrlich erfrischend: Geeistes Altbier-Erdbeersüppchen mit Vanilleeis. Natürlich kommen die Früchte ebenfalls frisch
    von den niederrheinischen Feldern, wie Äpfel, Birnen, Pflaumen, Quitten, Himbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren, Kirschen, und, und, und …
    Genießen kann man dies in klassischen Gasthöfen, traditionellen Brauereien oder aber auch in einer der zahlreichen Mühlen, Burgen und Schlösser mit Übernachtungsmöglichkeiten, die für längere Aufenthalte ein stilvolles Ambiente bieten.
    Viehzucht spielt am Niederrhein eine ebenso große Rolle. Auf den saftigen Weiden, die für den Ackerbau nicht geeignet sind, grasen Kühe, Schafe und anderes Zuchtvieh.
    Zum Schluss
    Die Niederrheiner sind ein offenherziges und fröhliches Völkchen. Reisende aus der ganzen Welt schätzen die Gastfreundschaft und kehren immer wieder gerne hierhin zurück.
    Begleiten Sie mich auf eine fotografische Reise an den Niederrhein. Und vielleicht stellen auch Sie fest: Es ist Liebe auf den zweiten Blick …
    Simone Brockes