Schattenwelt

Helden und Legenden des Gothic Rock

Ende der Siebziger entstand in England ein neuer Sound, der düsterer und melancholischer war als die bisher bekannte Rockmusik. Gothic Rock beschäftigte sich inhaltlich mit Themen wie Tod, Verzweiflung und den Abgründen der menschlichen Seele, während er musikalisch auf den Minimalismus des Postpunk aufsetzte und ihn um hypnotische Songstrukturen und Mollakkorde ergänzte. Die romantische Todessehnsucht des Gothic wurde von der Rockpresse gern belächelt und der Humor hinter den Vampiroutfits gern übersehen.

Dieses Buch räumt nun endgültig mit den Vorurteilen gegenüber diesem Genre auf: Statt um Satanisten, Friedhöfe und endlose Traurigkeit geht es Dave Thompson um die musikalischen Wurzeln, von Bertolt Brecht und Leonard Cohen bis Iggy Pop, um lustige Horrorfilme und wahrlich schwarzen Humor – und um den Einfluss eines Sounds, dem die Musikszene nicht nur Marilyn Manson, sondern letztlich auch Guns N‘ Roses verdankt.

Für sein Buch zapfte Thompson die wichtigsten schwarzen Quellen an und holte sich die Informationen aus erster Hand von Bauhaus, The Cure, The Mission oder New Order. Schwarzarbeiter – Helden und Legenden des Gothic Rock bilden eine wichtige Grundlage zum Verständnis der großen deutschen Gothic-Szene, die sich noch heute auf den Sound und das Image der Düsterrocker aus England beruft.
Rezension
Scheißegal, dass wir alle sterben müssen " Als The Cure 1982 diesen Satz als Opener ihres Albums "Pornography" ins Mikrofon jaulten, hatte der Gothic Rock schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Der Brite Dave Thompson hat sich die "Schattenwelt" des Düsterrocks angeschaut und legt im gleichnamigen Buch die Geschichte einer vielseitigen Bewegung vor. Eine Bewegung, die wie der Punk niemals eine sein wollte, und deren Name(n) schnell als einfaches Etikett diente. Wer heute bei der Cure - im nächsten Monat erscheint das neueste Album der mittlerweile 50-jährigen Veteranen -noch an ewig-finstere Gruftis denkt, hat das Prinzip nicht verstanden. Entsprechend differenziert geht dagegen Thompson zu Werk. Gothic- oder Düsterrock meint hier weder Industrial à la Nine Inch Nails, noch Britpop à la Suede, obgleich beide Bands wie Bauhaus, Joy Division oder den Sisters of Mercy wichtige Impulse verdanken. Auch die in den Neunzigern verstärkt die Städte heimsuchenden Kreaturen der Nacht, schwarz gekleidet, weiß geschminkt, seltsames Parfum, sind nur auf einige wenige Anregungen des ungleich vielseitigeren Gothic Rocks aufgesprungen, den Dave Thompson als historisches Phänomen versteht, als einen »kleinen Arm des britischen Post-Punk-Kraken«, der sich seit etwa 1977 in die dunkleren Höhlen der Thatcher-Ära vorgewagt hat. Thompson, der sich im Wesentlichen auf die englischen Verhältnisse beschränkt, breitet ein wahres Panorama vor uns aus und bietet sein profundes Wissen wortgewandt dar. Das Problem dabei ist Folgendes: Um all die fundierten Insiderinfos, Legenden und Fußnoten der Musikgeschichte genießen zu können, müsste man das Vorwissen eigentlich schon mitbringen, wenn man das Buch aufschlägt. Dann allerdings entpuppt sich das Buch als Schatzgrube. Von den Anfängen, die sich an Iggy Pops Album "The Idiot" festmachen lassen, über wegweisende Alben wie "The Scream" (Siouxsie and the Banshees) oder "Unknown Pleasures" (Joy Division), bis zu den inszenierten Wiederbelebungsversuchen eines Marilyn Manson: "Schattenrock" bietet eine detaillierte, angenehm zu lesende Geschichte einer musikalischen Weltanschauung und ihrer wichtigsten Vertreter, zu denen auch Nick Caves Birthday Party, The Damned oder The Mission zählen. Dazu gibt es ein paar Bilder und eine übersichtliche Chronik, wobei ein Register das gezielte Nachschlagen vereinfacht hätte. Sonst gibt es nicht auszusetzen. Auch wenn Ian Curtis nicht mehr unter uns weilt, Robert Smith in seichter Behäbigkeit schwelgt und wir alle irgendwann sowieso verrecken: Gothic Rock lebt weiter.

Christian Schmitt ( www.lit4u.de)

Portrait
Musikjournalist Dave Thompson verfasste bereits zahlreiche Rock-Biografien, unter anderem über David Bowie, Kurt Cobain, Depeche Mode, The Velvet Underground, The Cure und The Simple Minds. Er schrieb für Rolling Stone, Spin, Melody Maker, NME und viele andere Magazine und wurde im britischen Mojo zu den fünf wichtigsten Rock-Autoren gezählt.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 424
Erscheinungsdatum 17.11.2003
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-85445-236-2
Verlag Hannibal Verlag
Maße (L/B/H) 21,6/13,9/4,1 cm
Gewicht 574 g
Originaltitel The Dark Reign of Gothic Rock
Abbildungen mit zahlreichen Fotos
Auflage 1. Auflage
Übersetzer Kirsten Borchardt
Buch (Taschenbuch)
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