Die blaue Epoche

Reduktive Farbigkeit im Rokoko

Das Schicksal, das die wohl vornehmste aller Farben in der Moderne durchlief, ist schnell erzählt: Schon die kobaltblaue Mohnblume konnte ihre einschläfernde Wirkung auf die empfindsamen Seelen der Romantik nicht verfehlen. Die massenwirksame Implantierung von Yves-Klein-Blau in den Köpfen einer Generation »Pop« tat ihr Übriges. So brauchte die facettenreiche Geschichte des Blaus nur mit industrieller Einheitsfarbe flächendeckend überstrichen zu werden und weg war sie.
Heute wird allmählich klar, dass die erste und eigentliche blaue Periode weder von der marianischen Manier unterm Nazarener-Himmel noch von den saltimbanquischen Stilschüben eines Jahrhundertgenies inspiriert war. Ihre künstlerischen Weihen erhielt diese Periode nicht im großspurigen Auftrag einer Palette von neuen Instantfarben, auch nicht in den methylvioletten Sudeleien einer Myriade von kurzlebigen Wegwerfschreibern und schon gar nicht im Geflimmer einer röhrenlichtdurchfluteten TV-Society, deren eine Hälfte die große Freiheit lebte, welche die andere Hälfte für sie auf maschinellem Wege verwaltete. Diese blaue Periode war kein Personalstil, sondern das übergreifende Kunstverständnis einer Epoche, die sich benennen lässt, einer Epoche, in der all das angelegt war, was chemische Farbenindustrie und künstliche Helligkeit an neuen Reizen, Empfindungen, Öffnungs- und Enthemmungserlebnissen versprachen: Dissoziation von Körper und Farbe, radikale Reduktivität, Grund- und Fehlfarbenästhetik, psychedelischer Effekt.

»Und bei dem Blau fiel mir auf, dass es jenes bestimmte Blau des 18. Jahrhunderts ist«. »Es ließe sich denken, dass jemand eine Monographie des Blaus schriebe«. (Rainer Maria Rilke, Briefe über Cézanne)

Portrait

Franz Reitinger hat in Graz promoviert und lebt und arbeitet in Salzburg. Der von ihm praktizierte methodische Ansatz sei als historische Bildwissenschaft charakterisiert, die investigativ, objektorientiert und immer mit einem Seitenblick auf die Gegenwart die Aufmerksamkeit des Lesers auf unmerklich Abhandenkommendes, Verschüttetes oder schlichtweg Unbekanntes lenkt und dabei beherzt gegen akademischen Formalismus, institutionelle Blindheit, politische Willkür und kollektive Gleichgültigkeit anschreibt.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 328
Erscheinungsdatum 11.11.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-86732-238-6
Verlag Lukas Verlag
Maße (L/B/H) 29,2/21,2/2,7 cm
Gewicht 1668 g
Abbildungen 340 meist farbige Abbildungen
Auflage 1
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