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Schnee

Roman

(12)
Ein Fremder kommt nach Kars, eine türkische Provinzstadt, um eine merkwürdige Serie von Selbstmorden zu untersuchen: Junge Mädchen haben sich umgebracht, weil man sie zwang, das Kopftuch abzulegen. Plötzlich kommt es zu einem Putsch, inszeniert von einem Schauspieler. Ein Theatercoup? Doch es fließt echtes Blut, es intervenieren echte Soldaten, keiner kann die Stadt verlassen, weil es unaufhörlich schneit ... Ein aktueller Roman, in dessen Zentrum die Frage nach der Identität der Türkei zwischen "Verwestlichung" und Islamismus steht.
Portrait
Orhan Pamuk, 1952 in Istanbul geboren, studierte Architektur und Journalismus. Für seine Werke erhielt er u. a. 2003 den Impac-Preis, 2005 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2006 den Nobelpreis für Literatur. Auf Deutsch erschienen zuletzt Der Koffer meines Vaters (2010), Cevdet und seine Söhne (Roman, 2011), Der naive und der sentimentalische Romancier (2012), der Katalog Die Unschuld der Dinge. Das Museum der Unschuld in Istanbul (2012), Diese Fremdheit in mir (Roman, 2016) und Die rothaarige Frau (Roman, 2017).
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Ja i
Erscheinungsdatum 01.02.2016
Sprache Deutsch
EAN 9783446252318
Verlag Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Übersetzer Christoph K. Neumann
Verkaufsrang 8.986
eBook
9,99
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
12 Bewertungen
Übersicht
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Für mich enttäuschend
von PMelittaM aus Köln am 16.12.2017
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Der türkische Dichter Ka kehrt anlässlich des Todes seiner Mutter nach Jahren in Deutschland in die Türkei zurück, zunächst nach Istanbul, später reist er nach Kars/Ostanatolien, vorgeblich um über die Selbstmorde junger Frauen und die regionalen Wahlen zu berichten, in erster Linie jedoch um seine Jugendliebe Ípek wiederzusehen und... Der türkische Dichter Ka kehrt anlässlich des Todes seiner Mutter nach Jahren in Deutschland in die Türkei zurück, zunächst nach Istanbul, später reist er nach Kars/Ostanatolien, vorgeblich um über die Selbstmorde junger Frauen und die regionalen Wahlen zu berichten, in erster Linie jedoch um seine Jugendliebe Ípek wiederzusehen und vielleicht für sich zu gewinnen. Kaum ist Ka in Kars angekommen, wird der Ort durch starken Schneefall von der Umwelt abgeschnitten und Ka wird in die Probleme der verschiedenen örtlichen Gruppierungen – Säkularisten, Islamisten, Kurden, religiöse junge Frauen, Vorbeter- und Predigerschüler etc. – hineingezogen. Schließlich kommt es sogar zu einer Revolution. Orhan Pamuk, der 2006 den Nobelpreis für Literatur erhielt, hat diesen Roman bereits 2002 geschrieben. Als Leser erfährt man viel über die Geschichte der Türkei und ihre Probleme, es wird viel diskutiert über Religion und Glauben, der Roman bietet Stoff zum Nachdenken und animiert durchaus dazu, sich selbst ein bisschen weiter zu informieren. Was genau der Autor mir sagen will, konnte ich jedoch nicht ermitteln, klar scheint jedoch eine sozialkritische Komponente zu sein. Es fiel mir sowieso relativ schwer, den Roman zu Ende zu lesen, denn Orhan Parmuk schreibt sehr ausführlich, geradezu ausschweifend, kommt oft nicht zum Punkt, einiges wiederholt sich, manches erscheint mir wenig nachvollziehbar, dann wieder kommen Passagen, die mich doch fesseln und zum Weiterlesen bringen. In der Mitte des Buches kommt sogar so etwas wie Spannung auf, es wird geschossen, Menschen sterben, es gibt eine Revolution, leider hält diese Spannung nicht lange an. Leider blieben mir alle Charaktere seltsam fremd, fast schienen sie Stereotypen und keine echten Menschen zu sein. Die gesellschaftlichen Probleme nehmen den größten Teil der Handlung ein, die Liebesgeschichte wirkt daneben fast schon störend, etwas interessanter sind da schon die Selbstfindungsprobleme Kas. Nicht Ka ist der – oft vorgreifende – Erzähler, sondern Pamuk selbst, der einige Jahre nach den Ereignissen auf Kas Spuren wandelt, Ka persönlich gekannt haben will und nun die Geschehnisse aufzeichnet. Gut gefallen hat mir der Humor, der immer wieder zu erkennen ist, leider hat auch er die Geschichte nicht gerettet. Die Geschichte selbst ist eigentlich interessant und spannend, leider nimmt die Erzählweise nahezu jegliche Spannung und dem Leser auch ein gut Teil Lesefreude. Ich vergebe daher nur 2,5 Sterne, die ich nicht aufrunden möchte. Empfehlen kann ich den Roman nicht, obwohl es sicher Leser geben wird, die ihn gerne lesen.

Kafkaesk!
von Katharina Pfeiffer aus Wuppertal am 13.06.2010
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Wie in Kafkas "Schloss" findet sich Ka plötzlich in einem kleinen muslimischen Dorf gefangen. Der Schnee fällt und läßt niemanden ein noch aus. Eigentlich angereist um einer Reihe von Selbstmorden unter muslimischen jungen Frauen auf den Grund zu gehen, sieht sich Ka plötzlich mit sich und seiner Vergangenheit konfrontiert,... Wie in Kafkas "Schloss" findet sich Ka plötzlich in einem kleinen muslimischen Dorf gefangen. Der Schnee fällt und läßt niemanden ein noch aus. Eigentlich angereist um einer Reihe von Selbstmorden unter muslimischen jungen Frauen auf den Grund zu gehen, sieht sich Ka plötzlich mit sich und seiner Vergangenheit konfrontiert, kann ihr nicht entfliehen, muss sich stellen. Ein beeindruckendes Buch von maximaler Aktualität. Immer wieder.

Aufregung in Anatolien
von Alfred Honegger aus Lamboing am 17.05.2010
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Auch wenn der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk mit den Materien eines Politkrimis spielt, handelt es sich bei seinem Roman "Schnee" nicht um einen Thriller. "Schnee" ist auch mehr als ein Beitrag zu der Polemik, ob Frauen in den öffentlichen Einrichtungen des verweltlichten und doch vornehmlich von Moslems bevölkerten Staates... Auch wenn der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk mit den Materien eines Politkrimis spielt, handelt es sich bei seinem Roman "Schnee" nicht um einen Thriller. "Schnee" ist auch mehr als ein Beitrag zu der Polemik, ob Frauen in den öffentlichen Einrichtungen des verweltlichten und doch vornehmlich von Moslems bevölkerten Staates Türkei ein Kopftuch tragen dürfen oder nicht. Orhan Pamuk schildert die türkische Gesellschaft, die im Spannungsfeld zwischen Islam und Verwestlichung, Tradition und Moderne eine neue Identität sucht. Unverhohlen frei prangert er die Intoleranz und Kompromisslosigkeit der Ideologen sowie die Rohheit des türkischen Polizeiapparates an. Die Abriegelung der Stadt Kars durch Schnee und Frostigkeit symbolisiert die Isolierung einer erstarrten Gesellschaft, und die ostanatolische Stadt steht dabei für die Totale der Türkei. Der Name des melancholischen Dichters Ka erinnert wohl nicht zufällig an den Protagonisten K. in einem Roman Franz Kafkas, der in einem verschneiten Dorf eintrifft und vergeblich versucht, Kontakt mit der Schlossverwaltung aufzunehmen ("Das Schloss"). Orhan Pamuk hat die Gestalten differenziert charakterisiert und ihnen authentisch wirkende Zwiegespräche in den Mund gelegt. "Schnee" ist ein atmosphärisch dichter, komplexer, mitreissender, scharfsinniger und zuweilen erfinderischer Roman von Orhan Pamuk, in dem ein Romancier namens Orhan als Verfasser des Buches auftritt. Diese Masche kennt man auch aus anderen Romanen, aber die beginnen und enden in der Gewohnheit mit einer Rahmenhandlung (z. B.: "Der Name der Rose"). Orhan Pamuk beginnt seinen Roman "Schnee" dagegen mit der Reise Kas nach Kars und führt den Icherzähler erst später schleichend ein. "Ich bin ein alter Freund von ihm und weis schon, was ihm in Kars begegnen wird, bevor ich überhaupt zu erzählen beginne. (Seite 15) " Einer der letzten Sätze in diesem Roman lautet: "Keiner kann uns aus der Ferne verstehen." [Orhan:] "Es glaubt sowieso keiner so einem Roman." "Doch, sie werden das glauben", sagte er erregt. "Um sich selbst klug, überlegen und human zu finden, werden sie glauben wollen, dass wir lächerlich und nett sind und dass sie uns so verstehen und sympathisch finden können. Aber wenn Sie das, was ich jetzt sage, schreiben, bleibt bei ihnen wenigstens ein Zweifel zurück." (Seiten 808-809)