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Morgenland

Roman

(23)
Palästina 1946: Lilya Wasserfall ist im Widerstand gegen die britische Mandatsmacht aktiv und hofft darauf, bei der nächsten großen Sabotageaktion eingesetzt zu werden. Doch sie bekommt einen ganz anderen Auftrag: Im zerstörten Deutschland soll sie nach dem Wissenschaftler Raphael Lind suchen, der nach Angaben der Briten in einem Konzentrationslager ermordet worden ist, dessen Bruder in Jerusalem jedoch Hinweise darauf hat, dass er noch lebt. Für Lilya beginnt eine abenteuerliche Reise, und bald merkt sie, dass ihr nicht nur der britische Geheimdienst auf den Fersen ist, sondern auch ein mysteriöser Verfolger, der mit allen Mitteln verhindern will, dass sie Raphael Lind findet.

Portrait
Stephan Abarbanell, 1957 in Braunschweig geboren, wuchs in Hamburg auf. Er studierte Evangelische Theologie sowie Allgemeine Rhetorik in Hamburg, Tübingen und Berkeley (USA), und nahm am Creative-Writing-Kurs bei Walter Jens teil. Heute ist Abarbanell Kulturchef des rbb. Morgenland ist sein erster Roman. Der Autor, Vater dreier Kinder, unternahm viele Reisen nach Israel, auch auf den Spuren seiner eigenen Familie, und lebt mit seiner Frau, der Übersetzerin Bettina Abarbanell, in Potsdam-Babelsberg.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 464
Erscheinungsdatum 13.02.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-453-41990-2
Verlag Heyne
Maße (L/B/H) 18,5/11,8/4 cm
Gewicht 372 g
Buch (Taschenbuch)
9,99
inkl. gesetzl. MwSt.
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Buchhändler-Empfehlungen

Anett Nestler, Thalia-Buchhandlung Peine

Diese Reise ins Nachkriegsdeutschland ist mehr als eine spannende Zeitreise. Spannender Plot, überzeugende Akteure und perfekte Verknüpfung der Geschichten. Einzigartig! Diese Reise ins Nachkriegsdeutschland ist mehr als eine spannende Zeitreise. Spannender Plot, überzeugende Akteure und perfekte Verknüpfung der Geschichten. Einzigartig!

„Hoffnungsvoller Blick in eine ungewisse Zukunft“

Carola Ludger, Thalia-Buchhandlung Lippstadt

Wir schreiben das Jahr 1946. Der Krieg ist seit gut einem Jahr vorbei, das Land im Umbruch, die Zukunft Palästinas ungewiss. Im britisch besetzten Palästina wartet die junge Lilya Wasserfall, die im Widerstand gegen die Briten aktiv ist, darauf, bei der nächsten großen Sabotageaktion eingesetzt zu werden. Lilya ist Kind deutsch-jüdischer Eltern, in Palästina geboren und hat die Zeit des Holocaust aus der Ferne miterlebt. Sie ist 22 Jahre jung und das Schicksal hat anderes mit ihr vor. Gegen ihren Willen wird die junge Frau nach Deutschland geschickt. Offiziell soll sie einen Bericht über das Flüchtlingslager Föhrenwald für 'Displaced persons', wo gerettete Juden auf ihre Ausreisegenehmigung warten, schreiben. Doch von ihrem Chef Ben Gedi hat sie einen geheimen Auftrag erhalten: Finde den vermutlich verschollenen bedeutenden Wissenschaftler Raphael Lind! Anfangs ist sie sehr enttäuscht über diese Aufgabe. Hatten zuvor doch britische Besatzer seinem in Jerusalem lebenden Bruder Elias Lind die Nachricht von dessen Tod überbracht. Doch schließlich gibt es Hinweise, dass Raphael lebt. Auf der Suche nach dem Totgeglaubten ahnt Lilya nicht, dass sowohl der britische Geheimdienst und ein mysteriöser Verräter, ihr nachstellen. Beide wollen mit allen Mitteln verhindern, dass sie Raphael Lind findet. Am Ende wird Lilya mehr finden, als sie je gedacht hat.
Das Debüt des Autors Stephan Abarbanell ist ein Lese-Highlight. Es hat, obwohl die Geschichte fiktiv ist, biographischen Hintergrund. Der Autor ist ein Kenner des Landes. In den Siebzigern hat er in Israel gelebt, im Kibbuz gearbeitet und zu dieser Zeit Gespräche mit Holocaust-Überlebenden führen können. Nach eigener Aussage verbindet ihn eine tiefe Zuneigung zu diesem Land, welchem er gleichermaßen mit Sorge und Kritik gegenübersteht.
Es ist ein ungewöhnlich berührender Roman über die Wirren und Hoffnungen der Nachkriegszeit, explizit des Jahres 1946. Die Geschichte, die wie ein Krimi daher kommt, wird Sie genau wie mich in den Bann ziehen und sicher nachhaltig beschäftigen. Es eröffnet neue Sichtweisen auf ein Nachkriegsdeutschland zur Zeit des Umbruchs, der Mühen des Wiederaufbaus und des Neubeginns.
Am Ende des Buches finden Sie einen interessanten Zusatzteil mit Bildern und Informationen über die einzelnen Reisestationen von Lilya.
Ein Roman, den Sie nicht verpassen sollten!
Wir schreiben das Jahr 1946. Der Krieg ist seit gut einem Jahr vorbei, das Land im Umbruch, die Zukunft Palästinas ungewiss. Im britisch besetzten Palästina wartet die junge Lilya Wasserfall, die im Widerstand gegen die Briten aktiv ist, darauf, bei der nächsten großen Sabotageaktion eingesetzt zu werden. Lilya ist Kind deutsch-jüdischer Eltern, in Palästina geboren und hat die Zeit des Holocaust aus der Ferne miterlebt. Sie ist 22 Jahre jung und das Schicksal hat anderes mit ihr vor. Gegen ihren Willen wird die junge Frau nach Deutschland geschickt. Offiziell soll sie einen Bericht über das Flüchtlingslager Föhrenwald für 'Displaced persons', wo gerettete Juden auf ihre Ausreisegenehmigung warten, schreiben. Doch von ihrem Chef Ben Gedi hat sie einen geheimen Auftrag erhalten: Finde den vermutlich verschollenen bedeutenden Wissenschaftler Raphael Lind! Anfangs ist sie sehr enttäuscht über diese Aufgabe. Hatten zuvor doch britische Besatzer seinem in Jerusalem lebenden Bruder Elias Lind die Nachricht von dessen Tod überbracht. Doch schließlich gibt es Hinweise, dass Raphael lebt. Auf der Suche nach dem Totgeglaubten ahnt Lilya nicht, dass sowohl der britische Geheimdienst und ein mysteriöser Verräter, ihr nachstellen. Beide wollen mit allen Mitteln verhindern, dass sie Raphael Lind findet. Am Ende wird Lilya mehr finden, als sie je gedacht hat.
Das Debüt des Autors Stephan Abarbanell ist ein Lese-Highlight. Es hat, obwohl die Geschichte fiktiv ist, biographischen Hintergrund. Der Autor ist ein Kenner des Landes. In den Siebzigern hat er in Israel gelebt, im Kibbuz gearbeitet und zu dieser Zeit Gespräche mit Holocaust-Überlebenden führen können. Nach eigener Aussage verbindet ihn eine tiefe Zuneigung zu diesem Land, welchem er gleichermaßen mit Sorge und Kritik gegenübersteht.
Es ist ein ungewöhnlich berührender Roman über die Wirren und Hoffnungen der Nachkriegszeit, explizit des Jahres 1946. Die Geschichte, die wie ein Krimi daher kommt, wird Sie genau wie mich in den Bann ziehen und sicher nachhaltig beschäftigen. Es eröffnet neue Sichtweisen auf ein Nachkriegsdeutschland zur Zeit des Umbruchs, der Mühen des Wiederaufbaus und des Neubeginns.
Am Ende des Buches finden Sie einen interessanten Zusatzteil mit Bildern und Informationen über die einzelnen Reisestationen von Lilya.
Ein Roman, den Sie nicht verpassen sollten!

Nadja Schwarz, Thalia-Buchhandlung Nürnberg

Spannender Roman mit historischen Details für zeitgeschichtlich Interessierte Spannender Roman mit historischen Details für zeitgeschichtlich Interessierte

Anja Werner, Thalia-Buchhandlung Leverkusen

Ein spannender und historisch fundierter Einblick in die Zeit nach 1945. Mich hat die starke Figur der Widerstandskämpferin sehr beeindruckt. Ein spannender und historisch fundierter Einblick in die Zeit nach 1945. Mich hat die starke Figur der Widerstandskämpferin sehr beeindruckt.

„Displaced“

Tanja Kuhner, Thalia-Buchhandlung Karlsruhe

Gleich vorweg: nicht die fiktive Geschichte ist die Stärke dieses Buches, obwohl auch diese zunehmend in Fahrt kommt; die Schauplätze der frühen Nachkriegszeit sind die "Helden" dieses Romans. Höhepunkte: das Displaced Persons - Camp Föhrenwald in Bayern und das Offenbach Archival Depot, wo geraubte Bücher gesammelt und - wenn möglich - zu ihrem Ursprungsort zurückgebracht werden sollten. Selten beschrieben und daher lesenswert! Gleich vorweg: nicht die fiktive Geschichte ist die Stärke dieses Buches, obwohl auch diese zunehmend in Fahrt kommt; die Schauplätze der frühen Nachkriegszeit sind die "Helden" dieses Romans. Höhepunkte: das Displaced Persons - Camp Föhrenwald in Bayern und das Offenbach Archival Depot, wo geraubte Bücher gesammelt und - wenn möglich - zu ihrem Ursprungsort zurückgebracht werden sollten. Selten beschrieben und daher lesenswert!

Kundenbewertungen

Durchschnitt
23 Bewertungen
Übersicht
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8
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1

Stephan Abarbanell „Morgenland“
von Hotel aus Ostfriesland am 03.05.2016
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Sie wollen einen simplen Krimi lesen, in welchem ein Serienmörder gejagt wird? Dann Hände weg von diesem Buch. Sie suchen einen intelligenten Krimi, mit recht genau recherchierten historischen Szenen und interessanten Charakteren? Gut, politisch und kritisch geschrieben? Dann kann nur eine Empfehlung übrig bleiben: unbedingt lesen. Von Anfang an zieht... Sie wollen einen simplen Krimi lesen, in welchem ein Serienmörder gejagt wird? Dann Hände weg von diesem Buch. Sie suchen einen intelligenten Krimi, mit recht genau recherchierten historischen Szenen und interessanten Charakteren? Gut, politisch und kritisch geschrieben? Dann kann nur eine Empfehlung übrig bleiben: unbedingt lesen. Von Anfang an zieht die stille, schlichte Sprache Abarbanell den Leser in den Bann und die spannende und realistische Darstellung fesselt vom Anfang bis zum Schluß des Romans und Abarbanell versteht es verschiedenste Handlungsstränge miteinander zu verweben. Was am Anfang noch lästig und uninteressant erscheint wird im Laufe des Buches wichtig für die Handlung. Dadurch wird die Geschichte zwar sehr komplex aber auch sehr interessant. Wer das Genre mag, wird dieses Buch mögen. Abarbanell versteht es auch die Handlung bis ins letzte Detail darzustellen und somit dem Buch zu ungeahntem Realismus zu verhelfen, einen Konflikt zu schaffen und zu lösen, der gleichzeitig realistisch und beängstigend erscheint. Dies liegt wohl vor allem an der Erzählweise des Autors und der genauen Recherche der wichtigen Details; dies macht die gesamte Handlung sehr plausibel und es damit dem Leser einfacher, sich in die Geschichte einzuleben, da sie wirklich aus dem tatsächlichen Leben gegriffen zu sein scheint; außerdem ist man natürlich immer eher gewillt, einem Autor zu folgen, der seine Kompetenz deutlich unter Beweis stellt. Die abwechslungsreiche Handlung, die von Action und detaillierter Beschreibung getragen wird, lässt beim Rezipienten teilweise den Eindruck entstehen, dass, um die Spannung aufrechtzuerhalten, die dargebotenen Handlungen auch teilweise konstruiert sein könnten. Der Autor stellt mit seinem Buch unter Beweis, dass er eine sehr vielfältige Sprache beherrscht. Jede dargebotene Situation, jede geschilderte Emotion und jede Beschreibung vom Handlungsumfeld kann der Leser nachvollziehen und mit erleben. Mit seiner stilistisch einwandfreien Erzählweise schafft Abarbanell nicht nur Charaktere, die sich einprägen, sondern auch detailliert beschriebene Schauplätze, die einen glauben lassen, selbst vor Ort zu sein. Ich hatte das Gefühl, es gibt keinen überflüssigen Satz in diesem Buch. Jeder Satz trägt früher oder später in irgendeiner Form etwas zur Geschichte bei. Und die Verarbeitung von kriegerischen Auseinandersetzungen in geografisch weit entfernten Gebieten und die Auswirkungen auf den Rest der Weltbevölkerung, machen den Roman zu einem Werk, das einmal mehr dem Leser vor Augen führt, dass er nicht auf einer Insel lebt.

Schnitzeljagd durch Nachkriegsdeutschland
von anushka aus Berlin am 26.04.2016
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Palästina, 1946: Die junge Jüdin Lilya Wasserfall ist Mitglied des Widerstands gegen die britische Besatzung Palästinas. Doch statt die Expertin für Dechiffrierung an einem entscheidenden Schlag gegen die Briten zu beteiligen, bekommt sie die Aufgabe, einen verschollenen und totgeglaubten jüdischen Wissenschaftler in Deutschland aufzuspüren. In der Hoffnung, die... Palästina, 1946: Die junge Jüdin Lilya Wasserfall ist Mitglied des Widerstands gegen die britische Besatzung Palästinas. Doch statt die Expertin für Dechiffrierung an einem entscheidenden Schlag gegen die Briten zu beteiligen, bekommt sie die Aufgabe, einen verschollenen und totgeglaubten jüdischen Wissenschaftler in Deutschland aufzuspüren. In der Hoffnung, die Aufgabe schnell abschließen und die Hoffnung des Bruders möglichst rücksichtsvoll, aber dezidiert zerschlagen zu können, findet sie sich plötzlich auf einer Schnitzeljagd durch Nachkriegsdeutschland und muss feststellen, dass jemand ganz und gar nicht mit ihrer Suche einverstanden ist. Dieser Roman spielt in einer traumatisierten Welt, der erst langsam bewusst wird, was in Deutschland geschehen ist oder in der viele es noch immer nicht begreifen können: "Zeichne ein Ungeheuer auf einen Bierdeckel, und es bleibt immer noch ein daumengroßes Tier." (S. 28). Viele entwurzelte Überlebende streben nach Palästina, doch dieses ist noch ein Herrschaftsgebiet der Briten. Außerdem gibt es Spannungen mit der arabischen Bevölkerung. Dieser Roman schneidet eine Bandbreite an Themen an. Zum einen geht es um die britische Herrschaft in Palästina und deren Willkür. Auch die Widerstandsbewegung wird beschrieben sowie die Konflikte zwischen den einzelnen Splittergruppen und ihre unterschiedlichen Auffassungen vom bevorzugten Vorgehen. Die Arbeit von Hilfsorganisationen wird thematisiert und auch die Lager für displaced persons, exemplarisch am Lager Föhrenwald. Oft blieben die Überlebenden weiterhin auf den KZ-Geländen untergebracht (z.B. Bergen-Belsen). Mit den verschiedenen Stationen Lilyas werden immer wieder neue Themen aufgegriffen. Trotz der Vielfalt ergibt dies ein stimmiges Bild und macht Nachkriegsdeutschland sehr plastisch. Dies geschieht sicherlich auch dadurch, dass das Buch nicht mit Informationen zu den einzelnen Aspekten überladen ist. Dafür bietet das Nachwort weiterführende Informationen. Und letztlich wird die historische Situation vor allem an einem Einzelschicksal verdeutlicht. Denn all die angesprochenen Thematiken sind nicht zentraler Punkt der Handlung, sondern bilden eher eine Kulisse für eine spannende Schnitzeljagd, bei der Lilya von einem Hinweis zum nächsten und von einem Ort in Nachkriegsdeutschland zum nächsten reist. Auf den Fersen ist ihr dabei jemand, der nicht möchte, dass die Ereignisse um den jüdischen Wissenschaftler Raphael Lind aufgedeckt werden. Dadurch erhält dieser Roman eine ordentliche Portion an Spannung ohne eigentlich ein Spannungsroman zu sein. Gleichzeitig bleibt die Handlung glaubhaft. Und besonders beeindruckt hat mich die Liebesgeschichte, geschildert aus der Sicht einer Frau, geschrieben von einem männlichen Autor. Hier gibt es keine deplatzierten Sexszenen oder unglaubhaften Gefühlsausbrüche. Eher gedeiht hier ein zartes Pflänzchen in einer feindlichen Welt, ohne zu wissen, ob es überleben wird. Beeindruckt haben mich auch die Parallelen zur aktuellen Flüchtlingssituation. Da sich das Buch aber auch der Entwurzelung widmet, ist das kaum verwunderlich. Viele der Figuren in diesem Buch suchen noch nach ihrem (neuen) Platz in der Welt. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass die individuelle Geschichte vielleicht zu sehr im Vordergrund stand und für mich das Elend der Überlebenden und die Weltpolitik noch hätten etwas mehr Raum erhalten können. "Morgenland" war ein spannendes Leseerlebnis mit glaubhaften Figuren und ernstem Hintergrund. Die Handlung ist komplex und bietet einen guten Einblick in die Situation Palästinas. Der Schreibstil ist ansprechend und anspruchsvoll, mit schönen Metaphern und Gleichnissen. Beim Lesen hat man nicht das Gefühl, historisch belehrt zu werden, sondern das Wissen wird hintergründig und dezent vermittelt. Trotzdem fühlt man sich nach dem Lesen bereichert.

Trümmerland und Morgenland
von Bibliomarie aus Düsseldorf am 17.11.2015
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

1946 liegt Europa in Trümmern. Tausende von überlebenden jüdischen Flüchtlingen tauschen die Lager der Nazi gegen die Flüchtlingslager der Alliierten. In Palästina wird der Wunsch der Juden nach einem eigenen Staat immer stärker, die Mandatsmacht der Briten wird zunehmend als Einengung und Bedrohung gefühlt. Junge Juden wollen nicht länger... 1946 liegt Europa in Trümmern. Tausende von überlebenden jüdischen Flüchtlingen tauschen die Lager der Nazi gegen die Flüchtlingslager der Alliierten. In Palästina wird der Wunsch der Juden nach einem eigenen Staat immer stärker, die Mandatsmacht der Briten wird zunehmend als Einengung und Bedrohung gefühlt. Junge Juden wollen nicht länger geduldig warten und gehen in den Untergrund um als Partisanen gegen die Briten zu kämpfen. Großbritannien hat im Krieg einen hohen Blutzoll gezahlt und will nun im Nahen Osten keinen neuen Brandherd schaffen. Das fragile Gleichgewicht zwischen Arabern und Juden ist schon lange gestört, an einen gemeinsamen Staat ist schon seit Jahren nicht mehr zu denken. So versuchen die Briten mit Zuzugsbeschränkungen die jüdische Bevölkerung nicht weiter erstarken zu lassen. In diese Gemengelage wird Lilya Wasserfall geworfen. Als Untergrundkämpferin will sie endlich eingesetzt werden, doch ihr Führungsoffizier überträgt ihr eine ganz andere Aufgabe. Sie soll im zerstörten Deutschland nach Raphael Lind suchen. Zwar gilt er schon seit 1941 tot, die Briten haben seinen Tod bestätigt, doch sein Bruder Elias, seit langem in Palästina ein bedeutender Schriftsteller, hat große Zweifel. Auf Umwegen kam ein Buch aus der Bibliothek ihres Vaters, des bekannten deutschen Wissenschaftlers, Chaim Lind, in seine Hände. Er findet ein Foto darin und eine winzige Bleistiftnotiz, die ein Chiffre ist. Daraus schließt er, dass sein Bruder noch lebt und obwohl sie als Kinder und junge Erwachsene nie eine enge Bindung hatten, ja unterschiedlicher als die Beiden, könnten Brüder kaum sein, will er Gewissheit haben. Mit der Tarnung einer jüdischen Hilfsorganisation reist Lilya nun über London nach Deutschland und sieht eine Trümmerlandschaft, die sie sich nicht vorstellen konnte. Auch merkt sie bald, dass sie in das Visier des britischen Geheimdienstes geraten ist, der all ihre Schritte überwacht. Allmählich wird ihr klar, dass hinter dem Verschwinden und dem – angeblichen – Tod von Raphael Lind mehr steckt. Aber auch dem Elend in den Flüchtlingslagern kann sie sich nicht verschließen. Was als Tarnung gedacht war, wird ihr auch zur Verpflichtung. Sie kann das Geschacher um Medikamente, Nahrung und Feldbetten nicht verstehen und die gleichzeitige Weigerung der Staatengemeinschaft, den jüdischen Menschen eine neue Heimstatt zu geben. Dabei lernt sie viele engagierte Menschen kennen, Dave Guggenheim ist einer davon, dessen Schicksal enger mit ihrem Auftrag verknüpft ist, als sie ahnt. Lilya ist als Mädchen nach Europa gegangen, als Frau kehrt sie nach Palästina zurück, so drückt es ein väterlicher Freund aus. Die Personen um Lilya haben viel Tiefe und manchen Lebensweg hätte ich gerne weiter verfolgt, aber das hätte den Rahmen gesprengt, auch so ist der Roman vielschichtig. Die vielen Handlungsstränge, die meinen Lesefluss manchmal etwas hemmten, gäben Stoff für ein weiteres Buch. Das Thema ist ein Zeitfenster in der Geschichte, die Fehler die die Staatengemeinschaft in Palästina machten, wirken sich noch heute in den Nahostkonflikten aus. Immer wieder drängten sich mir die Parallelen zu heute auf, auch jetzt haben wir Flüchtlingslager und kämpfen um Betten und Medikamente, während die Staaten konferieren und diskutieren und uneins bleiben. Ein Roman mit historischem Hintergrund, der leider eine ungeheure Aktualität bekommen hat und absolut lesenswert ist. Die am Schluss des Buches abgedruckten Fotos und Dokumente sind eine gute Ergänzung des historischen Themas.