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Der Desinformant

Erinnerungen eines DDR-Geheimdienstlers

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Horst Kopp veranlasste, dass in westdeutschen Medien Meldungen erschienen, die dann in der DDR-Presse zitiert wurden. Desinformation nannte man das, und Horst Kopp arbeitete in der zuständigen Abteilung. Sie sorgte auch dafür, dass Willy Brandt 1972 beim konstruktiven Misstrauensvotum Bundeskanzler blieb. Und Kopp sicherte DDR-Diplomaten ab, die auf Konferenzen im Ausland verhandelten.1985 aber geriet er selbst in die Geheimdienstmühle. Fünf Wochen saß er hinter Gittern, weil ihn die eigenen Leute für einen Westagenten hielten. Nach dem Bruch seiner Biografie bearbeitete er zwangsweise im Magistrat von Berlin - Ironie der Geschichte - Ausreiseanträge. Bis 1989 Kopp erzählt sein spannendes, unerhörtes DDR-Schicksal, ohne mit diesem zu hadern.
Portrait
Horst Kopp, geboren 1933 in Soldin/Neumark, absolvierte eine Schriftsetzerlehre, war FDJ-Funktionär und besuchte eine Schule, an der Geheimdienstoffiziere für Auslandseinsätze ausgebildet wurden. Danach war er in der Aufklärung zuständig für Aktive Maßnahmen (z. B. Desinformation), insbesondere in der Bundesrepublik und in Westberlin. 1985 wurde er als Spion verhaftet und zur Bearbeitung von Ausreiseanträgen in Berlin eingesetzt.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 288
Erscheinungsdatum 17.10.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-360-01315-6
Verlag Das Neue Berlin
Maße (L/B/H) 20,8/12,3/2,5 cm
Gewicht 288 g
Abbildungen mit Abbildungen
Auflage 1. Auflage
Verkaufsrang 13382
Buch (Taschenbuch)
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Kundenbewertungen

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Spannendes Buch! Eine Empfehlung für alle, die wissen wollen wie Geheimdienste die Politik manipulieren.
von einer Kundin/einem Kunden aus Berlin am 05.02.2017

Ich habe das Buch geschenkt bekommen, und es war ein Volltreffer! Das Buch ist sehr spannend, fließend und verständlich geschrieben. Man begibt sich auf eine Zeitreise in die Hauptstadt der Spione: Berlin in Zeiten des Kalten Krieges. Wie der Geheimdienst der DDR im Westen gezielt für "Desinformation" gesorgt und damit direk... Ich habe das Buch geschenkt bekommen, und es war ein Volltreffer! Das Buch ist sehr spannend, fließend und verständlich geschrieben. Man begibt sich auf eine Zeitreise in die Hauptstadt der Spione: Berlin in Zeiten des Kalten Krieges. Wie der Geheimdienst der DDR im Westen gezielt für "Desinformation" gesorgt und damit direkt und medial Einfluss auf die Politik genommen hat, ist erstaunlich. - Bis hin zur Rettung von Willi Brandt, als er mittels konstruktivem Mißtrauensvotums zu fallen drohte. Horst Kopp ist der Macher, der weitgehend Unbekannte, der Manipulator, der hier als Insider von seiner Tätigkeit beim Geheimdienst der DDR berichtet. Ich finde aber besonders den Gedanken erwähnenswert, dass heute ja ständig über Geheimdienste, NSA, Verfassungsschutz, BND usw. berichtet wird. Richtig unheimlich, wenn man bedenkt, was da heute wohl alles an gezielter Falschinformation möglich ist? Durch das Buch habe ich ein wenig über diese Arbeit verstanden.

DER DESINFORMANT - Spannende Einblicke in die Welt der HVA anhand des Lebensweges von Horst Kopp
von j.h. aus Berlin am 31.10.2016

Die politische SPIONAGE ist ein Geschäft mit langer Tradition - und auch Gegenstand einer Unzahl publikumswirksamer Filme. Die klassische Spionage hatte ihre Hochzeit zweifellos in der Zeit des Kalten Krieges, den die USA und ihre Verbündeten in den 1950-er Jahren gegen die Sowjetunion und das sozialistische Lager entfachten. In... Die politische SPIONAGE ist ein Geschäft mit langer Tradition - und auch Gegenstand einer Unzahl publikumswirksamer Filme. Die klassische Spionage hatte ihre Hochzeit zweifellos in der Zeit des Kalten Krieges, den die USA und ihre Verbündeten in den 1950-er Jahren gegen die Sowjetunion und das sozialistische Lager entfachten. Insofern war der Aufbau der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) als Teil des Ministeriums für Staatssicherheit für die Erhaltung des Friedens und für den Schutz der DDR von existenzieller Bedeutung. Der bis 1986 von Markus Wolf (1923-2006) geführte Auslandsnachrichtendienst arbeitete ebenso effizient wie erfolgreich und positionierte zahlreiche Spione (in wertender Abgrenzung als "Kundschafter des Friedens" bezeichnet) in den Schaltstellen der westdeutschen Politik und Wirtschaft. Gleiches geschah auch im Gegenzug von westdeutscher Seite aus - doch nach dem Ende der DDR gab es natürlich neben den bösen Spionen des Ostens die guten des Westens. Es war die Justiz des Siegers, die ab 1990 zu Gericht saß in dem Bestreben, dem Staat DDR quasi rückwirkend jegliche Existenzberechtigung abzusprechen, indem die souveränen Aktivitäten seiner Institutionen komplett zu Unrecht erklärt wurden. Horst Kopp (*1933) war als Offizier in der für "Aktive Maßnahmen und Desinformation" zuständigen Abteilung X (10) der HVA tätig. "Unsere Abteilung X ist ein Instrument der psychologischen Kriegsführung. Und deshalb noch geheimer als geheim. Nur im neunten Stock des HVA-Blocks - der Chefetage der Aufklärung - hat man von unserer Existenz Kenntnis. Im ganzen Haus und für alle Mitarbeiter des MfS gilt: Jeder darf nur soviel wissen, wie er zur Durchführung seiner Aufgabe wissen muss. Oder wie der Volksmund sagt: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Selbst wenn zwei in einem Zimmer arbeiten, weiß der eine vom anderen nicht, womit er sich beschäftigt. Die Informationen verlaufen vertikal, nicht horizontal." (S. 10f.) Im Einstiegskapitel berichtet Horst Kopp, der in seiner besten Zeit über 25 Inoffizielle Mitarbeiter (mehrheitlich im journalistischen Bereich - davon zwei Drittel in der DDR, die anderen im "Operationsgebiet") führte, über seine wohl spektakulärste Aktion: Den Kauf einer Stimme (es waren mindestens zwei) gegen das Konstruktive Misstrauensvotum, das nach dem Willen von CDU/CSU und FDP am 27. April 1972 zur Abwahl von Bundeskanzler Willy Brandt führen sollte. Der durch einen Nürnberger Mittelsmann mit 50000 DM zur Stimmenthaltung bestochene CSU-Abgeordnete Leo Wagner (1919-2006) wusste allerdings nicht, in wessen Auftrag er tätig wurde ... Ab dem nächsten Kapitel "Wie wird einer 'Desinformant'?" beschreibt Horst Kopp spannend und mit zahlreichen historischen Exkursen versehen seinen Werdegang, der im FDJ-Apparat begann und auf verschlungenen Wegen über ein als "Zentralschule der Gesellschaft für Sport und Technik" getarntes Ausbildungs-Camp am Rande Berlins zur im Aufbau befindlichen HVA führte. Seine erste Dienststelle auf der Schwedter Straße in der Nähe der Mauer war dann als Vertretung des VEB Zekiwa (Zeitzer Kinderwagenindustrie) getarnt. In den folgenden Kapiteln sind zahlreiche Stationen Horst Kopps (unter anderem die versuchte Anwerbung von Harry Rowohlt als IM oder Aktivitäten am Rande der KSZE-Nachfolgeverhandlungen in Madrid zwischen 1980 und 1983) beschrieben, die interessante Hintergründe zur Geschichte der 1960-er bis 1980-er Jahre liefern. Mit Hilfe der IM "versuchte die Auslandsaufklärung bzw. die Abteilung X primär in Erfahrung zu bringen, ob und auf welche Weise von außen auf die DDR medial Einfluss genommen werden sollte. Und in der Umkehrung nahmen wir Einfluss auf die Meinungsbildungsprozesse in der Bundesrepublik. Es herrschte Kalter Krieg und Klassenkampf, auf beiden Seiten bedienten sich die Geheimdienste der gleichen Methoden." (S. 115) Kopps HVA-Karriere endete 1985 der Liebe wegen - so klischeehaft kann das Leben sein ... Die im VERLAG DAS NEUE BERLIN erschienenen "Erinnerungen eines DDR-Geheimdienstlers" sind ein spannender zeitgeschichtlicher Exkurs und ein wichtiger Beitrag zur objektiven Geschichtsbetrachtung wider der unhistorischen Schwarz-Weiß-Malerei in der "offiziellen" Geschichtsschreibung.