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Widerfahrnis

Reither, bis vor kurzem Kleinverleger in einer Großstadt, nun in einem idyllischen Tal am Alpenrand, hat in der dortigen Bibliothek ein Buch ohne Titel entdeckt, auf dem Umschlag nur der Name der Autorin, und als ihn das noch beschäftigt, klingelt es abends bei ihm. Und bereits in derselben Nacht beginnt sein Widerfahrnis und führt ihn binnen drei Tagen bis nach Sizilien. Die, die ihn an die Hand nimmt, ist Leonie Palm, zuletzt Besitzerin eines Hutgeschäfts; sie hat ihren Laden geschlossen, weil es der Zeit an Hutgesichtern fehlt, und er seinen Verlag dichtgemacht, weil es zunehmend mehr Schreibende als Lesende gibt. Aber noch stärker verbindet die beiden, dass sie nicht mehr auf die große Liebe vorbereitet zu sein scheinen. Als dann nach drei Tagen im Auto am Mittelmeer das Glück über sie hereinbricht, schließt sich ihnen ein Mädchen an, das kein Wort redet, nur da ist …
Kirchhoff erzählt in seiner großartigen Novelle von der Möglichkeit einer Liebe sowie die Parabel von einem doppelten Sturz: in die Liebe, ohne ausreichend lieben zu können, und in das Mitmenschliche, ohne ausreichend gut zu sein. »Aber wo wären wir ohne etwas Selbstüberschätzung«, sagt der Protagonist Reither, um sich Mut zu machen für den ersten Kuss mit Leonie Palm, »jeder wäre nur in seinem Gehäuse, ein Flüchtling vor dem Leben.«
Portrait
Bodo Kirchhoff, geboren 1948, lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee. Zuletzt erschienen in der Frankfurter Verlagsanstalt seine von Kritik und Publikum gleichermassen gefeierten Romane »Verlangen und Melancholie« (2014) sowie »Die Liebe in groben Zügen« (2012).
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Beschreibung

Produktdetails

Format ePUB i
Kopierschutz Ja i
Seitenzahl 224 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 01.09.2016
Sprache Deutsch
EAN 9783627022389
Verlag Frankfurter Verlagsanstalt
Dateigröße 1265 KB
Verkaufsrang 22200
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Buchhändler-Empfehlungen

Zwischen berückend und bedrückend

Ingbert Edenhofer, Thalia-Buchhandlung Essen

Zufall - es gibt wenige Konzepte, die die Menschheit so sehr beschäftigen. Gibt es ihn? Hat er Bedeutung? Ist er das Gegenteil von Bestimmung oder doch das gleiche, nur aus einem anderen Blickwinkel? Oder hat er mgölicherweise keinerlei Relevanz? Dementsprechend ist natürlich auch die Geschichte aller erzählenden Gattungen voll von Zufällen - was muss z.B. alles zusammen kommen, damit Ödipus die Tragödie werden kann, die sie ist - und auch hier kommen Reither und Leonie, Protagonist und zentrale weitere Figur, unverhofft zueinander und landen im Auto, mal schauen, wohin. Ohne Frage wohnt diesem Werk eine Menge Wahrheit inne, insofern, dass es sich eher an der ungeschönten Dramaturgie des Lebens orientiert und nicht so sehr an etwas, das vielleicht Aristoteles gut geheißen hätte. Auch ist die Meta-Ebene, auf die Lektor Reither den Text zieht, durchaus spannend. Allerdings interessieren mich die Figuren nicht. Sie bleiben bei aller abenteuerlicher Nähe zueinander trotzdem umgeben von Mauern - sowohl füreinander als auch für den Leser. Literarisch ist es also durchaus lesenswert, es ist allerdings keine Geschichte, die zum Hineinfallen einlädt.

Irene Hantsche, Thalia-Buchhandlung Jena, Goethe-Galerie

Selbstreflektierende Novelle über einen alterndes Mann und Roadmovie voller unverhoffter Begebenheiten. Irgendwie hilflos ist der Protagonist gegenüber des Flüchtlingskindes.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
24 Bewertungen
Übersicht
11
9
2
2
0

von einer Kundin/einem Kunden aus Berlin am 06.05.2017
Bewertet: anderes Format

Eine schöne Geschichte, die Sommer, Liebe, das Flüchtlingsthema und Trauer in sich vereint. Die klare unverschnörkelte Sprache lässt die Leser gleich in die Geschichte eintauchen.

Sehr poetische Novelle
von einer Kundin/einem Kunden aus Nürnberg am 17.01.2017
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Bodo Kirchhoff hat mit seiner Novelle "Widerfahrnis" ein poetisches Werk verfassts mit zugleich faszinierender sowie fesselnder Sprache. Ein äußerst lesenswertes Buch, das sehr empfehlenswert ist.

Poetischer Roadtrip
von Tany Bee am 19.12.2016
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Reither ist nicht mehr ganz jung, um die 60 wohl. Er war früher Verleger, hatte einen ganz kleinen Verlag mit Buchhandlung. Eines Abends klopft eine Frau an seine Tür, Leonie Palm. Erst rauchen sie eine Zigarette zusammen, dann beschließen sie, zusammen den Sonnenaufgang zu sehen, an einem See. Doch als sie dort ankommen, beschl... Reither ist nicht mehr ganz jung, um die 60 wohl. Er war früher Verleger, hatte einen ganz kleinen Verlag mit Buchhandlung. Eines Abends klopft eine Frau an seine Tür, Leonie Palm. Erst rauchen sie eine Zigarette zusammen, dann beschließen sie, zusammen den Sonnenaufgang zu sehen, an einem See. Doch als sie dort ankommen, beschließen sie noch ein wenig weiter zu fahren. Wohin wird diese Reise sie bringen? Die beiden gehen also auf eine Art spontanen Roadtrip, ohne Gepäck, ohne festes Ziel. Dabei macht gerade ihr Alter einen gewissen Reiz aus, denn die beiden haben natürlich schon viel erlebt. Reither ist immer noch in seiner Verleger- und Lektorenrolle fest verankert. Oft beurteilt er eine Situation aus dem wahren Leben danach, ob sie in einem Buch glaubwürdig wäre oder ob er sie gestrichen hätte. Diese Kommentare haben mir äußerst gut gefallen. Ganz langsam schleicht sich noch eine andere Thematik ins Buch: die Flüchtlingssituation in Italien. Je weiter die beiden nach Süden kommen, desto mehr und engere Begegnungen mit Flüchtlingen haben sie. Hier schneidet der Autor wichtige Themen an, denn Leonie und Reither wollen helfen. Aber was ist überhaupt eine Hilfe? Wenn man eine Essen bezahlt? Wenn man zwanzig Euro gibt? Der etwas hilflose Umgang der beiden mit den Flüchtlingen ist sehr gelungen dargestellt. Gegen Ende kehrt sich die Situation sogar um, aber ich möchte nicht zu viel verraten. Bodo Kirchhoff hat eine sehr eindringliche Art zu erzählen und sein Stil gefällt mir gut. Allerdings ist das Buch auch nicht immer einfach zu lesen und zwischendurch hatte ich einen kleinen Durchhänger und kam nur langsam voran. Das Ende hat aber vieles wieder wettgemacht. Ich denke dennoch, dass es nicht unbedingt Kirchhoffs bestes Werk ist. Eine Warnung möchte ich noch aussprechen: Wenn man gerade erst mit dem Rauchen aufgehört hat sollte man das Buch keinesfalls lesen. Die Protagonisten rauchen ständig, wenn sie Langeweile haben, um eine Pause zu überbrücken, während eines Gesprächs, einfach immer. Selbst mit blutender Hand! Labile Leser könnten hier rückfällig werden und sich gemeinsam mit Reither eine anzünden. ;) Fazit: ein schönes Buch mit vielen tollen Momenten, aber man braucht etwas Durchhaltevermögen