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Mein Weg über die Pyrenäen

Erinnerungen 1940/41

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Fragt man Lisa Fittko, was sie dazu gebracht hat, unter Einsatz des Lebens den Exilierten zur Flucht zu verhelfen, sagt sie: »Es war das Selbstverständlichste.« In einigen Exil-Erinnerungen ist, wenn es um einen Pyrenäen-Fluchtweg aus dem besetzten Frankreich ging, von einer "F-Route" die Rede - wer oder was sich hinter dem F verbirgt, wird nicht erklärt. Das vorliegende Buch löst dieses Rätsel: Der alte Schmugglerpfad wurde nach Lisa und Hans Fittko benannt, die monatelang von der Auslieferung bedrohte Hitlergegner zur spanischen Grenze geführt hatten. Es wäre nicht geschrieben worden, wenn nicht durch einen Zufall Gershom Scholem von Lisa Fittko gehört und sie gedrängt hätte, ihre Pyrenäenüberquerung mit Walter Benjamin (der sich dann, seine Verhaftung befürchtend, nach dem Grenzübertritt in Spanien das Leben nahm) aufzuschreiben.
Die "F-Route" ist für die Fittkos nur eine Station einer langen Odyssee, die 1933 in Berlin begann und sie über Prag, Zürich und Amsterdam nach Paris führte. 1940 wurde Lisa Fittko als "feindliche Ausländerin" in dem berüchtigten Frauenlager von Gurs interniert. Sie entkam nach Marseille und stieß dort auf Varian Fry und das Emergency Rescue Commitee, das - meist illegal - organisierte Fluchthilfe betrieb. An seinen Hilfsaktionen hatten die Fittkos maßgeblichen Anteil. Der Strom der Flüchtlinge riss nicht ab; sie machten den gefährlichen Weg über die Pyrenäen bis zu dreimal in der Woche.
Portrait
Lisa Fittko wurde 1909 in Uzhorod in der heutigen Sowjetunion geboren. 1933 musste sie wegen ihrer politischen Arbeit Deutschland verlassen. Im Exil unterstützten sie und ihr Mann, Hans Fittko, aktiv den Widerstand gegen Hitler. Ende 1941 gelang ihnen die Flucht nach Kuba und von dort 1948 die Einreise in die USA. Sie starb am 12. März 2005 in Chicago, wo sie lange lebte und sich für die Friedensbewegung engagierte.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 336
Altersempfehlung 16 - 99
Erscheinungsdatum 01.10.2004
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-423-62189-2
Verlag dtv
Maße (L/B/H) 19/12,1/2,2 cm
Gewicht 284 g
Abbildungen mit Fotos. und Karten-Skizzen. 19,5 cm
Auflage 4. Auflage
Buch (Taschenbuch)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Leben und Flucht als Europa in Flammen stand - alsolut lesenswert!
von einer Kundin/einem Kunden am 30.10.2016

Die Aufmachung: Das Buch enthält zusätzlich ein Glossar, eine Zeittafel und ein Personenlexikon ? sehr nützlich zum schnellen Nachschlagen. Eine Karte Südfrankreichs und mehrere schwarz-weiß Fotos gehören auch dazu. Die Karte taugt allerdings nur zur groben Orientierung und die Fotos sind klein, manche unscharf und einige von schlechter Qualität.... Die Aufmachung: Das Buch enthält zusätzlich ein Glossar, eine Zeittafel und ein Personenlexikon ? sehr nützlich zum schnellen Nachschlagen. Eine Karte Südfrankreichs und mehrere schwarz-weiß Fotos gehören auch dazu. Die Karte taugt allerdings nur zur groben Orientierung und die Fotos sind klein, manche unscharf und einige von schlechter Qualität. Dies sind auch schon alle Kritikpunkte an diesem Buch. Das Leseerlebnis: Man taucht in eine uns heute unbekannte Welt ein. Anschaulich. Man spürt die Angst, auf dem Bahnsteig in eine Kontrolle zu geraten und erkannt zu werden. Emotional. Doch es ist kein Roman ? es ist ein Tatsachenbericht. Ohne den belehrenden Zeigefinger, ohne die Stimme aus dem Hintergrund. Der Bericht: Absolut lesenswert! Lisa Fittko (oder ihre Ghostwriterin?) erzählt aus der Sicht der Leute, die sich dem Nationalsozialismus entgegensetzten. Aus dem Berlin zu Beginn der 1930er Jahre, als politische Meinungsverschiedenheiten auf der Straße und in den Sälen handfest ausgetragen wurden. Aus dem Frankreich zu Beginn des Krieges, als die Franzosen deutsche Juden und deutsche Nationalsozialisten ohne Unterschied in Lagern zusammenpferchten. Sie berichtet von ihrer Flucht aus dem Lager und dem Leben im Untergrund. Sie erzählt, wie sie und ihr Mann unter Einsatz ihres eigenen Lebens von den Nazis gejagten Menschen zur Flucht nach Spanien verhalfen und selbst in letzter Minute nach Kuba entkamen. Dies ist die eine Geschichte. Aber Lisa Fittko erzählt noch eine andere Geschichte: Sie erzählt, von den einfachen Franzosen, von Franzosen, die zusammen mit dem Pétain-Regime den deutschen Nationalsozialismus hofierten und von Franzosen, sich widersetzten. Von ihrer Angst vor Entdeckung durch die eigenen Landsleute und ihrem Verschwinden in dunklen Löchern. Sie erzählt davon, wie schwer es in jenen Jahren für die einfachen Franzosen war, Lebensmittel zu bekommen, wie überfüllt die Züge damals waren, wie die französischen Behörden ihre eigenen Bürger gängelten. Heute einfach unvorstellbar. Was bleibt: Man lernt viele Leute mit Rückgrat kennen, die taten, was getan werden musste. Einfach so. Der Menschenschmuggelpfad, auf dem damals Lisa Fittko und ihr Mann Menschen auf der Flucht nach Spanien über die Berge halfen, ist heute ein bekannter Wanderweg. Er macht Lisa Fittko und ihren Mann unsterblich. Das Buch, in dem auch von Menschen erzählt wird, die diesen Pfad entlanggingen, macht diese Menschen unsterblich. Sie haben es verdient.