Tanzende Araber

Roman

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In ein jüdisches Internat wird der Held dieses ungewöhnlichen Erstlingsromans eines jungen palästinensischen Israeli gesteckt. Als hochbegabter Schüler erhält er den begehrten Platz und sitzt nun als einziger Araber in einer Klasse voller jüdischer Kinder, die alles anders machen als er - selbst wenn es darum geht, wie man ein Hühnchen isst.
Aufgewachsen ist er in dem arabischen Dorf Tira, mit der Legende seines 1948 ums Leben gekommenen Großvaters und einem ehrgeizigen Vater, der in seiner Jugend die Universitätscafeteria in die Luft gejagt und dafür zwei Jahre im Gefängnis gesessen hat und nun hofft, dass sein Sohn Pilot wird oder zumindest der erste Araber, der eine Atombombe baut. Der Sohn stellt sich allerdings als »Feigling« heraus, genau wie seine Brüder: »Mein Vater versteht nicht, warum ich und meine Brüder so geworden sind. Wir können nicht einmal eine Fahne zeichnen. Er sagt, dass andere Kinder - manche sind sogar jünger als wir - durch die Straße marschieren und dabei »PLO - Israel NO« singen, und dann wirft er mir vor, dass ich wahrscheinlich nicht einmal weiß, was PLO heißt.« Der Erzähler flüchtet sich hinter eine Vielzahl von Masken und muss doch verzweifeln an dem unauflösbaren Konflikt der Identitätsfindung - weder in der arabischen noch in der jüdischen Welt findet er eine innere Heimat. Ein mutiges und hellsichtiges Buch, dessen sanfte Selbstironie und melancholischer Witz überraschen.
Rezension
"Der junge Shooting Star der israelischen Gegenwartsliteratur." (taz)
Portrait
Sayed Kashua, 1975 geboren, wuchs im Grenzgebiet zum Westjordanland auf und lebte lange in einem jüdischen Viertel Jerusalems. 2014 emigrierte er in die USA, wo er heute an der University of Illinois at Urbana-Champaign lehrt. Er arbeitete als Filmkritiker, Kolumnist der Wochenzeitung Haaretz und ist Autor der erfolgreichen israelischen Sitcom »Avoda Aravit« (Arabische Arbeit). Im Berlin Verlag erschienen »Tanzende Araber«, »Da ward es Morgen« und »Zweite Person Singular«. »Tanzende Araber« wurde 2015 unter dem Titel »Mein Herz tanzt« von Eran Riklis (»Die syrische Braut«) verfilmt.

Mirjam Pressler, 1940 in Darmstadt geboren, ist eine der beliebtesten Kinder- und Jugendbuchautorinnen Deutschlands, sie arbeitet zudem als Übersetzerin aus dem Hebräischen und Niederländischen. In 2004 erhielt sie den Deutschen Bücherpreis für ihr Lebenswerk.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 278
Erscheinungsdatum 01.08.2004
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8333-0095-0
Verlag Berliner Taschenbuch Verlag
Maße (L/B/H) 18,5/12/2,7 cm
Gewicht 271 g
Originaltitel Arawim rokedim
Auflage 5. Auflage
Übersetzer Mirijam Pressler
Buch (Taschenbuch)
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Interessantes Buch über den Alltag eines palästinensischen Israeli auf der Suche nach Identität...
von Line88 aus Chemnitz am 09.06.2015

Der Autor Sayed Kashua, selbst mit Wurzeln, schreibt aus der Ich-Perspektive über den Jungen Eyad, welcher in den 80er Jahren als einer von vier Brüdern in der arabisch geprägten Kleinstadt Tira in Israel aufwächst. Der Protagonist erzählt nicht nur von der politischen Situation zwischen Juden und Arabern, die er... Der Autor Sayed Kashua, selbst mit Wurzeln, schreibt aus der Ich-Perspektive über den Jungen Eyad, welcher in den 80er Jahren als einer von vier Brüdern in der arabisch geprägten Kleinstadt Tira in Israel aufwächst. Der Protagonist erzählt nicht nur von der politischen Situation zwischen Juden und Arabern, die er selbst als Kind nur schwer nachvollziehen kann, sondern vor allem von seinem persönlichen Umfeld. Er berichtet von seiner Beziehung zur Großmutter und dem schwierigen Verhältnis zum Vater, welcher sehr gebildet ist, aber durch seine politischen Aktivitäten seine eigene Universitätskarriere zerstört hat. Als Eyad als einziger Araber die Chance erhält an ein jüdisches Elite-Internat zu gehen, weckt er damit große Hoffnungen in seiner Familie, doch dem sensiblen Jungen machen die Entfernung zur Heimat und die Verachtung durch jüdische Mitschüler schwer zu schaffen. Eyad möchte ungern als Araber auffallen und bemüht sich daher immer, sich dem jüdischen Leben anzupassen. Seine erste große Liebe zu einem jüdischen Mädchen aus dem Internat hält den Feindseligkeiten der Mitmenschen allerdings nicht stand und zerbricht. Nur wenige Zeit vor dem Abitur verlässt er schließlich das Internat, woraufhin der Vater ihn verachtet. So erhält man als Leser schnell Einblick in die arabische Kultur, das palästinensische Familienleben und in das brutale Bildungssystem. Eyad sucht sich Arbeit in Jerusalem, holt das Abitur nach und schreibt sich halbherzig an der Universität ein, aber durch seine Despressionen lässt er sich immer mehr hängen, lebt ohne Freude und verliert den Mut an die Chancen seiner Zukunft zu glauben. Seine Frau, die Araberin Samia verachtet er, nicht zuletzt für ihre dunkle Hautfarbe – beide hassen sich. Eyad versucht schließlich zu seinem ursprünglichen Glauben zurückzufinden, aber er scheint so stark zwischen den Kulturen gefangen zu sein, dass es ihm nicht gelingt. Der Schluss des Buches spannt zwar einen Bogen zum Anfang, aber hat mir dennoch überhaupt nicht gefallen, da es mir viel zu trist erscheint. Insgesamt finde ich den Grundton des Buches viel zu depressiv. Außer der Aufnahme in das Internat sind kaum erheiternde Momente zu finden, sodass das Buch nur wenig Hoffnung und Lebensfreude vermittelt. Sicher war es das Anliegen des Autors, den Menschen die Problematik des Konflikts vor Augen zu führen, was ihm zweifelsfrei gelungen ist, dennoch hätten zumindest einige Charaktere sympathischere Züge haben können. Von dem auf dem Buchrücken erwähnten melancholischen Witz, kam bei nur sehr wenig an. Ich habe feststellen müssen, dass ich nicht viel über den Alltag in Israel weiß und bin daher froh, einen interessanten Einblick bekommen zu haben. Trotz der zeitlichen Sprünge und meines teilweise lückenhaften Wissen über den Nahost-Konflikt, habe ich das Buch gern gelesen. Der einfache Erzählstil und die lebhaft geschilderten kleinen Geschichten, haben mich sehr gut eintauchen lassen.

"Sorry ... we dared to dream"
von solveig am 01.06.2015

Selten geht die Thematik eines Buches so unter die Haut: Mit „Tanzende Araber“ hat Sayed Kashua einen tief beeindruckenden Roman über die Entwicklung eines israelischen Jungen arabischer Herkunft verfasst. Seine Kindheit verbringt dieser Junge in Tira, einem Dorf in der Nähe Jerusalems, das nur von arabischen Israelis... Selten geht die Thematik eines Buches so unter die Haut: Mit „Tanzende Araber“ hat Sayed Kashua einen tief beeindruckenden Roman über die Entwicklung eines israelischen Jungen arabischer Herkunft verfasst. Seine Kindheit verbringt dieser Junge in Tira, einem Dorf in der Nähe Jerusalems, das nur von arabischen Israelis bewohnt wird. Sie ist geprägt von seinem despotischen, politisch engagierten Vater und seiner sehr gläubigen, traditionsbewussten Großmutter, immer wieder sind Kriege und Verfolgungen Teil seines Alltags. Da er ein begabter Schüler ist, bekommt er die Möglichkeit, ein jüdisches Elite-Internat in Jerusalem zu besuchen. Als einziger Araber hat er es dort allerdings nicht leicht. Er verliebt sich in seine jüdische Mitschülerin Noemi und beginnt eine Beziehung zu ihr. In dieser Zeit spürt der junge Mann schmerzhaft deutlich, dass es keine Gleichberechtigung der Bevölkerungsgruppen im gemeinsamen Staat Israel gibt, und erkennt, welchen Diskriminierungen die arabische Minderheit ausgesetzt ist. Kashuas Schilderungen des Familien- und Schulalltags sind so empathisch und authentisch, dass der Leser sehr schnell erkennt: dieser Roman trägt eindeutig autobiografische Züge. Er erzählt eindringlich von seinen Bemühungen, sich der jüdischen Bevölkerung anzupassen, nicht aufzufallen, um als vollwertiger Bürger akzeptiert zu werden. Er fühlt den Druck, seinen Wurzeln und Traditionen verpflichtet zu sein; andererseits reift in ihm der Wunsch, sich von seiner Herkunft zu lösen und zu den Juden zu gehören: Er „tanzt auf zwei Hochzeiten“. Absolut ehrlich beschreibt er die Folgen seiner Desillusionierung: Selbstzweifel, Depressionen, Flucht in den Alkohol. „I hope my stories make my readers think a little bit, because I also talk about how holy we make identity seem and look like …“ sagt Kashua, der sich unermüdlich in seinen Büchern und Zeitungskolumnen für eine Gleichberechtigung der Araber und Juden in Israel einsetzt, in einem Interview. Doch eine Gleichstellung bleibt vorerst ein Traum, wie der Autor selbst erst vor wenigen Wochen in Richtung Netanjahus kommentierte: „Sorry … we dared to dream.“ Immerhin ist ihm sein Vorhaben, den Lesern die Problematik der israelischen Politik in Erinnerung zu rufen, mit diesem Roman eindrucksvoll gelungen. P.S.: Inzwischen ist er nach wiederholten Morddrohungen gegen ihn und seine Familie nach Illinois ausgewandert.