Der Sohn des Hauptmanns

Roman

Nedim Gürsel

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Beschreibung

Ein alter, ehemaliger Journalist in Istanbul, der bereits die Nähe des Todes spürt, vertraut einem Tonbandgerät seine Lebensgeschichte an. Er denkt zurück an seine Kindheit in einer Garnisonsstadt in der türkischen Provinz, an die Großmutter, an den unnahbaren Vater, der als Mitglied des Militärs am Putsch von 1960 beteiligt war. Der alte Mann erzählt mal sehr direkt, mal bitter in seinen Erinnerungen schwelgend von den Jahren in einem Internat in Istanbul, den derben Scherzen der Mitschüler und den ersten sexuellen Erfahrungen. Er hört die Stimme des Vaters, hat den Geschmack seiner geliebten »Lebensbonbons« auf der Zunge und kehrt immer wieder zu einer Person zurück, die er mit zunehmendem Alter mehr vermisst denn als kleiner Junge: seine Mutter, die als junge Frau starb. Ist sie, die so sehr unter der Gefühlskälte und Härte des Vaters litt, der Grund dafür, dass er zeit seines Lebens alles Autoritäre ablehnte?
Als alter Mann begreift er immer mehr, wie sehr seine Kindheit und Jugend sein Leben bestimmt haben: die Mutter und ihr Tod, der ihm stets fremd bleibende Vater und dessen politische Ansichten, seine Einstellung zur Welt und zur Politik.

»Ein Buch, das in der Vergangenheit spielt, aber die aktuellen Ereignisse schwingen mit. Es ist eine Abrechnung mit der Autorität, durchsetzt mit Erdogan-kritischen Passagen.«
Cordula Echterhoff, WDR WestArt

»Nedim Gürsel legt einen Roman voller Brisanz und Gegenwart vor, man sagt es am besten in einem altmodischen Deutsch: Er löckt literarisch wider den Stachel der Macht.«
Martin Zähringer, NZZ

»›Der Sohn des Hauptmanns‹ ist keine orientalische Miniatur, sondern eine Liebeserklärung an die moderne Großstadt Istanbul [...]«
Hans Christoph Buch, DIE ZEIT

»Nedim Gürsel hat mit seinem vielschichtigen und orientalisch ausschweifend erzählten Coming-of-Age-Roman auch ein hochpolitisches Buch vorgelegt.«
Ulrich Rüdenauer, DER TAGESSPIEGEL

»Es ist nicht nur die emotionale Tiefe, die in den wunderschönen Sätzen Nedim Gürsel stecken und die ›Der Sohn des Hauptmanns‹ zu einem spannenden Leseerlebnis machen. Die Erzählung rund um den Putsch […] geben einen Einblick in die türkische Geschichte und machen den Roman so auch zu einer lohnenden Lektüre, um das heutige Leben in der Türkei und die Bedeutung des jüngsten Putschversuchs zu verstehen.«
Lukas Hansen, KÖLNER STADT-ANZEIGER Bücher Magazin

»In seinem neuen Roman gelingt es [Nedim Gürsel], universelle Themen zu reflektieren und anhand eines Einzelschicksals den Leser zu berühren, an der Schnittstelle zwischen politisch-engagierter und intimistischer Literatur.«
Claire-Lise Tull, WDR 3 RESONANZEN

»Gürsels Dramaturgie ist umwerfend und von der großen Farbigkeit der orientalischen Erzählkultur geprägt. Sein Ton ist mal zart und mitfühlend, dann wieder beißend spöttisch, gleich darauf anklagend, nur um sofort wieder in einen beinahe sachlichen Erzählduktus zu rutschen.«
Iris Hetscher, WESER KURIER

»Ein wunderbares Buch, ein großartiger Geschichtenerzähler«
Volker Kaminski, QANTARA.DE

»Ein gewohnt scharfsinniges, aber auch sehr persönliches Buch.«
Ute Bösing, INFORADIO RBB

»Wärmstens empfohlen«
Yilmaz Holtz-Ersahin, EKZ

»Mit dem Roman ›Der Sohn des Hauptmanns‹ ist Gürsel ein Werk gelungen, in dem sich Politik und Literatur, Nationalismus und Folklore der Türkei spiegeln.«
Franz Schwarzbauer, ALLMENDE

Nedim Gürsel, 1951 in Gaziantep, Türkei, geboren, lebt heute in Frankreich. Er lehrte türkische Literatur an der Sorbonne und ist der Vorsitzende für türkische Literaturforschung am Centre National de la Recherche Scientifique. Seine Bücher werden in viele Sprachen übersetzt.

Produktdetails

Format ePUB i
Kopierschutz Ja i
Family Sharing Ja i
Text-to-Speech Nein i
Seitenzahl 318 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 21.03.2017
Sprache Deutsch
EAN 9783832189433
Verlag DuMont Buchverlag
Originaltitel Yüzba?inin O?lu
Dateigröße 1370 KB
Übersetzer Barbara Yurtdas

Kundenbewertungen

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Er kam, lachte und starb"
von Dr. M. am 26.06.2018
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Diese Inschrift sollte seinen Grabstein zieren. Doch bevor der Sohn des Hauptmanns und Erzähler in diesem Roman sich zum Sterben aufmachte, nahm er seine Lebenserinnerungen noch mit einem alten Tonbandgerät auf. Diesen Roman muss man wohl als Abschrift auffassen. Zurück in Istanbul erinnert sich der Erzähler in der letzten Phase... Diese Inschrift sollte seinen Grabstein zieren. Doch bevor der Sohn des Hauptmanns und Erzähler in diesem Roman sich zum Sterben aufmachte, nahm er seine Lebenserinnerungen noch mit einem alten Tonbandgerät auf. Diesen Roman muss man wohl als Abschrift auffassen. Zurück in Istanbul erinnert sich der Erzähler in der letzten Phase seines Lebens vor allem an die Jahre seiner Kindheit und Jugend. Er beginnt mit dem Freitod der Mutter und schildert die wenig freudvollen Tage, die er danach mit seinem Vater und der Großmutter in einer türkischen Garnisionsstadt verbringen musste. Mit dem Alter verschwinden wohl auch viele schlechte Erinnerungen. Während sich der Erzähler am Blick auf Istanbul erfreut, kommen ihm Gedanken an seinen Internatsaufenthalt, seinen besten Freund und seine ersten heftigen sexuellen Erlebnisse, die in einem Liebesverhältnis mit dessen Mutter ihren Höhepunkt fanden. Die ganze Geschichte spielt in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts und wird mit orientalischer Weitschweifigkeit erzählt. Wem die türkische Geschichte dieser Zeit nicht geläufig ist, der findet am Ende des Buches einige Hinweise auf solche Zusammenhänge. Man muss beim Lesen auf kursiv geschriebene Worte achten und sollte dann hinten nachschlagen. Wenn man das jedoch nicht weiß, bemerkt man es erst am Ende. Im Mai 1960 kam es nach Unruhen in der Türkei zu einem Militärputsch, an dem der Vater des Erzählers unmittelbar beteiligt war. Der Roman kann keine Anspielungen auf die aktuelle Lage in der Türkei enthalten, wie einige Leser vermuten. Er wurde bereits 2014 im Original veröffentlicht. Ob er sich hingegen mit solch schwerwiegenden Fragen, wie dem Einfluss unserer Herkunft auf unser Leben tatsächlich befasst und dazu Antworten bereit hält, kann man guten Gewissens nicht beantworten. Schließlich handelt es sich nur um das Leben eines Menschens, aus dem man alles und nichts schließen kann. Was wirklich bleibt, ist eine wirklich interessante Reise in ein zu dieser Zeit für Deutsche eigentlich unbekanntes Land, in der sich ein Leben entfaltet, das uns wiederum so fremd nicht ist. Das Buch liest sich gut, setzt aber Geduld mit dem etwas weitschweifigem Stil und Neugier gegenüber einer anderen Kultur voraus.

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