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Deutschland – der ängstliche Riese

Merkel und die verunsicherte Republik

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Die »German Angst« ist zurück. Deutschlands innere Verfassung ist in einem bedenklichen Zustand. Ökonomisch eine Supermacht, moralisch längst rehabilitiert, schwankt das Land außen- und innenpolitisch zwischen Selbstverzwergung und Großmannssucht.
Wie lässt sich ein Land regieren, in dem das klassische Vier-Parteien-Modell der Nachkriegsjahre ausgedient hat, Mehrheiten labil und innerparteiliche Führung immer mühsamer werden? Soll Deutschland Europa führen, und wenn ja, wie macht man das? Haben uns die anderen dann noch gern, und falls nicht, was dann? Adrian Arnold beschreibt ein Land, dessen innere Verfassung mit seiner Stellung in der Welt nicht Schritt hält. Das nuancierte Porträt eines Landes, das mit sich im Unreinen ist und sich neu erfinden muss.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Ja
Seitenzahl 256 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 05.05.2017
Sprache Deutsch
EAN 9783280039939
Verlag Orell Füssli Verlag
Dateigröße 904 KB
eBook
15,99
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"(Deutschland) schaut immer noch auf seine dunkle Vergangenheit wie das Kaninchen auf die Schlange"
von Dr. M. am 24.06.2018
Bewertet: Kunststoff-Einband

Der Autor dieses wenigstens vom Titel her interessanten Buches "zählt zu den renommiertesten Auslandskorrespondenten in Berlin", liest man in der Innenseite des Schutzumschlages. Arnold leitet das Büro des Schweizer Fernsehsenders SRF in Berlin. Vielleicht, so mein Gedanke vor dem Lesen seines Buches, erfährt man in diesem Text, wie neutrale... Der Autor dieses wenigstens vom Titel her interessanten Buches "zählt zu den renommiertesten Auslandskorrespondenten in Berlin", liest man in der Innenseite des Schutzumschlages. Arnold leitet das Büro des Schweizer Fernsehsenders SRF in Berlin. Vielleicht, so mein Gedanke vor dem Lesen seines Buches, erfährt man in diesem Text, wie neutrale Beobachter eines neutralen Landes das Geschehen in Deutschlands Hauptstadt betrachten. Doch leider unterscheiden sich Arnolds Gedankengänge nicht wirklich von denen der deutschen Mainstream-Presse. Sie sind eher flach und zeugen nicht gerade von der Lust nach einer detaillierten und ideologiefreien Wahrheitssuche. Das sieht man bereits bei der Benutzung von Begriffen. Für Arnold hat die AfD die deutsche Politik durcheinandergebracht. Sie ist auch für ihn eine populistische Partei, die nur einfache Lösungen präsentiert, wenn überhaupt. Ganz schlimm. Einfache Lösungen gehen gar nicht, die Welt braucht komplizierte. Alle anderen Parteien sind natürlich nicht populistisch. Keine von ihnen würde jemals auf die Idee kommen, vor der Wahl etwas zu versprechen, um hinterher genau das Gegenteil zu machen. Oder ständig von Gerechtigkeit reden und damit immer genau Vorteile für die eigene Wählerschaft meinen. Arnolds Ausschweifungen über die deutsche Parteienlandschaft beweisen leider keine große Detailkenntnis. Offenbar hat er sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, ihre Programme zu lesen. Parteien, besonders die AfD, macht er lieber am Verhalten einzelner Mitglieder fest. Angela Merkel, so glaubt Arnold, wäre eine politische Erbin von Adenauer. Dabei kennt er ihren Werdegang doch ausreichend genau, um begreifen zu können, dass sie dieses Erbe weder kennt, noch jemals mochte. Mit der CDU wollte Merkel nie etwas zu tun haben. Vielmehr wäre sie bei der SPD gelandet, wenn die Herrschaften, auf die sie bei ihrem Erkundungsgang während der Wendezeit traf, persönlich angenehmer gewesen wären. Stattdessen trat sie in den Demokratischen Aufbruch ein, der irgendwie christlich und irgendwie links war. Das traf die weltanschauliche Basis ihres Elternhauses wohl am nächsten. Der politisch völlig unbedeutende DA wurde von der CDU im Osten geschluckt. Die heutige Bundeskanzlerin kam so in diese Partei ohne jemals in sie eingetreten zu sein. Von der Geschichte der alten Bundesrepublik, von der Politik Adenauers oder von Ökonomie hatte sie damals keine belastbare Kenntnis. Woher auch? Und sie war nur eine höchstens mittelmäßige Physikerin, sonst hätte sie die Wissenschaft nicht fluchtartig verlassen und eine neue Karrierechance gesucht. Die schon kultartige Bewunderung der Bundeskanzlerin durch Journalisten verblüfft immer wieder. "Der Riese Deutschland zögert, weil Angela Merkel zögert". Auch über diesen Satz (S.21) kann man sich in mehrfacher Hinsicht nur wundern. Denn damit sind wir beim Thema des Buches. Zunächst einmal zeigt Arnold, wie er Deutschland unbewusst wahrnimmt, nämlich als eine Art Monarchie mit Merkel auf dem Thron. Und damit hat er unabhängig von allen demokratischen Beschwörungsformel wohl auch irgendwie recht. Merkel zögert jedoch nicht immer, sie schafft auch resolut schlagartig Fakten, wenn sie die Gelegenheit für gekommen sieht. So hat sie Kohl abserviert, die konservativen Fundamente der CDU geschliffen, die sogenannte Energiewende über Nacht herbeigeführt und ihre Flüchtlingspolitik durchgesetzt. Ohne Parlamentsbeschlüsse und gegen das Grundgesetz (Artikel 16a). Dem Autor scheint das jedenfalls noch nicht aufgefallen zu sein. Dem ganzen Buch fehlt es leider an intellektueller Tiefenschärfe. Eine Führungsstärke, wie sie sein Autor von Deutschland fordert, würde mit Sicherheit in Süd- und Osteuropa nicht besonders gut ankommen. Man findet im Buch übrigens ein Interview, das der Autor mit Marine Le Pen geführt hat. Diese Stelle wäre eine hervorragende Vorlage gewesen, um über die Ausprägung einer deutschen Führungsrolle in Europa im Detail zu sprechen. Arnold scheitert leider an ihr, hier und auch später, weil er nicht gewillt oder nicht fähig ist, die tatsächlichen Probleme, die damit zusammenhängen, wahrzunehmen und intellektuell zu verarbeiten. Stattdessen folgt nach diesem Interview eine eigenartige Hilflosigkeit bei der Einordnung eines Kongresses rechtskonservativer Parteien in Koblenz, die in einer diffusen Angst vor einem neuen 1933 mündet. Angst kann einem dabei nur vor der hysterischen Geschichtslosigkeit werden, die offenbar auch den Autor ergriffen hat. Vielleicht helfen ihm Blicke in die Programmatik der CDU aus der Vor-Merkel-Zeit, sollte er diese Angst überwinden wollen, denn dort wird er vieles wiederfinden, was heutige rechtskonservative Parteien in Europa fordern. Weite Teile dieses Buches tragen den Charakter von Reportagen, die den Autor an verschiedene Orte in Deutschland geführt haben. Bei diesen Gelegenheiten kommt auch sein journalistisches Talent zum Vorschein. Allerdings scheint er stets in seiner eigenen Ideologie gefangen zu sein. Er sieht nur, was er sehen will. Die Inszenierung zwischen Merkel und Seehofer, die reine Show war und ist und selbstverständlich keinerlei substanzielle Folgen nach sich zog, hält er für echt. Man kann sich dann noch an den Ausführungen des Autors zu möglichen Koalitionen nach der kommenden Bundestagswahl ergötzen. Wieso kommt es auch dem Autor nicht komisch vor, dass plötzlich fast jeder mit jedem koalieren kann, wo es doch angeblich so viele Unterschiede zwischen den schon lange existierenden Parteien gibt. Am Ende des Buches findet man dann endlich einige Seiten zum Thema des Buches. Deutschland nimmt in Europa in der Tat eine schwierige Position ein. Es muss zwangsläufig führen. Doch auf der einen Seite will der angebliche Riese gar nicht, weil er an seiner Vergangenheitsfixierung leidet, andererseits kann er es gar nicht. Bis dahin hat es der Autor aber gar nicht erst geschafft. Wie steht es eigentlich um Deutschlands Souveränität tatsächlich? Wie soll Deutschland mit einer heruntergewirtschafteten, lächerlich gemachten und verächtlich behandelten Armee militärisch führen? Wie soll Deutschland bei Währungsfragen führen, wenn es so viel Stimmen im EZB-Rat besitzt wie die Finanzmacht Malta und unter gewissen Umständen gar nicht an den Sitzungen teilnehmen darf? Und was ist, wenn der Rest gar nicht von Deutschland geführt werden will, etwa so wie in der Merkelschen "Migrationspolitik"? Das sind nur einige auf der Hand liegende Fragen, bis zu denen der Autor aber gar nicht erst vordringt. Wenn ich diesem Text doch drei Sterne gebe, dann nur, weil er einige interessante Interviews beinhaltet und außerdem ein Lehrstück für einen Journalismus ist, der konsequent alle wirklich essentiellen Fragen ausblendet. Das macht ihn wiederum aus dieser Sicht wenigstens interessant.