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Der Mann ohne Eigenschaften

Erstes Buch & Zweites Buch & Druckfahnenkapitel

(9)
Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum; es wanderte ostwärts, einem über Rußland lagernden Maximum zu, und verriet noch nicht die Neigung, diesem nördlich auszuweichen. Die Isothermen und Isotheren taten ihre Schuldigkeit. Die Lufttemperatur stand in einem ordnungsgemäßen Verhältnis zur mittleren Jahrestemperatur, zur Temperatur des kältesten wie des wärmsten Monats und zur aperiodischen monatlichen Temperaturschwankung. Der Auf- und Untergang der Sonne, des Mondes, der Lichtwechsel des Mondes, der Venus, des Saturnringes und viele andere bedeutsame Erscheinungen entsprachen ihrer Voraussage in den astronomischen Jahrbüchern. Der Wasserdampf in der Luft hatte seine höchste Spannkraft, und die Feuchtigkeit der Luft war gering. Mit einem Wort, das das Tatsächliche recht gut bezeichnet, wenn es auch etwas altmodisch ist: Es war ein schöner Augusttag des Jahres 1913.
Autos schossen aus schmalen, tiefen Straßen in die Seichtigkeit heller Plätze. Fußgängerdunkelheit bildete wolkige Schnüre. Wo kräftigere Striche der Geschwindigkeit quer durch ihre lockere Eile fuhren, verdickten sie sich, rieselten nachher rascher und hatten nach wenigen Schwingungen wieder ihren gleichmäßigen Puls. Hunderte Töne waren zu einem drahtigen Geräusch ineinander verwunden, aus dem einzelne Spitzen vorstanden, längs dessen schneidige Kanten liefen und sich wieder einebneten, von dem klare Töne absplitterten und verflogen. An diesem Geräusch, ohne daß sich seine Besonderheit beschreiben ließe, würde ein Mensch nach jahrelanger Abwesenheit mit geschlossenen Augen erkannt haben, daß er sich in der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien befinde. Städte lassen sich an ihrem Gang erkennen wie Menschen. Die Augen öffnend, würde er das gleiche an der Art bemerken, wie die Bewegung in den Straßen schwingt, bei weitem früher als er es durch irgendeine bezeichnende Einzelheit herausfände. Und wenn er sich, das zu können, nur einbilden sollte, schadet es auch nichts. Die Überschätzung der Frage, wo man sich befinde, stammt aus der Hordenzeit, wo man sich die Futterplätze merken mußte. Es wäre wichtig, zu wissen, warum man sich bei einer roten Nase ganz ungenau damit begnügt, sie sei rot, und nie danach fragt, welches besondere Rot sie habe, obgleich sich das durch die Wellenlänge auf Mikromillimeter genau ausdrücken ließe; wogegen man bei etwas so viel Verwickelterem, wie es eine Stadt ist, in der man sich aufhält, immer durchaus genau wissen möchte, welche besondere Stadt das ...
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Nein i
Seitenzahl 1577 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 28.03.2017
Sprache Deutsch
EAN 9783743162488
Verlag Books on Demand
eBook
3,49
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Eine Buchhändlerin/ein Buchhändler, Thalia-Buchhandlung Berlin

Mir hat eine Eigenschaft ganz gewiss gefehlt, nämlich dieses Buch zu verstehen. Hab's trotzdem zu Ende gelesen, wollte mitreden können. Kann ich jetzt, juchu ! Mir hat eine Eigenschaft ganz gewiss gefehlt, nämlich dieses Buch zu verstehen. Hab's trotzdem zu Ende gelesen, wollte mitreden können. Kann ich jetzt, juchu !

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Der Titel verrät eigentlich schon alles. Was passiert, wenn man nie klar Position bezieht ? Lesenswert. Der Titel verrät eigentlich schon alles. Was passiert, wenn man nie klar Position bezieht ? Lesenswert.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
9 Bewertungen
Übersicht
6
2
1
0
0

Zu anstrengend
von einer Kundin/einem Kunden aus Dresden am 09.05.2013
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

ich habe nach ca. 100 Seiten (schätze ich mal, kann man ja schlecht bei ebooks) aufgehört zu lesen. es war mir zu anspruchsvoll... und auch verworren... vielleicht versuche ich es in 10 Jahren nochmal

Endlich mal für 99 Cent
von Martin aus Kirchheimbolanden am 26.04.2013
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Endlich mal diese - zugegebenermaßen - schwer verdauliche Buch zu einem fairen Preis. Von den Gratis-Versionen halte ich nichts, da deren Qualität beinahe immer zu wünschen übrig lässt. Aber bei dieser Reihe mit dem Blau/Weiß/Orangenen Cover habe ich bisher meist richtig gelegen. Aber ich fürchte fast, ich werde nicht sehr weit... Endlich mal diese - zugegebenermaßen - schwer verdauliche Buch zu einem fairen Preis. Von den Gratis-Versionen halte ich nichts, da deren Qualität beinahe immer zu wünschen übrig lässt. Aber bei dieser Reihe mit dem Blau/Weiß/Orangenen Cover habe ich bisher meist richtig gelegen. Aber ich fürchte fast, ich werde nicht sehr weit kommen. Schon in der Leseprobe hat mich die Sprache Leseenergie gekostet.

VORSICHT!!!! keine spannende Handlung vorhanden!
von einer Kundin/einem Kunden am 13.07.2011
Bewertet: Einband: Taschenbuch

"Der Mann ohne Eigenschaften" von Musil ist meiner Meinung nach eines der besten Bücher des 20. Jahrhunderts, vielleicht sogar überhaupt. Allerdings sollte man keine spannende Handlung im herkömmlichen Sinne erwarten, sondern Spaß an langen (philosophischen) Diskussionen und ausgefeilten Charakter- und Sittenporträts haben. Für Literaturanfänger ist dieser Roman also weniger... "Der Mann ohne Eigenschaften" von Musil ist meiner Meinung nach eines der besten Bücher des 20. Jahrhunderts, vielleicht sogar überhaupt. Allerdings sollte man keine spannende Handlung im herkömmlichen Sinne erwarten, sondern Spaß an langen (philosophischen) Diskussionen und ausgefeilten Charakter- und Sittenporträts haben. Für Literaturanfänger ist dieser Roman also weniger geeignet. Wenn man allerdings in die Welt der Wiener Gesellschaft kurz vor dem 1. Weltkrieg eintauchen möchte, ist er nur zu empfehlen.