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Die Markgräfin

Roman

Mit zehn ist sie verheiratet. Mit zwölf Witwe. Mit fünfzehn heiratet sie den König von Böhmen. So steht es in den Chroniken. Als sie endlich ihr eigenes Leben führen will, sperren ihre Brüder sie ein. Ihre Spur verliert sich 1542. Bis in unseren Tagen ein geheimnisvoller Fund die Geschichte der Markgräfin Barbara von Ansbach enthüllt.

Ein mitreißendes Historienepos aus Deutschland im Umbruch vom Mittelalter zur Neuzeit.

»Eine Geschichte von Machtgier, Intrigen, Liebe und Verrat - die Geschichte einer Frau, die tatsächlich gelebt hat: fesselnd bis zur letzten Seite.«

Gong
Portrait
Sabine Weigand stammt aus Franken. Sie ist promovierte Historikerin, arbeitete als Ausstellungsplanerin für Museen und ist nun Abgeordnete im bayerischen Landtag. Historische Originaldokumente und reale Frauenbiographien sind der Ausgangspunkt ihrer insgesamt neun Romane, wie ›Die Markgräfin‹, ›Die Seelen im Feuer‹ oder ›Die Tore des Himmels‹. In ›Die Manufaktur der Düfte‹ schildert sie Aufstieg und Fall einer deutschen Seifenfabrikantendynastie. Das dramatische Leben der Daisy von Pless liegt ihrem neuen Roman ›Die englische Fürstin‹ zugrunde.Literaturpreise:»Kulturmeter« Stadt Schwabach, Kulturpreis der Kulturstiftung IHK Franken
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  • Plassenburg, Dezember 2001

    Missmutig stapfte der Kastellan durch den frisch gefallenen Schnee über den Schönen Hof. Die Aussicht auf morgendliche Schneeräumaktionen ließ seine Stimmung auf den Nullpunkt sinken, vor allem weil der Beamte von der Bayerischen Schlösserverwaltung ihm gerade eröffnet hatte, dass der beantragte Zuschuss für ein Spezialräumgerät heuer wieder nicht zu erwarten war. Jeden Winter das gleiche Spiel - Anträge, Formulare, Telefonate, und dann die Ablehnung.

    Seit drei Jahren hatte Gregor Haubold nun das Amt des Kastellans auf der Plassenburg inne, und als leidenschaftlicher Heimathistoriker fühlte er sich auf der riesigen Festung wohl. Inzwischen kannte er jeden Gang und jedes verborgene Eckchen, wusste, wo der Putz bröckelte und wo bei starken Regenfällen das Wasser eindrang. Manchmal kam es ihm so vor, als ob er seit Jahrhunderten hier lebte und ein Teil des alten Gemäuers wäre. Dann stellte er sich vor, er sei herrschaftlicher Schlossvogt, und der Hof der Burg bevölkerte sich in seiner Phantasie mit geschäftig umherlaufender Dienerschaft, mit Bauern, die in Fronfuhren den Kraut- und Rübenzehnt ablieferten, mit Schweinen, Hühnern, Tauben und schwänzelnden Hunden.

    (...)

    Ansbach, September 1525

    Hoch erhobenen Hauptes schritt die kleine Markgräfin über den mit Stroh bedeckten Boden des Saales. Es raschelte, als ihre Röcke über die Halme streiften. Man hatte sie für diesen besonderen Tag in Staatsgarderobe gekleidet - sie trug ein schweres perlenbesticktes Brokatkleid, das bis zum Boden reichte, und das zierliche Häubchen der unvermählten Jungfrauen, aus der das dunkle Haar vom Hinterkopf in dicken Flechten herabfiel. Das Gehen fiel ihr schwer, steckten ihre Füße doch heute zum ersten Mal in den modischen breiten Hornschuhen. Aber der Bedeutung des Tages bewusst, gab sich die Achtjährige größte Mühe, nicht zu stolpern.

    Sie war keine Schönheit: Ihr Teint war zu dunkel, ihre Brauen zu dicht, ihr Mund zu groß, ihr Haar zu schwarz. Aber die Pocken hatten ihr Gesicht noch nicht entstellt wie das ihrer älteren Schwester, ihre Haut war glatt und weich wie Samt. Ihr schlanker Hals bog sich in sanftem Schwung und schien fast zu zart, um das schwere Haar zu tragen. Sie bewegte sich anmutig und leicht, in ihrer Gestik kündigte sich schon jetzt eine jungmädchenhafte Grazie an. Die eigenartig hellgrauen Augen blickten ernst, wie man es von der Tochter eines bedeutenden Reichsfürsten erwarten konnte. Für Kinderspiele war kein Platz in der Erziehung einer Markgrafentochter.

    Am Ende des Raumes saßen der Markgraf Friedrich von Brandenburg-Ansbach und seine Frau Sophia auf zwei schweren, geschnitzten Stühlen, daneben ein älterer Mann in fremdartiger Tracht.

    »Da wäre das Kind nun also«, sprach der Markgraf und bedeutete dem Mädchen, näher zu kommen. »Euer Liebden werden bemerken, dass sie ordentlich gewachsen und nicht hässlich ist, wie ich Eurem herzoglichen Vetter nach Schlesien geschrieben habe. Ein wohlerzogenes Kind, höflich und säuberlich. Sie kann lesen und schreiben, mit Nadel und Faden umgehen und ist im christlichen Glauben gut unterwiesen.«

    Der Gesandte, ein weitläufiger Verwandter des letzten Herzogs von Groß-Glogau und Crossen, nickte zufrieden und antwortete: »Ein ansehnliches Mädchen fürwahr, Euer Gnaden - und ihre Gesundheit steht ja wohl außer Frage?«

    »Wenn sie ihrer Frau Mutter nachschlägt«, und damit wandte sich der Markgraf verschmitzt an seine Ehefrau, die ihm bereits sechs Kinder geboren hatte, von denen allerdings zwei kurz nach der Geburt gestorben waren, »so dürfte der Nachwuchs des Herzogshauses zahlreich werden, so Gott will. Und natürlich sofern der Herzog will.« Der Markgraf lachte, dass sein Bauch bebte.

    Die kleine Markgräfin stand stolz vor ihrem Begutachter. Sie war die erste der markgräflichen Töchter, für die man einen Antrag erhalten hatte, und sie wollte sich ihrer Familie wohl würdig erwei-sen. Also tat sie, wie man ihr eingeschärft hatte: Sie machte einen tiefen Knicks, hielt die Augen auf den Boden gerichtet und sagte gar nichts. Die Markgräfinmutter, eine ehemals ungarische Prinzessin, erhob sich von ihrem Polster, nahm das Kind bei der Hand und führte es zum herzoglich-glogauischen Gesandten.

    »Gott zum Gruß zuvor, Euer kleine Liebden, von meinem Herrn und Anverwandten, dem Herzog von Groß-Glogau und Crossen. Solch ein Fräulein von Anmut und Schönheit wie Euch habe ich nicht erwartet«, schmeichelte der Gesandte.

    Das Kind sprach mit erstaunlich dunkler Stimme und ernsten Augen.

    »Dank für den Gruß, hoher Herr, und willkommen zu Ansbach auch von mir.«

    »Ihr hört, sie spricht vernünftig, und ist auch kein Fehl an ihrer jungfräulichen Bildung - dafür bürgt mein Wort«, wandte sich der Markgraf an seinen Besucher. Gleichzeitig wedelte er mit der linken Hand und entließ damit seine Tochter, ohne sie noch eines Blickes zu würdigen. Das Mädchen drehte sich vorsichtig um, warf die Fülle des Kleides mit einer etwas ungeschickten Bewegung und einem Schlenker ihrer Hüfte hinter sich und schritt langsam, um nur ja nicht zu stolpern, wieder durch die Tür hinaus.

    Damit war die Hochzeit zwischen Barbara, Markgräfin von Brandenburg-Ansbach, und Heinrich, dem letzten Herzog von Groß-Glogau, beschlossene Sache.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 480
Erscheinungsdatum 01.09.2005
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-596-15935-2
Verlag Fischer Taschenbuch Verlag
Maße (L/B/H) 19,1/12,8/4 cm
Gewicht 417 g
Auflage 11. Auflage
Verkaufsrang 21768
Buch (Taschenbuch)
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Kundenbewertungen

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Die Plassenburg in Franken im 16. Jahrhundert
von einer Kundin/einem Kunden am 23.10.2011

Mit zehn ist sie verheiratet. Mit zwölf verwitwet. Mit fünfzehn heiratet sie den König von Böhmen. So steht es in den Chroniken. Als sie endlich ihr eigenes Leben führen will, sperren ihre Brüder sie ein. Ihre Spur verliert sich 1542. Bis in unseren Tagen ein geheimnisvoller Fund die Geschichte der Markgräfin Barbara von Ansbach... Mit zehn ist sie verheiratet. Mit zwölf verwitwet. Mit fünfzehn heiratet sie den König von Böhmen. So steht es in den Chroniken. Als sie endlich ihr eigenes Leben führen will, sperren ihre Brüder sie ein. Ihre Spur verliert sich 1542. Bis in unseren Tagen ein geheimnisvoller Fund die Geschichte der Markgräfin Barbara von Ansbach enthüllt. Ein mitreissendes Historienepos aus Deutschland im Umbruch vom Mittelalter zur Neuzeit. Folgen Sie der Spur. Entdecken Sie das Geheimnis der Markgräfin....

Spitzenklasse!!!
von joelina aus Taunusstein am 16.08.2011

Ein tolles, ergreifendes und spannendes Buch - von der ersten bis zur letzten Seite. Das Buch ist aufgeteilt in Vergangenheit und Gegenwart und das macht es so interessant. Es ist flüssig und gut geschrieben und gibt einen interessanten Einblick in die damalige Zeit. Ich lese nicht so viele historische Romane, aber dieses hat mi... Ein tolles, ergreifendes und spannendes Buch - von der ersten bis zur letzten Seite. Das Buch ist aufgeteilt in Vergangenheit und Gegenwart und das macht es so interessant. Es ist flüssig und gut geschrieben und gibt einen interessanten Einblick in die damalige Zeit. Ich lese nicht so viele historische Romane, aber dieses hat mich dermaßen gefesselt und bewegt, dass ich auf alle Fälle noch weitere Bücher von Frau Weigand lesen werde. Absolute Kaufempfehlung.

Wahre Geschichte
von Horst R. aus Wien am 21.01.2009

Ich finde dieses Buch sehr gut da man viel leicht verständliches Wissen hineingepackt hat. Die Mischung zwischen damals und heute ist sehr gut gelungen. Konnte teilweise das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Es beschreibt die Zeit wie es damals wirklich war und man kann sich sehr gut hineinversetzen. Empfehlenswert.