Warenkorb
if (typeof merkur !== 'undefined') { $(document).ready(merkur.config('COOKIECONSENT').init); }

Die Obstdiebin oder Einfache Fahrt ins Landesinnere


Als das »Letzte Epos« (mit großem »L«) hat Peter Handke seinen neuen Roman bezeichnet. Mit der Niederschrift begann er am 1. August 2016: »Diese Geschichte hat begonnen seinerzeit an einem jener Mittsommertage, da man beim Barfußgehen im Gras wie eh und je zum ersten Mal im Jahr von einer Biene gestochen wird.« Dieser Stich wird, wie der Autor am 2. August festhält, zum »Zeichen«. »Ein gutes oder ein schlechtes? Weder als gutes noch als ein schlechtes, gar böses – einfach als ein Zeichen. Der Stich jetzt gab das Zeichen, aufzubrechen. Zeit, daß du dich auf den Weg machst. Reiß dich los von Garten und Gegend. Fort mit dir. Die Stunde des Aufbruchs, sie ist gekommen.«

Die Reise führt aus der Niemandsbucht, Umwegen folgend, sie suchend, in das Landesinnere, wo die Obstdiebin, »einfache Fahrt«, keine Rückfahrt, bleiben wird, oder auch nicht?. Am 30. November 2016, dem letzten Tag der Niederschrift des Epos, resumiert Peter Handke die ungeheuerlichen und bisher nie gekannten Gefahren auf ihrem Weg dorthin: »Was sie doch in den drei Tagen ihrer Fahrt ins Landesinnere alles erlebt hatte: seltsam. Oder auch nicht? Nein, seltsam. Bleibend seltsam. Ewig seltsam.«
Portrait
Peter Handke wird am 6. Dezember 1942 in Griffen (Kärnten) geboren. Die Familie mütterlicherseits gehört zur slowenischen Minderheit in Österreich; der Vater, ein Deutscher, war in Folge des Zweiten Weltkriegs nach Kärnten gekommen. Zwischen 1954 und 1959 besucht Handke das Gymnasium in Tanzenberg (Kärnten) und das dazugehörige Internat. Nach dem Abitur im Jahr 1961 studiert er in Graz Jura. Im März 1966, Peter Handke hat sein Studium vor der letzten und abschließenden Prüfung abgebrochen, erscheint sein erster Roman Die Hornissen. Im selben Jahr 1966 erfolgt die Inszenierung seines inzwischen legendären Theaterstücks Publikumsbeschimpfung in Frankfurt am Main in der Regie von Claus Peymann.

Seitdem hat er mehr als dreißig Erzählungen und Prosawerke verfaßt, erinnert sei an: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1970), Wunschloses Unglück (1972), Der kurze Brief zum langen Abschied (1972), Die linkshändige Frau (1976), Das Gewicht der Welt (1977), Langsame Heimkehr (1979), Die Lehre der Sainte-Victoire (1980), Der Chinese des Schmerzes (1983), Die Wiederholung (1986), Versuch über die Müdigkeit (1989), Versuch über die Jukebox (1990), Versuch über den geglückten Tag (1991), Mein Jahr in der Niemandsbucht (1994), Der Bildverlust (2002), Die Morawische Nacht (2008), Der Große Fall (2011), Versuch über den Stillen Ort (2012), Versuch über den Pilznarren (2013). 

Auf die Publikumsbeschimpfung 1966 folgt 1968, ebenfalls in Frankfurt am Main uraufgeführt, Kaspar. Von hier spannt sich der Bogen weiter über Der Ritt über den Bodensee 1971), Die Unvernünftigen sterben aus (1974), Über die Dörfer (1981), Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land (1990), Die Stunde da wir nichts voneinander wußten (1992), über den Untertagblues (2004) und Bis daß der Tag euch scheidet (2009) über das dramatische Epos Immer noch Sturm (2011) bis zum Sommerdialog Die schönen Tage von Aranjuez (2012) zu Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße (2016).

Darüber hinaus hat Peter Handke viele Prosawerke und Stücke von Schriftsteller-Kollegen ins Deutsche übertragen: Aus dem Griechischen Stücke von Aischylos, Sophokles und Euripides, aus dem Französischen Emmanuel Bove (unter anderem Meine Freunde), René Char und Francis Ponge, aus dem Amerikanischen Walker Percy.

Sein Werk wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Die Formenvielfalt, die Themenwechsel, die Verwendung unterschiedlichster Gattungen (auch als Lyriker, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur ist Peter Handke aufgetreten) erklärte er selbst 2007 mit den Worten: »Ein Künstler ist nur dann ein exemplarischer Mensch, wenn man an seinen Werken erkennen kann, wie das Leben verläuft. Er muß durch drei, vier, zeitweise qualvolle Verwandlungen gehen.«

2019 wurde Peter Handke mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.
… weiterlesen
  • Artikelbild-0
In den Warenkorb

Beschreibung

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 559
Erscheinungsdatum 13.11.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-42757-6
Verlag Suhrkamp
Maße (L/B/H) 20,6/13,4/3,4 cm
Gewicht 544 g
Auflage 3. Auflage
Buch (gebundene Ausgabe)
Buch (gebundene Ausgabe)
34,00
34,00
inkl. gesetzl. MwSt.
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort lieferbar Versandkostenfrei
Sofort lieferbar
Versandkostenfrei
In den Warenkorb
PAYBACK Punkte
Vielen Dank für Ihr Feedback!
Entschuldigung, beim Absenden Ihres Feedbacks ist ein Fehler passiert. Bitte versuchen Sie es erneut.
Ihr Feedback zur Seite
Haben Sie alle relevanten Informationen erhalten?
Ihr Feedback ist anonym. Wir nutzen es, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Wenn Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kundenservice wenden.

Buchhändler-Empfehlungen

Die Obstdiebin

Tina Dammer, Thalia-Buchhandlung Baden-Baden

Die Geschichte beginnt an einem Spätsommertag mit einem Bienenstich. Der Ich-Erzähler macht sich auf den Weg und sucht die Obstdiebin...Es geht bei Handke nicht primär um die Handlung. Es ist eher die feine Wahrnehmung von Natur und Menschen. Ein großartiges Buch in sehr schöner Sprache. Literatur vom Feinsten!

Reise ins Innere

Laura Donauer, Thalia-Buchhandlung Landau

"Was sie doch in den drei Tagen ihrer Fahrt ins Landesinnere alles erlebt hatte: seltsam. Oder auch nicht ? Nein, seltsam. Bleibend seltsam. Ewig seltsam." Handke ist anders. Denkt anders, schreibt anders. Erzählt seine Geschichten anders. Und doch, wenn man ganz genau hinschaut, wenn man sich einlässt, auf das Geschehen, auf die Figuren, auf das langsame Vorbeigleiten des alltäglichen Lebens, dann erkennt man sie ganz deutlich: die Gemeinsamkeiten, die kleinen, winzigen Details unseres Lebens, die wir, in unserer Hektik, in der Schnelllebigkeit der Gesellschaft, immer wieder übergehen, fast nicht mehr wahrnehmen, denen Handke aber Aufmerksamkeit schenkt, denen er Seite um Seite widmet und sie in den Glanz das Außergewöhnlichen rückt. "Die Obstdiebin" ist kein einfaches Buch, dessen muss man sich bewusst sein. Es ist kein Buch, dass man nebenher lesen kann, dass man sich zu Hand nimmt, um abzuschalten und sich für einem Moment aus dem Alltag zurückzuziehen. Stattdessen fordert sie ein, diese Obstdiebin. Sie verlangt all unsere Aufmerksamkeit, zwingt uns dazu Sätze wieder und wieder zu lesen, zwingt uns dazu, zurückzublättern, zu wiederholen. Vor allem aber zwingt sie uns Innezuhalten. Nachzudenken. Zu reflektieren. Wir begleiten sie auf ihrer Reise. Sie, die Obstdiebin, Alexa. Wir begleiten sie auf ihrer Reise ins Landesinnere, nehmen die Welt aus ihren Augen wahr, die kleinen Dinge, die wir doch so gerne übersehen. Und gleichzeitig begleiten wir auch ihn, unseren namenlosen Erzähler, Handke nicht unähnlich, der sich zu derselben Zeit auf den Weg macht. Wir reisen mit ihnen, treffen auf ungewöhnliche Weggefährten und treffen, vor allem und hauptsächlich, auf das Menschsein an sich. Denn während wir zusammen Kilometer um Kilometer zurücklegen, reisen wir weit hinein in unsere eigene Existenz. Denn es ist weniger das Geschehen an sich, dass in der "Obstdiebin" im Vordergrund steht. Es ist das Existieren als Tätigkeit, viel mehr als nur als bloßer Zustand, das das zentrale Element des Buches ausmacht. Wieso bin ich? Wer bin ich? Und vor allem wie bin ich? Wie nehme ich die Welt um mich herum wahr? Was nehme ich wahr? Handke reißt uns heraus aus der Schnelllebigkeit der Zeit, aus der Effektivität als permanentes Bestreben und dem Profit als Gewinn in Aussicht. Und so treffen während der Reise schließlich die äußeren Begebenheiten auf die Inneren, das Wahrnehmen der Außenwelt auf das Empfinden an sich und der Kontrast zwischen beiden Zuständen tritt grell stechend zu Tage. Handke spielt mit der Sprache, baut ungestüme Satzkonstruktion auf ungestüme Satzkonstruktion, spielt mit Rhythmus, Syntax und stellt die Pragmatik auf ein ganz eigenes Level. Und genau das ist es, was das Lesen stellenweise etwas anstrengend macht, was eine Genauigkeit erfordert, die mitunter mühsam ist. Durch seine ganz eigene Art zu Schreiben zwingt uns Handke uns einzig und allein der Obstdiebin zu zuwenden, zwingt uns, alles andere beiseite zu legen, weil es sonst gar nicht möglich ist, dem Inhalt des Buches zu folgen. Dieser Aspekt ist es, der dieses Buch so außergewöhnlich macht, der ihm einen ganz besonderen Reiz verleiht. Es ist dieser Zwang, alles andere stehen und liegen zu lassen, um Alexa durch die französische Landschaft folgen zu können. Es bleibt dem Leser überhaupt nichts anderes übrig, als der Gleichförmigkeit des Alltages zu entfliehen. Handkes Spiel mit den kleinen Dingen und seine Angewohnheit, das Alltägliche in ein besonderes Licht zu rücken machen dieses Buch so unfassbar lesenswert macht, obwohl es den Leser hin und wieder durchaus an seine Grenzen führt. Auf Handke muss man sich einlassen - dann kann nur belohnt werden.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
5 Bewertungen
Übersicht
3
0
1
1
0

Mühsam
von einer Kundin/einem Kunden aus Bludenz am 19.12.2019

Ich habe das Buch gekauft, weil Handke den Nobelpreis 2019 erhalten hat. Ich versuche, jedes Jahr ein Werk des aktuellen Nobelpreisträgers zu lesen. Mich interessiert, was das Besondere dieser Autoren ausmacht. Mit der Obstdiebin habe ich wohl einen Fehlgriff getan? Meine erste Frage: Wo ist die Handlung? Mir hat sich keine ers... Ich habe das Buch gekauft, weil Handke den Nobelpreis 2019 erhalten hat. Ich versuche, jedes Jahr ein Werk des aktuellen Nobelpreisträgers zu lesen. Mich interessiert, was das Besondere dieser Autoren ausmacht. Mit der Obstdiebin habe ich wohl einen Fehlgriff getan? Meine erste Frage: Wo ist die Handlung? Mir hat sich keine erschlossen! Das Lesen, überhaupt, bereitet ausgesprochen große Mühe! Satzkonstruktionen, die durchaus eine halbe Seite umfassen .... Meine zweite Frage: Warum soll man das Buch lesen? Mir fehlt die Antwort

Gemischte Gefühle
von einer Kundin/einem Kunden aus Bern am 15.04.2018

Es braucht schon einige Geduld, um diese Erzählung zu lesen. Jenseits allen Mediengeschreis beschreibt der Autor romantisierend und ziemlich entschleunigend seinen Aufbruch zur Suche nach der Obstdiebin und deren Geschichte. Mir wurde es nach rund 100 Seiten doch etwas zu verträumt langweilig und zusehends befremdlich. Vielleich... Es braucht schon einige Geduld, um diese Erzählung zu lesen. Jenseits allen Mediengeschreis beschreibt der Autor romantisierend und ziemlich entschleunigend seinen Aufbruch zur Suche nach der Obstdiebin und deren Geschichte. Mir wurde es nach rund 100 Seiten doch etwas zu verträumt langweilig und zusehends befremdlich. Vielleicht eher für Leser mit einer Sehnsucht nach traditionellem Landleben? Bin schon etwas enttäuscht, kann mir aber einige Leser vorstellen, denen solch sisyphusartigen Texte zusagen.