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Das Ministerium des äußersten Glücks

MP3 Format, Lesung. Ungekürzte Ausgabe

(18)
Auf einem Friedhof in der Altstadt von Delhi wird ein handgeknüpfter Teppich ausgerollt. Auf einem Bürgersteig taucht plötzlich ein Baby auf. In einem verschneiten Tal schreibt ein Vater einen Brief an seine 5-jährige Tochter über die vielen Menschen, die zu ihrer Beerdigung kamen. In einem Zimmer im 2. Stock liest eine einsame Frau die Notizbücher ihres Geliebten. Im Jannat Guest House umarmen sich im Schlaf zwei Menschen, als ob sie sich eben erst getroffen hätten – aber sie kennen sich schon ein Leben lang.

Voller Inspiration, Gefühl und Überraschungen beweist der Roman in jedem Moment Arundhati Roys Kunst. Ihre Helden werden von der Welt zerbrochen, aber durch die Liebe geheilt. Und so werden sie unbezwingbar.
Portrait
Roy, Arundhati
Arundhati Roy wurde 1959 geboren, wuchs in Kerala auf und lebt in Neu-Delhi. Den internationalen Durchbruch schaffte sie mit ihrem Debüt 'Der Gott der kleinen Dinge', für das sie 1997 den Booker Prize erhielt. Aus der Weltliteratur der Gegenwart ist er nicht mehr wegzudenken. In den letzten zehn Jahren widmete sie sich außer ihrem politischen und humanitären Engagement vor allem ihrem zweiten Roman 'Das Ministerium des äußersten Glücks' (2016). Dieser Roman wurde mit dem Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch 2017 ausgezeichnet.

Blum, Gabriele
Gabriele Blum ist Mitbegründerin der Bremer Shakespeare Company sowie des Theater aus Bremen/TAB. Als Schauspielerin, Regisseurin und Autorin hat sie an zahlreichen Theaterinszenierungen mitgewirkt. Vielseitigkeit zeichnet auch ihre Arbeit als Hörbuchsprecherin aus. Ob klassische Stoffe, Kinderbuch oder blutige Krimis - mit ihrer warmen, reifen Stimme macht sie jede Lesung zu einem spannenden Ereignis.
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Beschreibung

Produktdetails


Medium MP3-CD
Sprecher Gabriele Blum
Anzahl 3
Erscheinungsdatum 11.08.2017
Sprache Deutsch
EAN 9783839815878
Genre Belletristik
Verlag Argon
Auflage 2. Auflage
Spieldauer 00:00:00
Übersetzer Anette Grube
Hörbuch (MP3-CD)
27,99
inkl. gesetzl. MwSt.
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Buchhändler-Empfehlungen

Friederike Foerster, Thalia-Buchhandlung Bonn

In Indien bilden transsexuelle eine eigene Gesellschaft in der Gesellschaft aus. Roy beschreibt hier eine ungewöhnliche Suche nach dem Glück! Toll! In Indien bilden transsexuelle eine eigene Gesellschaft in der Gesellschaft aus. Roy beschreibt hier eine ungewöhnliche Suche nach dem Glück! Toll!

„Anspruchsvolle Unterhaltung“

Ulrike Walther, Thalia-Buchhandlung Gotha

Der neue Roman von Arundhati Roy lässt einen nach der Lektüre fast atemlos zurück, so berührend, bunt und exotisch sind die Geschichten der Protagonisten. Ein außergewöhnlich komponiertes Meisterstück. Der neue Roman von Arundhati Roy lässt einen nach der Lektüre fast atemlos zurück, so berührend, bunt und exotisch sind die Geschichten der Protagonisten. Ein außergewöhnlich komponiertes Meisterstück.

Heike Fischer, Thalia-Buchhandlung Hürth

Keine leichte Kost aber wieder faszinierend geschrieben!
Indien ohne Weichzeichner...
Einfach gewaltig
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„Ich bewundere Aundhati Roy für ihren Mut.“

Inga Roos, Thalia-Buchhandlung Hamburg

Schon 2010 musste sich Arundhati Roy vor Gericht für ihre Meinung zum Kaschmir-Konflikt verantworten, mit diesem Buch wird sie sich wiederum nicht nur Freunde in Indien gemacht haben. Wenn die Bestsellerautorin schreibt, wird ihre Tastatur zur Waffe gegen die Ausbeutung der Frauen, gegen die indische Kastengesellschaft, gegen den Hass der Hindus gegen die islamische Minderheiten im Land und gegen den ungerechtfertigten Einsatz indischer Soldaten in der Kaschmir-Region. Von der Cover-Gestaltung und dem Titel scheint das Buch die exotische indische Atmosphäre zu versprechen wie eine Reise broschüre. Aber die vielen Geschichten, in der von Mord, Folter, Unterdrückung und religiösen Massakern berichtet wird, schockierten mich. Zumal ich selbst vor Jahren in Indien gereist bin.

Der Roman besteht aus sehr vielen kleinen Geschichten und Abschweifungen, welche die Dimension des indischen Staates, mit all seinen verschiedenen Sprachen, Kasten und kulturellen Gegebenheiten Stimmen verleihen. Da ist beispielsweise die recht lange Geschichte von Anjum, die mit zwei Geschlechtern geboren wurde, zum Mann bestimmt, aber lieber Frau sein wollte und einem Massaker nur deshalb entkommt, weil solche Hujas im Hinduismus Glück bedeuten. Die Hauptgeschichte dreht sich um Tilo, einer christlichen Inderin aus Kerala, und Musa, einen Rebellen aus der Kaschmir-Region. Ihre Liebe und Freundschaft ist aber nur ein kleiner Teil des Romans.

Dieser Roman hat mein Wissen über die Region und seine Krisen erweitert und ich empfehle es allen Lesern, die sich für die Hintergründe zu diesem Konflikt interessieren und sich auch kritisch mit der komplexen gesellschaftlichen Situation Indiens beschäftigen wollen. Arundhati Roy bewundere ich sehr für ihren Mut, allerdings ist das Buch definitiv keine leichte Kost und ich würde es niemanden geben, der einen Indien-Urlaub zum entspannen und inspirieren plant.
Schon 2010 musste sich Arundhati Roy vor Gericht für ihre Meinung zum Kaschmir-Konflikt verantworten, mit diesem Buch wird sie sich wiederum nicht nur Freunde in Indien gemacht haben. Wenn die Bestsellerautorin schreibt, wird ihre Tastatur zur Waffe gegen die Ausbeutung der Frauen, gegen die indische Kastengesellschaft, gegen den Hass der Hindus gegen die islamische Minderheiten im Land und gegen den ungerechtfertigten Einsatz indischer Soldaten in der Kaschmir-Region. Von der Cover-Gestaltung und dem Titel scheint das Buch die exotische indische Atmosphäre zu versprechen wie eine Reise broschüre. Aber die vielen Geschichten, in der von Mord, Folter, Unterdrückung und religiösen Massakern berichtet wird, schockierten mich. Zumal ich selbst vor Jahren in Indien gereist bin.

Der Roman besteht aus sehr vielen kleinen Geschichten und Abschweifungen, welche die Dimension des indischen Staates, mit all seinen verschiedenen Sprachen, Kasten und kulturellen Gegebenheiten Stimmen verleihen. Da ist beispielsweise die recht lange Geschichte von Anjum, die mit zwei Geschlechtern geboren wurde, zum Mann bestimmt, aber lieber Frau sein wollte und einem Massaker nur deshalb entkommt, weil solche Hujas im Hinduismus Glück bedeuten. Die Hauptgeschichte dreht sich um Tilo, einer christlichen Inderin aus Kerala, und Musa, einen Rebellen aus der Kaschmir-Region. Ihre Liebe und Freundschaft ist aber nur ein kleiner Teil des Romans.

Dieser Roman hat mein Wissen über die Region und seine Krisen erweitert und ich empfehle es allen Lesern, die sich für die Hintergründe zu diesem Konflikt interessieren und sich auch kritisch mit der komplexen gesellschaftlichen Situation Indiens beschäftigen wollen. Arundhati Roy bewundere ich sehr für ihren Mut, allerdings ist das Buch definitiv keine leichte Kost und ich würde es niemanden geben, der einen Indien-Urlaub zum entspannen und inspirieren plant.

Melanie Winkler, Thalia-Buchhandlung Norderstedt

Ein sehr schwieriges Buch - poetisch und doch hart realistisch, warmherzig und verstörend brutal.... Roy erzählt aus dem alltäglichen Leben in Indien, schonungslos und beklemmend. Ein sehr schwieriges Buch - poetisch und doch hart realistisch, warmherzig und verstörend brutal.... Roy erzählt aus dem alltäglichen Leben in Indien, schonungslos und beklemmend.

Marcel Armlich, Thalia-Buchhandlung Düren

Wow, einfach wow! Ein opulenter und facettenreicher Roman vom Subkontinent Indien. Lassen Sie sich in eine Welt entführen, die in großartigen Bildern stimmungsvoll erzählt wird. Wow, einfach wow! Ein opulenter und facettenreicher Roman vom Subkontinent Indien. Lassen Sie sich in eine Welt entführen, die in großartigen Bildern stimmungsvoll erzählt wird.

„Das Glück an den unwahrscheinlichsten Orten“

Laura Schwartz, Thalia-Buchhandlung Landau

Eine Stimme für die Vertriebenen und die Außenseiter, ein Gesellschaftsporträt, Ruin, Gewalt, Armut. Roy nimmt uns wieder mit auf eine Reise durch Indien, die Ihnen über weite Strecken den Atem rauben wird. Der Roman ist komplex, fordert einiges an Durchhaltevermögen und Konzentration, aber belohnt mit starken, unabhängigen Frauenfiguren, Einblicke in die indische Gesellschaft und dem Brechen aller Tabus. Nach dem "Gott der kleinen Dinge" brilliert Roy erneut auf eine herausragende Art! Eines der Bücher des Jahres 2017. Eine Stimme für die Vertriebenen und die Außenseiter, ein Gesellschaftsporträt, Ruin, Gewalt, Armut. Roy nimmt uns wieder mit auf eine Reise durch Indien, die Ihnen über weite Strecken den Atem rauben wird. Der Roman ist komplex, fordert einiges an Durchhaltevermögen und Konzentration, aber belohnt mit starken, unabhängigen Frauenfiguren, Einblicke in die indische Gesellschaft und dem Brechen aller Tabus. Nach dem "Gott der kleinen Dinge" brilliert Roy erneut auf eine herausragende Art! Eines der Bücher des Jahres 2017.

B. Schumacher, Thalia-Buchhandlung Hamburg


Einzelne Schicksale verschiedener Randgruppen werden hier in einer schönen Sprache zu einem opulenten Indien-Roman verbunden.
Realistisch, nicht geschönt!
Ein tolles Buch!

Einzelne Schicksale verschiedener Randgruppen werden hier in einer schönen Sprache zu einem opulenten Indien-Roman verbunden.
Realistisch, nicht geschönt!
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„Indien im Wandel - Indien im Trend...“

Manuela Quarz, Thalia-Buchhandlung Köln

Seit dem " Gott der kleinen Dinge " haben sich die Verhältnisse in Indien geändert, doch absolut nicht nur zum Besseren . Politische Konflikte, Armut , Gewalt und Verzweiflung sind an der Tagesordnung . Arundhati Roy ist aber auch hier auf der Seite der Außenseiter , der Verlierer und derer mit dem scheinbar unausweichlichen Schicksal. Provokant und voll spürbarer Liebe zum Leben und den Menschen erzählt sie uns meisterlich und in wunderschönen Bildern davon - ein großartiges Leseerlebnis , was den Leser komplett in eine andere Welt versetzt und alles rundherum vergessen lässt ! Seit dem " Gott der kleinen Dinge " haben sich die Verhältnisse in Indien geändert, doch absolut nicht nur zum Besseren . Politische Konflikte, Armut , Gewalt und Verzweiflung sind an der Tagesordnung . Arundhati Roy ist aber auch hier auf der Seite der Außenseiter , der Verlierer und derer mit dem scheinbar unausweichlichen Schicksal. Provokant und voll spürbarer Liebe zum Leben und den Menschen erzählt sie uns meisterlich und in wunderschönen Bildern davon - ein großartiges Leseerlebnis , was den Leser komplett in eine andere Welt versetzt und alles rundherum vergessen lässt !

„Indische Weltliteratur !“

Ruth Roßmeisl, Thalia-Buchhandlung Regensburg

Ein opulentes und kaleidoskopreiches Buch, welches den Leser quer durch den indischen Kontinent führt. Die lange Wartezeit von 20 Jahren auf die Wiederkehr der Schriftstellerin Arundhati Roy hat sich wahrlich gelohnt und offenbart dem Leser grandiose Weltliteratur. Schon 1997 verschlang ich Ihren ersten Roman " Der Gott der kleinen Dinge" . "Das Ministerium des äußersten Glücks" versetzte mich sofort wieder in das farbenprächtige , schillernde Indien und begeistert besonders auch durch die bildhafte und stimmungsvolle Sprache. Ein wahrer Genuß ! Ein opulentes und kaleidoskopreiches Buch, welches den Leser quer durch den indischen Kontinent führt. Die lange Wartezeit von 20 Jahren auf die Wiederkehr der Schriftstellerin Arundhati Roy hat sich wahrlich gelohnt und offenbart dem Leser grandiose Weltliteratur. Schon 1997 verschlang ich Ihren ersten Roman " Der Gott der kleinen Dinge" . "Das Ministerium des äußersten Glücks" versetzte mich sofort wieder in das farbenprächtige , schillernde Indien und begeistert besonders auch durch die bildhafte und stimmungsvolle Sprache. Ein wahrer Genuß !

Kundenbewertungen

Durchschnitt
18 Bewertungen
Übersicht
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0

Äusserstes Glück
von einer Kundin/einem Kunden aus Turbenthal am 09.12.2017
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Schwere Kost! Ich versuchte zu Beginn, alles zu verstehen, alle Begriffe nachzuschlagen, alle Namen zu speichern. Und bin grandios gescheitert. Dann habe ich mich treiben lassen, habe darauf vertraut, dass alles seine Richtigkeit findet. Genau so habe ich einen guten Weg in ein grossartiges Werk gefunden. Indien ist wie... Schwere Kost! Ich versuchte zu Beginn, alles zu verstehen, alle Begriffe nachzuschlagen, alle Namen zu speichern. Und bin grandios gescheitert. Dann habe ich mich treiben lassen, habe darauf vertraut, dass alles seine Richtigkeit findet. Genau so habe ich einen guten Weg in ein grossartiges Werk gefunden. Indien ist wie das Buch. Das Buch ist wie Indien. Verwirrend, unfassbar für uns, voller Leben und Tod. Ich habe mit dieser Lektüre - so meine ich - viel erfahren über ein Indien, von dem ich offensichtlich nichts gewusst habe. Eine Reise tief hinein in eine völlig andere Welt. Mit einer warmherzigen, zornigen und liebevollen Reiseführerin. Danke dafür!

Schillerndes Indien!
von einer Kundin/einem Kunden aus Frankenthal am 25.10.2017
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Ein großartiger Roman über das heutige Indien. Facettenreich erzählt Roy von den ausgestoßenen Helden Indiens. Um historische Zusammenhänge zu verstehen, ist es sehr hilfreich Wikipedia parallel geöffnet zu haben!

Indien - mitfühlend und mitmenschlich, auf der anderen Seite grausam und voller Unmenschlichkeit
von einer Kundin/einem Kunden aus Hahnenbach am 05.10.2017
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Es heißt, Arundhati Roy habe an dem Buch DAS MINISTERIUM des ÄUSSERSTEN G L Ü C K S“ zehn Jahre lang geschrieben. Wer in dieses Buch eintaucht, der versteht sofort warum es so lange dauerte, dieses Werk zu vollenden. Es ist ein lebendiger Roman, voller Wärme und Großherzigkeit, als... Es heißt, Arundhati Roy habe an dem Buch DAS MINISTERIUM des ÄUSSERSTEN G L Ü C K S“ zehn Jahre lang geschrieben. Wer in dieses Buch eintaucht, der versteht sofort warum es so lange dauerte, dieses Werk zu vollenden. Es ist ein lebendiger Roman, voller Wärme und Großherzigkeit, als auch schier unerträglicher Grausamkeit. Beides will vom Leser erarbeitet werden. Mit welchen Vorstellungen verbinden wir Indien heute, 70 Jahren nach der Unabhängigkeit vom British Empire? Kinderarbeit? Armut? IT Spezialisten? Gurus und Bollywood? Im Grunde sind es zwei Roman, die erst gegen Ende des Buches zusammenlaufen. Aftab wird geboren. Ein Junge, wie seine Mutter immer wieder betont und wie sie viele Jahre versichert. Doch Aftab ist nicht eindeutig ein Junge, er hat auch die Merkmale eines Mädchens. Seite 22: „ Während der ersten Lebensjahre war Jahanara Begums Geheimnis sicher. Sie wartete darauf, dass sein Mädchenanteil heilte....“ Mädchensein als Makel. Es ist nicht mehr zu leugnen, er gehört zu den Hijras, Menschen, die nicht eindeutig des weiblichen oder männlichen Geschlechts zuzuordnen sind, da sie beide Merkmale an ihrem Körper vereinen. Doch Aftab entwickelt sich, begreift irgendwann, dass er sich fühlt wie ein Mädchen. Er - nein sie muss ihren ganz eigenen Lebensweg gehen. Es wird ihr nicht einfach gemacht. Doch sie trifft auf Menschen, die das gleiche Schicksal teilen. Jahre später lebt sie auf dem Friedhof, schläft zwischen Gräbern. Baut mit Saddam Hussein, einem anderen Menschen, der aus seinem Leben gefallen ist, ein Gästehaus neben den Friedhof, eröffnet danach ein Bestattungsinstitut, bei dem Verstorbene einen würdigen Abschied finden, die es sich ansonsten nicht leisten könnten. Aftab oder besser Anjum ist nicht mehr allein. Es gibt mehrere Gestrandete, die sie in ihrem Leben begleiten. Dieser Teil des Buches ist meist in einer blumigen Sprache verfasst wie wir sie im Westen kaum verwenden. Voller Wärme, Zuneigung und Mitmenschlichkeit, dass es den Leser anrührt. Doch nach und nach wandelt sich der Schreibstil, die Sprache wird härter, genau wie die erzählte Geschichte. Es ist von Umsiedlung der Armen die Rede. Seite 132: „Irgendjemand zahlt immer den Preis für den Fortschritt“ – wie wahr. Seite 133: „Überschüssige Mütter hockten wie Spatzen auf dem Schutt, der einst ihr Zuhause gewesen war, und sangen überschüssige Kinder in den Schlaf“. Stärker kann man Armut und das Gefühl unerwünscht zu sein nicht beschreiben. Es sind Menschen, die nicht gebraucht werden. Auch das ist Indien. Wir finden uns in der Welt der Herrschaft mit ihren Dienstboten, während sich dort gleichzeitig schmutzige Kinder mit Babys auf den Hüften amüsieren, indem sie auf Klingeln drücken und vor Vergnügen glucksen davonlaufen. (Seite 188). Welche Gegensätze. Seite 195: „Aus der Union-Carbide-Düngemittelfabrik in Bhopal trat Gas aus und tötete Tausende.“ Wer könnte je dieses Unglück vergessen. Auch hier zahlten die Armen den Preis für den Fortschritt. Es kommt die Gewalt hinzu. Soldaten. Ethnischen Gruppen. Menschen verschwinden. Werden umgebracht, indem man ihnen Steine an die Füße bindet und in Fäkaliengruben wirft. Tote mit ausgestochenen Augen. Seite 226: Einer der übelsten Männer wird beschreiben. „Eine Seuche wie er bleibt besser in Quarantäne“. Grausamkeiten, dass einem beim Lesen der Atem stockt. Ein viertel Jahrhundert Kaschmir Konflikt. (Seite 233). Wir lernen Thilo kennen. Von der Mutter im Waisenhaus abgegeben um später von ihr adoptiert zu werden. Der einzige gangbare Weg der Mutter, ihr Kind selbst großziehen zu können. Welch kranke Welt. Thilo ist die Person, die mich in diesem Roman am meisten beeindruckte. Ich sehe sie genau vor mit, mit ihrem dunklen Teint. Auch ihr wird im Leben kein roter Teppich ausgerollt. Und trotzdem. Sie und Naga heiraten. Später trennt sich Thilo von ihm. Seite 276: „Naga heiratete sie, weil er sie nicht wirklich erreichen konnte. Und weil er sie nicht erreichen konnte, konnte er sie nicht gehen lassen. (Es stellt sich natürlich eine weitere Frage: Warum heiratete Thilo Naga? Ein großzügiger Mensch würde antworten, weil sie Schutz brauchte. Ein weniger großzügiger Mensch würde behaupten, weil sie ein Versteck brauchte.)" Immer wieder ein Weg, dieser Gewalt zu entrinnen. Die Beschreibung der Gewalt, die Menschen einander antun, nur weil sie einer anderen Glaubensrichtung, anderen ethnischen Gruppen angehören, hat mich schockiert und mir manchmal den Atem geraubt. S. 282: „Das sind alles Pakistanis und Afghanen“, sagte Ashfaq Mir, ohne sich umzudrehen oder Naga Asu dem Blick zu lassen. „Ihre Haltbarkeitsdauer beträgt höchstens sechs Monate. Am Ende des Jahres werden alle eliminiert sein. Aber wir töten keine Kaschmiri-Jungen. NIE, Nie. Außer sie gehören zum harten Kern.“ Welch unmenschliche Bezeichnung für menschliches Leben - 'Haltbarkeitsdatum‘. Etwas das abläuft und dann auf dem Müll entsorgt wird, bezeichnen wir damit. Genau so werden Menschen, die es in Indien im Überfluss gibt, benannt und auch behandelt. S. 284: „Durchschnittsalter eines Milton 17-20 Jahre“. Ich muss gestehen, diese Ausdrucksweisen haben mich oftmals geschockt und ich brauchte beim Lesen einige Tage Pause zwischen bestimmten Abschnitten. Wollte ganz mit dem Lesen aufhören, da es zu arg wurde und entschied mich, nachdem ich mich wieder beruhigt hatte fürs Weiterlesen, weil ich nicht aufhören konnte. Etwas zog mich immer wieder in den Bann dieses Buches. Wenn Menschen so ein Schicksal ertragen können, dann kann auch ein Leser ertragen, darüber zu lesen. Trotzdem, mir ging das Schicksal dieser Menschen sehr nah. Zwar ist es „nur ein Roman“, doch heißt es, die Autorin habe diese Geschichte nicht aus der Luft gegriffen, sondern an der Realität festgemacht. Dann ein fast tröstliches Ende. Beide Geschichten laufen zusammen und ich als Leser atmete auf. Plötzlich erschien mir der Friedhof wie eine kleine friedliche Insel, auf der Menschen Mensch sein dürfen. Dieser Roman ist kein Schmöker, den man sich mal so nebenher zu Gemüte führt um nach der letzten Seite den Deckel zu schließen um zur Tagesordnung überzugehen. Dieses Buch wirkt nach, lässt die Gedanken des Lesers so schnell nicht mehr los. Ich bin mir sicher, dieser Roman gehört zu der Kategorie von Büchern, die auf lange Zeit Bestand haben werden.