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Pforte der Verdammnis

Historischer Kriminalroman

Matthew Shardlake Band 1

C.J. Sansom

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Beschreibung

Ein Mittelalter-Krimi im Stil von Ellis Peters und Umberto Eco
England, im Jahre 1537: Die Reformation ist in vollem Gange, Heinrich VIII hat sich selbst zum „Oberhaupt der Kirche“ ernannt und unter Thomas Cromwells Befehl reisen Kommissare durchs Land, die die Klöster inspizieren sollen.
Im Kloster von Scarnsea an der Südküste Englands sind derweil die Dinge gänzlich außer Kontrolle geraten. Einem von Cromwells Kommissaren ist dort mit einem einzigen Säbelhieb der Kopf vom Rumpf abgetrennt worden. In der folgenden Nacht wird ein schwarzer Hahn auf dem Altar geopfert. Wer steckt dahinter? Und warum?
Matthew Shardlake, Rechtsanwalt und lange Zeit ein Befürworter der großen Reformation, wird von Cromwell nach Scarnsea beordert, um die Sachlage zu klären.
Aber je mehr er ermittelt, desto klarer wird ihm auch, dass er im Grunde niemandem und nichts trauen kann.....
Ein furioser Kriminalroman, der hinter den Mauern eines südenglischen Klosters ein teuflisches Szenario entfaltet.

C.J.Sansom studierte Geisteswissenschaften und promovierte im Fach Geschichte. Nach einem Jura-Studium arbeitete er als niedergelassener Rechtsanwalt in Sussex, bevor er sich hauptberuflich dem Schreiben zuwandte. Bisher sind fünf Bücher in der Matthew-Shardlake-Serie erschienen, die weltweit über zwei Millionen mal verkauft wurden. Der Autor lebt in Brighton..
Irmengard Gabler war nach dem Studium der Anglistik und Romanistik in Eichstätt und London einige Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für romanische Literaturwissenschaft an der Universität Eichstätt tätig. Seit 1993 übersetzt sie Belletristik und Sachbücher aus dem Englischen, Französischen und Italienischen (u.a. Cristina Campo, Serena Vitale, Philippe Blasband, Christopher J. Sansom, John Dickie, Adam Higginbotham). Die Übersetzerin lebt in München.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 480
Erscheinungsdatum 01.11.2005
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-596-15840-9
Verlag Fischer Taschenbuch Verlag
Maße (L/B/H) 19,2/12,7/3,8 cm
Gewicht 414 g
Originaltitel Dissolution
Auflage 11. Auflage
Übersetzer Irmengard Gabler
Verkaufsrang 86903

Weitere Bände von Matthew Shardlake

Buchhändler-Empfehlungen

Dagmar Klein, Thalia-Buchhandlung Nürnberg

Sehr interessant fand ich den geschichtlichen Hintergrund, der einen entscheidenden Teil der Handlung mit trägt. Etwas anstrengend hingegen den wehleidigen und zimperlichen Anwalt Shardlake. Insgesamt aber spannend, ich werde gewiss noch mehr aus dieser Reihe lesen.

Kerstin Hahne, Thalia-Buchhandlung Bielefeld

Der Autor kann schreiben. Gute Kenntnisse über die Zeiten Heinrich`s, des Achten kann man ihm auch nicht absprechen... wer also gerne historische Romane mit Krimitouch liest, kann hier unbesorgt zugreifen.Stimmungsvoll, detailliert und gegen Ende sehr spannend:-) Shardlake,No.1!

Kundenbewertungen

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spannendes historisches Lesefutter
von einer Kundin/einem Kunden am 18.11.2020

England im Jahr 1537. Heinrich der VIII hat sich von Rom losgesagt und sich selbst zum Oberhaupt der Kirche ernannt. Im Auftrag von Lordkanzler Thomas Chromwell reisen Kommissare durch das Land um die Klöster zu inspizieren. Alle Besitztümer werden aufgelistet, enteignet, der Krone überantwortet und die Klöster aufgelöst. Robin ... England im Jahr 1537. Heinrich der VIII hat sich von Rom losgesagt und sich selbst zum Oberhaupt der Kirche ernannt. Im Auftrag von Lordkanzler Thomas Chromwell reisen Kommissare durch das Land um die Klöster zu inspizieren. Alle Besitztümer werden aufgelistet, enteignet, der Krone überantwortet und die Klöster aufgelöst. Robin Singleton, einer der Kommissare ist in einem Benediktinerkloster ermordet worden. Der Rechtsanwalt Matthew Shardlake wird von Thomas Chromwell beauftragt mit den Ermittlungen zu beginnen um diesen Mord aufzuklären

Pforte der Verdammnis
von Kati Wascher aus Bad Zwischenahn am 27.06.2012

England 1537: Rechtsanwalt Matthew Shardlake wird im Auftrag Cromwells nach Scarnsea ins dortige Kloster geschickt, um den Mord an Kommisar Singleton aufzuklären. Er wird von den Klosterbrüdern und derem Gesinde nicht gerade mit offenen Armen empfangen und schon bald ist auch sein Leben bedroht. Mit Matthew Shardlake hat C.J.... England 1537: Rechtsanwalt Matthew Shardlake wird im Auftrag Cromwells nach Scarnsea ins dortige Kloster geschickt, um den Mord an Kommisar Singleton aufzuklären. Er wird von den Klosterbrüdern und derem Gesinde nicht gerade mit offenen Armen empfangen und schon bald ist auch sein Leben bedroht. Mit Matthew Shardlake hat C.J. Sansom einen sympathischen, intelligenten Helden geschaffen, den man gerne auf seiner Reise begleitet. Ein historischer Krimi vom Feinsten!

Ein gelungener erster Fall für Master Shardlake
von Bücherfreund aus Münster am 12.10.2011

Autor lässt seinen Protagonisten, den Anwalt Matthew Shardlake, selbst erzählen, was er erlebt hat. An einigen Stellen wird die tagebuchartige Erzählung durch Formulierungen wie "mir zittert die Hand, wenn ich heute daran denke" sichtbar. Aber es ist kein schwer zu lesendes Tagebuch, sondern ein flüssig geschriebener Roman, der ... Autor lässt seinen Protagonisten, den Anwalt Matthew Shardlake, selbst erzählen, was er erlebt hat. An einigen Stellen wird die tagebuchartige Erzählung durch Formulierungen wie "mir zittert die Hand, wenn ich heute daran denke" sichtbar. Aber es ist kein schwer zu lesendes Tagebuch, sondern ein flüssig geschriebener Roman, der in einem Strang erzählt wird - sozusagen in erlebter Echtzeit des Master Shardlake. Die spannende Geschichte spielt zur Zeit Heinrich VIII, als dieser durch Lord Cromwell die englischen Klöster unter dem Deckmantel der vermeintlichen Reformation auflösen lässt. Der Tatort "Kloster" ist daher mehr als passend gewählt. Aber hier wird nicht der große politische Hintergrund beleuchtet, sondern es wird deutlich, wie im einzelnen die Klöster aufgestellt waren und wie sich die Mönche und Menschen in deren Umgegend gefühlt haben. Auch wird erkennbar, in welchen Gewissenskonflikten viele Menschen gesteckt haben und vielleicht deswegen einen oder auch mehrere Morde begingen - aber das möge der Leser selbst erfahren. Insgesamt hat auch hier der Autor und der Übersetzer ein Buch in einer dem Mittelalter authentischen Sprache geschaffen, welches gut und leicht zu lesen ist. Einziges Manko: es hätten statt der 478 Seiten auch 378 gereicht - aber wer schnell liest...


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  • Kapitel 1

    Ich weilte im Auftrag Lord Cromwells in Surrey, als mich der Ruf ereilte. Die Ländereien eines aufgelösten Klosters waren einem Mitglied des Oberhauses zuerkannt worden, dessen Unterstützung der Generalvikar bedurfte, doch die Übertragungsurkunden für einige Wälder waren unauffindbar. Sie aufzuspüren hatte sich als nicht schwierig erwiesen, und anschließend war ich der Einladung des Mannes gefolgt, noch einige Tage bei ihm und seiner Familie zu verbleiben. Ich genoss die kurze Rast, sah die letzten Blätter fallen, bevor ich in London meine Kanzlei weiterzuführen gedachte. Sir Stephen bewohnte ein stattliches neues Backsteinhaus von gefälliger Proportion, und ich erbot mich, es für ihn zu zeichnen; doch hatte ich erst ein paar flüchtige Skizzen zu Papier gebracht, als der berittene Bote kam.

    Der Bursche war von Whitehall aus die Nacht durchgeritten und traf im Morgengrauen bei mir ein. Ich erkannte in ihm einen von Lord Cromwells persönlichen Boten, und nichts Gutes ahnend erbrach ich das Siegel auf der Nachricht. Sie stammte von Sekretär Grey und besagte, dass Lord Cromwell mich unverzüglich in Westminster zu sehen wünsche.

    Früher hätte mich die Aussicht, meinem mächtigen Dienstherrn persönlich gegenüberzutreten, ihn im Glanz seines Amtes zu sehen, in freudige Erregung versetzt, doch im letzten Jahr war ich müde geworden, der Politik und Juristerei ebenso überdrüssig wie der menschlichen Hinterlist und ihrer zahllosen Winkelzüge. Zudem beunruhigte mich, dass der Name Lord Cromwells mittlerweile noch größere Furcht verbreitete als jener des Königs. In London hieß es, die Rotten der Bettler zerstreuten sich, sobald sie ihn in der Nähe wüssten. So hatten wir jungen Reformatoren uns die Welt nicht vorgestellt, wenn wir uns im Geheimen zu endlosen Gesprächen zusammenfanden. Wie Erasmus hatten wir einst geglaubt, dass sich religiöse Zwistigkeiten allein mit dem Glauben und der Nächstenliebe schlichten ließen; doch mittlerweile, zum Winterbeginn des Jahres 1537, war ein Aufstand blutig niedergeschlagen, stieg die Zahl der Hinrichtungen von Tag zu Tag, und suchte ein jeder gierig an sich zu raffen, was einst im Besitz der Mönche war.

    Da es in diesem Herbst wenig geregnet hatte und die Wege noch immer gangbar waren, traf ich trotz meiner Behinderung, die kein schnelles Reiten zulässt, schon am Nachmittag in Southwark ein. Nach einem Monat auf dem Lande reagierte mein braves altes Pferd Chancery nervös auf die vielen Geräusche und Gerüche, die ihm entgegenschlugen, und mir erging es nicht anders. Als ich mich der London Bridge näherte, wandte ich, der ich von Natur aus empfindsam bin und auch kein sonderliches Vergnügen an der Bärenhatz habe, den Blick vom Torbogen, den auf lange Pfähle gespießt und von hungrigen Möwen umkreist die Köpfe all derer säumten, die man als Verräter hingerichtet hatte.

    Auf der breiten Brücke herrschte wie üblich ein großes Gedränge; viele aufstrebende Handelsleute trugen Trauer um Königin Jane, die vor zwei Wochen im Kindbett gestorben war. Aus den ebenerdigen Läden der Häuser, die so knapp am Brückenrand klebten, dass sie augenblicklich in den Fluss zu stürzen drohten, boten Händler lautstark ihre Waren feil. In den oberen Stockwerken holten Frauenzimmer ihre Wäsche ein, weil von Westen her Wolken den Himmel verdunkelten. In meiner düsteren Stimmung erinnerte mich ihr Gerufe und Geschwätz an das Gekrächze von Krähen in einem mächtigen Baum.

    Ich seufzte und rief mir meine Pflichten ins Gedächtnis. Ich hatte es zum großen Teil Lord Cromwells Fürsprache zu verdanken, dass ich im Alter von nur fünfunddreißig Jahren eine gutgehende Anwaltskanzlei und ein schönes neues Haus mein eigen nennen konnte. Und sich in seinen Dienst zu stellen, war Dienst an der Reform, hieß, würdig zu sein vor Gott; daran glaubte ich damals noch. Und was nun meiner harrte, musste wichtig sein, da ich meine Aufträge normalerweise von Grey erhielt. Den Lordkanzler persönlich, der mittlerweile auch das Amt des General-Vikars bekleidete, hatte ich schon seit zwei Jahren nicht mehr gesehen. Mit einem Schütteln der Zügel lenkte ich Chancery durch das Gewühl von Reisenden und Handeltreibenden, Beutelschneidern und Möchtegernhöflingen, mitten hinein in den brodelnden Hexenkessel Londons.

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    Während ich den Ludgate Hill hinunterritt, bemerkte ich einen Stand, auf dem sich Äpfel und Birnen häuften, und da ich hungrig war, stieg ich ab, um mir ein paar zu kaufen. Als ich Chancery mit einem Apfel fütterte, sah ich in einer Seitengasse knapp drei Dutzend Menschen vor einer Schenke, die halblaut miteinander redeten. Ich fragte mich, ob etwa schon wieder ein Scholar nach einer halbverdauten Lektüre der neuen Bibelübersetzung schlagartig zum Propheten geworden sei. Falls dem so war, nahm er sich besser vor dem Konstabler in Acht.

    Am Rande des Gedränges hielten sich ein paar bessergekleidete Herren auf, von denen ich den einen als William Pepper erkannte, einen Anwalt im Dienste Lord Cromwells, der neben einem jungen Mann im grellbunten, geschlitzten Wams stand. Neugierig geworden nahm ich Chancery am Zügel und führte ihn über das Pflaster auf die beiden zu, wobei ich sorgsam die mit Pisse gefüllte Gosse vermied. Pepper drehte sich um, als ich ihn erreichte.

    “Nanu, Shardlake! Ich habe Euch dieser Tage noch gar nicht durch die Gänge kreuchen sehen. Wo seid Ihr denn gewesen?” Er wandte sich an seinen Begleiter. “Gestattet mir, Euch Jonathan Mintling vorzustellen. Er hat die Rechtsschule absolviert und ist jetzt für mich tätig. Jonathan, dies hier ist Master Matthew Shardlake, der gerissenste Bucklige am englischen Gerichtshof.”

    Ich verbeugte mich vor dem jungen Mann, wobei ich Peppers ungebührlichen Hinweis auf mein Gebrechen kurzerhand überhörte. Ich hatte erst unlängst einen Prozess gegen ihn gewonnen, und Juristen sind von Natur aus rachsüchtig.

    “Was geht hier vor?”, fragte ich.

    Pepper lachte. “Es heißt, hier wohne eine Frau mit einem Vogel aus Westindien, der frei von der Leber weg rede wie ein Engländer. Sie wird ihn gleich herausbringen.”

    Die Gasse führte steil nach unten, sodass ich trotz meiner mangelnden Zoll einen guten Ausblick hatte, als eine feiste Alte in schmierigen Gewändern in die Tür trat, in der Hand einen dreibeinigen Eisenständer. Auf einer Querstange balancierte der seltsamste Vogel, den ich je gesehen hatte. Er war größer als die fetteste Krähe, sein kurzer Schnabel krümmte sich zu einem furchterregenden Haken, und sein rotes und goldenes Federkleid leuchtete so grell, dass es gegen das schmutzige Grau der Gasse beinah blendete. Die Menge schob sich näher heran.

    “Zurück mit euch”, kreischte die Alte. “Ich hab euch Tabitha rausgebracht, aber sie sagt kein Wort, wenn ihr euch so an sie randrängelt.”

    “Das Vieh soll reden!”, rief jemand.

    “Ich will Geld sehen für die Mühe!”, kreischte die Vettel verwegen. “Wenn jeder von euch einen Viertelpenny springen lässt, wird Tabitha reden!”

    “Bin gespannt, was für ein Trick das ist”, schnaubte Pepper, warf dem Weib jedoch wie die anderen eine Münze hin. Die Alte kratzte das Kleingeld aus dem Dreck und wandte sich dann an den Vogel. “Tabitha”, rief sie, “sag ‘Gott schütze König Harry! Eine Messe für die arme Königin Anne!’”

    Das Tier schien sie zu ignorieren, trat von einem schuppigen Fuß auf den anderen und beäugte die Menge aus glasig starren Augen. Auf einmal rief es - und klang dabei ganz wie die Alte: “Gott schütze König Harry! Eine Messe für Königin Jane!” Die Leute ganz vorne wichen unwillkürlich einen Schritt zurück, viele bekreuzigten sich. Pepper pfiff durch die Zähne.

    “Was sagt Ihr dazu, Shardlake?”

    “Ich weiß nicht. Wird wohl ein Trick dabei sein.”

    “Nochmal”, rief jemand verwegen. “Mehr davon!”

    “Tabitha, sag ‘Tod dem Papst! Dem Bischof von Rom!’”

    “Tod dem Papst! Dem Bischof von Rom! Gott schütze König Harry!” Das Tier breitete die Flügel aus, und ein entsetztes Raunen ging durch die Menge. Ich sah, dass man ihm die Federn grausam bis zur Hälfte gestutzt hatte; der Vogel würde nie wieder fliegen. Er vergrub den Hakenschnabel im Brustgefieder und begann sich zu putzen.

    “Kommt morgen zu den Stufen von St. Paul’s”, rief das Weib, “dann bekommt ihr noch mehr zu hören! Sagt allen, die ihr kennt, dass morgen Schlag zwölf Tabitha, der sprechende Vogel aus Westindien, dort zu sehen sein wird. Er stammt aus dem fernen Land Peru, wo hoch oben auf den Bäumen in einer großen Kolonie Hunderte solcher Vögel nisten und Konversation treiben.” Nachdem die Alte noch ein paar Münzen an sich gerafft, die sie zuvor übersehen hatte, packte sie den Ständer, wobei der Vogel, um sein Gleichgewicht zu halten, wild mit den gebrochenen Flügeln schlug, und verschwand im Haus.

    Die Menge zerstreute sich unter aufgeregtem Raunen. Ich führte Chancery wieder auf die Straße zurück, Pepper und sein Gefährte begleiteten mich.

    Peppers übliche Arroganz hatte einen Dämpfer erfahren. “Man hat mir schon viel Wunderliches von diesem Peru erzählt, das die Spanier erobert haben, und ich war immer der Meinung, die Hälfte der Geschichten sei nicht zu glauben, aber so etwas hab ich noch nie erlebt, bei meiner Seele!”

    “Es ist ein Trick”, sagte ich. “Habt Ihr denn nicht gesehen, wie leer der Vogel glotzte? Und wie er aufhörte zu sprechen, um sich die Federn zu putzen?”

    “Aber er hat gesprochen, Sir”, warf Mintling ein. “Wir haben's doch gehört!”

    “Man kann auch reden, ohne zu begreifen, was man sagt. Könnte der Vogel nicht einfach auf die Äußerungen des Weibs reagieren, indem er sie nachäfft, so wie ein Hund dem Ruf seines Herrn gehorcht? Eichelhäher sollen derlei tun.”

    Wir waren inzwischen am Ende der Steigung angelangt und blieben stehen. Pepper grinste.

    “Nun ja, Gläubige reagieren ja auch auf das lateinische Gemauschel der Priester, ohne es zu verstehen.”

    Ich zuckte mit den Schultern. Noch war eine solche Meinung zur lateinischen Messe unorthodox, und ich wollte mich nicht auf eine religiöse Debatte einlassen.

    Ich verbeugte mich. “Tja, ich muss Euch leider verlassen. Ein Termin mit Lord Cromwell in Westminster.”

    Der Junge schien beeindruckt, und Pepper tat sein Möglichstes, es nicht zu sein, als ich Chancery bestieg und mich ironisch lächelnd wieder unter die Leute mischte. Anwälte sind die größten Schwätzer, die Gott je geschaffen, und es wäre meinem Ruf nicht abträglich, wenn es sich durch Pepper herumspräche, dass der Generalvikar mich persönlich empfing. Doch mein Vergnügen währte nicht lange. Als ich die Fleet Street entlangritt, klatschten schon erste dicke Tropfen auf die staubige Straße, und alsbald fiel ein schwerer Regen, den mir der scharfe Wind ins Gesicht trieb. Ich zog mir die Kapuze tief ins Gesicht, während ich gegen den Sturm anritt.

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