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Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman

Petra Piuk

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Beschreibung

Eine schöne Musik, eine heile Familie und eine Liebesgeschichte – das ist das Rezept für einen gelungenen Heimatroman. Schöner und heiler als in Schöngraben an der Rauscher kann die Welt gar nicht sein: heimatverbundene Menschen, ein starkes Wir und eine bevorstehende Hochzeit. Wären da nicht ständig diese Störungen: eine Großcousine, die den Mord in der Familie aufdecken will, eine Moni, die sich in einen Michael verliebt, Figuren, die sich nicht an die Regeln halten, und eine Romanautorin, die mit niederträchtigen Mitteln das glückliche Ende konterkariert.
Im Rahmen einer Gebrauchsanweisung entwirft Petra Piuk die provinzielle Antiidylle und zerstört Stück für Stück den Schein einer heilen Welt. Bitterböse und zugleich höchst unterhaltsam führt sie den Heimatroman ad absurdum und hebelt alle Regeln des klassischen Erzählens aus.

"Die Hebamme stülpt eine Saugglocke über meinen Schädel und zerrt mich aus dem Mutterloch heraus. Ich bekomme einen Schlag auf den Rücken, beginne zu schreien und lerne meine erste Lektion fürs Leben: EINE WATSCHEN IST GESUND."

Petra Piuk,geboren 1975 in Güssing, Burgenland. Lebt in Wien. Absolventin der Leondinger Akademie für Literatur. Ihr Debütroman „Lucy fliegt“ wurde mit der Buchprämie der Stadt Wien ausgezeichnet. Mit einem Auszug daraus wurde sie zum Floriana Literaturwettbewerb eingeladen. 2016 erhielt sie den Literaturpreis des Landes Burgenland.

Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 208
Erscheinungsdatum 17.08.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-218-01079-5
Verlag Kremayr & Scheriau
Maße (L/B/H) 20,5/12,6/2,2 cm
Gewicht 328 g
Auflage 1

Kundenbewertungen

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Übersicht
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Eine Idylle auf dem Land – oder vielleicht doch nicht so ganz?
von Sikal am 03.09.2017

Die Bücher von Kremayr & Scheriau lese ich immer besonders gerne, weil sie immer etwas anders sind. Und so darf man sich als Leser natürlich auch nicht erwarten, hier leichte Kost zu bekommen. Am Cover ein Dorf, Berge, der Kirchturm und der Titel „Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman“ – damit assoziiert man gleich mal s... Die Bücher von Kremayr & Scheriau lese ich immer besonders gerne, weil sie immer etwas anders sind. Und so darf man sich als Leser natürlich auch nicht erwarten, hier leichte Kost zu bekommen. Am Cover ein Dorf, Berge, der Kirchturm und der Titel „Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman“ – damit assoziiert man gleich mal sämtliche Klischees, wie ein idyllisches Dorf, gemütliche Menschen, Zusammenhalt und einen bösen Quertreiber gegen den sich alle solidarisieren, eine große Liebe und natürlich ein Happy-End, bei dem alle Dorfbewohner zur Hochzeit bei strahlendem Sonnenschein geladen werden. Das diese Erwartung nicht erfüllt wird, dem muss man sich bewusst sein, wenn man dieses Buch zur Hand nimmt. Die Autorin Petra Piuk schreibt ungewöhnlich, fordernd und provokant. Sie lässt den Leser schmunzeln, auch mal Lachen bevor es ans Eingemachte geht und der Leser nicht genau weiß – soll man überhaupt weiterlesen oder das Buch zuklappen. Besonders gelungen finde ich die Fußnoten, in denen die Dialoge zwischen der Autorin und der Lektorin eingebunden sind und so die Entstehung der Geschichte mitbeeinflusst wird. Während man am Anfang noch vermehrt schmunzelt ob der satirischen Herangehensweise und der Aufarbeitung von Klischees, bleibt dem Leser oft das Lachen im Hals stecken und man kann nur mehr den Kopf schütteln was sich in Schöngraben an der Rauscher alles so abspielt. Doch dieses fiktive Dorf kann für jede Gemeinschaft stehen, die nach außen hin versucht Idylle zu zeigen, in deren Inneren aber nichts so läuft wie es sollte. Und so konfrontiert uns die Autorin mit vielen Themen, die eine Herausforderung beim Lesen sind, unter anderem kommen hier Fremdenhass im Zusammenhang mit Fremdenverkehr zur Sprache („Den Fremdenverkehr schätzen wir im Gegensatz zu den Fremden nämlich sehr.“). Weiter geht es mit geduldeter Gewalt, Alkoholproblemen, Sexismus, Missbrauch, Massentierhaltung … Untermalt wird das Ganze von einer Großcousine aus der Stadt, die dem idyllischen Landleben ganz schön aufmischt, bis hier die Solidarität der Familie durchgreift. Alles in allem ist es keine „Nebenbei-Literatur“, sondern ein forderndes Buch, das nachhallt, das man am liebsten an die Wand klatschen würde – und doch fasziniert ist. Die Themen sind nicht von weit hergeholt und verfehlen die Wirkung nicht, dass man nachdenklich wird. Vielleicht wird dies durch den lapidaren Plauderton unterstützt, vielleicht durch die kurzen prägnanten Absätze oder auch durch die Zeitungsmeldungen (bei denen man nicht weiß ob real oder fiktiv) oder auch durch die nicht ausgesprochenen Ergänzungen, die man nur zwischen den Zeilen wahrnimmt. Es ist eine bitterböse Satire mit schwarzem Humor, der sicherlich nicht für jedermann/frau geeignet ist und so ist es ein ziemlich polarisierendes, ungewöhnliches Buch. Warnung: Nicht für zartbesaitete Leser geeignet!

(K)ein Dorfidyll
von Bibliomarie aus Düsseldorf am 01.09.2017

Toni und Moni oder die Anleitung zum Heimatroman – diesen Titel muss man ernst nehmen. Was gehört in einen Heimatroman: ein idyllisches Dorf (Schöngraben) an einem plätschernden Bach (Rauscher) eine malerische Bergkulisse, ein Wirtshaus und eine Kirche und natürlich ein Happy End am besten in Form einer Trachtenhochzeit. Das al... Toni und Moni oder die Anleitung zum Heimatroman – diesen Titel muss man ernst nehmen. Was gehört in einen Heimatroman: ein idyllisches Dorf (Schöngraben) an einem plätschernden Bach (Rauscher) eine malerische Bergkulisse, ein Wirtshaus und eine Kirche und natürlich ein Happy End am besten in Form einer Trachtenhochzeit. Das alles macht die Lektorin der Autorin Petra Piuk klar und diesen Briefwechsel liest der Leser in Form von Fußnoten, die den Rahmen bilden. Aber auch der Leser darf mitbestimmen. So verfolgen wir also Toni und Moni ins Erwachsenenleben, das von den Erwartungen der heimattreuen Dörfler mitbestimmt wird. Heimat und Dorfidyll werden hier ironisch, ja sogar zynisch, aufs Korn genommen. Da darf dem Leser ruhig das Lachen im Hals stecken bleiben. Wenn der kleine Toni beim Nachbarn die Waffensammlung bewundern darf, während der Alte behutsam über Lauf und Schaft streichelt und gerührt erzählt, dass mit diesem Gewehr der kleine Max am liebsten spielte, lässt die darunter abgedruckte Zeitungsmeldung „5jähriger erschießt beim Spielen seine kleine Schwester“ das Blut gefrieren. Überhaupt lässt dieser Text keine Komfortzone zu. Das Dorf als Vorhölle – die Großcousine wohl als Alter Ego der Autorin gilt als Nestbeschmutzerin, hat sie es doch gewagt, den vorgezeichneten Weg zu verlassen. Schlimmer noch, sie erzählt der Moni von der Welt da draußen, da muss doch ein Riegel vorgeschoben werden. Ich bin in ein Wechselbad der Gefühle eingetaucht, das Buch hat mich herausgefordert und ich bin nicht sicher, ob es mir gelungen ist, diese Herausforderung zu meistern. Wenn es darum ging, mich aufzurütteln und mir einen Text zu geben, der mich lange nach der Lektüre noch beschäftigt, dann ja. Der Wechsel aus Umfragen, Zeitungsnotizen (ob erfunden oder wahr vermag ich nicht zu beurteilen) und Erzähltext macht das Buch zu einem besonderen literarischen Experiment. Gesellschaftskritik und abgründige Ironie haben mir gut gefallen, aber ich habe das Buch auch mit Erleichterung zugeklappt. Die Ausstattung ist übrigens etwas besonders, schwarz und orange fällt das Cover sofort ins Auge, Personenverzeichnis, Raum für Notizen und Ehrenzeichen zum Ausschneiden, das alles gehört zum Gesamtkunstwerk dazu.

Toni und Moni ans Herz gelegt
von Luis Stabauer aus Wien am 18.08.2017

Herzhaft lachen ist befreiend, wenn das Lachen steckenbleibt bringt es dich weiter. Und wie ich gelacht habe (am Anfang), und wie das Steckenbleiben immer mehr zum Würgen wurde! Vor Jahren wurde mir während einer Kur von Therapeutinnen das Lesen von Karl Valentin verboten, mein Lachen hatte die Kojen zu stark geschüttet. Ich g... Herzhaft lachen ist befreiend, wenn das Lachen steckenbleibt bringt es dich weiter. Und wie ich gelacht habe (am Anfang), und wie das Steckenbleiben immer mehr zum Würgen wurde! Vor Jahren wurde mir während einer Kur von Therapeutinnen das Lesen von Karl Valentin verboten, mein Lachen hatte die Kojen zu stark geschüttet. Ich glaube, „Toni und Moni – Oder: Eine Anleitung zum Heimatroman“ hätten sie mir auch verboten. Im zweiten Teil die Schluckbeschwerden: Tief in der Kehle und zu spüren über die Ohren, bis hinab in die Zehen habe ich sie wahrgenommen und sie regen mich immer noch an. Wie die Schriftstellerin, wie Petra Piuk, wie Toni und Moni und auch ein wenig wie die Lektorin, bemühe ich auch einen alten Hadern: „Ich sprenge alle Ketten“ grölten sie alle und ließen nicht ein Kettenglied eingehängt in diesem Mysterien- ups, Literaturspiel. Vielleicht habe ich noch nie ein Buch gelesen, in dem die Fußnoten, das Personenverzeichnis (beinahe alle Alphabet Buchstaben), die Perspektivenwechsel, ein Dorf und meine Erinnerungen als Leser so treffend eingesetzt, beziehungsweise angestoßen wurden. Herzliche Gratulation Petra, Frau Schriftstellerin und Tanja


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