Meine Filiale

Entfachte Glut

Der Fluch der Unsterblichen

Die-Unsterblichen-Reihe Band 1

Raywen White

(13)
Buch (Taschenbuch)
Buch (Taschenbuch)
22,00
22,00
inkl. gesetzl. MwSt.
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort lieferbar Versandkostenfrei
Sofort lieferbar
Versandkostenfrei

Weitere Formate

Taschenbuch

22,00 €

Accordion öffnen
  • Entfachte Glut

    Forever

    Sofort lieferbar

    22,00 €

    Forever

eBook

ab 4,99 €

Accordion öffnen
  • Entfachte Glut

    ePUB (Forever)

    Sofort per Download lieferbar

    4,99 €

    9,99 €

    ePUB (Forever)
  • Der Fluch der Unsterblichen Band 1-3

    ePUB (Forever)

    Sofort per Download lieferbar

    9,99 €

    ePUB (Forever)

Beschreibung


Der erste Teil der packenden Romantasy-Saga!

Tanja Smith fällt es schwer, anderen zu vertrauen. Zu schmerzhaft sind die Narben aus ihrer Vergangenheit. Ihre Wunden verbirgt die junge Frau geschickt hinter der Fassade der fleißigen Studentin. Erst als sie den attraktiven Kane kennenlernt, kommt ihr feuriges Temperament zum Vorschein. Doch auch Kane hat ein dunkles Geheimnis. Eines Morgens wacht Tanja mitten in der Wüste auf. Kane hat sie entführt, um ein altes Versprechen einzulösen. Tanjas Wut kennt keine Grenzen. Dennoch fühlt sie sich auf unerklärliche Weise zu Kane hingezogen. Als sie schließlich von seiner wahren Natur erfährt, muss Tanja sich entscheiden. Ist ihre Liebe stark genug, um alle Grenzen zu überwinden?

Leser-Feedback:

Raywen White hat mich mit ihrem wundervollen Debüt-Roman wirklich für sich gewonnen. Es stimmte einfach alles. Perfekt für jeden Fantasy-Fan! (Dreamlike Books)

Super Geschichte. Spannend. Fantastisch. Faszinierend. Erotik pur. Packend. Brachial. Genial. (Diana E.)

Ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen, so sehr war ich von dem Buch gefesselt und fasziniert. Absolut Top. (Rena S. Autoren-Fanpage Buchtipps und Rezis)

Habe das Buch in 1 1/2 Tagen durchgelesen und hoffe, das man nicht zu lange auf ihr nächstes Buch warten muss. (Cornelia Steiner)

Von Raywen White sind bei Forever by Ullstein erschienen:

Entfachte Glut (Der Fluch der Unsterblichen 1)

Vergessene Leidenschaft (Der Fluch der Unsterblichen 2)

Flammender Sturm (Der Fluch der Unsterblichen 3)

Gestohlene Gefühle (Der Fluch der Unsterblichen 4)

Raywen White lebt gemeinsam mit ihrem Mann im Raum Frankfurt am Main. Schon als Kind wurde ihr nachgesagt, sie habe eine lebhafte Fantasie. Diese hat sie sich glücklicherweise bis heute bewahrt. Denn erst in den letzten Jahren entdeckte die Diplominformatikerin ihre Leidenschaft fürs Schreiben. Ganz besonders haben es ihr dabei die Genres Fantasy und Romance angetan, die sie gekonnt miteinander verbindet.

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 576
Erscheinungsdatum 01.12.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-95818-920-1
Verlag Forever
Maße (L/B/H) 20,7/13,6/5 cm
Gewicht 731 g
Verkaufsrang 183971

Weitere Bände von Die-Unsterblichen-Reihe

Kundenbewertungen

Durchschnitt
13 Bewertungen
Übersicht
8
4
1
0
0

Herrliche Phantasie- Reihe
von einer Kundin/einem Kunden aus Görlitz am 30.11.2019
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Ich kann sie nur empfehlen. Für mich lesen sich die Bücher von Raywen White alle flüssig und gut durchdacht. Es bleiben kaum Fragen offen im Raum stehen. Ich konnte diesen Band kaum mal beiseite legen. Einfach nur spannend.

Entfachte Glut - Romantic Fantasy vom Feinsten.
von einer Kundin/einem Kunden aus Worms am 04.12.2017

Ich hatte seit langem mal wieder Lust etwas mit Werwölfen, Vampiren, Drachen oder Dämonen zu lesen. Da kam mir entfachte Glut genau richtig. Der erste Teil der Unsterblichen Reihe von Raywen White überzeugt. Auf knapp 600 Seiten wird alles geboten, was das Romantasy Leser Herz höher schlagen lässt.

Der Fluch der Unsterblichen
von einer Kundin/einem Kunden aus Trittau am 24.10.2017
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Superfantasy, superspannend, supersexy 3 Bücher in einem Band - Hoffentlich gibt es noch mehr davon. Ich konnte kaum aufhören zu Lesen.


  • Artikelbild-0
  • Geburt## ##_vignette_o_08_## Schreie hallten durch die verfallene Burg, als das alte Weib langsam die enge Wendeltreppe zum Turmzimmer hinaufstieg. Ihr angestrengtes Ächzen vermischte sich mit den durchdringenden Klagelauten zu einer unheimlichen Melodie. Nur ein paar wenige Fackeln spendeten ein schwaches Licht, so dass man die verwitterten Steinstufen nur schwer erkennen konnte. Es war dunkel, feucht, und in den Ecken huschten kleine, unheimliche Schatten vorbei. Kaum blieb das alte Weib keuchend und um Atem ringend stehen, stieß sie der Soldat, der sie die Treppe hoch begleitete, unsanft vorwärts. »Beeil dich, Hexe, sonst werden die nächsten Schreie deine sein.« Sie lachte nur leise. Ein altes, kratziges Lachen, bei dem der Soldat unsicher zusammenzuckte. »Meinst du, ich lasse mir von jemandem wie dir etwas sagen oder Angst einjagen? Aber wenn du meine Arbeit machen möchtest, dann tu, was du nicht lassen kannst.« Der Soldat schnaubte und sah sie mit hasserfülltem Blick an. Er stank nach Bier und Urin, wobei das bei dem Unrat in der verdreckten Burg nicht weiter auffiel. Seine schmutzige Hand zum Schlag erhoben wich er zurück, als ihnen jemand auf der engen Treppe entgegeneilte und ein weiterer gellender Schrei die Stille zerriss, welche über der Burg lastete. »Warum dauert das so lange? Lass das alte Weib in Ruhe und kümmere dich um deine Aufgaben«, herrschte ein Mann den verlotterten Soldaten an, welcher nicht gerade begeistert über diese Rüge war. Noch bevor er ging, raunte er ihr zu: »Ich werde auf dich warten, wenn du die Burg verlässt.« Er schubste das Weib grob vorwärts, sodass es auf den glitschigen Stufen ausrutschte und stürzte. Der andere Mann war bei dem schwachen Licht nur undeutlich zu sehen, zumal ihn die Schatten halb verbargen. Man konnte erkennen, dass er groß und kräftig gebaut war. Seine Kleidung war die eines gewöhnlichen Kriegers. Dunkles Leder spannte sich über seine kräftige Körpermuskulatur, und ein Schwert hing an seiner linken Seite. Von ihm ging eine Stärke und Arroganz aus, die auf einen höheren Rang schließen ließ. Er wirkte vollkommen fehl am Platz in dieser von Abschaum bevölkerten Burg. Behutsam half er der alten Frau aufzustehen und nahm den großen Korb, den sie bei sich trug. An ihren Händen klebte der widerliche Schmutz der Treppe. Kurzerhand säuberte sie sie an ihrer Schürze und ächzte, als sie die Stufen wieder in Angriff nahm. »Es tut mir leid, dass Ihr so grob behandelt wurdet, es gibt in dieser Burg leider zu viel von diesem Gesinde.« In der Entschuldigung, die er grollend vorbrachte, konnte sie deutlich unterdrückte Wut wahrnehmen. Seine Stimme war tief und voll, wie dazu gemacht, um Befehle über das Schlachtfeld zu brüllen und den Feind einzuschüchtern. Während sie die steilen und dunklen Stufen zum Turmzimmer weiter hinaufstiegen, stützte er ihren gebrechlichen und schwachen Körper. »Solange es so nette junge Männer wie Euch zum Ausgleich gibt, beschwere ich mich nicht.« Ihr Kichern ähnelte mehr einem Krächzen. Ein Blitz zuckte über den Himmel und erleuchtete sein markantes Gesicht durch eine der Schießscharten. Er musste Anfang dreißig sein. Tiefschwarzes Haar fiel ihm wild ins Gesicht und verbarg zum Teil seine intelligenten, eisblauen Augen. Sie kicherte abermals, »Und wenn sie auch noch so gut aussehen wie Ihr, mein Junge, bin ich vollkommen zufrieden.« Wieder hallten hohe Schmerzensschreie einer Frau durch das alte Gemäuer. Er zuckte kaum merklich zusammen, und seine Augenbrauen zogen sich unheildrohend zusammen. Kane war wütend. So wütend, dass er sich nur sehr mühsam zusammenreißen konnte. Wieder durchstieß ein Schrei die unheimliche Stille, die über der Burg lag. Wieder wurde er durch das gequälte Echo an sein Versagen erinnert. Am oberen Treppenabsatz angekommen, musste er den Korb abstellen. Laut protestierend quietschte das rostige Schloss, als er die schwere Eichentür öffnete. Mit einem kurzen Wink bedeutete er dem alten Weib, ihm in den winzigen Raum zu folgen. Es gab kein wärmendes Feuer, nur eine kleine, heruntergebrannte Kerze spendete ein wenig Licht. Flackernd kämpfte sie gegen das Verlöschen in dem heulenden Sturm, welchen die zwei Fenster ohne Läden, Scheiben oder Ähnliches nicht abwehren konnten. Man sah das ganze trostlose Tal, als grelle Blitze wieder den Himmel erleuchteten. Die wenigen Möbelstücke im Raum waren schon halb verfallen und wurden wahrscheinlich nur noch von den Holzwürmern zusammengehalten. Mitten im Raum stand ein Bett, aus dessen Richtung ein schwaches Stöhnen kam, welches immer wieder durch einen schmerzerfüllten Schrei unterbrochen wurde. Vor unterdrückter Wut knirschte Kane mit den Zähnen. Diese Gefühlsregung war ein Ausrutscher in der stoischen Selbstkontrolle, die ihn für gewöhnlich auszeichnete. Ein weiterer Blitz erleuchtete kurz die schreckliche Szenerie, und die Alte zog hörbar die Luft ein. Eine Frau lag auf einer dreckigen Matratze, halb bedeckt von mottenzerfressenen Laken. Ihr Haar wirkte dunkel, fettig und klebte an ihrer vor Schweiß glänzenden Stirn. Ihre Augen waren glasig, und sie schien kaum mehr bei Bewusstsein zu sein. Trotz des schmerzverzerrten Gesichts konnte man erkennen, dass es eine sehr schöne junge Frau war, die zusammengekrümmt dalag. Sie war so klein und wirkte zierlich und zerbrechlich. Dieser Eindruck wurde noch durch den beachtlichen Bauch verstärkt, in dem ein neues Leben heranwuchs. Kane schluckte die bittere Galle hinunter. Er war sich nicht sicher, ob die Alte ihr und dem ungeborenen Kind überhaupt noch helfen konnte. Als Krieger hatte er schon oft den Tod gesehen, aber in diesem Fall erschien er ihm so sinnlos. Belastete ihn das Gefühl der Schuld. »Ich brauche Licht, heißes Wasser, Lappen und am besten eine Feuerstelle. Verhängt außerdem die zugigen Fenster. Und das Ganze so schnell wie möglich.« Die krächzende Stimme der alten Frau kratzte an seinen Nerven, als sie ihre Befehle erteilte. Kane drehte sich zu ihr um, in seinen Augen loderte der Zorn. Er war wütend. Sehr wütend. Die Alte wich einen Schritt vor ihm zurück, und er konnte deutlich erkennen, dass sie sich vor ihm fürchtete. Er war aber nicht wütend auf sie. An so elementare Sachen wie Wasser, Licht und Feuer für eine schwangere Frau hätte er auch selbst denken können. Steifbeinig ging er zur Tür und brüllte einem Soldaten, der ihnen gefolgt war, die entsprechenden Befehle zu. Sein Knurren erinnerte an fernes Donnergrollen, und der Himmel hörte sich an, als würde er ihm antworten. Die ungesagte Drohung hing noch in der Luft, als er wieder neben das Bett trat und der Frau liebevoll eine Strähne aus dem Gesicht strich und hinter ihr spitzes Ohr steckte. Er war sich nicht sicher, welchem Feenvolk sie angehörte, aber er hoffte dem der Elfen, denn das erdverbundene Volk galt als eine der stärksten Rassen unter ihnen. Diese Kraft könnte ihr nun das Leben retten. »Die Hebamme ist da, halte noch ein wenig aus.« Kane merkte im selben Augenblick, in dem er ihr mitfühlend und zärtlich die Worte zuflüsterte, dass er einen Fehler begangen hatte. Mitgefühl galt in dieser Welt als Schwäche. Er schaute das alte Weib an und sah, wie sie die Augen verengte und ihre Angst wachem Interesse und Neugier wich. »Ich hoffe, du kannst ihr noch helfen.« Es klang mehr wie eine Drohung als wie eine Frage. »Ich hoffe es auch«, flüsterte die Alte, während sie ihn mitleidig ansah. Der junge Mann ging aus der Tür, und sie hörte, wie er den Schlüssel im Schloss drehte. Die Hebamme atmete tief durch. Plötzlich wirkte das Turmzimmer viel größer. Mit seinem einnehmenden Wesen hatte er fast den ganzen Raum ausgefüllt. Sie konnte die Macht und die Kraft, die von ihm ausging, fast greifen. Er könnte sie mit einem einzigen Schlag töten. Vielleicht würde er es sogar tun, sobald er erfuhr, weswegen sie gekommen war. Sie lief zum Bett und betrachtete die junge Elfe genauer, während sie vorsichtig den schwangeren Leib abtastete. Für eine solch kleine Person wirkte der Bauch viel zu groß. Es würde eine schwierige und schmerzhafte Geburt werden. Die Wehen kamen immer schneller. Die Alte biss fest die Zähne aufeinander, während sie überlegte, wie sie am besten vorgehen konnte, denn sie durfte sich nicht verraten. Aber sie wollte auch nicht das Leben der Mutter gefährden. Voller Hoffnung, die beiden zu retten, holte sie aus ihrem Korb einige Kräuterbündel und einen bläulich leuchtenden Trank, den sie der Schwangeren mühsam einflößen musste, weil diese kaum noch die Kraft hatte zu schlucken. Er würde sie in einem Dämmerzustand halten, ihre Schmerzen lindern und hoffentlich auch ihre Erinnerungen vernebeln. Nur Unwissen könnte das Leben der Elfe retten, wenn sie die Geburt denn überhaupt überlebte. Sie musste überleben. Tief atmete sie ein, um innerlich zur Ruhe zu kommen, dann schloss sie ihre Augen und sandte ihre eigene Magie vorsichtig aus. Als Kane wieder zurückkehrte, stand er einige Sekunden vor der Tür. Er hatte das kurze Aufwallen von Magie gespürt, aber es war nur sehr schwach, jemand anderem wäre der Energiestoß gar nicht aufgefallen. Doch er war schon immer extrem empfänglich für Magie gewesen. Die Tür knarzte, als er sie öffnete. Er merkte, wie die Alte den Atem anhielt, während sich ihr Puls beschleunigte. Doch ihre Augen zeigten keinerlei Angst. Witternd sog er die schale Luft ein, roch jedoch nur kalten Schweiß. Magie war für die Menschen verboten. Er würde sich darum kümmern müssen … später. Die Elfe im Bett hatte aufgehört zu schreien und schien weniger Schmerzen zu haben. Erleichtert drehte er sich zu einem ausgemergelten Mädchen um, welches kurz nach ihm durch die Tür getreten war. Es trug ein Bündel sauberes Leinen bei sich, von dem er ein Stück nahm. Dann wies er es an, den Rest vor die Fenster zu hängen. Aus einer dunklen Ecke holte er einen kleinen, wackeligen Tisch, auf den er nun eine Schüssel stellte und den Lappen danebenlegte. Dann eilte er dem Dienstboten entgegen, der schnaufend zwei große Eimer voll dampfendem Wasser schleppte. Die vollen Eimer stellte er beim Tisch ab und goss das heiße Wasser in die Schüssel. Alles war vorbereitet, mehr konnte er nicht tun. Misstrauisch beobachtete er, wie die Alte einige Kräuter aus ihrem Korb holte und damit zum Tisch schlurfte. Sie zerrieb die Kräuter mit Stößel und Mörser und tat sie in das dampfende Wasser. Der angenehme Geruch von Salbei verbreitete sich sanft im ganzen Raum. Sorgsam wusch sie sich ihre Hände und trocknete sie an einem frischen Stück Leinen, welches ihr das Mädchen schüchtern reichte. »Los verschwindet, damit ich in Ruhe arbeiten kann.« Sie scheuchte die neugierigen Dienstboten aus dem Raum. Kane bewegte sich jedoch keinen Millimeter von der Stelle. Lässig lehnte er an einer Wand, mit verschränkten Armen vor der Brust, sodass er den ganzen Raum überblicken konnte. »Herr, auch Ihr müsst gehen, das ist nichts für Männer, lasst mich meine Arbeit machen.« Er beobachtete sie einen Moment, bevor er mehr knurrte als sagte: »Es ist kein anderer hier, der Euch helfen könnte.« Sie schien bedauerlicherweise keinerlei Angst mehr vor ihm zu haben, vielmehr schimpfte sie nun mit ihm, wie eine Mutter es mit ihrem ungehorsamen Kind tun würde. »Ich brauche keine Hilfe. Ihr seid wütend. Wut hat bei einer Geburt nichts zu suchen. Außerdem habe ich keine Lust, mich auch noch um Euch zu kümmern, sobald Ihr ohnmächtig werdet.« Belustigt zog er die linke Augenbraue in die Höhe. Als ob er in Ohnmacht fallen würde. In seinem Leben hatte er schon mehr Schlachten erlebt als sie Jahre. Allerdings hatte sie mit einer Sache recht. Er war wütend. Sehr wütend. Zähneknirschend stemmte er sich von der Wand ab, ging durch die Tür und zischte: »Schickt nach mir, wenn Ihr etwas braucht. Ich lasse eine Wache vor der Tür.« Kane stand mit geballten Fäusten noch einen kurzen Moment vor dem Raum und lauschte. Aber er hörte nur, wie die Hebamme erleichtert aufseufzte und dann leise und beruhigend auf die Schwangere einredete. Sein Instinkt sagte ihm, er könne ihr vertrauen. Aber sein Instinkt war der eines wilden Tieres. Einer Bestie, die er tief in seinem Geist eingeschlossen und in Ketten gelegt hatte. Der er nicht vertrauen durfte. Er lehnte den Kopf an das kühle Eichenholz und dachte nach. Irgendetwas war merkwürdig an dem alten Weib, er konnte allerdings nicht genau benennen, was ihn so störte. Er schüttelte den Kopf, ein Mensch und Magie, dabei würde jeder ein mulmiges Gefühl bekommen. Mit einem Seufzen stieg er die Stufen der alten Treppe hinab. Er fühlte sich unruhig und angespannt. Seit er vor drei Tagen dieses rattenverseuchte Drecksloch betreten hatte, hatte ihn eine innere Unruhe erfasst, die von Tag zu Tag mehr an seinen Nerven zerrte. Und als er die hochschwangere Elfe in dem Turmzimmer entdeckt hatte, war das Gefühl zu einem drängenden Brennen geworden, welches durchaus schmerzhaft war. Er hatte gehofft, dass sich dieses Gefühl verlöre, sobald die Hebamme anwesend wäre. Doch es war im Gegenteil sogar noch stärker geworden, aber eventuell war es auch die unkontrollierbare Wut, die unerklärlicherweise immer mehr in ihm wütete. Von Anfang an hatte er die Situation völlig falsch eingeschätzt. Ihm unterlief ein Fehler nach dem anderen, und das machte ihn von Tag zu Tag noch zorniger. Seine Faust donnerte in den grob behauenen Stein der verputzten Mauer. Mörtel und Steinsplitter spritzten in alle Richtungen davon. Eigentlich sollte er gar nicht hier sein. Nur eine Aneinanderreihung unglücklicher Zufälle hatte ihn hergeführt. Erst die unglückliche Begegnung mit seinem Ziehvater, welche unweigerlich im Streit endete. Dann das schlechte Essen, welches sowohl einem Großteil seiner Männer als auch denen von Xerxes einen Aufenthalt im Lazarett eingebracht hatte. Als ihn sein Vater um diesen winzigen Gefallen gebeten hatte, hatte er schlecht Nein sagen können. Nicht nachdem ihn schon sein schlechtes Gewissen geplagt hatte wegen des vorangegangenen Streites, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt schon nicht einmal mehr wusste, worum es ursprünglich gegangen war. Sie stritten sich immer über unwichtige Dinge. Obwohl Kane alles tat, um besser dazustehen in den Augen des Mannes, dem er sein Leben verdankte. Der ihn als Sohn aufgenommen hatte, obwohl er wusste, welche Bestie in ihm lauerte. Ein riesiges Loch klaffte in der Mauer. Zornig ballte er seine Hände zu Fäusten. Seine Wut rang mit seiner eisernen Disziplin, welche er in all den Jahren perfektioniert hatte und die nun erste Risse zeigte. Er spürte, wie die Fänge und Klauen der Bestie herauswollten, wie sein Zahnfleisch und seine Fingerspitzen juckten und brannten. Er atmete tief ein und aus. Einmal. Zweimal. Dann hatte er sich wieder im Griff. Er würde die Kontrolle nicht verlieren. Nie wieder. Er hatte gelernt, das Monster in sich zu unterdrücken und einzusperren, bis kaum noch ein Flüstern von ihm zu hören war. Warum sich ausgerechnet jetzt die Bestie wieder in ihm regte, verstand er nicht. Es ergab keinen Sinn. Erst als er wieder vollkommen ruhig war, lief er die restlichen Stufen hinab und betrat die große Halle, die wie die restliche Burg total heruntergekommen war. Den Holzmöbeln sah man die häufige Benutzung an, und er entdeckte hier und dort Waffenspuren an dem verrottenden Holz. Die Binsen waren auf seinen Befehl hin erst gestern gewechselt worden. Trotzdem hatte es bisher nicht geholfen, den stechenden Geruch, der über der Halle lag, loszuwerden. Es war auch kein Wunder, da sich sowohl Tier als auch Mensch weiterhin in den Ecken erleichterten und das Essen achtlos auf den Boden geworfen wurde. Er verstand nicht, wie die Menschen so leben konnten, wusste, dass sie zu sehr viel mehr imstande waren. Er hasste diese rückständige Welt, sehnte sich nach seinem sauberen und modernen Heim. Seit drei Tagen versuchte er nun schon Ordnung in dieses Chaos zu bringen. Aber die Bediensteten waren faul und zu verängstigt. Dass eine Schwangere, die kurz vor der Niederkunft stand, im Turmzimmer festgehalten wurde ohne nötige Versorgung, das schien keinen zu interessieren. Diese Ungeheuerlichkeit hatte er erst erfahren, als bei ihr die Wehen eingesetzt hatten und ihre Schreie durch die ganze Burg hallten, wie von einem alten Schlossgespenst. Wie zum Teufel sollte er allein mit diesem ganzen Schlamassel fertig werden? Er wollte weder seinem Vater noch sich selbst gegenüber sein Versagen eingestehen müssen. Denn er hatte noch nie versagt. Gedankenverloren stand er nun schon eine Weile in der breiten Tür zur Halle und starrte ausdruckslos vor sich hin, während sein eiskalter Blick das Treiben in dem großen Saal beobachte. Einer der grobschlächtigen Soldaten belästigte eine Magd, die hilflos versuchte seinem Griff zu entkommen. Kane knurrte, ein tiefer und unheimlicher Laut, der durch den ganzen Saal drang. Nach und nach verstummten die Unterhaltungen und das Burgvolk schaute ihn an. Die wenigen, die in der Nähe einer Tür standen, flüchteten. Stunden später war das Gewitter der vergangenen Nacht weitergezogen, und die Nachmittagssonne spiegelte sich bereits in den Pfützen, die der Sturm hinterlassen hatte. Kane fand die alte Hebamme schlafend an die Wand gelehnt vor, während er erleichtert die gleichmäßigen Atemzüge des Feenwesens im Bett bemerkte. Ihr Haar war gewaschen worden und lag fächerförmig um sie herum. Überraschenderweise war es von einem hellen Blond, fast weiß. Ihre strengen Gesichtszüge und der elegante Knochenbau verrieten, dass sie eine Elfe war, und er war mehr als froh, dass sie lebte. Sanft versuchte er die Alte zu wecken, aber sie reagierte nicht sofort, also schüttelte er sie kräftig an den Schultern. »Wo ist das Kind?« Sie blinzelte und schien im ersten Moment nicht ganz zu wissen, wo sie war. »Das Kind? Tot.« Sie zuckte mit den Schultern, als hätte sie es schon vergessen. Doch seine eigenen Schuldgefühle legten sich wie ein schwerer Mantel um seine Schultern. »Was wäre es geworden?« »Wen interessiert dies. Die Missgeburt war nur ein verfluchter Mischling.« Sie sprach das Wort mit so viel Ekel aus, während sie sich mühsam vom Boden erhob und sich das grobgeschneiderte Kleid ausklopfte. »Ein Mischling, seid Ihr Euch sicher?« »Ja, das Ding war missgestaltet und wäre wahrscheinlich bald gestorben, also hab ich meine ganze Kraft darauf konzentriert, die Mutter noch zu retten.« Überrascht zog er eine Augenbraue hoch und schaute zu dem alten Bett. Eine weitere Frage, die er den vielen unbeantworteten Fragen hinzufügen konnte. Dieses Kind hätte niemals gezeugt werden dürfen. Wenn es ein Mischling war, durfte es nicht existieren, nicht nach ihren Gesetzen. Er mochte kaum glauben, dass die Elfe sich mit einem anderen Wesen zusammengetan hatte. Kinder von zwei unterschiedlichen magischen Wesen würden nur schwach, krank oder sogar missgestaltet zur Welt kommen. Kein Volk wollte schwach werden. Nicht in einer Welt, in der nur die Stärksten überlebten. Schon seit Langem existierte das Gesetz, existierte ein mächtiger Schutzzauber, um sie alle davor zu bewahren, sich weiterhin untereinander zu vermischen und so ihrer aller Untergang herbeizuführen. »Woher wisst Ihr, was sie ist?« »Meint Ihr, ich hätte die spitzen Ohren der Albe nicht gesehen.« Sie benutzte ein altertümliches Wort für die Elfe, was ihn daran erinnerte, dass er sich in einer altertümlichen Welt befand. »Wo ist die Leiche? Wir werden es trotzdem begraben.« Er sah wie sie vor Schrecken die Augen aufriss und ihre kleinen Knopfaugen von einem Punkt zum anderen im Raum huschten. »Nein, es muss verbrannt werden.« Sie schluckte, wirkte nervös, stotterte vor sich hin. Dann zeigte sie auf einen der Eimer, in dem nur noch eine blutige Masse war. Man erkannte nicht einmal mehr, dass diese Reste einmal ein Lebewesen gewesen waren. Tief atmete er ein, auch wenn es ein Mischling war, er bedauerte das verschwendete Leben. Eigentlich hätte er nicht so empfinden dürfen, doch er fühlte Trauer bei dem Gedanken, dass das Wesen, das ihn vorgestern noch durch die Bauchdecke der Mutter getreten hatte, nun tot war. Er schaute der Alten ins müde Gesicht: »Ich verspreche Euch, dass ich den Leichnam verbrennen werde.« Sie schüttelte nur den Kopf. »Nein ich muss dabei sein!« Die alte Frau sah vollkommen ausgelaugt aus, fast als würde sie jeden Moment umkippen. Aber er sah in ihren Augen, dass für sie diese Sache wichtig war. Wichtiger als der wohlverdiente Schlaf. Mitleid regte sich in ihm. Er verdankte ihr, dass zumindest die Mutter überlebt hatte, die Schuldgefühle nicht ganz so schwer wogen. Ihm war es eigentlich egal, ob das Kind oder was auch immer von ihm übrig war, direkt verbrannt wurde oder erst später. »Dann kommt.« Er ergriff den Eimer in der Ecke und wollte auch ihren Korb, der bereits an der Tür stand, nehmen. Doch sie schnappte sich den Korb so schnell, dass er kurz verwundert stutzte. Ihre anmutigen und schnellen Bewegungen straften ihr Alter und ihre Müdigkeit Lügen. Kane folgte ihr nachdenklich die abgewetzten Treppen hinunter. Sie keuchte und schien Schmerzen zu haben und machte zwischendrin immer wieder Pausen. Er musste sich getäuscht haben. Im Burghof ging er mit den Eimer geradewegs auf die Schmiede zu, in deren Feuerstelle das heißeste Feuer in der ganzen Burg brannte. Er warf den Eimer in die heiße Glut, sodass Funken stoben, und betrachtete traurig, wie die Flammen sich durch das Holz fraßen und danach den Inhalt verzerrten. Es roch stark nach Kräutern und verbranntem Fleisch. Hungrig knurrte sein Magen, und er würgte, als er daran dachte, was da gerade brannte. 1## ##_vignette_o_08_## Gegenwart, Cleveland Direkt vor ihr sprang die Ampel auf Rot. Ausgerechnet jetzt stand Tanja im Stau. Warum passierte immer ihr so etwas? Sie fluchte und beschimpfte sämtliche Autofahrer, die sich vor ihr auf der Straße befanden. Sie kam zu spät. Ungeduldig trommelte sie mit den Fingern auf dem Lenkrad ihres alten Hondas herum. Ausgerechnet heute lief alles schief. Sie hatte verschlafen, dank ihres sexbesessenen, sehr ausdauernden Nachbarn und den dünnen Papierwänden. Nicht, dass sie das normalerweise stören würde, aber ihr letztes Date lag nun leider auch schon zweieinhalb Jahre zurück. Die Ampel schaltete um auf Grün, doch kein Auto bewegte sich. Sie ließ entmutigt den Kopf auf das Lenkrad sinken. Ausgerechnet heute. Ein paar lärmende Teenager vor der Severance Hall fielen ihr ins Auge, sie hatten sichtlich ihren Spaß. Wehmütig dachte sie daran, dass sie in demselben Alter nicht so ausgelassen war. Dass ihr Leben zu diesem Zeitpunkt ein Trip in die Hölle war. Als die Ampel erneut auf Grün sprang, schüttelte sie den schmerzlichen Gedanken ab. Sie hatte es geschafft, hatte sich aus diesem Sumpf befreit und würde sich nicht durch die Erinnerungen daran wieder dort hineinziehen lassen. Erleichtert überquerte sie die Kreuzung. Sie hasste es, im Stau zu stehen, vor allem dann, wenn sie keine Musik hören konnte. Ihr Smartphone hatte sie gestern vergessen aufzuladen, und so war das Gerät schon vor einer halben Stunde verstummt. Jetzt konnte sie weder Musik hören noch in der Arbeit anrufen und Bescheid geben, dass sie zu spät kam. Verdammt! Normalerweise sortierte sie nur Akten, half bei mehr oder weniger wichtigen Recherchearbeiten in der Kanzlei, in der sie neben dem Studium arbeitete. Nur heute nicht, heute sollte sie eine Kollegin vertreten. Das war ihre Chance zu beweisen, dass mehr in ihr steckte. Ausgerechnet heute kam sie zu spät. Glück im Unglück, dachte sie nur eine halbe Stunde später, als ein glänzender Mercedes aus einer Parklücke, die sich direkt vor der Kanzlei befand, herausfuhr. Sie stieg aus ihrem rostigen Honda, der unter all den Nobelkarossen, etwas fehl am Platze wirkte, und zupfte ihr schlichtes und unbequemes Kostüm zurecht. Sie trug eine einfache weiße Bluse und einen schwarzen Blazer mit passendem Rock, der für ihren Geschmack viel zu eng war. Lieber waren ihr bequeme Jeans, T-Shirt und Turnschuhe. In ihnen hätte sie wahrscheinlich bei ihrem Sprint zu den sich schließenden Fahrstuhltüren auch eine bessere Figur gemacht als in den hochhackigen Pumps. Der ältere Herr im schwarzen Anzug lächelte sie an, als er ihr die Aufzugtüren aufhielt, und musterte sie interessiert. »Vielen lieben Dank«, keuchte sie völlig außer Atem. Dann drehte sie sich zu dem Bedienpaneel und drückte auf das zwölfte Stockwerk. Der elfte Stock leuchtete bereits. In der Spiegelung des Metalls, konnte sie sehen, wie der Mann ihr auf den Hintern glotzte. Sie schloss die Augen, versuchte ihre Instinkte, die sie sich in einem anderen Leben angeeignet hatte, zu unterdrücken. Einem Leben, das sie hinter sich gelassen hatte. Mit einem metallenen »Ding!« glitten die Türen des Aufzugs zur Seite, und der alte Lustmolch ging lächelnd und mit einem Zwinkern an ihr vorbei zu einem weißgrauen Mann mittleren Alters. Der Anwalt, der seinen Mandanten begrüßte, war bekannt dafür, dass er seine meist älteren und sehr reichen Mandanten aus Schwierigkeiten heraushielt, die jung, blond und gut aussehend waren und dafür sorgen konnten, dass das große Haus und das schicke Auto einer Ehefrau zugesprochen wurden. Sie setzte gezwungen ihr schönstes Lächeln auf, welches sofort verschwand, als die Aufzugtüren sich wieder schlossen. Tja, sie hatte schon früh die Erfahrung gemacht, dass Männer einfach Schweine waren. Sie seufzte. Wenn doch der Job nicht so gut bezahlt werden würde. Die Chance, die sich ihr hier geboten hatte, würde sie sich allerdings nicht wegen moralischer Gewissensbisse verbauen, dafür hatte sie zu viel und zu hart gearbeitet, um so weit zu kommen. Außerdem, wer war sie schon, um anderen moralische Vorhaltungen zu machen. Dazu hatte sie nicht das Recht, nicht nach allem, was sie getan hatte. Die Büroräume, die sie kurz darauf betrat, waren in einem modernen Retrostil aus den Fünfzigerjahren eingerichtet. Frische und üppige Blumenarrangements standen überall auf den hochwertigen und teuren Büromöbeln. An den weiß gekalkten Wänden wurde moderne Kunst gezeigt, die wahrscheinlich eher in einem Museum ausgestellt werden sollte, als hier nur reichen Snobs vor Augen zu führen, dass die Kanzlei Macht und Einfluss hatte. Eine attraktive junge Frau saß hinter dem Empfangstresen und beobachtete Tanja mit perfekt geschminkten Augen. Tanja winkte ihr zu, und die andere Angestellte verzog nur missbilligend die Mundwinkel, als sie zurückgrüßte. Obwohl sie sehr wohl wusste, dass sie – wenn sie es darauf anlegte – hübsch sein konnte, kam sie sich gegenüber den perfekt gestylten Sekretärinnen mit Modellmaßen, die durch die Gänge liefen, als wären sie auf einem Catwalk, vor wie das sprichwörtliche hässliche Entlein. Sie war knapp über eins sechzig groß, schmal und an einigen Stellen zu sehr gepolstert. Ihre Mutter war so zuversichtlich gewesen, dass aus ihrem Engel einmal eine Schönheit werden würde, obwohl sie dies zu diesem Zeitpunkt nicht hatte wissen können. Sie war gestorben, bevor sie sehen konnte, wie sich ihr kleiner Engel zu einer jungen Frau entwickelte. Wütend presste sie ihre Zähne aufeinander. Wahrscheinlich war es sogar besser so. So hatte sie nicht mit ansehen müssen, wie ihre geliebte Tochter ihr Leben wegwarf wie ein verschimmeltes altes Brot. Andererseits hätte sie niemals ihr Leben dermaßen mit Füßen getreten, wenn ihre Eltern noch leben würden. Sie stützte sich an der Wand ab und atmete tief durch. Versuchte den Schmerz, der seit ihrem elften Lebensjahr ein Teil von ihr war, zu verdrängen. Ihr Leben wäre damals anders verlaufen, wenn ihre Eltern diesen fürchterlichen Autounfall überlebt hätten. Nur ein paar blaue Flecken bewiesen, dass sie mit in dem Wagen gesessen hatte, der am Ende wie eine Ziehharmonika ausgesehen haben musste. Wieder versuchte sie die schmerzhaften Gedanken abzuschütteln und lief zügig weiter zu einem der hinteren Büros, vor denen glücklicherweise Mary saß. Mary war das Herz der Kanzlei und eher der mütterliche Typ, um die fünfzig, mit schütterem weißem Haar. Und eine der wenigen netten Angestellten, die sie hier kannte. Die ältere Frau lächelte Tanja zu. »Hallo, Herzchen, du bist aber etwas spät dran.« Tanja stöhnte theatralisch auf: »Du hast ja gar keine Ahnung.« Kane stand wie jedes Jahr um diese Zeit an der gleichen Stelle im Lakefront Park und betrachtete das weite Meer. Die wenigen kleinen Boote am Kai schaukelten durch den Wind hin und her und schlugen dumpf mit der Bordwand an die Holzbohlen des Stegs. Jahr für Jahr sah er immer wieder auf dieselbe Szene. Menschen bereiteten ihre Boote für den Winter vor, während die See einen leicht gräulichen Ton annahm und immer stürmischer wurde. Die letzten warmen Herbsttage gingen zu Ende. Er atmete tief die frische Seeluft ein und versuchte die aufkeimende Hoffnung, dass es dieses Jahr anders werden würde, zu unterdrücken. Dass er dieses Jahr endlich Erfolg haben würde und nächstes Jahr nicht wiederkehren müsste. Müde lehnte er sich an einen der großen Bäume, ließ seinen enttäuschten Blick über den menschenleeren Park schweifen und wartete. Worauf, wusste er selbst nicht einmal genau. Aber es war mittlerweile seine letzte Hoffnung, all die Qualen mussten endlich ein Ende finden. Wie jedes Jahr erinnerte er sich an jene schicksalhafte Nacht, welche seitdem sein Leben, sein ganzes Dasein bestimmte. Knapp fünfundzwanzig Jahre waren vergangen, seit er im Reich Sabel in diesem Drecksloch gewesen war. Fünfundzwanzig Jahre, in denen er sich Vorwürfe machte, dass er etwas übersehen hatte. Dass ihn dieses alte Weib an der Nase herumgeführt hatte, dass er seinen Ziehvater dermaßen enttäuscht hatte. Dass er schlicht und ergreifend versagt hatte. Nun stand er hier und hoffte, endlich seinen Schwur erfüllen zu können. Den Schwur, den er als Wiedergutmachung geleistet hatte. Wieso bin ich nur so dumm gewesen? Frustriert ballte er die Hände zu Fäusten, als er an all die Unannehmlichkeiten dachte, an all die Probleme, die ihn seitdem verfolgten. Dieser verdammte Schwur war zu seinem Fluch geworden. Er erinnerte sich, als wäre es geste...