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Die Hauptstadt

(ungekürzte Lesung)

(32)
Wo die Fäden zusammenlaufenFenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur in Brüssel, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der EU-Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an – die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte; David de Vriend dämmert in einem Altenheim seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Thinktank der Kommission Worte sprechen, die seine letzten sein könnten. Und was macht Brüssel? Es sucht einen Namen – für ein Schwein, das durch die Straßen läuft.Ungekürzt gelesen von Christian Berkel.(Laufzeit: 14h 21)
Portrait
Robert Menasse wurde am 21. Juni 1954 in Wien geboren. Menasse studierte in Wien, Salzburg und Messina Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft und promovierte 1980. Von 1981 bis 1988 arbeitete er an der Universität Sao Paulo in Brasilien als Assistent am Institut für Literaturtheorie. Seither ist der Schriftsteller und Essayist als freier Publizist tätig. 1990 wurde Robert Menasse als erster mit dem Heimito-von-Doderer-Preis ausgezeichnet. Der Schriftsteller, der auch als Übersetzer aus dem brasilianischen Portugiesisch arbeitet, lebt in Wien und Amsterdam. 2002 wurde er mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis, dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis und dem Lion-Feuchtwanger-Preis sowie 2003 mit dem Erich-Fried-Preis ausgezeichnet.
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Beschreibung

Produktdetails


Medium MP3
Sprecher Christian Berkel
Erscheinungsdatum 18.09.2017
Sprache Deutsch
EAN 9783844527810
Verlag Der Hörverlag
Spieldauer 861 Minuten
Format & Qualität MP3, 861 Minuten
Verkaufsrang 2.183
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Buchhändler-Empfehlungen

Eine Buchhändlerin/ein Buchhändler, Thalia-Buchhandlung Dresden

Ein würdiger Empfänger des Deutschen Buchpreises! Der ironische Ton mildert etwas das Erschrecken über die sich selbst ausbremsende Bürokratie der EU. Ein würdiger Empfänger des Deutschen Buchpreises! Der ironische Ton mildert etwas das Erschrecken über die sich selbst ausbremsende Bürokratie der EU.

Svenja Disselbeck, Thalia-Buchhandlung Hürth

Zurecht erhielt Menasse für diesen Roman den „Deutschen Buchpreis 2017“! Ein Stil, der an Poesie und Anmut, aber auch an philosophischer Tiefe nicht zu überbieten ist! Zurecht erhielt Menasse für diesen Roman den „Deutschen Buchpreis 2017“! Ein Stil, der an Poesie und Anmut, aber auch an philosophischer Tiefe nicht zu überbieten ist!

Sabine Schmidt, Thalia-Buchhandlung Korbach

Robert Menasse schreibt mit großer Kenntnis und feinem Humor über Geschicke und Schicksale von Menschen, die in Brüssel für die EU arbeiten. Kluge Unterhaltung auf bestem Niveau. Robert Menasse schreibt mit großer Kenntnis und feinem Humor über Geschicke und Schicksale von Menschen, die in Brüssel für die EU arbeiten. Kluge Unterhaltung auf bestem Niveau.

„Einfach unglaublich!“

Dermot Willis, Thalia-Buchhandlung Kassel

Gewinner des Deutschen Buchpreises für 2017. Robert Menasses unglaublicher Roman erzählt die Geschichte des EU-Jubiläums. Menasse trifft mit seinem wunderbar poetischen und philosophischen Schreibstil mit Bravour den Punkt. Ein Buch mit einer unglaublich tiefen Botschaft. Dieses Buch wird alle begeistern, die an Politik, Weltangelegenheiten und auch an der Kunst des schönen
Schreibens interessiert sind.
Gewinner des Deutschen Buchpreises für 2017. Robert Menasses unglaublicher Roman erzählt die Geschichte des EU-Jubiläums. Menasse trifft mit seinem wunderbar poetischen und philosophischen Schreibstil mit Bravour den Punkt. Ein Buch mit einer unglaublich tiefen Botschaft. Dieses Buch wird alle begeistern, die an Politik, Weltangelegenheiten und auch an der Kunst des schönen
Schreibens interessiert sind.

„Deutscher Buchpreis 2017“

Andrea Kowalleck, Thalia-Buchhandlung Saalfeld

Dieser Roman wurde mit dem Deutschen Buchpreis 2017 ausgezeichnet, er ist thematisch am Puls der Zeit, die Protagonisten sind gut durchdacht und er lässt den Leser auf unterhaltsame Weise am Geschehen in Europa teilhaben. Hochaktuell, tiefsinnig, geistreich, sarkastisch, witzig... lesenswert! Dieser Roman wurde mit dem Deutschen Buchpreis 2017 ausgezeichnet, er ist thematisch am Puls der Zeit, die Protagonisten sind gut durchdacht und er lässt den Leser auf unterhaltsame Weise am Geschehen in Europa teilhaben. Hochaktuell, tiefsinnig, geistreich, sarkastisch, witzig... lesenswert!

Eine Buchhändlerin/ein Buchhändler, Thalia-Buchhandlung Berlin

Diese hochaktuelle Lektüre macht einfach Spaß! Menasse hat moralische genauso wie politische Fragen in eine spannende und auch witzige Geschichte verpackt. Diese hochaktuelle Lektüre macht einfach Spaß! Menasse hat moralische genauso wie politische Fragen in eine spannende und auch witzige Geschichte verpackt.

„Gewinner des Deutschen Buchpreises 2017“

Carina Nickenig, Thalia-Buchhandlung Neuwied

Ein Schwein läuft durch Brüssel - so beginnt der Buchpreisträger 2017 Robert Menasse seinen Europa-Roman.
Als Leser ist man direkt mitten im Gesehen und wird gefesselt von einer unheimlich unterhaltsamen und intelligenten Story mitten aus der Mitte Europas. Hochaktuell und spannend lernt, dass Europa für den Frieden steht und dieser nicht selbstverständlich ist. Ein würdiger Preisträger!
Ein Schwein läuft durch Brüssel - so beginnt der Buchpreisträger 2017 Robert Menasse seinen Europa-Roman.
Als Leser ist man direkt mitten im Gesehen und wird gefesselt von einer unheimlich unterhaltsamen und intelligenten Story mitten aus der Mitte Europas. Hochaktuell und spannend lernt, dass Europa für den Frieden steht und dieser nicht selbstverständlich ist. Ein würdiger Preisträger!

„Brüssel und Europa per Schweinsgalopp“

Beatrice Plümer, Thalia-Buchhandlung Oberhausen

Ein blitzgescheites Buch, das in atemberaubender Beiläufigkeit durch die moralischen und historischen Untiefen der europäischen Geschichte und Gegenwart führt.
Es beschreibt über einen kurzen Zeitraum hinweg das Leben von einigen sehr unterschiedlichen Personen, die alle kleine, aber markante Puzzleteile sind, Knotenpunkte im komplexen Netzwerk der Biografie Europas.
Es zeigt die Akteure als Menschen, als Privatpersonen und zugleich politische Wesen in ihrer gesellschaftlichen Rolle.
Es changiert zwischen Pathos und Banalität, Bedeutsamkeit und Leere, Komik und Tragik.
Gerade eine gewisse Gefühllosigkeit in der Darstellung erzeugt Gefühl und sogar Mitgefühl.
Zentrales Thema ist die Kommunikation, das stete Missverstehen, Nichtverstehen, gewollt und ungewollt, zu viele Interpretationsmöglichkeiten, zu viele Sprachen und zu wenig Sprechen, zu wenig und falsches Verständnis.
Über allem der Wunsch nach einem sinnvollen Dasein.
Und dazwischen ein namenloses Schwein ohne Herkunft, für das keiner die Verantwortung will und das am Ende einfach wieder verschwindet.
Ein Buch über Europa.
Ein blitzgescheites Buch, das in atemberaubender Beiläufigkeit durch die moralischen und historischen Untiefen der europäischen Geschichte und Gegenwart führt.
Es beschreibt über einen kurzen Zeitraum hinweg das Leben von einigen sehr unterschiedlichen Personen, die alle kleine, aber markante Puzzleteile sind, Knotenpunkte im komplexen Netzwerk der Biografie Europas.
Es zeigt die Akteure als Menschen, als Privatpersonen und zugleich politische Wesen in ihrer gesellschaftlichen Rolle.
Es changiert zwischen Pathos und Banalität, Bedeutsamkeit und Leere, Komik und Tragik.
Gerade eine gewisse Gefühllosigkeit in der Darstellung erzeugt Gefühl und sogar Mitgefühl.
Zentrales Thema ist die Kommunikation, das stete Missverstehen, Nichtverstehen, gewollt und ungewollt, zu viele Interpretationsmöglichkeiten, zu viele Sprachen und zu wenig Sprechen, zu wenig und falsches Verständnis.
Über allem der Wunsch nach einem sinnvollen Dasein.
Und dazwischen ein namenloses Schwein ohne Herkunft, für das keiner die Verantwortung will und das am Ende einfach wieder verschwindet.
Ein Buch über Europa.

Annette W. , Thalia-Buchhandlung Berlin

Eine Portion Sarkasmus und eine Prise Ironie reichen dem Autor, um die große Politik Europas verbunden mit dem Intrigen und Machtgerangel in der EU- Kommission zu erzählen. Toll! Eine Portion Sarkasmus und eine Prise Ironie reichen dem Autor, um die große Politik Europas verbunden mit dem Intrigen und Machtgerangel in der EU- Kommission zu erzählen. Toll!

Dorothea Weiss, Thalia-Buchhandlung Jena

Ein Roman über den Traum von Europa, der an der Profitgier und dem Egoismus Einzelner zu zerbrechen droht. Unterhaltsam und aktuell! Großartig! Ein Roman über den Traum von Europa, der an der Profitgier und dem Egoismus Einzelner zu zerbrechen droht. Unterhaltsam und aktuell! Großartig!

„Es gibt nichts, was du für das Projekt noch tun kannst, es ist tot. “

Sebastian Krieg, Thalia-Buchhandlung Kassel

Der Gewinner des Buchpreises 2017 ist Robert Menasse. Und das ist gut so.
Wer sich wie er darauf versteht, Bürokratiemühlenpolitik, Reglementierungswahn, zeitgenössisches Gefühl und vieles andere mehr in einem fulminanten, vor Witz und Originalität strotzenden, Roman zu verpacken, dem sei eine große Leserschaft gegönnt. Menasse zeichnet das Bild einer Europäischen Union, die - hat sie ihre Identität verloren? - Rechenschaft ablegen muss, auch weil die Grenzen nach rechts durchlässig werden; einer Union, die sich mit Blick auf geschichtliche Fehlentwicklungen gründete, nationales Denken aufzuheben versuchte.
In der Begründung der Jury des Deutschen Buchpreis 2017 wird die dem Buch anhängliche Eigenschaft treffend ausgedrückt: "Zeitgenossenschaft ist darin literarisch so realisiert, dass sich Zeitgenossen im Werk wiedererkennen und Nachgeborene diese Zeit besser verstehen werden."
Ein unterhaltsames, ein vielschichtiges Buch: Eine absolute Empfehlung!
Der Gewinner des Buchpreises 2017 ist Robert Menasse. Und das ist gut so.
Wer sich wie er darauf versteht, Bürokratiemühlenpolitik, Reglementierungswahn, zeitgenössisches Gefühl und vieles andere mehr in einem fulminanten, vor Witz und Originalität strotzenden, Roman zu verpacken, dem sei eine große Leserschaft gegönnt. Menasse zeichnet das Bild einer Europäischen Union, die - hat sie ihre Identität verloren? - Rechenschaft ablegen muss, auch weil die Grenzen nach rechts durchlässig werden; einer Union, die sich mit Blick auf geschichtliche Fehlentwicklungen gründete, nationales Denken aufzuheben versuchte.
In der Begründung der Jury des Deutschen Buchpreis 2017 wird die dem Buch anhängliche Eigenschaft treffend ausgedrückt: "Zeitgenossenschaft ist darin literarisch so realisiert, dass sich Zeitgenossen im Werk wiedererkennen und Nachgeborene diese Zeit besser verstehen werden."
Ein unterhaltsames, ein vielschichtiges Buch: Eine absolute Empfehlung!

Annegrit Fehringer, Thalia-Buchhandlung Kassel

Deutscher Buchpreis! Das ist ein großartiger und vielschichtiger Roman über Brüssel und die EU! Spannend und kenntnisreich geschrieben! Überragend! Deutscher Buchpreis! Das ist ein großartiger und vielschichtiger Roman über Brüssel und die EU! Spannend und kenntnisreich geschrieben! Überragend!

Sarah Scheulen, Thalia-Buchhandlung Dorsten

Ein cleverer und unterhaltsamer Europa-Roman, welcher sprachlich gekonnt und mit einer Prise (bösen) Humors erzählt wird. Ein verdienter Gewinner des deutschen Buchpreises 2017. Ein cleverer und unterhaltsamer Europa-Roman, welcher sprachlich gekonnt und mit einer Prise (bösen) Humors erzählt wird. Ein verdienter Gewinner des deutschen Buchpreises 2017.

„Ein Schwein geht um in Europa“

Florian Rudewig, Thalia-Buchhandlung Kassel

Robert Menasse hat mit seinem Buch den etwas in den Hintergrund gerückten Zeitgeist getroffen. Durch müßige Diskussionen über Afd, Flüchtlinge und "besorgte Bürger" ist das große Projekt der Nachwendezeit - ein vereinigtes Europa - leider zunehmend in den Hintergrund gerückt.
In diesem zu Recht hochbewerteten Roman wird das Projekt Europa aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Sehr symbolisch lässt Menasse daher auch gleich ein Schwein durch Europas inoffizielle Hauptstadt Brüssel mäandern und so verschiedenste Gruppen und Einzelpersonen verunsichern. Dies dient als Anstoß für mehrere Handlungsstränge, in denen es immer um die Beziehung von Person, Nation und EU geht. Die handlungstragenden Personen sind sehr eindrücklich, ganz unterschiedlich und erfrischend unprätentiös.
Auch wenn am Ende der große Knalleffekt ausbleibt, enttäuscht der Roman in keinster Weise, sondern stellt eines ganz klar in den Fokus: Europa ist ein Friedensprojekt und Frieden ist nicht selbstverständlich.
Robert Menasse hat mit seinem Buch den etwas in den Hintergrund gerückten Zeitgeist getroffen. Durch müßige Diskussionen über Afd, Flüchtlinge und "besorgte Bürger" ist das große Projekt der Nachwendezeit - ein vereinigtes Europa - leider zunehmend in den Hintergrund gerückt.
In diesem zu Recht hochbewerteten Roman wird das Projekt Europa aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Sehr symbolisch lässt Menasse daher auch gleich ein Schwein durch Europas inoffizielle Hauptstadt Brüssel mäandern und so verschiedenste Gruppen und Einzelpersonen verunsichern. Dies dient als Anstoß für mehrere Handlungsstränge, in denen es immer um die Beziehung von Person, Nation und EU geht. Die handlungstragenden Personen sind sehr eindrücklich, ganz unterschiedlich und erfrischend unprätentiös.
Auch wenn am Ende der große Knalleffekt ausbleibt, enttäuscht der Roman in keinster Weise, sondern stellt eines ganz klar in den Fokus: Europa ist ein Friedensprojekt und Frieden ist nicht selbstverständlich.

„Gebt dem Schwein doch bitte endlich einen Namen!“

Laura Schwartz, Thalia-Buchhandlung Landau

Alles fängt mit einem Schwein an.
Ein Schwein rennt durch Brüssel.
Wie beiläufig läuft es vorbei an geschichtsträchtigen Gebäuden, voll besuchten Waffelständen und beeinträchtigt ganz nebenbei noch den turbulenten Brüsseler Verkehr.
Unser Schwein wird Zeuge eines grausamen Verbrechens, beobachtet das Davontragen der Leiche, sieht das Heranrücken der Brüsseler Polizei, allen voran Kommissar Brunfaut. Doch unser Schwein will all das nicht sehen, will nicht Zeuge davon werden und so wendet es sich schnell ab, dreht sich um und setzt seinen Weg fort, weiter durch die verregnete Brüsseler Innenstadt.
Und so kommt es, dass unser Schwein auf Xenia Xenopoulou trifft, Abteilung Kulutrressort der Europäischen Kommission, deren Aufgabe es ist, das angeschlagene Image der Kommission aufzubessern. Es trifft auf Martin Susman, der genau diese Aufgabe für Xenia erfüllen soll und dafür weit in die Vergangenheit zurückreisen möchte, bis hin zu den dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte. Es trifft auf David de Vriend, der als Kind von einem Deportationszug gesprungen ist und nun sein Leben in einem Altersheim fristet. Und es trifft auf Elois Erhart, der seine Vision der Europäischen Union gegenüber allen Zweiflern entschlossen zu verteidigen weiß, denn er ist sich ganz sicher: was die Europäische Union braucht, ist eine gemeinsame Hauptstadt und was würde sich dafür besser eignen, als der dunkelste Ort der europäischen Geschichte: Auschwitz.
Doch unser Schwein will von all dem nichts wissen, es läuft weiter, weiter durch die verregnete Stadt und stellt deren Bürger schließlich vor die eine entscheidende Frage: Was macht ein Schwein in Brüssel? Und, noch viel wichtiger, wie soll es denn nun heißen, unser Brüsseler Schwein?

Es ist ein kühnes Unterfangen, dem sich Menasse hier verpflichtet, nämlich nichts Geringerem als dem Literarisieren eines über-bürokratiesierten Themas wie der Europäischen Union.
Und dennoch ist es ein Unterfangen, welches er auf außerordentliche Weise zu meistern weiß.
Menasse gelingt es, das Innenleben der Europäischen Unionen auf treffende (und gleichzeitig erschreckende Weise) darzustellen, er kreiert ein europäisches Panorama und schafft es, die Problematik der Europäischen Union, den Prozess der Gesetzgebung und Interessenverwaltung, anhand einfacher Beispiel (und wieder grüßt uns unser Schwein) darzustellen.
Zugegeben in Menasse’s Roman muss man sich erst einmal einlesen. Die vielen parallelen Handlungsstränge und die unterschiedlichen Protagonisten verlangen dem Leser durchaus einiges ab und es braucht eine ganze Weile, bis man ansatzweise versteht, was hier eigentlich vor sich geht.
Aber dieser Ausbau des Romans, diese Vielzahl von unterschiedlichen Gegebenheiten, kann von Menasse nur gewollt sein.
Denn ist die EU nicht genau das?
Unterschiedliche Organe, alle nebeneinander bestehend, die eigenständig wirken und doch irgendwie miteinander zusammenhängen.
Genau wie auch die Protagonisten irgendwie miteinander zusammenhängen, in Kontakt stehen, wenn es auch nur die Friedhofsbank ist, auf der sie sich für einen kurzen Moment begegnen.
Menasse’s Europa konstituiert sich aus Einzelgängern, die nur durch kurze Berührungspunkte verbunden sind, statt Solidarität findet man das Streben nach beruflichem Aufstieg und das Durchsetzen von Einzelinteressen.
So macht es auf den ersten Blick den Eindruck, als hätten all diese Protagonisten nur eines gemeinsam: das Brüsseler Schwein, dem sie alle auf ihrem Weg begegnet sind.
Und schon sind wir wieder bei Menasse’s all umfassender Metapher, dem Schwein in den Straßen von Brüssel. Ein Schwein, welches alle Menschen unterschiedlich wahrnehmen: mal ist es klein und rund, mal aggressiv mit einem großen Kopf, mal flieht es schnell um die nächstgelegene Ecke.
Es braucht nicht viel, um zu erkennen, dass das Schwein nicht nur ein Schwein, sondern gleichzeitig ein Symbol ist. Ein Symbol für die Europäische Union als Ganzes.
Und so ist die Frage, nach einem passenden Namen für das Brüsseler Schwein, eigentlich eine ganz andere: Es ist die Frage, nach einem passenden Namen für die Europäische Union, nach einer Entscheidung, was die EU denn nun eigentlich sein will, ein Staatenbund oder eine Art europäischer Bundesstaat.
Es ist die Frage, wie denn damit umgegangen werden soll, wenn für den Namen des Schweins irgendwann der Vorschlag „Mohamed“ auf dem Tisch liegt.
Ist es richtig, wie es in Menasse’s Roman der Fall ist, sich dann zu entscheiden, doch nicht mehr am Namensgebungsprozess teilnehmen zu wollen?
Ergo, ist es richtig, angesichts des gegenwärtigen Flüchtlingsproblem die Mauern höher zu bauen, die Grenzen fester ziehen zu wollen?
Die Frage nach einem Namen für das Brüssler Schwein ist somit nicht mehr und nicht weniger, ist keine geringere Frage, als die nach der grundlegenden Ausrichtung der Europäischen Union.

Nicht zuletzt ist Menasse’s Roman ein Appell an uns alle.
Ein Appell an die Gemeinschaft, die Europäische Gemeinschaft, innezuhalten und zu reflektieren und aus der Geschichte, unserer Geschichte, zu lernen und uns der Verantwortung zu stellen.
Es ist ein Appell an unser Gewissen, uns der historischen Bedeutung der Europäischen Union, gerade in Zeiten wie diesen, bewusst zu werden und uns nicht verleiten zu lassen, von inhaltlosen Parolen und dem Streben nach Einzelinteressen.
Stattdessen braucht es Mut und den Wille zur Einheit und Einigung, um dem Schwein endlich, endlich, einen Namen geben zu können.
Einen Namen, mit dem alle zufrieden sind, der alle einschließt und für eine gemeinsame Zukunft steht.

In diesem Sinne: Gebt dem Schwein doch bitte endlich einen Namen!
Alles fängt mit einem Schwein an.
Ein Schwein rennt durch Brüssel.
Wie beiläufig läuft es vorbei an geschichtsträchtigen Gebäuden, voll besuchten Waffelständen und beeinträchtigt ganz nebenbei noch den turbulenten Brüsseler Verkehr.
Unser Schwein wird Zeuge eines grausamen Verbrechens, beobachtet das Davontragen der Leiche, sieht das Heranrücken der Brüsseler Polizei, allen voran Kommissar Brunfaut. Doch unser Schwein will all das nicht sehen, will nicht Zeuge davon werden und so wendet es sich schnell ab, dreht sich um und setzt seinen Weg fort, weiter durch die verregnete Brüsseler Innenstadt.
Und so kommt es, dass unser Schwein auf Xenia Xenopoulou trifft, Abteilung Kulutrressort der Europäischen Kommission, deren Aufgabe es ist, das angeschlagene Image der Kommission aufzubessern. Es trifft auf Martin Susman, der genau diese Aufgabe für Xenia erfüllen soll und dafür weit in die Vergangenheit zurückreisen möchte, bis hin zu den dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte. Es trifft auf David de Vriend, der als Kind von einem Deportationszug gesprungen ist und nun sein Leben in einem Altersheim fristet. Und es trifft auf Elois Erhart, der seine Vision der Europäischen Union gegenüber allen Zweiflern entschlossen zu verteidigen weiß, denn er ist sich ganz sicher: was die Europäische Union braucht, ist eine gemeinsame Hauptstadt und was würde sich dafür besser eignen, als der dunkelste Ort der europäischen Geschichte: Auschwitz.
Doch unser Schwein will von all dem nichts wissen, es läuft weiter, weiter durch die verregnete Stadt und stellt deren Bürger schließlich vor die eine entscheidende Frage: Was macht ein Schwein in Brüssel? Und, noch viel wichtiger, wie soll es denn nun heißen, unser Brüsseler Schwein?

Es ist ein kühnes Unterfangen, dem sich Menasse hier verpflichtet, nämlich nichts Geringerem als dem Literarisieren eines über-bürokratiesierten Themas wie der Europäischen Union.
Und dennoch ist es ein Unterfangen, welches er auf außerordentliche Weise zu meistern weiß.
Menasse gelingt es, das Innenleben der Europäischen Unionen auf treffende (und gleichzeitig erschreckende Weise) darzustellen, er kreiert ein europäisches Panorama und schafft es, die Problematik der Europäischen Union, den Prozess der Gesetzgebung und Interessenverwaltung, anhand einfacher Beispiel (und wieder grüßt uns unser Schwein) darzustellen.
Zugegeben in Menasse’s Roman muss man sich erst einmal einlesen. Die vielen parallelen Handlungsstränge und die unterschiedlichen Protagonisten verlangen dem Leser durchaus einiges ab und es braucht eine ganze Weile, bis man ansatzweise versteht, was hier eigentlich vor sich geht.
Aber dieser Ausbau des Romans, diese Vielzahl von unterschiedlichen Gegebenheiten, kann von Menasse nur gewollt sein.
Denn ist die EU nicht genau das?
Unterschiedliche Organe, alle nebeneinander bestehend, die eigenständig wirken und doch irgendwie miteinander zusammenhängen.
Genau wie auch die Protagonisten irgendwie miteinander zusammenhängen, in Kontakt stehen, wenn es auch nur die Friedhofsbank ist, auf der sie sich für einen kurzen Moment begegnen.
Menasse’s Europa konstituiert sich aus Einzelgängern, die nur durch kurze Berührungspunkte verbunden sind, statt Solidarität findet man das Streben nach beruflichem Aufstieg und das Durchsetzen von Einzelinteressen.
So macht es auf den ersten Blick den Eindruck, als hätten all diese Protagonisten nur eines gemeinsam: das Brüsseler Schwein, dem sie alle auf ihrem Weg begegnet sind.
Und schon sind wir wieder bei Menasse’s all umfassender Metapher, dem Schwein in den Straßen von Brüssel. Ein Schwein, welches alle Menschen unterschiedlich wahrnehmen: mal ist es klein und rund, mal aggressiv mit einem großen Kopf, mal flieht es schnell um die nächstgelegene Ecke.
Es braucht nicht viel, um zu erkennen, dass das Schwein nicht nur ein Schwein, sondern gleichzeitig ein Symbol ist. Ein Symbol für die Europäische Union als Ganzes.
Und so ist die Frage, nach einem passenden Namen für das Brüsseler Schwein, eigentlich eine ganz andere: Es ist die Frage, nach einem passenden Namen für die Europäische Union, nach einer Entscheidung, was die EU denn nun eigentlich sein will, ein Staatenbund oder eine Art europäischer Bundesstaat.
Es ist die Frage, wie denn damit umgegangen werden soll, wenn für den Namen des Schweins irgendwann der Vorschlag „Mohamed“ auf dem Tisch liegt.
Ist es richtig, wie es in Menasse’s Roman der Fall ist, sich dann zu entscheiden, doch nicht mehr am Namensgebungsprozess teilnehmen zu wollen?
Ergo, ist es richtig, angesichts des gegenwärtigen Flüchtlingsproblem die Mauern höher zu bauen, die Grenzen fester ziehen zu wollen?
Die Frage nach einem Namen für das Brüssler Schwein ist somit nicht mehr und nicht weniger, ist keine geringere Frage, als die nach der grundlegenden Ausrichtung der Europäischen Union.

Nicht zuletzt ist Menasse’s Roman ein Appell an uns alle.
Ein Appell an die Gemeinschaft, die Europäische Gemeinschaft, innezuhalten und zu reflektieren und aus der Geschichte, unserer Geschichte, zu lernen und uns der Verantwortung zu stellen.
Es ist ein Appell an unser Gewissen, uns der historischen Bedeutung der Europäischen Union, gerade in Zeiten wie diesen, bewusst zu werden und uns nicht verleiten zu lassen, von inhaltlosen Parolen und dem Streben nach Einzelinteressen.
Stattdessen braucht es Mut und den Wille zur Einheit und Einigung, um dem Schwein endlich, endlich, einen Namen geben zu können.
Einen Namen, mit dem alle zufrieden sind, der alle einschließt und für eine gemeinsame Zukunft steht.

In diesem Sinne: Gebt dem Schwein doch bitte endlich einen Namen!

Bettina Mohler, Thalia-Buchhandlung Soest

Pointenreicher und unterhaltsamer EU-Roman. Das Brüsseler Beamtenmilieu gepaart mit einem geheimnisvollen Todesfall. Klug und sehr vergnüglich! Ein Plädoyer für Europa. Pointenreicher und unterhaltsamer EU-Roman. Das Brüsseler Beamtenmilieu gepaart mit einem geheimnisvollen Todesfall. Klug und sehr vergnüglich! Ein Plädoyer für Europa.

„Der zerstörte Traum vom gemeinsamen Europa“

Ulrike Kaiser, Thalia-Buchhandlung Mülheim Rhein-Ruhr-Zentrum

Ein großartiger Roman, der am Beispiel eines Jubiläumsprojekts zeigt, wie die EU funktioniert - oder eben auch nicht. Der Geist vom gemeinsamen Europa der EU fällt den Einzelinteressen seiner Mitgliedsstaaten zum Opfer.
Brillant erzählt, überspitzt im konkreten Beispiel, ist dieser Roman für mich absolut zu Recht Gewinner des Deutschen Buchpreises!
Ein großartiger Roman, der am Beispiel eines Jubiläumsprojekts zeigt, wie die EU funktioniert - oder eben auch nicht. Der Geist vom gemeinsamen Europa der EU fällt den Einzelinteressen seiner Mitgliedsstaaten zum Opfer.
Brillant erzählt, überspitzt im konkreten Beispiel, ist dieser Roman für mich absolut zu Recht Gewinner des Deutschen Buchpreises!

Rolf Münker, Thalia-Buchhandlung Siegburg

Hervorragender Roman, die Kleinkriege innerhalb der EU-Behörden werden köstlich seziert.
Gleichzeitig wird dem Leser die Vergänglichkeit der Schuldfrage bewusst gemacht
Hervorragender Roman, die Kleinkriege innerhalb der EU-Behörden werden köstlich seziert.
Gleichzeitig wird dem Leser die Vergänglichkeit der Schuldfrage bewusst gemacht

Kundenbewertungen

Durchschnitt
32 Bewertungen
Übersicht
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Die Hauptstadt von Robert Menasse
von einer Kundin/einem Kunden aus Dortmund am 06.03.2018
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Mir gefällt die Geschichte und erzählweise dieses Buchs. Empfehlenswert. Wer bisher keine Vorstellung von der Arbeitsweise der EU-Bürokratie hat, hier wird liebevoll ein Bild entworfen, das die hohen Kosten leicht und flockig erklärt. Der Mensch unterwirft sich den Regeln, oder wird entsorgt.

Brüsseler Intrigen und die mögliche Zukunft Europas
von Circlestones Books Blog am 10.02.2018
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

„Wir haben Experten für alles, sagte Hidekuti. Wir können Regen machen, und wir können das so machen, dass die Kommission im Regen steht.“ (Zitat Seite 330) Inhalt: Fenia „Xeno“ Xenopoulou hat Wirtschaft studiert, doch der erhoffte Aufstieg innerhalb der Europäischen Kommission beförderte sie ausgerechnet ins Kultur Ressort, als Leiterin der Direktion... „Wir haben Experten für alles, sagte Hidekuti. Wir können Regen machen, und wir können das so machen, dass die Kommission im Regen steht.“ (Zitat Seite 330) Inhalt: Fenia „Xeno“ Xenopoulou hat Wirtschaft studiert, doch der erhoffte Aufstieg innerhalb der Europäischen Kommission beförderte sie ausgerechnet ins Kultur Ressort, als Leiterin der Direktion C, Kommunikation. Dies möchte sie rasch ändern und zumindest wieder ins Ressort Handel zurück. Gleichzeitig sucht Grace Atkinson, die neue Generaldirektorin des Kommunikationsdienstes nach einer zündenden Idee, das Image der Europäischen Kommission bei den EU Bürgern zu verbessern, das 50 Jahre-Jubiläum in zwei Jahren scheint ihr der perfekte Anlass. Fenia Xenopoulou wiederum sieht eine Chance, sich zu profilieren und erklärt das Big Jubilee Project zu einer Sache des Ressorts Kultur. Ihr Mitarbeiter Dr. Martin Susman kommt von einem Besuch in Auschwitz zurück und mit der hat eine Idee für das Jubiläumsprojekt. Die Überlebenden von Auschwitz, die der Wunsch nach einem Leben in Würde und Freiheit einte. Doch wo findet man diese Überlebenden? Neue Visionen zur Zukunft der EU „New Pact for Europe“ sind auch das Thema eines Think-Tank aus internationalen Fachleuten, dem auch der österreichische Professor DDr. Alois Erhart. Er schlägt dem Gremium die Errichtung einer neuen Hauptstadt vor … Für weitere Verwirrung sorgt ein Schwein, das durch Brüssel irrt und ein Mord im Hotel Atlas, den Kommissar Brunfaut untersuchen will, aber nicht darf. In seinem Europa-Roman stellt der Autor die Hauptpersonen, um die er seine Geschichte entwickelt, dem Leser vor, indem er sie durch eine Gemeinsamkeit eint: alle sehen ein Schwein, dass durch Brüssel läuft und einen keineswegs friedlichen Eindruck macht. Dies sind die ehrgeizige Fenia „Xeno“ Xenopoulou, gegen ihre Wünsche ins Kultur Ressort befördert und Kai-Uwe Frigge, Kabinettchef Generaldirektion Handel, mit dem sie eine lockere Beziehung hat; Dr. Martin Susman, Mitarbeiter in ihrem Team, Kind österreichischer Bauern, dessen Bruder Florian den elterlichen Schweinemastbetrieb erfolgreich weiterführt; Ryszard „Mateusz“ Oswiecki, der einen Auftrag ausgeführt hat und untertaucht; David de Vriend, der in Brüssel lebt, Auschwitz überlebt hat und gerade in ein Altersheim übersiedelt ist; Prof. DDr. Alois Erhart, auch im Alter noch damit beschäftigt ist, seine Kindheit zu verarbeiten und endlich seine eigenen Visionen findet; Kommissar Emile Brunfaut der einen Mordfall vergessen soll, statt ihn aufzuklären. Jede dieser Hauptpersonen hat ihre eigene Geschichte, die Menasse erzählt, teilweise durch Rückblenden, vor allem aber, indem er uns an ihren Gedanken teilhaben lässt. Dadurch erklären sich Verhaltensweisen und Handlungen. Manche der Personen kennen einander, andere begegnen sich, verharren jedoch in der Anonymität der Großstadt und als Leser möchte ihnen zurufen, doch miteinander zu reden, weil es wichtig wäre. Die Sprachenvielfalt in Brüssel macht die Kommunikation nicht einfacher. Robert Menasse beschreibt in diesem Roman das Gefüge der Europäischen Union, Abläufe in der Bürokratie von Brüssel, und dies alles so realistisch, dass es genau so passiert sein könnte, teilweise auch ist. Ähnliche Personen wie die Hauptakteure seiner Geschichte kennen wir alle. Kritisch werden Verträge hinterfragt, die internen Querelen nachvollzogen, aber Kernstück ist die Frage nach der Eigenständigkeit der Nationen unter der Idee einer supranationalen Zukunft – und der nach wie vor aktuelle Umgang mit der Vergangenheit. Die parallel laufenden Einzelschicksale machen die Geschichte spannend, dazu kommt die gekonnte sprachliche Qualität, die Lesevergnügen garantiert. Besonders die genialen philosophischen Betrachtungen über Dinge wie Senf und Insekten, die der Autor Dr. Martin Susman anstellen lässt, sind skurril, geistreich und witzig. Leider lässt die Spannung in der zweiten Hälfte des Buches etwas nach, der Autor will uns hier meiner Meinung nach einfach zu viel über Abläufe in der EU und in den Kommissionen mitteilen und auch die langatmigen inneren Selbstdialoge von Prof. Erhart haben dazu geführt, dass mich der Autor kurzzeitig verloren hat, die Geschichte schien mir irgendwie in Nebensächlichkeiten auszufransen. Dann jedoch führt der Autor die Personen im Finale nochmals zusammen und lässt das Schicksal einen gewaltigen Schlusspunkt setzen. Beim Erscheinen dieses Romans war ich natürlich gespannt, aber die Leseprobe hat mich eher ratlos gemacht. Als Österreicherin kannte ich Menasse bisher nur als Essayist und dieser Roman schien für mich in Richtung Essay, zum Ganzen zusammengefügt, zu gehen. Doch trotz kleiner Einschränkungen hat mich dieser Roman überzeugt und ich habe ihn mit Vergnügen gelesen. Ich empfehle ihn für Leser, die am Thema Europa uinteressiert sind und mögliche Lösungswege für eine gemeinsame Zukunft, und an mit ihren Eigenheiten nur allzu menschlichen Personen. Wenn sie zu wissen glauben, dass EPP für European People's Party, Europäische Volkspartei, steht, dann sollten sie lesen, was Menasse dazu eingefallen ist.

Das Schwein und störende Ideen.
von Gisela Simak aus Landshut am 15.01.2018
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Meine Meinung Das Schwein und störende Ideen. Der Roman beginnt damit, dass ein Schwein panisch durch Brüssel läuft. Männer und Frauen geraten in Panik. Manch einer stürzt vor Schreck auf den regennassen Straßen und wälzt sich im Dreck. Ich dachte bei mir, wie skurril diese Situation anmutet. Ein Schwein jagt erwachsenen... Meine Meinung Das Schwein und störende Ideen. Der Roman beginnt damit, dass ein Schwein panisch durch Brüssel läuft. Männer und Frauen geraten in Panik. Manch einer stürzt vor Schreck auf den regennassen Straßen und wälzt sich im Dreck. Ich dachte bei mir, wie skurril diese Situation anmutet. Ein Schwein jagt erwachsenen Menschen Angst ein. Mutig sind wir Menschen wirklich nur dann, wenn so ein beschauliches Nutztier paniert und dampfend auf unserem Teller liegt. Das Thema Schweinehandel hat mir sehr zu denken gegeben. Wie hier mit Lebewesen gehandelt wird, ist einfach nicht richtig. Aber, das wissen wir längst. Ich habe mir die Frage gestellt: Ist das Schwein als Symbol für unsere Politik gedacht? Ich habe vorher noch nie ein Buch gelesen, dessen Schwerpunkt auf Politik beruht. Der Autor hat es geschafft, dass mich die Geschichte um die EU gefesselt hat. Man lernt viele Personen kennen, bei denen man sich fragt, was sie mit der Handlung zu tun haben. Nach und nach fügen sich die Protagonisten in das Geschehen ein. Sei es der demente David de Vriend, der seinen Lebensabend in einem Altenheim verbringt oder der Referent Martin Susman. Mit David de Vriend beginnt die Geschichte. Er zieht aus seiner Wohnung aus. Eigentlich weiß er gar nicht warum. Er wird in dieser Geschichte noch sehr wichtig werden. Er hat den Holocaust überlebt. Susman und seine ehrgeizige griechische Kollegin Fenia Xenopoulou aus der EU-Kommission, versuchen eine Kunstausstellung zur Jubiläumsfeier zu gestalten. Als Hauptthema: Die letzten Überlebenden des Holocaust. Kommissar Brunfaut schien mir einer von den wenigen Charaktermenschen in der Geschichte zu sein. Übergewichtig und ehrlich. Er weiß nicht mehr, wem er noch trauen kann. Er darf bei einem Mord nicht mehr weiter ermitteln. Die Daten aus seinem PC sind komplett gelöscht. Brunfaut wird beurlaubt. Brunfaut ist nicht gesund. Brunfaut möchte der Sache trotzdem auf den Grund gehen. Die katholische Kirche schickt einen polnischen Agenten auf Reisen, der nun auf der Flucht ist. Der österreichische Emeritus der Volkswirtschaft Alois Erhart, plant beim Think-Tank seine letzte Rede zu halten. Er nimmt kein Blatt mehr vor den Mund und stößt die Denkbeauftragten mit seinen Worten vor den Kopf. Der Autor hat Fiktion und Realität gekonnt miteinander verwoben. Sei es das Flüchtlingsproblem oder die katastrophale Situation in Griechenland. Besonders deutlich wird, dass es in der Politik eigentlich kein Miteinander gibt. Jeder möchte das größte Stück vom Kuchen. Jeder will die Karriereleiter hochklettern und geehrt werden. Für Idealisten gibt es wenig Platz in der politischen Maschinerie. Nichts Neues! Überlebende Holocaustopfer benutzt man zu Werbezwecken. Das Image der europäischen Komission soll mit geheuchelter Empathie aufpoliert werden. Das sind so meine Gedanken. Mein Fazit Der Schreibstil ist nüchtern und stellenweise sehr humorvoll. Es wird stets aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten erzählt. Es wird viel philosophiert und diskutiert. Jedes Kapitel beginnt mit einem philosophischen Satz. Ein raffinierter Prolog holt den Leser von Anfang an ab. Das Schwein läuft in der Geschichte immer wieder seine Bahnen. Stellenweise war mir die Geschichte etwas zu ausschweifend. Es wurde, für meinen Geschmack, zuviel in die Geschichte hineingepackt. Nichtsdestotrotz hat der Autor einen Roman geschrieben, der auch für Menschen geeignet ist, die nicht leidenschaftlich gerne politisieren. Vegetarier dürften nun darüber glücklich sein, dass sie keine Konsumenten von Schweinefleisch sind. Schweine sind Lebewesen! Warum nur geht das immer wieder unter? Mir ist es unheimlich schwer gefallen, über dieses Buch meine Meinung zu schreiben, da ich mich zuvor nie so eingehend mit der Thematik befasst habe. Ich habe viel dazu gelernt. Vor allem, warum Raucher Angorawäsche tragen sollten. :-) Danke Robert Menasse Meine Lieblingszitate >>Ideen stören, was es ohne sie gar nicht gäbe,>Ich bin lieber mit dieser Frau glücklich geächtet als ohne sie geachtet.<< (Seite 90)