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Der Mann ohne Schatten

Roman

(2)
Für ihn ist immer alles Gegenwart: 1965 lernt die junge Neurowissenschaftlerin Margot an der Universität von Darven Park den charismatischen Patienten Eli kennen. Er leidet an Gedächtnisverlust und kann sich nur an Dinge erinnern, die nicht länger als siebzig Sekunden zurückliegen. Margot beginnt, Elis Erinnerungsvermögen mit einer Reihe von Tests zu untersuchen, und kommt dem ungewöhnlichen Patienten im Laufe der Zeit erstaunlich nahe. Eine unmögliche Beziehung, denn er vergisst immer wieder, wer sie ist. Joyce Carol Oates hat einen Roman über Liebe und Erinnerung, über Einsamkeit und imaginierte Nähe geschrieben – luzide, feinsinnig, funkelnd.
Rezension
Ein traurig-schönes Buch über den Fluch ewiger Gegenwart.
Portrait
Joyce Carol Oates wurde 1938 in Lockport (New York) geboren. Sie zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Autorinnen der Gegenwart. Für ihre zahlreichen Romane und Erzählungen wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem National Book Award. Joyce Carol Oates lebt in Princeton (New Jersey), wo sie Literatur unterrichtet.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Ja i
Seitenzahl 384 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 23.05.2018
Sprache Deutsch
EAN 9783104903637
Verlag Fischer E-Books
Dateigröße 1096 KB
Übersetzer Silvia Morawetz
Verkaufsrang 41.069
eBook
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Buchhändler-Empfehlungen

„Ewige Gegenwart“

Matthias Kesper, Thalia-Buchhandlung Paderborn

Die große alte Dame der amerikanischen Literatur hat ein neues Buch veröffentlicht, inhaltlich und sprachlich tief beeindruckend!

1965: Elihu Hoopes, gut aussehend, umfassend gebildet, aus einer alten Quäkerfamilie stammend, engagierter Streiter für die Rechte der Schwarzen, erleidet eine fast tödliche Hirnentzündung. Als er aus dem Koma erwacht, ist sein Kurzzeit-Gedächtnis zerstört, maximale Erinnerung rückwärts: 70 Sekunden...

Margot Sharpe, zu dieser Zeit 24 Jahre alt, tritt eine Stelle als Doktorandin im berühmten Gedächtnislabor von Darven Park, Pennsylvania an. Gefördert von ihrem Doktorvater, dem Neurologen Milton Ferris, arbeitet sie über die nächsten 30 Jahre mit Hoopes, bis zu dessen Tod zusammen,forscht über Gedächtnisverlust und wird zu einer Koryphäe der Neurologie....

Das ist natürlich nur die Rahmenhandlung. Das großartige dieses Buches ist die schonungslose Darstellung, aus Margots Sicht erzählt, einer Beziehung, ja einer Liebe, die nicht sein kann, und nicht sein darf!
Denn aus der anfänglichen wissenschaftlichen Arbeit, mit durchaus tragi-komischen Momenten, weil sie ja bei jedem Zusammentreffen eine Unbekannte für Elihu ist, wird über die Jahre eine selbst zerstörerische Zuneigung. Und obwohl Sharpe für ihre Forschungen vielfach ausgezeichnet wird, sie in ihrer Arbeit aufzugehen scheint, verliert sie den Blick für die Realität...

Dieses Buch läßt, denke ich, niemanden kalt, es geht unter die Haut und ist einfach unvergesslich. Für alle Leser von Arno Geigers "Der alte König in seinem Exil"!

"Das Gehirn des Amnesiekranken gleicht einem Sieb, durch das ständig Wasser fliesst, sich aber nie sammelt; die Zeit vor der Erkrankung des Mannes, die den Großteil seines achtunddreißig Jahre währenden Lebens ausmacht, ähnelt einem stillen, durch dichtes Laub erspähten fernen Gewässer in einer halluzinatorischen Landschaft von Cezanne!"
Die große alte Dame der amerikanischen Literatur hat ein neues Buch veröffentlicht, inhaltlich und sprachlich tief beeindruckend!

1965: Elihu Hoopes, gut aussehend, umfassend gebildet, aus einer alten Quäkerfamilie stammend, engagierter Streiter für die Rechte der Schwarzen, erleidet eine fast tödliche Hirnentzündung. Als er aus dem Koma erwacht, ist sein Kurzzeit-Gedächtnis zerstört, maximale Erinnerung rückwärts: 70 Sekunden...

Margot Sharpe, zu dieser Zeit 24 Jahre alt, tritt eine Stelle als Doktorandin im berühmten Gedächtnislabor von Darven Park, Pennsylvania an. Gefördert von ihrem Doktorvater, dem Neurologen Milton Ferris, arbeitet sie über die nächsten 30 Jahre mit Hoopes, bis zu dessen Tod zusammen,forscht über Gedächtnisverlust und wird zu einer Koryphäe der Neurologie....

Das ist natürlich nur die Rahmenhandlung. Das großartige dieses Buches ist die schonungslose Darstellung, aus Margots Sicht erzählt, einer Beziehung, ja einer Liebe, die nicht sein kann, und nicht sein darf!
Denn aus der anfänglichen wissenschaftlichen Arbeit, mit durchaus tragi-komischen Momenten, weil sie ja bei jedem Zusammentreffen eine Unbekannte für Elihu ist, wird über die Jahre eine selbst zerstörerische Zuneigung. Und obwohl Sharpe für ihre Forschungen vielfach ausgezeichnet wird, sie in ihrer Arbeit aufzugehen scheint, verliert sie den Blick für die Realität...

Dieses Buch läßt, denke ich, niemanden kalt, es geht unter die Haut und ist einfach unvergesslich. Für alle Leser von Arno Geigers "Der alte König in seinem Exil"!

"Das Gehirn des Amnesiekranken gleicht einem Sieb, durch das ständig Wasser fliesst, sich aber nie sammelt; die Zeit vor der Erkrankung des Mannes, die den Großteil seines achtunddreißig Jahre währenden Lebens ausmacht, ähnelt einem stillen, durch dichtes Laub erspähten fernen Gewässer in einer halluzinatorischen Landschaft von Cezanne!"

Kundenbewertungen

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Übersicht
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Tiefgründiger Roman, der trotz aller Komplexität der Gehirnforschung durch die tragikomischen Momente unterhält und bewegt
von einer Kundin/einem Kunden aus Köln am 18.06.2018
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Elihu Hoopes erkrankt im Sommer 1964 an einer Herpesinfektion, die zu einer Entzündung seines Gehirns führt. Teile seines Gehirns sind danach so geschädigt, dass er einen Gedächtnisverlust erleidet und sich Dinge nicht mehr länger als 70 Sekunden merken kann. Eine Chance auf Heilung besteht nicht. Für die Wissenschaft wird... Elihu Hoopes erkrankt im Sommer 1964 an einer Herpesinfektion, die zu einer Entzündung seines Gehirns führt. Teile seines Gehirns sind danach so geschädigt, dass er einen Gedächtnisverlust erleidet und sich Dinge nicht mehr länger als 70 Sekunden merken kann. Eine Chance auf Heilung besteht nicht. Für die Wissenschaft wird Elihu Hoopes aufgrund seiner partiellen retrograden und seiner totalen anterograden Amnesie zu einem interessanten Forschungsobjekt. 31 Jahre lang untersuchen und testen ihn Wissenschaftler im Rahmen des Projekts, dass zu Beginn von Milton Ferris geleitet wird. Seine Doktorandin Margot Sharpe beschäftigt sich als Neurowissenschaftlerin eingehend mit Eli. Im Rahmen der täglichen Arbeit im Gedächtnislabor entwickelt sie Gefühle für den 14 Jahre älteren, charismatischen Mann, der für sich ein Leben lang 37 Jahre alt sein wird. Er wird sich allerdings nie an sie erinnern können. Jeden Tag aufs Neue stellt sie sich ihm als seine Neuropsychologin vor und kann nur im Heimlichen die Beziehung zwischen den beiden losgelöst von den Testreihen intensivieren. Rätselhaft sind dabei die Erinnerungen Elis aus seiner Kindheit, an ein ertrunkenes Mädchen, die er in Zeichnungen artikuliert. Margot Sharpe lebt für die Forschung und übernimmt im Laufe der Jahre die Leitung des Forschungsobjekts, nachdem sich Milton Ferris in Veröffentlichungen ohnehin ihre Studien zu eigen gemacht hatte und ihr Abhängigkeitsverhältnis als junge Doktorandin mit einer Affäre ausnutzte. Sie erntet allerdings öffentlich Kritik an ihrer Arbeit, wird beschuldigt, den Mensch Elihu Hoopes in seiner Hilflosigkeit als Projekt der Gedächtnisforschung auszubeuten. Das Buch ist eine Mischung aus wissenschaftlicher Langzeitstudie und Roman über eine Liebe, die nicht sein kann und darf. Denn Elihu Hoopes ist "in ewiger Gegenwart gefangen [...]. Wie jemand, der im Halbdunkel der Wälder im Kreis herumläuft - ein Mann ohne Schatten." Mit vielen medizinischen Fachbegriffen, aber dennoch feinfühlig, beschreibt die Autorin wie sich aus der anfangs sachlichen, wissenschaftlichen Arbeit eine fragwürdige und für Margot selbstzerstörerische Beziehung zwischen Wissenschaftlerin und Versuchsperson entwickelt. Dabei erscheint nur logisch, dass Margot aufgrund der mangelnden Distanz ihre Objektivität verliert und damit das Projekt in Gefahr bringt. Auch die Ausweglosigkeit Elihu Hoopes ist anrührend dargestellt, der (zum Glück) nicht begreift, dass sein Leben nur noch der Forschung dienlich zu sein scheint, nachdem sich Freunde und Verwandte bis auf eine Tante aufgrund seiner Wesensveränderung von ihm abgewandt haben. Jahre später wird er nicht einmal mehr die Gesichter seiner Geschwister erkennen können. Margot sucht die Nähe zu Eli und verliert sich schon fast in einer wahnhaften Vorstellung mit Eli eine Beziehung zu führen. Selbst Eli meint sich an Margot als seine Ehefrau zu erinnern, obwohl er selbst nie verheiratet gewesen ist. Ganz klar wird dabei nicht, ob es sich um eine reine Wunschvorstellung handelt, in der Hoffnung, tatsächlich eine Zukunft zu haben, oder ob er sie tatsächlich liebt. Die Beziehung des "Paares" entwickelt sich nicht weiter, kann es auch gar nicht. Wie soll eine Liebe zu einem Mann, der in der Gegenwart gefangen ist, eine Zukunft haben? Mitgefühl entwickelt man als Leser für beide Protagonisten: Elihu Hoopes, dessen Biographie sich nicht weiterentwickeln kann und der nicht begreift, was mit ihm in dem Labor Tag für Tag passiert und Margot Sharpe, die für die Forschung und für ihre zum Scheitern verurteilte Liebe lebt und dabei eine krankhafte Obsession entwickelt. Beide Leben erscheinen erschreckend trostlos. Der Roman dreht sich um die Frage, wie weit eine Forscherin gehen darf und wie viel Zwischenmenschlichkeit in der Wissenschaft erlaubt ist. Unabhängig von Margots Liebe zu ihrem Probanden wird Kritik an dem unmenschlichen Umgang der Forscher geübt, die Hoopes zu einem Forschungsobjekt degradieren. Spannung wird dem Roman durch das Rätsel um das ertrunkene Mädchen verliehen, eine Erinnerung, die Elihu Hoopes vor seine Erkrankung verdrängt haben muss. "Der Mann ohne Schatten" ist ein tiefgründiger Roman mit hohem Anspruch, der trotz aller Komplexität der Gehirnforschung durch die tragikomischen Momente unterhält und aufgrund der Ausweglosigkeit von Elihu Hoopes Schicksal bewegt.