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Der große Bruder

Roman

(8)
Auf einem Bein kann man nicht stehen

Als Olivias großer Bruder Marcus sich nach Jahren wieder meldet, sind es nur noch fünf Minuten bis zu ihrem Gesellschaftermeeting. Er ist auf dem Weg in den Operationssaal, wo ihm das Bein amputiert werden soll. Bisher hatte Olivia alles unter Kontrolle. Eigentlich hatte sie immer die Rolle der großen Schwester gespielt. Doch nun muss sie das Meeting abbrechen, weil ihr die Sprache versagt. Kurz darauf zieht Marcus bei ihrer Familie ein und bringt alles durcheinander. Am Ende weiß sie nicht mehr, wer der Fremdkörper ist, wessen Leben gerade auf der Kippe steht, seines oder ihres.

Präzise und mit viel Humor erzählt Ester Gerritsen von den Geheimnissen und Missverständnissen, die eine Familie verkraften muss, und der Liebe, die trotzdem alles zusammenhält.

»Mit ‚Der große Bruder‘ beweist Esther Gerritsen ihr besonderes Gespür für Sätze, die ins Schwarze treffen, und Dialoge, die gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen Alltäglichkeit und Absurdität balancieren.« de Volkskrant
Portrait

Esther Gerritsen, geboren 1972, zählt zu den bedeutendsten Autoren der Niederlande, sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, und ihre letzten Romane standen jeweils auf der Shortlist des Libris Literature Prize. Gerritsen arbeitet außerdem als Dramatikerin und Kolumnistin. Auf Deutsch erschien bisher der Roman "Mutters letzte Worte". In den Niederlanden erreichte "Der große Bruder" eine Auflage von 700 000 Exemplaren.  

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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Ja
Seitenzahl 208 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 16.02.2018
Sprache Deutsch
EAN 9783841214713
Verlag Aufbau digital
Dateigröße 1960 KB
Übersetzer Gregor Hens
eBook
13,99
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Anke Schnöpel, Thalia-Buchhandlung Hilden

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Einen ersten Vorgeschmack auf die diesjährige Buchmesse in Leipzig, auf der sich die Buchwelt von Flandern und der Niederlande präsentiert, können Sie mit Ester Gerritsen's 'großem Bruder' bekommen. Die Autorin gehört zu den bedeutendsten AutorInnen der Niederlande und ihr Buch erreichte 2016 eine immense Auflage von 700 000 Exemplaren.
Für Olivia und ihre Familie wird „Der große Bruder“, der vorübergehend bei ihr zuhause einzieht, zu einer Belastungsprobe. Ist Familie doch der Ort an dem alles laut ausgesprochen werden darf, was nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist, so gerät Olivias familiäres Gerüst nun ordentlich ins Wanken. Während Marcus‘ Aufenthalt verändert sich Olivia. Hat sein Besuch ihr und ihrer Familie gut getan? Wie viel Wahrheit verträgt eine Familie?
Eine absolute Leseempfehlung für diese geschickt erzählte Familiengeschichte, die zum Nachdenken anregt und die Schwierigkeiten des Miteinanders innerhalb der Familie aufzeigt. 130 Seiten, die es in sich haben! Lassen Sie sie auf sich wirken.
Einen ersten Vorgeschmack auf die diesjährige Buchmesse in Leipzig, auf der sich die Buchwelt von Flandern und der Niederlande präsentiert, können Sie mit Ester Gerritsen's 'großem Bruder' bekommen. Die Autorin gehört zu den bedeutendsten AutorInnen der Niederlande und ihr Buch erreichte 2016 eine immense Auflage von 700 000 Exemplaren.
Für Olivia und ihre Familie wird „Der große Bruder“, der vorübergehend bei ihr zuhause einzieht, zu einer Belastungsprobe. Ist Familie doch der Ort an dem alles laut ausgesprochen werden darf, was nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist, so gerät Olivias familiäres Gerüst nun ordentlich ins Wanken. Während Marcus‘ Aufenthalt verändert sich Olivia. Hat sein Besuch ihr und ihrer Familie gut getan? Wie viel Wahrheit verträgt eine Familie?
Eine absolute Leseempfehlung für diese geschickt erzählte Familiengeschichte, die zum Nachdenken anregt und die Schwierigkeiten des Miteinanders innerhalb der Familie aufzeigt. 130 Seiten, die es in sich haben! Lassen Sie sie auf sich wirken.

Kundenbewertungen

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4,5 Sterne für ein Leben auf dem Prüfstand
von Elke Seifried aus Gundelfingen am 09.03.2018
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

„Olivia und Marcus waren einander nicht wichtig, darin waren sie sich einig, Was Olivia bei der Vorstellung empfand, dass sie ihm sein Bein abnehmen würden, überfiel sie deshalb wie ein Dieb die Nacht.“ Seit vier Monaten ist Olivia Finanzleiterin der maroden Firma Porzellan & Geschirr Kyvon und hat sich zum... „Olivia und Marcus waren einander nicht wichtig, darin waren sie sich einig, Was Olivia bei der Vorstellung empfand, dass sie ihm sein Bein abnehmen würden, überfiel sie deshalb wie ein Dieb die Nacht.“ Seit vier Monaten ist Olivia Finanzleiterin der maroden Firma Porzellan & Geschirr Kyvon und hat sich zum ehrgeizigen Ziel gesetzt dieses Amsterdamer Traditionsunternehmen zu retten. Für ihre Familie bleibt deshalb wenig Zeit. Inzwischen kann sie schon behaupten „aus den desaströsen Zahlen berappelt“, was sie beim Gesellschaftermeeting, das in wenigen Minuten beginnt, verkünden will. Genau in diesem Moment erreicht sie ein Telefonanruf ihres Bruders, dass er auf dem Weg in den Operationssaal sei und sie sein Bein wahrscheinlich abnehmen werden. „Marcus war ein lausiger Zuckerpatient, der seine Ärzte in den Wahnsinn trieb“, Olivia macht sich daher zunächst nicht allzu große Sorgen, aber inmitten des Meetings ist sie nicht mehr fähig an etwas anderes zu denken. Sie muss das Meeting verlassen. Marcus tritt nach Jahren ohne Kontakt schlagartig wieder in ihr Leben und stellt alles auf den Kopf. Olivia weiß weder wo ihr Bruder derzeit wohnt, „Er ist vor kurzem in irgendeinen Ferienpark gezogen.“, „Letztes Jahr, oder das Jahr davor, ich weiß es nicht mehr.“, noch hat er ihr verraten, wo ihm das Bein abgenommen werden soll. Scheinbar völlig abgeklärt ruft sie ihren Sohn an, „Ich muss wissen, in welchem Krankenhaus Onkel Marcus liegt. Ich gebe dir zweihundert Euro, wenn du es innerhalb einer halben Stunde schaffst, ihn zu finden. Für jede Minute, die du länger brauchst, gibt es einen Euro weniger.“, und schon wenig später steht sie an dessen Krankenbett. Olivia lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann Gerard und ihren zwei Söhnen Tom und Julius in einem sterilen, viel Raum bietenden Stadthaus. Haushalt, Familie versorgen und Job, Olivia will überall perfekt sein, nur Gefühle sind nicht so ihr Ding. Welch ein Glück, dass Gerard und sie beide „Sentimentalitäten ablehnten“, oder war das gar nicht so? Das ist nur eine der Fragen, auf die Olivia Antworten suchen muss, weil mit dem Einzug ihres Bruders plötzlich alles ganz anders ist. „Kummer-War dieses Wort jemals in ihrem Haus laut ausgesprochen worden?“. Sind mit ihrem Bruder auch Emotionen eingezogen? Als Leser darf man die Entwicklungen, die ausgelöst durch den Besuch von Marcus, die Tatsache, dass er seinen Gefühlen und Tränen freien Lauf lässt, die Träume von Gerard und den beiden Söhnen ernst nimmt und sich auch überall einmischt, mit Olivia vorgehen verfolgen. Der eher nüchterne Sprachstil liest sich locker, leicht und die kurze Geschichte ist schnell verschlungen. Der Autorin gelingt es auf den wenigen 130 Seiten sehr gut eine gelungene Charakterdarstellung von Olivia zu zeigen, allerdings muss man dazu auch zwischen den Zeilen lesen. Sätze wie „Der Rollstuhl passte nicht schlecht zur Einrichtung. Der Reifen, der Stahl und das Leder verbanden Marcus mit dem Haus.“, bereiten beim Lesen ein bittersüßes Lächeln. Humor im üblichen Sinne durch schlagfertige Dialoge oder Situationskomik, habe ich nicht gefunden. Ich konnte mich zu großen Teilen gut in Olivia hineindenken und –fühlen. Die Eltern, viel mit dem eigenen Gemüseladen beschäftigt, hatten wenig Zeit für Zwischenmenschliches und sie hat wohl schon immer um Anerkennung gekämpft. Jetzt einsehen zu müssen, dass sie vielleicht selbst Schuld trägt am schlechten Verhältnis zu ihrem Bruder Marcus und auch, dass ihre Familie eigentlich in einer Krise steckt, die sie bisher gar nicht bewusst wahrgenommen oder verdrängt hat, ist sicher nicht einfach. „Das hier war plötzlich das Einzige was zählte: nicht, dass ihre Söhne sie unmöglich fanden und ihr Mann sich an ihr störte, sondern dass ihr Bruder es nicht sehen durfte. Sie wollte im diesem Moment nur, dass er sah wie gut sie es machte. Wie sehr ihre Familie sie liebte.“, ist ein eindeutiger Beweis dafür, wie schwer sie sich damit tut. Sich einzugestehen, dass man sich insgeheim doch Nähe wünscht, auch das ist sicher für einen unterkühlten Menschen wie sie sehr schwer. „In einer Panik, die sie nicht begriff, stand sie über das verschwundene Bein gebeugt da“ Wie konnte sie das Bein eines Mannes vermissen, den sie in seiner Gänze nie vermisste?“ Die Autorin erzählt aus der Perspektive von Olivia, weshalb man ihr wohl am nächsten ist. Marcus war mir weder sympathisch noch unsympathisch. Gerard liebt seine Frau, fühlt sich aber vernachlässigt, weshalb er mir fast leid getan hat und auch die Söhne brauchen wohl von einer Mutter mehr als ein warmes Essen und ein aufgeräumtes Zimmer um glücklich zu sein. Die fünfzehn Gesellschafter sind ebenfalls interessant angelegt. Auch hier wollen die alten Familienmitglieder nicht wirklich sehen, was den jungen schon länger klar zu sein scheint. Alles in allem ein Roman, der zum zwischen den Zeilen Lesen und zum Nachzudenken, ob man im eigenen Leben vielleicht doch das eine oder andere aus dem falschen Blickwinkel sieht, anregt.

Familienbande
von einer Kundin/einem Kunden aus Paderborn am 26.02.2018
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

„Olivia kam gern genau pünktlich, niemals zu früh, um die Unordnung am Anfang nicht mit höflichen Floskeln füllen zu müssen.“ (S. 9) Nach langen Jahren, in denen der Kontakt eher spärlich war, führt das Schicksal Olivia und ihren Bruder nach einer Operation wieder zusammen. Langsam und gemeinsam mit dem Leser... „Olivia kam gern genau pünktlich, niemals zu früh, um die Unordnung am Anfang nicht mit höflichen Floskeln füllen zu müssen.“ (S. 9) Nach langen Jahren, in denen der Kontakt eher spärlich war, führt das Schicksal Olivia und ihren Bruder nach einer Operation wieder zusammen. Langsam und gemeinsam mit dem Leser stellt Olivia fest, dass die ungeplanten Konfrontationen ihr eigenes bröckelndes Familienleben offenlegen. Bis heute bin ich mir nicht sicher, was ich von der Länge/Kürze dieses Romans halten soll. Auf der einen Seite ist es durchaus reizvoll, sich seinen Teil selbst zu denken: Erzählt wird im Prinzip nur das, was in wenigen Tagen passiert, wir erleben bloß die Veränderungen, die angestoßen werden. Das Ende ist daher nicht abgeschlossen, aber das ist das Leben schließlich auch nicht. Auf der anderen Seite könnte man unter Umständen geneigt sein, der Autorin Bequemlichkeit vorzuwerfen. Im Prinzip steckt da eine spannende Idee drin, die wurde auch ausgearbeitet, aber das ganze bleibt doch recht minimalistisch. Getragen wird das ganze durch die Charakterentwicklungen und die Entwicklungen der Verhältnisse zwischen den einzelnen Figuren, und auch hier findet sich wieder: Die einzelnen Entwicklungspunkte vollziehen sich im Verborgenen, wir bekommen nur sehr minimalistisch die Auswirkungen mit und müssen uns vieles selbst denken. Zu Beginn hatte ich ein paar Sympathieprobleme, besonders mit Olivia und ihrem Mann, doch das legte sich naturgemäß mit der Charakterentwicklung. Da sollte man also durchaus noch eine Chance geben. „„Alles nur Angst“, sagte Frau Derksen. „Die ist einfach da. Kann man nichts gegen machen.““ (S. 25) Insgesamt hat mir „Der große Bruder“ gut gefallen, es sollte einem nur vorher schon bewusst sein, dass eine gewisse „Eigenleistung“ notwendig ist. Wem das zu viel ist, der sollte von diesem Roman die Finger lassen.

Gehaltvoller Snack
von Sursulapitschi am 25.02.2018
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Wie geht man damit um, wenn einen mitten im schnöden Alltag ein Notruf ereilt? Olivia gerät vollkommen aus dem Konzept. Seit Jahren hat sie ihren Bruder nicht gesehen, da ruft er sie aus dem Krankenhaus an mit einer Hiobsbotschaft. Möglicherweise wird gleich sein Bein amputiert. Er hat seine Zuckerkrankheit... Wie geht man damit um, wenn einen mitten im schnöden Alltag ein Notruf ereilt? Olivia gerät vollkommen aus dem Konzept. Seit Jahren hat sie ihren Bruder nicht gesehen, da ruft er sie aus dem Krankenhaus an mit einer Hiobsbotschaft. Möglicherweise wird gleich sein Bein amputiert. Er hat seine Zuckerkrankheit zu lange ignoriert und das ist die Quittung. Sie waren schon immer ganz verschieden und konnten wenig miteinander anfangen. Während Olivia vernünftig, zielstrebig Gefühlsduseleien verabscheut, lässt sich Marcus treiben, zieht von Ort zu Ort und ist nah am Wasser gebaut. Als sich Marcus plötzlich in einer dramatischen Ausnahmesituation befindet, ist dann doch Blut dicker als Wasser. Olivia nimmt ihn mit zu sich nach Hause und ist zum ersten Mal seit Jahren gezwungen, sich auf ihn einzulassen. Andere Menschen mögen ihn, ihren chaotischen Bruder. Sehr plakativ liegt hier das Thema auf dem Tisch. Sind wir, wie wir sind und das ist auch gut so? Oder sollte man vielleicht doch gelegentlich den Horizont erweitern, Neues ausprobieren? Haben unterschiedliche Lebensmodelle nicht vielleicht unterschiedliche Qualitäten? Und was bedeutet Familie? Ist die Familie ganz selbstverständlich der Anker, der einen hält in kritischen Zeiten? Dieses Buch ist kurz, sehr kurz sogar. Es liest sich leicht, die Seiten fliegen dahin. Und am Ende denkt man dann: Aha. Nicht mehr und nicht weniger. Der Stil ist schlicht. Der im Klappentext erwähnte Humor ist mir entgangen. Ja, es lässt einen nachdenken über Dinge, die durchaus nachdenkenswert sind, nur berührt es nicht sehr, dazu ist es zu schnell vorbei. Es bietet einige spannende Ansätze, die angerissen aber nicht vertieft werden. Da ist z. B. die hübsche Parallele: Olivias Job ist es, ein marodes Familienunternehmen zu sanieren. Während die älteren Familienmitglieder die desaströse Lage ignorieren, halten die Jüngeren eine Geschäftsaufgabe für die beste Option. Und wenn dann der alte Firmenpatriarch mit Marcus angeln geht, winkt die Moral meilenweit mit dem Zaunpfahl. Für so viel Botschaft hätte ich mir mehr Gerüst gewünscht. Hier bekommt man mehrere Familiengeschichten im Schnelldurchlauf. Die grundsätzlich spannenden Figuren bleiben schemenhaft. Selbst Olivia kommt man nicht wirklich nahe. Ich denke, dieses Buch hätte den doppelten Umfang gebraucht, um diese doch recht große Idee zu verarbeiten. So ist es ein kleiner Snack, der den Appetit anregt, der aber durchaus die Zutaten für ein Gala-Diner gehabt hätte. Am Ende liegt es ein bisschen schwer im Magen.