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Der Kult

Roman

(7)
Der Teufel kämpft nicht mit fairen Mitteln

Im Dorf Gibbeah beginnt der Sonntag mit einem bösen Omen: Während der Morgenmesse fliegt ein Geier durch das geschlossene Kirchenfenster und schlägt tot auf der Kanzel auf. Nur wenige Minuten später wirft ein schwarz gekleideter Fremder den Dorfprediger zu Boden und übernimmt die Kontrolle über die Gemeinde. Als selbst ernannter Apostel York predigt er Rache und Verdammnis. Doch der alte Prediger weigert sich, seinen Platz widerstandslos abzugeben. Ein gnadenloser Glaubenskampf beginnt. Das Dorf scheint dem Untergang geweiht.

Rezension
»"Der Kult" ist ein erstaunlich erzählstarker, atmosphärisch dichter und formbewusster Roman-Erstling mit phantastischen, magisch-realistischen Einsprengseln.«
Portrait
Marlon James wurde 1970 als Sohn zweier Polizeibeamter in Kingston geboren. Mehr als zehn Jahre arbeitete er als Werbetexter und Grafikdesigner, u.a. für den Dancehall-Musiker Sean Paul und das T-Magazin der New York Times. Bei einem Literaturworkshop in Jamaika wurde eine Dozentin der Wilkes University Pennsylvania auf James aufmerksam und verschaffte ihm ein Masterstudium in Kreatives Schreiben sowie eine Assistentenstelle. Sein erster Roman Der Kult erfuhr über siebzig Ablehnungen, ehe er einen Verlag fand und in der Folge als bestes Debüt für den »Los Angeles Times Book Prize« und den »Commonwealth Writers’ Prize« nominiert wurde. Für sein 2009 erschienenes Nachfolgewerk The Book of Night Women über eine Revolte jamaikanischer Sklavinnen während der Kolonialzeit erhielt James den »Dayton Literary Peace Prize« und den »Minnesota Book Award«. Sein dritter Roman Eine kurze Geschichte von sieben Morden, wurde ebenfalls vielfach ausgezeichnet. Als erster Jamaikaner erhielt James den »Man Booker Prize«. Er lebt heute in Minneapolis, Minnesota.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Ja i
Seitenzahl 288 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 21.05.2018
Sprache Deutsch
EAN 9783641201449
Verlag Heyne
Dateigröße 503 KB
Übersetzer Wolfgang Binder
eBook
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Buchhändler-Empfehlungen

Melanie Wolf, Thalia-Buchhandlung Frankenthal

Marlon James erhielt als erster jamaikanischer Schriftsteller den Man Booker Prize. Und das absolut zu Recht. Marlon James erhielt als erster jamaikanischer Schriftsteller den Man Booker Prize. Und das absolut zu Recht.

„Hart, dreckig, blutig und großartig!“

André Pingel, Thalia-Buchhandlung Bremen

Gibbeah ist ein recht kleines Dorf und der ortsansässige Prediger, Hector Bligh, ist der Schnapsflasche scheinbar stärker zugeneigt als der heiligen Schrift. Als eines morgens während der Sonntagsmesse ein Geier durch das Kirchenfenster kracht und tot auf der Kanzel aufschlägt, ist dies erst der Auftakt zu wesentlich blutigeren Ereignissen. Nur wenige Minuten später erscheint ein Mann, ganz in schwarz gekleidet, schlägt den Dorfpfarrer zu Boden und übernimmt die Kontrolle über die Gemeinde. Er nennt sich selbst Apostel York und predigt von Rache und Verdammnis. Doch ohne Widerstand will der alte Pfarrer seinen Platz nicht räumen und so entbrennt ein Kampf um die Seele des Dorfes, der nicht wenige Opfer fordern wird...

Der eigentlich dritte Roman von Marlon James ( "Eine kurze Geschichte von sieben Morden") wurde in Deutschland zuerst veröffentlicht und war mein absolutes Highlight 2017. Dieser Roman hatte eine schier unbändige Kraft und einen so harten erzählerischen Ton, dass ich mich danach lange Zeit auf nichts anderes mehr einlassen konnte. Nun erblickt auch das eigentliche Debüt von Marlon James das Licht des deutschen Buchmarktes und zeigt bereits auf nicht einmal 300 Seiten, was in diesem Mann für ein genialer Autor schlummert!
In seinem Debüt entfesselt James nun einen blutigen Kampf zwischen Gut und Böse. Es wird von Seite zu Seite fieser, nicht nur was den Blutzoll angeht und wer derbe Sprache und Gewalt nicht vertragen kann, sollte lieber einen weiten Bogen um dieses Buch machen. Der Heyne Hardcore Verlag macht seinem Namen jedenfalls wieder alle Ehre und ich danke ihm wie immer brav dafür, dass er solche Sachen auf den deutschen Markt bringt!
Das Buch entwickelt bereits auf den ersten Seiten einen unheimlichen Sog und reißt seine Leser unbarmherzig mit sich in den Strudel aus Gewalt und Glauben. Erst nach und nach setzt sich ein Bild des Ganzen Unheils zusammen, dass dort über den kleinen Ort Gibbeah hereingebrochen ist und als Leser ist man machtlos sich diesem Bild wieder zu entziehen. Bereits in diesem Debüt strotzt die Geschichte vor erzählerischer Kraft und der Stil von Marlon James ist wirklich etwas besonderes. Seine Art und Weise zu erzählen verlangt Aufmerksamkeit seitens der Leserschaft und die sollte man diesem Werk auch wirklich zu Teil werden lassen, denn es lohnt sich. Marlon James haut seinem Publikum die Geschichte mit aller sprachlichen Gewalt um die Ohren, die ihm zur Verfügung steht und lässt dem Leser kaum Zeit sich zwischendurch mal runter zu fahren. Es wird hart, es wird blutig, es wird dreckig und wenn sich der Staub letztendlich verzogen hat, kann man sich nur noch umschauen, um zu sehen, wer noch am Leben ist und atmet. Ich für meinen Teil war wieder einmal absolut begeistert, denn bereits in diesem Buch offenbart sich ein enormes erzählerisches Talent! Umso erstaunlicher, dass der Roman über 70 mal abgelehnt wurde, bevor sich endlich ein Verlag fand, der ihn damals im englischsprachigen Raum veröffentlich hat. Großartig aber, dass das Buch dann anschließend als bestes Debüt für den "Los Angeles Times Book Prize" und den "Commonwealth Writer's Prize" nominiert wurde.
Für mich ist dieser Mann einer der besten Autoren, die ich bisher gelesen habe und eine ganz große Empfehlung an alle, die sich mit den Thematiken und auch der Art zu schreiben anfreunden können, denn die ist wirklich etwas ganz besonderes, aber auch definitiv nichts für jeden! Wer nicht immer nur von Friede, Freude, Eierkuchen lesen möchte, dem sei dieses Buch sehr ans Herz gelegt und auch immer noch "Eine kurze Geschichte von sieben Morden". Bitte immer weiter so!
Gibbeah ist ein recht kleines Dorf und der ortsansässige Prediger, Hector Bligh, ist der Schnapsflasche scheinbar stärker zugeneigt als der heiligen Schrift. Als eines morgens während der Sonntagsmesse ein Geier durch das Kirchenfenster kracht und tot auf der Kanzel aufschlägt, ist dies erst der Auftakt zu wesentlich blutigeren Ereignissen. Nur wenige Minuten später erscheint ein Mann, ganz in schwarz gekleidet, schlägt den Dorfpfarrer zu Boden und übernimmt die Kontrolle über die Gemeinde. Er nennt sich selbst Apostel York und predigt von Rache und Verdammnis. Doch ohne Widerstand will der alte Pfarrer seinen Platz nicht räumen und so entbrennt ein Kampf um die Seele des Dorfes, der nicht wenige Opfer fordern wird...

Der eigentlich dritte Roman von Marlon James ( "Eine kurze Geschichte von sieben Morden") wurde in Deutschland zuerst veröffentlicht und war mein absolutes Highlight 2017. Dieser Roman hatte eine schier unbändige Kraft und einen so harten erzählerischen Ton, dass ich mich danach lange Zeit auf nichts anderes mehr einlassen konnte. Nun erblickt auch das eigentliche Debüt von Marlon James das Licht des deutschen Buchmarktes und zeigt bereits auf nicht einmal 300 Seiten, was in diesem Mann für ein genialer Autor schlummert!
In seinem Debüt entfesselt James nun einen blutigen Kampf zwischen Gut und Böse. Es wird von Seite zu Seite fieser, nicht nur was den Blutzoll angeht und wer derbe Sprache und Gewalt nicht vertragen kann, sollte lieber einen weiten Bogen um dieses Buch machen. Der Heyne Hardcore Verlag macht seinem Namen jedenfalls wieder alle Ehre und ich danke ihm wie immer brav dafür, dass er solche Sachen auf den deutschen Markt bringt!
Das Buch entwickelt bereits auf den ersten Seiten einen unheimlichen Sog und reißt seine Leser unbarmherzig mit sich in den Strudel aus Gewalt und Glauben. Erst nach und nach setzt sich ein Bild des Ganzen Unheils zusammen, dass dort über den kleinen Ort Gibbeah hereingebrochen ist und als Leser ist man machtlos sich diesem Bild wieder zu entziehen. Bereits in diesem Debüt strotzt die Geschichte vor erzählerischer Kraft und der Stil von Marlon James ist wirklich etwas besonderes. Seine Art und Weise zu erzählen verlangt Aufmerksamkeit seitens der Leserschaft und die sollte man diesem Werk auch wirklich zu Teil werden lassen, denn es lohnt sich. Marlon James haut seinem Publikum die Geschichte mit aller sprachlichen Gewalt um die Ohren, die ihm zur Verfügung steht und lässt dem Leser kaum Zeit sich zwischendurch mal runter zu fahren. Es wird hart, es wird blutig, es wird dreckig und wenn sich der Staub letztendlich verzogen hat, kann man sich nur noch umschauen, um zu sehen, wer noch am Leben ist und atmet. Ich für meinen Teil war wieder einmal absolut begeistert, denn bereits in diesem Buch offenbart sich ein enormes erzählerisches Talent! Umso erstaunlicher, dass der Roman über 70 mal abgelehnt wurde, bevor sich endlich ein Verlag fand, der ihn damals im englischsprachigen Raum veröffentlich hat. Großartig aber, dass das Buch dann anschließend als bestes Debüt für den "Los Angeles Times Book Prize" und den "Commonwealth Writer's Prize" nominiert wurde.
Für mich ist dieser Mann einer der besten Autoren, die ich bisher gelesen habe und eine ganz große Empfehlung an alle, die sich mit den Thematiken und auch der Art zu schreiben anfreunden können, denn die ist wirklich etwas ganz besonderes, aber auch definitiv nichts für jeden! Wer nicht immer nur von Friede, Freude, Eierkuchen lesen möchte, dem sei dieses Buch sehr ans Herz gelegt und auch immer noch "Eine kurze Geschichte von sieben Morden". Bitte immer weiter so!

Kundenbewertungen

Durchschnitt
7 Bewertungen
Übersicht
5
2
0
0
0

von einer Kundin/einem Kunden am 22.07.2018
Bewertet: anderes Format

"Der Kult" hat mich in seinen Bann gezogen und war auf seine eigene Art sehr gut. Aber auch seltsam und ließ viele Fragen offen. Am Besten lesen und eine eigene Meinung bilden!

Quentin Tarantino in Buchform
von Lilli (Literaturbloggerin) aus Münster am 09.07.2018
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Wir befinden uns in einem fiktiven karibischen Dorf namens Gibbeah, Ende der 1950er Jahre. Es herrscht monotone Stille, die Bewohner gehen ihrem täglichen Trott nach und jeder trägt seine dunkelsten Geheimnisse (mal mehr, mal weniger) unbemerkt mit sich. Doch die zarte Blase des falschen Friedens zerplatzt, als ein Geier... Wir befinden uns in einem fiktiven karibischen Dorf namens Gibbeah, Ende der 1950er Jahre. Es herrscht monotone Stille, die Bewohner gehen ihrem täglichen Trott nach und jeder trägt seine dunkelsten Geheimnisse (mal mehr, mal weniger) unbemerkt mit sich. Doch die zarte Blase des falschen Friedens zerplatzt, als ein Geier durch das Fenster der örtlichen Kirche kracht und die Besucher der Morgenmesse im wahrsten Sinne des Wortes wachrüttelt. Kurze Zeit später übernimmt der selbst ernannte Apostel York die spirituelle Führung der Gemeinde und verdrängt damit den amtierenden Pastor Hector Bligh. Zwischen dem charismatischen Apostel und dem alkoholabhängigen Pastor, aber auch innerhalb des kleinen Dorfes, entbrennt ein erbitterter Glaubenskrieg, in dem es bald um mehr als nur religiöse Fragen geht. Ich muss zugeben, zu Beginn der Lektüre war ich zunächst geschockt und etwas überfordert. Vor allem, weil dieser Roman so ganz anders ist, als das, was ich sonst lese. Mir war auch recht schnell klar, wieso Marlon James die Widmung für seine Mutter mit dem Zusatz versehen hat, dass ebenjene das Buch nicht lesen dürfe. Die Geschichte beginnt abrupt, schmerzlos und ohne jede Vorwarnung. Der Stil ist mal realistisch, mal bizarr und fragmentarisch. Die Schauplätze und Sichtweisen wechseln sich rasant ab und ich brauchte einige Seiten, um mich an die ungewohnte Erzählweise heranzutasten. Doch es lohnt sich! Nach etwa 60 Seiten teilweiser bis gänzlicher Verwirrung ist man endlich in der Geschichte angekommen, hat die Chronologie der Ereignisse und die Personen erfasst und kann sich ganz dem Spiel zwischen Gut und Böse widmen. Archetypische Repräsentanten dieser Gegensätze sind die männlichen Protagonisten Bligh und York, denen jeweils zwei starke, aber kontroverse weibliche Figuren beistehen: Pastor Bligh erhält nach seiner ?Auferstehung? die Hilfe und den Rückhalt der Witwe Greenfield, der Apostel York wird von der fanatischen Voodoo-Dame Lucinda unterstützt. Die Gemeinde wird Opfer einer spirituellen Schlacht, in der es um die Rückkehr zu Jesus auf der einen Seite und Vergeltung auf der anderen Seite geht. Wir erleben alle Facetten der Menschlichkeit von Reue über Zorn bis hin zum Wahn, der in Selbstzerstörung gipfelt. Was hat der Gemeinde bisher gefehlt, dass sie so bereitwillig in die offenen Arme des Verdammnis predigenden Apostel treibt? Man fühlt sich von der Aneinanderreihung von Handlungsfetzen, Bibelzitaten und Metaphern manchmal ebenso unwissend, hilflos und benebelt zurückgelassen wie der betrunkene Pastor Bligh selbst. Marlon James schafft es, mir einer bildhaften, fast abstoßenden Genauigkeit den inneren Konflikt der Religiosität zu erfassen und den Leser von Seite zu Seite in seinen Bann zu ziehen - selbst wenn man das Buch manchmal lieber zur Seite legen möchte. Unabhängig von der zeitlichen und lokalen Einordnung der Geschichte wirft der Roman Fragen auf, die sich jeder einmal stellen sollte: Wo fängt Fanatismus an und wo hört der Glaube auf? Kann Rache eine Lösung sein? Welche Rolle spielen dabei Kirche und Moral? Und was ist überhaupt der Unterschied zwischen Vergeltung und Vergebung? Auch wenn nicht alle Fragen beantwortet werden und man als Leser häufig mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf zurückgelassen wird, so regt Der Kult doch zum Nachdenken an. Das Buch hat mich positiv überrascht, jedoch kann ich aufgrund der recht harten und gewöhnungsbedürftigen Sprache keine uneingeschränkte Leseempfehlung erteilen. Wer Grausamkeiten á la Stephen King (insbesondere sein Werk Die Arena) und die gewaltlastige Bildsprache von Quentin Tarantino mag, wird dieses Buch zu schätzen wissen. Alle anderen seien an dieser Stelle vor der schonungslosen Art des Autoren gewarnt - oder dazu eingeladen, ihren Horizont zu erweitern, auch wenn es etwas ungemütlich werden könnte.

Tief atmosphärisch
von einer Kundin/einem Kunden aus Burg Stargard am 07.07.2018
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Dieses Buch vergisst man nicht. Werde auf jeden Fall auch die anderen Bücher von Marlon James lesen. Ab der ersten Seite wird man sofort in diese bedrückende und beklemmende Geschichte des Dorfes Gibbeah gezogen. Man glaubt sich in einem Albtraum. Der Pastor Bligh wird eines Tages vom selbsternannten Apostel... Dieses Buch vergisst man nicht. Werde auf jeden Fall auch die anderen Bücher von Marlon James lesen. Ab der ersten Seite wird man sofort in diese bedrückende und beklemmende Geschichte des Dorfes Gibbeah gezogen. Man glaubt sich in einem Albtraum. Der Pastor Bligh wird eines Tages vom selbsternannten Apostel York aus seiner Kirche vertrieben. Der Apostel klagt ihn für seine Sünden an. Trunksucht und Ehebruch. Er will das Dorf vor dem Teufel retten und stellt strenge Regeln für die Bewohner auf. Niemand darf das Dorf verlassen oder betreten. Hysterie greift um sich und selbst die Geier und Tauben verhalten sich feindschaftlich. Beide Männer kämpfen nun gegeneinander. Wer wird gewinnen und gibt es Erlösung für das Dorf. Hier sind schwere Sünden begangen worden, wie Sodomie und Pädophilie. Mit Erschütterung und Abscheu liest sich dieser Text, doch man kann sich ihm auch nicht entziehen und ist beim lesen von den Fragestellungen getrieben, gibt es Vergeltung und bringt Rache Genugtuung? Mich wird dieses Buch noch sehr lange beschäftigen. Es hat mich förmlich in seinen Bann gezogen. Wer sich nicht vor den menschlichen Abgründen fürchtet und starke Nerven hat, sollte dieses Buch unbedingt lesen.