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Außer sich

Roman. Ausgezeichnet mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2017 und nominiert für die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2017

(9)

Sie sind zu zweit, von Anfang an, die Zwillinge Alissa und Anton. In der kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre verkrallen sie sich in die Locken des anderen, wenn die Eltern aufeinander losgehen. Später, in der westdeutschen Provinz, streunen sie durch die Flure des Asylheims, stehlen Zigaretten aus den Zimmern fremder Familien und riechen an deren Parfumflaschen. Und noch später, als Alissa schon ihr Mathematikstudium in Berlin geschmissen hat, weil es sie vom Boxtraining abhält, verschwindet Anton spurlos. Irgendwann kommt eine Postkarte aus Istanbul – ohne Text, ohne Absender. In der flirrenden, zerrissenen Stadt am Bosporus und in der eigenen Familiengeschichte macht sich Alissa auf die Suche – nach dem verschollenen Bruder, aber vor allem nach einem Gefühl von Zugehörigkeit jenseits von Vaterland, Muttersprache oder Geschlecht.

Wer sagt dir, wer du bist? Davon und von der unstillbaren Sehnsucht nach dem Leben selbst und seiner herausfordernden Grenzenlosigkeit erzählt Sasha Marianna Salzmann in ihrem Debütroman Außer sich. Intensiv, kompromisslos und im besten Sinn politisch.

Rezension
"Hier schreibt jemand, der etwas zu erzählen hat."
DIE WELT 18.05.2017
Portrait
Sasha Marianna Salzmann studierte Literatur/Theater/Medien an der Universität Hildesheim sowie Szenisches Schreiben an der Berliner Universität der Künste. Sie ist Theaterautorin, Essayistin und Dramaturgin und war Mitbegründerin des Kultur- und Gesellschaftsmagazins freitext. Seit der Spielzeit 2013/2014 ist sie Hausautorin am Maxim Gorki Theater Berlin und war dort bis 2015 Künstlerische Leiterin des Studio Я. Ihre Theaterstücke werden international aufgeführt und sind mehrfach ausgezeichnet. Außer sich ist ihr Debütroman.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 366
Erscheinungsdatum 11.09.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-42762-0
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 203/128/30 mm
Gewicht 427
Auflage 3
Verkaufsrang 6.890
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Dieser Roman handelt von verschiedenen Generationen einer jüdischen Familie, deren Wurzeln irgendwo in Odessa, Czernowitz, Moskau, Berlin und Istanbul beginnen, oder eine Durchgangsstation haben. Alissa sucht in Istanbul ihren verschollen Bruder Anton. Beide sind bezüglich ihres Geschlechtes und ihrer sexuellen Orientierung noch nicht Dieser Roman handelt von verschiedenen Generationen einer jüdischen Familie, deren Wurzeln irgendwo in Odessa, Czernowitz, Moskau, Berlin und Istanbul beginnen, oder eine Durchgangsstation haben. Alissa sucht in Istanbul ihren verschollen Bruder Anton. Beide sind bezüglich ihres Geschlechtes und ihrer sexuellen Orientierung noch nicht festgelegt und treiben sich im Szeneviertel Istanbul herum, ohne sich zu begegnen. In Rückblicken wird erzählt, wie die Familie nach Berlin und die Zwillinge schließlich in Istanbul gelandet sind. Zuletzt verlieben sich beide in die gleiche Frau, während Istanbul ins Chaos abgleitet.

Der Roman steht auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2017. Ich fand den Roman in Teilen besonders wegen der historischen Hintergründe sehr interessant und wunderbar poetisch geschrieben. Vor allem die erotischen Situationen sind gelungen. Dennoch war das Lesen in vielen Teilen durch die Verschachtelung der verschiedenen Erzählstränge etwas anstrengend, so dass ich nie richtig in den Roman eintauchen konnte.

„Zwillinge“

Dorothea Weiss, Thalia-Buchhandlung Jena

Alissa und Anton kommen als Kinder nach Deutschland. Lange haben sie nur einander, können sich nur aneinander festhalten und spiegeln. Doch dann verschwindet Anton. Eine Postkarte aus Istanbul ist das einzige Lebenszeichen. Alissa, die ihre Haare nun kurz trägt und lieber auf Ali hört, reist ihm hinterher. Nicht nur um den geliebten Alissa und Anton kommen als Kinder nach Deutschland. Lange haben sie nur einander, können sich nur aneinander festhalten und spiegeln. Doch dann verschwindet Anton. Eine Postkarte aus Istanbul ist das einzige Lebenszeichen. Alissa, die ihre Haare nun kurz trägt und lieber auf Ali hört, reist ihm hinterher. Nicht nur um den geliebten Bruder zu finden. In den Straßen Istanbuls sucht sie auch nach ihrer eigenen Identität, als Mann, als Mensch.....
Ein ambitionierter Roman, vollgepackt mit vielen wichtigen Themen wie Familie, (geschlechtliche) Identität, Heimat, Gewalt und Antisemitismus im Alltag.

Annette W. , Thalia-Buchhandlung Berlin

Das Romandebüt ist modern in seiner Komposition, herausfordernd.Die Autorin mutet dem Leser viel auf einmal zu mit ihrem Wechsel der Erzählperspektive. Ich fand es lesenswert! Das Romandebüt ist modern in seiner Komposition, herausfordernd.Die Autorin mutet dem Leser viel auf einmal zu mit ihrem Wechsel der Erzählperspektive. Ich fand es lesenswert!

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Außer sich
von miss.mesmerized am 09.09.2017

Eine Geschichte, wie sie tausendfach in Deutschland vorkam: Als Spätaussiedler kommen die Zwillinge Anton und Alissa in den 1990er Jahren aus der Sowjetunion nach Deutschland. Zunächst leben sie im Asylbewerberheim, wo sie die einzigen Juden unter den Bewohnern, die alle vorgaben wegen ihrer jüdischen Wurzeln ein Anrecht auf die... Eine Geschichte, wie sie tausendfach in Deutschland vorkam: Als Spätaussiedler kommen die Zwillinge Anton und Alissa in den 1990er Jahren aus der Sowjetunion nach Deutschland. Zunächst leben sie im Asylbewerberheim, wo sie die einzigen Juden unter den Bewohnern, die alle vorgaben wegen ihrer jüdischen Wurzeln ein Anrecht auf die Ausreise zu haben. Diskrimination und Gewalt prägen ihre Schulzeit, aber da stehen sie in guter Tradition, denn damit sind auch ihre Eltern und ihre Großeltern großgeworden. Doch Anton und Alissa schaffen es nicht, im neuen Land ein Leben aufzubauen. Die Familie zerfällt ebenso wie ihr Selbstbild und irgendwann ist Anton einfach weg. Eine Postkarte aus Istanbul lässt ihn in der türkischen Metropole vermute. Alissa, die sich inzwischen nur noch Ali nennt, macht sich auf die Suche nach ihrer zweiten Hälfte, ohne die sie unvollständig ist. Sasha Marianna Salzmanns Roman, der 2017 auf der Longlist des Deutschen Buchpreis steht, ist kein leicht zugänglicher Roman. Er springt zwischen den Generationen und ihren Geschichten, zwischen den Ländern, die die Figuren prägen und ihrer Suche nach Identität. Immer wieder verlieren sie sich und auch die Erzählweise springt, von einem neutralen Erzähler plötzlich in die erste Person, die die Erzählung geradezu an sich reißt. So entsteht eine chronologisch wie erzählperspektivisch disruptive Struktur, die vom Leser entschlüsselt und zusammengesetzt werden muss, um ein komplettes Bild zu erhalten. Im Zentrum steht Alissa alias Ali, die sich auf die Suche nach Anton macht. Gleichzeitig sucht sie auch sich selbst und ihre Identität, denn Alissa ist langsam dabei zu einem Mann zu werden. Zwischen den Sprachen, den Kulturen, den Ländern, einer Familie voller unglücklicher Menschen und einem belastenden geschichtlichen Erbe hat sie nie ihren Platz gefunden und ist auf der Suche nach sich selbst. Die Suche nach Anton ist nur vordergründig – dahinter steht die eigentliche Frage, wer Alissa oder Ali ist: „Ich war es damals noch gewohnt, von mir außerhalb meiner selbst, von mir in der dritten Person zu denken, als einer Geschichte, die irgendwem gehört, also erzählte ich ihnen eine Geschichte und hoffte, dass sie mich aus meiner Entrückung wieder an sich heranziehen [...]“ (S. 210) Ebenfalls großen Raum nimmt die Frage nach dem Jüdisch-Sein ein. Wann darf man es offen zeigen, wann besser verschweigen. Die Geschichte der Großeltern symbolisch für das Schicksal tausender Juden, die leben durften, so lange sie nützlich sein konnten und die auch in der kommunistischen und religionslosen Sowjetunion nur Menschen zweiter Klasse waren. Die Beziehungen zwischen den Geschlechtern sind geprägt von Gewalt und Angst. Besonders erschreckend, mit welcher emotionslosen Konstatierung über Vergewaltigungen in der Ehe gesprochen wird. Man kann und will sich nicht vorstellen, dass dies für viele Frauen alltägliche Tatsachen sind, die sie letztlich abstumpfen lassen. Der Alkohol mag ein Grund sein, aber sicher keine Entschuldigung. Man gewinnt jedoch nicht den Eindruck als wenn sich jemand ernsthaft daran stören würde und so wird das Verhalten von den Kindern beobachtet und später imitiert. Für die Frau bleibt nur die Flucht in die Arbeit, dort versteckt sich als Valja, die sich nicht wirklich auflehnt gegen das, was ihr Geschichte, aber womöglich ist es auch die russische Prägung, die sie dazu treibt: „ ‚Ich‘ ist im Russischen nur ein Buchstabe: ?. [...] Man sagt: ? ist der letzte Buchstabe im Alphabet, also stell dich hinten an, vergiss dich, nimm dich nicht so wichtig, lös dich auf. Mir schien, Valja hatte diese Redensart vollkommen verinnerlicht.“ (S. 274) Eine Familiengeschichte der anderen Art, die so noch nicht erzählt wurde, denn sie legt den beiden Kinder die Last der Geschichte wie auch der Zukunft auf die Schultern. Und das, wo sie weder wissen, wo sie herkommen, wer sie sind und wohin sie gehen werden.

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Vergiss dich, nimm dich nicht so wichtig, lös dich auf...
von Mikka Liest aus Hilter am Teutoburger Wald am 09.10.2017

Die Geschichte erstreckt sich nicht nur über Generationen, Religions- und Ländergrenzen, sondern reizt auch aus, wie unfassbar zerbrechlich und zugleich fließend die Identität eines Menschen sein kann. »Hier schreibt jemand, der etwas zu erzählen hat« sagt DIE WELT, und dem würde ich vorbehaltlos zustimmen. Sasha Marianna Salzmann weiß, wovon sie... Die Geschichte erstreckt sich nicht nur über Generationen, Religions- und Ländergrenzen, sondern reizt auch aus, wie unfassbar zerbrechlich und zugleich fließend die Identität eines Menschen sein kann. »Hier schreibt jemand, der etwas zu erzählen hat« sagt DIE WELT, und dem würde ich vorbehaltlos zustimmen. Sasha Marianna Salzmann weiß, wovon sie spricht, und sie spricht in einem so innovativen wie kompromisslosen Stil, der mal poetisch klingt – und mal so, als habe sie ihre Lebenswut aufs Papier gekotzt. Zitat: "Außerhalb ihres Kopfes verlief die Zeit schneller, es bewegten sich Dinge in Blitzgeschwindigkeit, Schuhe, die wie Schlangen um sich schnappten, Ottern und riesige Insekten, die sie ansprangen, sie schrie auf und hatte das Gefühl, geschrumpft und in ein Bild gesteckt worden zu sein, das bei McDonald's an der Wand hing. Alles war Dschungel, alles war Farben, alles machte ihr Angst, und sie wusste nicht, ob sie auf dem Boden lag oder in ein Loch gefallen war." Aber dieses 'etwas', das sie zu erzählen hat, blieb für mich über weite Strecken nicht greifbar, ihre Charaktere interessant, aber seltsam blutleer. Auch die Wucht des Schreibstils blieb oft auf dem Papier kleben. Wenn der schnelle Wechsel von Schauplätzen und Perspektiven den Leser irritiert und verwirrt, so ist dies von der Autorin jedoch durchaus erwünscht. Sie wolle dem Leser eine Ahnung verschaffen, sagte sie in einem Interview, wie es sich anfühlt, wenn "die Drehscheibe zu schnell ist". Und die Drehscheibe ist rasend schnell für die Menschen, die sie in ihrem Roman beschreibt. Anton und Ali sind die Kinder von Heimatlosen, haben die Rastlosigkeit im Blut, begegnen auf ihrer Suche nach dem eigenen Ich nur mehr anderen Suchenden, aber keinen Angekommenen. Besonders Ali ist grenzenlos haltlos, ohne Anton hat sie das Gefühl, auch sich selbst verloren zu haben. Aber ist sie überhaupt eine Sie? Sexualität und Gender werden durch Antons Verschwinden erschüttert: es bleibt unklar, ob Ali transgender ist oder den Verlust des Bruders kompensieren will, indem sie/er seine Identität übernimmt. Letztlich bleibt sogar offen, ob es Anton je gab, oder ob er von Anfang an eine Abspaltung des genderqueeren Teils von Ali war. Zitat: »Ich reihe meine Vielleichts aneinander, Kügelchen für Kügelchen, ungeschliffene Murmeln, die keine vorzeigbare Kette ergeben.« Möglicherweise ist das schon die Erklärung, warum es mir so schwerfiel, für die Charaktere mehr als vages Interesse zu empfinden: sie sind unfassbar, im wahrsten Sinne des Wortes, weil sie keine klar umgrenzte Identität haben, und damit wird der interessanteste Aspekt des Buches zugleich zu seiner größten Schwäche. Ganz nebenher erzählt die Autorin die Lebensgeschichte der entwurzelten russisch-jüdischen Familie Tschepanow über vier Generationen – was an sich gar nicht auf 366 Seiten passen sollte, es aber tut, weil alles fragmentarisch bleibt. Auch hier wieder: interessant, aber. Es erklärt Ali, und es erklärt Ali nicht, weil der Leser die Familiengeschichte sieht wie in einem zerbrochenen Spiegel. Mir erschwerte das Fragmentarische die emotionale Investition, die die Geschichte in meinen Augen fordert – auch wenn es wunderbar Alis Identitätskrise widerspiegelt und verdeutlicht, was für ein trügerisches Konstrukt die menschliche Erinnerung ist. Zitat: »Mein Name fängt mit dem erste Buchstaben des Alphabets an und ist ein Schrei, ein Stocken, ein Fallen, ein Versprechen auf ein B und C, die es nicht geben kann in der Kausalitätslosigkeit der Geschichte.« Möglicherweise muss man sich als Leser von der Vorstellung verabschieden, das Buch müsse einem seinen Sinn offenbaren und Alis Reise in vollkommener Selbsterkenntnis enden. Es spricht wichtige, interessante Themen an. Die Sprache an sich ist es wert, gelesen zu werden, die Geschichte an sich ist es wert, gelesen zu werden. Für mich scheiterte es – oder ich? – jedoch an der Umsetzung, die Drehscheibe drehte sich zu schnell. Ich spürte, dass sich hinter dem, was ich las, etwas Großes verbarg, bekam es im Schwindel der Erzählung jedoch nicht zu fassen. Fazit: "Außer sich" ist vieles: eine epische Familiengeschichte, ein rasant erzählter, mutiger Roman mit einer Unzahl von Themen: Migration, Integration, Fremdenhass, Genderidentität, Inzest und immer wieder Selbstfindung, Selbstverlust... Es passiert unglaublich viel, und es fühlt sich an, als würde alles gleichzeitig passieren, der Schreibstil ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Wucht. Einfach ist das nicht – kein Buch zum nebenher Konsumieren. Was meine abschließende Bewertung betrifft, bin ich so zwiegespalten wie die Hauptfigur des Buches bezüglich ihrer Identität: letztendlich bleibt es ein Buch, dessen Ehrgeiz, Mut und sprachliche Innovation ich anerkenne, das mich jedoch dennoch nicht vollends überzeugen konnte.

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Ein interessantes Debüt mit einigen Schwächen
von Areti aus Melle am 27.10.2017

Inhalt: Sie sind zu zweit, von Anfang an, die Zwillinge Alissa und Anton. In der kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre verkrallen sie sich in die Locken des anderen, wenn die Eltern aufeinander losgehen. Später, in der westdeutschen Provinz, streunen sie durch die Flure des Asylheims, stehlen Zigaretten aus... Inhalt: Sie sind zu zweit, von Anfang an, die Zwillinge Alissa und Anton. In der kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre verkrallen sie sich in die Locken des anderen, wenn die Eltern aufeinander losgehen. Später, in der westdeutschen Provinz, streunen sie durch die Flure des Asylheims, stehlen Zigaretten aus den Zimmern fremder Familien und riechen an deren Parfumflaschen. Und noch später, als Alissa schon ihr Mathematikstudium in Berlin geschmissen hat, weil es sie vom Boxtraining abhält, verschwindet Anton spurlos. Irgendwann kommt eine Postkarte aus Istanbul – ohne Text, ohne Absender. In der flirrenden, zerrissenen Stadt am Bosporus und in der eigenen Familiengeschichte macht sich Alissa auf die Suche – nach dem verschollenen Bruder, aber vor allem nach einem Gefühl von Zugehörigkeit jenseits von Vaterland, Muttersprache oder Geschlecht. Wer sagt dir, wer du bist? Davon und von der unstillbaren Sehnsucht nach dem Leben selbst und seiner herausfordernden Grenzenlosigkeit erzählt Sasha Marianna Salzmann in ihrem Debütroman Außer sich. Intensiv, kompromisslos und im besten Sinn politisch. Meine Meinung: "Außer sich" von Sasha Marianna Salzmann ist ein interessanter Debütroman mit einigen Schwächen. Die Geschichte an sich ist eigentlich interessant, allerdings erlebt man hier nicht viel von Alissas Suche nach ihrem Bruder, sondern eher ihre Suche nach sich selbst, nach ihrem eigenen Ich. Das Buch wird überwiegend aus Alissas Sicht geschrieben, nur am Ende gibt es ein wenig aus der Perspektive ihres Bruders Anton. Der Einstieg in die Erzählung fiel schon schwer, da der Schreibstil sehr gewöhnungsbedürftig ist und es sehr viele Personen gibt. Immer wieder wird die Handlung von Geschichten aus der Vergangenheit unterbrochen. Diese sind zum Teil zwar super spannend und interessant, andererseits aber auch sehr in die Länge gezogen, sodass ich es am liebsten überlesen hätte und mich teilweise schon fragte: Was soll das eigentlich alles? Man lernt hier das Schicksal jüdischer Russen kennen, die von Russland nach Deutschland zogen. Das wird wahrscheinlich recht authentisch rübergebracht, größtenteils geht es aber um etwas ganz anderes: Alis (Alissas) Findung zu sich selbst, zu der Person, die sie eigentlich ist und den Schwierigkeiten dabei. Ali ist keine typische Protagonistin, die man gut versteht und in die man sich gut hineinversetzen kann. Im Gegenteil: Ihre Handlungen und Reaktionen auf Erlebnisse sind teilweise sehr unverständlich. Das macht es auch so schwer, in das Buch hineinzufinden. Fazit: Meinen Geschmack hat es leider nicht getroffen, da der Schreibstil mir nicht zusagte und manche Stellen einfach zu lang gezogen waren. Zudem hätte ich mir gewünscht, mehr von Anton zu erfahren. Daher kann ich das Buch leider nicht weiter empfehlen.

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