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Bahnwärter Thiel

Novellistische Studie. Nachw. v. Fritz Martini

Reclam Universal-Bibliothek

(11)
Gerhart Hauptmanns 1888 erschienene "novellistische Studie" ′Bahnwärter Thiel′ ist das erste bedeutende Prosawerk des deutschen Naturalismus. Bahnwärter Thiel ist in zweiter Ehe mit der herrschsüchtigen Lene verheiratet. Als Tobias, Thiels geistig und körperlich zurückgebliebender Sohn aus erster Ehe, unter einen Zug gerät und stirbt, wird Thiel zum Mörder und verfällt dem Wahnsinn.
In knapp ausgeführten Bildern und straffer Erzählführung entwirft Hauptmann eine psychopathologische Studie, in der er die Person Thiels als Spielball von Triebkräften und unklaren Bewusstseinszuständen zeichnet und die Darstellung der Außenwelt zur Spiegelung innerer Zustände verwendet. Dabei erreicht er eine sprachliche Intensität, die bereits auf expressionistische Stilformen vorausweist.
Mit einem Nachwort von Fritz Martini.
Text in neuer Rechtschreibung.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 55
Erscheinungsdatum 1986
Serie Reclam Universal-Bibliothek 6617
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-006617-1
Verlag Philipp Reclam Jun.
Maße (L/B/H) 149/95/4 mm
Gewicht 32
Verkaufsrang 1.583
Buch (Taschenbuch)
1,60
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„Nicht umsonst Weltliteratur“

Nancy Jarisch, Thalia-Buchhandlung Weiterstadt

Dieses kleine Büchlein gehört zu den wenigen Werken, die mich als Pflichtlektüre in der Schule, ein zweites Mal im Studium und nun auch beim dritten privaten Lesen berührt und begeistert haben. Gerhart Hauptmann beschreibt in realistischem, schnörkellosem Duktus den psychischen Konflikt sowie die Ohnmacht eines Bahnwärters, welcher Dieses kleine Büchlein gehört zu den wenigen Werken, die mich als Pflichtlektüre in der Schule, ein zweites Mal im Studium und nun auch beim dritten privaten Lesen berührt und begeistert haben. Gerhart Hauptmann beschreibt in realistischem, schnörkellosem Duktus den psychischen Konflikt sowie die Ohnmacht eines Bahnwärters, welcher einer Frau hörig ist, die er nicht lieben kann und der er im Verlauf einer tragischen Geschichte alles von sich opfern muss – sogar seinen Sohn. Wer nach einer bewegenden, schnell zu lesenden Geschichte sucht, der wird sie in dieser vierzigseitenkurzen, aber äußerst vielschichtigen und intensiven Novelle finden.

Kundenbewertungen


Durchschnitt
11 Bewertungen
Übersicht
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Meine Meinung zu Bahnwärter Thiel
von einer Kundin/einem Kunden am 06.05.2007

Hallo, Ich habe Bahnwärter Thiel erst vor kurzem gelesen und empfand das Buch für außergewöhnlich gut! Ich kann es aufjeden Fall nur weiterempfhelen.

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1 0
Sehr empfehlenswert!
von Nadja aus NÖ am 15.01.2006

Ein wunderbares Beispiel für die naturalistische Literatur des späten 19. Jahrhunderts. Die getreue Wiedergabe der Natur, die exakte Schilderung von Mienenspiel und feinsten Bewegungen der Protagonisten und der Hang zum „Modernen“ zeichnen dieses Werk aus. Hauptmann wählte Stoff und Milieu aus der Alltagswelt der „kleinen Leute“. Bahnwärter Thiel -... Ein wunderbares Beispiel für die naturalistische Literatur des späten 19. Jahrhunderts. Die getreue Wiedergabe der Natur, die exakte Schilderung von Mienenspiel und feinsten Bewegungen der Protagonisten und der Hang zum „Modernen“ zeichnen dieses Werk aus. Hauptmann wählte Stoff und Milieu aus der Alltagswelt der „kleinen Leute“. Bahnwärter Thiel - eine leicht verständlich geschriebene Zerfallsgeschichte eines in den Irrsinn stürzenden Menschen.

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Horror eines Stillen
von David aus der Karibik am 11.12.2007

Das Unglück ist für den Leser der Erzählung keine Überraschung, die Dramatik baut sich auf, ist von Anfang an spürbar, auch dass Tobias bei einem Unglück mit der Bahn ums Leben kommt, scheint absehbar. Die Schienen, die am Horizont verschwinden; die Züge, die in irrsinniger Geschwindigkeit vorbeirasen, die Erde... Das Unglück ist für den Leser der Erzählung keine Überraschung, die Dramatik baut sich auf, ist von Anfang an spürbar, auch dass Tobias bei einem Unglück mit der Bahn ums Leben kommt, scheint absehbar. Die Schienen, die am Horizont verschwinden; die Züge, die in irrsinniger Geschwindigkeit vorbeirasen, die Erde erbeben lassen, scheinen von Beginn an bedrohlich und stellen damit symbolisch die Gefährlichkeit des Fortschritts dar. Andeutungen wie das „Spinnengewebe“, die „eiserne Netzmasche“ wirken unheilschwanger und schicksalsträchtig. Hauptmann schafft es, einen alltäglichen Horror zu zeichnen, es ist von Beginn an eine schreckliche Geschichte, die Dramatik der Ereignisse steigert diese – meiner Meinung nach – nur unwesentlich, denn der Horror, das Unheil ist von Beginn an tief in Thiel verwurzelt. Hauptmann arbeitet mit Symbolik, stellt das private und vorerst innerliche Unglück Thiels der Rücksichtslosigkeit des Fortschritts gegenüber. Bezeichnenderweise ermöglicht gerade der Fortschritt, die Anstellung als Bahnwärter, Thiel seine gesicherte Existenz, sogar seinen Lebensinhalt. Ein Keuchen und Brausen schwoll stoßweise fernher durch die Luft. Dann plötzlich zerriss die Stille. Ein rasendes Tosen und Toben erfüllte den Raum, die Geleise bogen sich, die Erde zitterte – ein starker Luftdruck – eine Wolke von Staub, Dampf und Qualm, und das schwarze, schnaubende Ungetüm war vorbei. Thiel erledigt seine Arbeit gewissenhaft, stört sich auch nicht an seinen unheimlichen Gedanken, hat sich scheinbar mit seinem Schicksal arrangiert und nach solchen unheimlichen Augenblicken genießt er wieder die Ruhe der Natur, welche eben nur manchmal durch die daherbrausenden Züge unterbrochen wird. Der Bahnwärter reagiert nach dem Unglück, der seinem Sohn das Leben kostet, vorerst paralysiert, lässt sich sogar von Lene trösten, reagiert erst mit Verzögerung und sieht sich vielleicht auch Minna verpflichtet, als er schließlich Lene und das Baby umbringt. Bestimmt wird er in Folge nicht zu Unrecht ins Irrenhaus eingeliefert, denn den zuerst erduldeten und dann realen Horror kann einen Menschen wohl in den Wahnsinn treiben. Hier handelt Thiel ähnlich wie „Woyzeck“ in Büchners Fragment. Die beiden Personen sind sich in ihrer zunehmender Verzweiflung sehr ähnlich, mir scheint allerdings, dass die finale Bluttat bei Büchners Woyzeck unumgänglich ist, ein Fehlen des Mordes dem Drama den Sinn nehmen würde. Ganz anders ist es bei Thiel zu sehen. Das Drama des Menschen wäre nicht geringer, würde Hauptmann auf die Mordtaten verzichten, vielleicht wäre sogar das Gegenteil der Fall. Thiel, der trotz des Todes seines Sohns mit Lene weiterlebt, sich weiterhin mit seinem Schicksal arrangiert, dies wäre, meiner Meinung nach, für den Leser – den Beobachter – das noch größere Unheil. Mit den Mordtaten findet Thiel am Ende einen Weg aus seinem Dilemma und das Drama geht blutig zu Ende. Hauptmann hat mit Thiel eine Person geschaffen, die sich zufrieden gibt, die nach außen Gelassenheit und manchmal auch Gleichgültigkeit lebt, innerlich allerdings gärt es und dies zeichnet Hauptmann meisterlich. Für mich war dies von Anfang bis Ende eine Schauergeschichte, formvollendet und spannend erzählt, allerdings steigert das Finale, welches schlussendlich Thiel zum Mörder werden lässt, diesen Horror nicht mehr. Dies Hauptmann zum Vorwurf zu machen steht allerdings niemandem zu.

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