Das Gehirn ist nicht einsam

Resonanzen zwischen Gehirn, Leib und Umwelt. Mit e. Geleitwort v. Thomas Fuchs

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Seit Jahrhunderten wird das Gehirn zum Sitz des Geistes erklärt. Die körperlichen, seelischen und geistigen Leistungen des Menschen gehen jedoch nicht vom Gehirn aus, sondern entspringen ohne feste Örtlichkeit unmittelbar aus der Wechselwirkung von Organismus und Umwelt.
Damit gewinnt der Leib seine zentrale Bedeutung wieder, während die in der Neuzeit überbewertete Stellung des Gehirns auf ein Maß reduziert wird, das auch mit der neueren empirischen Forschung übereinstimmt. Die Autonomie des ganzheitlichen Menschen gewinnt damit die Bedeutung zurück, die ihr die spekulative Steuerungstheorie des Gehirns im letzten Jahrhundert abgesprochen hat.

"Hier liegt ein neuer Ansatz zum Verständnis der Hirnfunktion des Menschen vor, der die seit langem festgefahrene Debatte zum Verhältnis von Gehirn und Geist aufbrechen und ihr eine neue, erfolgversprechende Richtung geben kann." (Thomas Fuchs, Universität Heidelberg)

"Endlich ein Konzept, bei dem die Freiheit des Denkens nicht dazu genutzt wird, die Freiheit wegzuerklären." (Rüdiger Safranski, Freie Universität Berlin)

Portrait

Dr. Hans Jürgen Scheurle ist Arzt, Autor und Dozent für Physiologie, Embryologie und medizinische Ethik.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 248
Erscheinungsdatum 12.10.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-17-029847-7
Verlag Kohlhammer
Maße (L/B/H) 23,1/15,6/1,7 cm
Gewicht 419 g
Abbildungen 5 Abbildungen
Auflage 2. überarbeitete Auflage
Buch (Taschenbuch)
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Das Gehirn ist das Werkzeug des Geistes, nicht sein Ursprung (Alfred Adler)
von Matthias Wenke aus Bonn am 10.06.2014
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Scheurles Buch bestätigt die in den letzten Jahren zunehmende Konvergenz der nichtreduktionistischen Human-Wissenschaften, welche wieder das ganze, einheitliche Ich ernst nehmen, das weder als „Beobachter“ im Gehirn noch sonstwo im Körper wie in einer Kiste sitzt, sondern sich als der gesamte lebendige, sich selbst und die Welt erlebende Leib... Scheurles Buch bestätigt die in den letzten Jahren zunehmende Konvergenz der nichtreduktionistischen Human-Wissenschaften, welche wieder das ganze, einheitliche Ich ernst nehmen, das weder als „Beobachter“ im Gehirn noch sonstwo im Körper wie in einer Kiste sitzt, sondern sich als der gesamte lebendige, sich selbst und die Welt erlebende Leib verkörpert (embodiment). Seine an vielen Beispielen belegte These der peripheren Hemmung sowie der Autonomie des lebendigen Leibes und seiner Vollzugsorgane widerspricht radikal dem verbreiteten „Zentralsteuerungsparadigma“ in der Neurobiologie, welches davon ausgeht, dass das Gehirn als eine Art Befehlszentrum der „eigentliche Akteur“ sei und auch das menschliche Bewusstsein erzeuge. Die Tatsache, dass in den 70er Jahren während einer Operation eine elektrische Gehirnreizung längst vergessene Erinnerungen evoziert hatte, wurde zum Ausgangspunkt eines fundamentalen Missverständnisses. Man unterstellte naiverweise, dass der Ort der Stimulation auch der Sitz der Erinnerungen sei (lokalisatorischer Fehlschluss). Aus der Körperpsychotherapie ist bekannt, dass jeder beliebige Punkt am Körper Erinnerungen stimulieren kann. Niemand würde aber auf die Idee kommen, z.B. das Schulterblatt als Sitz des Gedächtnisses zu unterstellen, weil ein Klient bei Berührung dort sich an etwas erinnert. Genau umgekehrt wird ein Schuh draus. In Scheurles Ansatz „sind die neuronalen Antworten ('Feuern') nur unspezifische Auslöser- und Resonanzvorgänge, welche die Bewegungs- oder Wahrnehmungsorgane lediglich erregen oder wecken – ohne codierten Informationsgehalt. Die Wahrnehmung von Dingen und Ereignissen wird weder über die Nerven ins Gehirn übertragen noch in der sensorischen Hirnrinde dekomponiert, sondern findet ganzheitlich an ihrem jeweiligen Ort in der Sinneswelt statt.“ (S. 139) Als Individualpsychologe bin ich hoch erfreut, dass Alfred Adler schon vor 100 Jahren phänomenologische Einsichten zum Verhältnis von Geist und Leib hatte, wie sie in diesem Werk (und ähnlichen kongenialen) bestätigt werden: Nicht nur die Welt, sondern auch der eigene biologische Körper ist für jeden Menschen Teil seiner Umwelt. Das Gehirn folgt den Zielen seines Besitzers und ist sein Werkzeug, es erzeugt aber nicht sein Bewusstsein. Nicht neuronale Muster steuern Intentionen - Intentionen steuern neuronale Muster. Auch Erinnerungen haben Funktionen, die den expliziten oder impliziten Zielen des Individuums folgen. Das Bewusstsein ist ortlos, es ist der gesamte situative Gegenwartsraum des Erlebens, keine „Kapsel im Gehirn“ und auch keine „Festplatte“. Da liegt die moderne Leibphänomenologie übrigens nicht nur mit der Individualpsychologie auf einer Linie, sondern auch mit dem Buddhismus. Dieses Buch ist ein Fachbuch in bestem Sinne. Medizinische, biologische sowie Kenntnisse der phänomenologischen Fragen zum Verhältnis von Leib, Geist und Körper sind zwar teilweise als Hintergrund sehr erleichternd, werden andererseits aber auch im Kontext immer wieder geliefert, begründet und erklärt. Sämtliche biologischen und medizinischen Fakten werden wiederholt in den Gesamtzusammenhang des lebendigen Individuums gestellt. Damit wird vermieden, selbst bei komplexen Zusammenhängen, den Menschen mechanistisch misszuverstehen. Der Autor bringt mit seiner fundiert ausgearbeiteten Theorie der peripheren Hemmung einen genuin neuen und fehlenden Baustein in eine ganzheitliche Wissenschaft vom Menschen, welche das Erleben erster Person nicht rückwärts aus neurobiologischen Netzwerken erklären will, sondern die Perspektiven erster und dritter Person komplementär nebeneinander stellt (letztere selbst wieder als eine konsensuale phänomenale Wirklichkeit verstanden). Scheurles Werk ist zutiefst sachlich und klar, aber zugleich mutig positioniert und engagiert. Er zeigt nämlich, dass eine angeblich „wertfreie“ materialistische Wissenschaft durch ihre stillschweigenden, jeder Diskussion entzogenen Setzungen das genaue Gegenteil ist: nämlich das Individuum und seine Erfahrungen ent-wertend. Jede fundierte Kritik an einem Absolutismus der empirischen, reduktionistischen Naturwissenschaften in der Hirnforschung ist begrüßenswert und von höchster gesellschaftlicher Relevanz. Scheurle weist auf mögliche Gefahren hin. Es wird etwa der „Hirntod“ als Todeszeitpunkt in Frage gestellt, was für Organspenden elementar wichtig ist, und es wird gezeigt, wie eine falsche Auffassung der Beziehung von Geist und Gehirn (wie sie etwa Roth oder Singer vertreten) neben dem Individuum auch gleich seine Freiheit annulliert. In letzter Konsequenz überhöhen sich damit Gehirnexperten zu Experten für das ganze Leben, sprechen dem Einzelnen seine Mündigkeit ab und erklären ihre eigene Wissenschaft zur Metawissenschaft. Der Autor belegt, dass derartige materialistische Wissenschaften ohne Phänomenologie selbst- und weltblind bleiben müssen: „Um das Individuum in subjektiv unmündiger Beschränktheit zu halten, ist eine Hirntheorie geeignet, die den menschlichen Erlebensraum auf die Schädel-Höhle begrenzt. Die Auffassung, der menschliche Geist habe kein wirkliches Leben, sondern nur ein subjektives, von der Hirnmaterie erzeugtes Scheinleben, ist der sicherste Kerker der Welt.“ (S. 187f.) Scheurle liefert mit seinem Werk sehr gute Rückendeckung gegen derartige Hybris im Einsatz für Freiheit, Selbstbestimmung und die Würde der Menschen. Darin ist Ermutigung für eine echte aufgeklärte Wissenschaft, welche den eigenen Sinnen, den Mitmenschen und der wirklichen Welt traut. Für alle, die professionell und persönlich in Menschen mehr sehen als hirngesteuerte Biomaschinen und dies wissenschaftlich fundiert tun wollen, ein unbedingt empfehlenswertes Buch.