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Das ist unser Haus

Eine Geschichte der Hausbesetzung

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Legal – illegal – scheißegal: Hausbesetzer erzählen die Geschichte des Häuserkampfs

Als die Revolution nicht stattfand, als aus dem fröhlichen Widerstand der Studenten gegen die Pantoffelrepublik ihrer Eltern nichts wurde, schickte sich eine neue Generation an, die Städte mit viel Phantasie „zu erobern“. Das ist ihre Geschichte, in der unter anderen Daniel Cohn-Bendit und Klaus der Geiger zu Wort kommen und viele Beteiligte.

Nicht nur in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Köln, Freiburg und Zürich tobte seit den 1970er Jahren der Häuserkampf. Kai Sichtermann, Gründungsmitglied der legendären Band Ton Steine Scherben, war mittendrin. Gemeinsam mit seiner Schwester, der Publizistin Barbara Sichtermann, befragte er nun die wichtigsten Protagonisten von damals. Sie erzählen, wie alles anfing, was die Bewegung bewirkte und welche Kämpfe die Hausbesetzer im Laufe der Jahrzehnte ausgefochten haben.
„Das ist unser Haus“ ist „oral history“, Lese-, Bilder- und Geschichtsbuch über eine Zeit, die angesichts stetig steigender Mieten und Wohnungspreise hochaktuell ist. Wem gehört die Stadt und wie stellen wir uns die Städte der Zukunft vor?
Portrait
Kai Sichtermann, 1951 geboren, ist freier Musiker und Buchautor. 1969 zog er nach Berlin und gründete 1970 mit Rio Reiser Ton Steine Scherben, deren Mitglied er bis zur Auflösung 1985 war. Seit der Neugründung 2014 geht er mit den ehemaligen Mitgliedern R. P. S. Lanrue, Funky Götzner und wechselnden Musikern wieder auf Tour.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Ja
Seitenzahl 304 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 17.02.2017
Sprache Deutsch
EAN 9783841211644
Verlag Aufbau digital
eBook
18,99
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Lässt mich schwer beeindruckt zurück!
von warmerSommerregen aus Essen am 26.08.2017
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

„Einen Mieter schmeißt man raus, fünfzig nehmen sich ein Haus“ Seit den 1970er Jahren tobte in immer Städten der Häuserkampf. In diesem Buch wird der Fokus auf Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln, Freiburg, Tübingen, München, Monheim, Hannover und Göttingen gelegt, aber auch die DDR und Ostberlin sowie dem nahen Ausland in... „Einen Mieter schmeißt man raus, fünfzig nehmen sich ein Haus“ Seit den 1970er Jahren tobte in immer Städten der Häuserkampf. In diesem Buch wird der Fokus auf Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln, Freiburg, Tübingen, München, Monheim, Hannover und Göttingen gelegt, aber auch die DDR und Ostberlin sowie dem nahen Ausland in Form von Dänemark, den Niederlanden, der Schweiz und Österreich wird Beachtung geschenkt. Nachdem die von den gegen die Pantoffelrepublik ihrer Eltern fröhlichen Widerstand leistenden Studenten geforderte Revolution ausblieb, Wohnungsnot und ein Leerstand, der „nicht aubleiben [konnte], wenn die Entmietungsstrategien der Spekulanten mit dem Planungswirrwarr der Bürokratien und unsicheren Finanzierungsaussichten zusammenstießen“(S.14) prägend für die Zeit waren, verfolgte eine ganze Generation, heterogen wie sie nur sein kann, das Ziel nach Autonomie – man wollte zusammen leben und arbeiten. „Ihr habt eure Baupläne ohne uns gemacht“ (Wandparole in Berlin, S.260) Eigentum verpflichtet und das Grundrecht auf Wohnraum besteht, so heißt es, doch fand sukzessive eine fatale Gentrifizierung statt und Spekulanten ließen wertvollen Wohnraum verfallen. Doch ihrer zahlreichen Gegner und Widersacher zum Trotz wuchs die Hausbesetzerbewegung und gewann an an Einfluss. „Im Laufe des Jahres 1981 kam es in 153 Städten zu 595 Besetzungen durch 12900 Menschen.“ (S.298) Die Taten der Besetzerszene zogen immer größere Kreise und haben ihre Auswirkungen bis in die heutige Zeit. Beispielsweise wurden viele Zweckbauten, Fabrikanlagen und öffentliche Einrichtungen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wie die Rote Flora von den Häuserkämpfern „vor der Abrissbirne bewahrt“ (S.16) – der Grundstein für den Denkmalschutz, wie wir ihn mittlerweile für selbstverständlich halten, wurde gesetzt. „Das Private sollte als politisch verstanden werden und das Politische als Sache eines jeden.“ (S.15) Aufgrund der Unterschiedlichkeit der Beteiligten kam es zu einer großen Bandbreite von Vorstellungen und Zielsetzungen, auch die Frage nach Gewaltlegitimation kam auf. „Legal – illegal – scheißegal“ Und so entstanden verschiedene Strömungen in der Besetzerszene. Beim Engagement der Besetzter kam es dabei zu einer ständigen Spannung zwischen utopisch und praktisch, denn es gab stets viel zu organisieren oder bei Instandsetzungen zu reparieren und zu improsieren, dennoch brauchte es eine gemeinsame Utopie um Zusammenhalt zu gewähreisten. Besonders, wenn auch unpolitisch motivierte zu den Besetzern stießen oder Gegner und Widersacher gegen die Besetzerszene anzugehen versuchten. Dabei ließ sich, so überraschend dies auf den ersten Blick auch scheinen mag, ein gewisser Wertekonservativismus der Stadteroberer bezüglich Ausrufen wie „kämpfen und bleiben“ feststellen. „Die Revolution ist großartig. Alles andere ist Quark. – Rosa Luxemburg“ (S.256) Beeindruckenderweise haben sich einige der selbstverwalteten und autonomen, besetzten Häuser bis heute gehalten – auch wenn sie mittlerweile nicht mehr als besetzt bezeichnet werden – und gehen gemeinnützigen Zielen nach. Gemeinsam mit seiner Schwester Barbara Sichtermann besucht Kai Sichtermann, Gründungsmitglied der legendären Band Ton Steine Scherben, zahlreiche Beteiligte, sodass Hausbesetzer selber die Geschichte des Häuserkampfes beschreiben und erklären können. So handelt es sich bei „Das ist unser Haus“ um ein Lese-, Bilder- und Geschichtsbuch mit bemerkenswertem inhaltlichen Umfang. Erzählt wird auf abwechslungsreiche, informative, äußerst spannende und sehr beeindruckende Weise von verschiedenen Entwicklungen, Projekten, Ereignissen, Perspektiven und Zusammenhängen. Beeindruckend sind nicht nur die vielen verschiedenen Textformate und Bildquellen, die einen tiefen Blick in die damalige Zeitgeschichte gewähren, sondern auch die Verknüpfung verschiedener Erfahrungen mit Theorien, Forderungen, Einstellungen, Ansichten oder Beobachtungen von Soziologen, Anwälten oder anderen Fachleuten. Aus verschiedenen Blickwinkeln werden die Erfahrungen der Hausbesetzer gekonnt mit dem Zeitgeist und geschichtlichen Geschehen in Verbindung gesetzt, sodass man Stück für Stück an Zeitverständnis gewinnen kann. Erwähnenswert finde ich zudem, dass viele unterschiedliche Quellen verwendet werden – so zum Besipiel Fotografien, Zeitungsausschnitte, Liedtexte oder aus Angst vor Unruhen nicht ausgestrahlte Radiobeiträge. Für mich gab es in dem Buch so viel zu entdecken – und ich bin schwer beeindruckt davon, wie viel Material in dieses Werk eingeflossen ist. Das ermöglicht auch das Weiterlesen, Recherchieren und Einlesen in verschiedene Bereiche. Auf diese Weise bin ich auf Bücher, die ich unbedingt noch lesen muss, Soziologen, mit denen ich mich nun genauer befassen möchte, Filme, welche ich anzuschauen habe und Lieder, die ich zur Zeit rauf und runter höre, gestoßen. Darüber hinaus finden derart viele Gebäude, Initiativen und Organisationen Erwähnung, dass man sich mit diesen und den von ihnen vertretenen Wertevorstellungen über das Buch hinaus noch eingänglicher zu befassen vermag. Dennoch ist, sofern einen solche weiterführenden Recherchen nicht reizen können, genug Erklärung gegeben als das man das Gelesene auch so verstünde. Sehr ansprechend ist für mein Empfinden darüber hinaus, dass die Thematik so umfassend behandelt wird. Es bildet sich ein stimmiges Gesamtbild und man kann sehr gut in das Buch abtauchen. Fasziniert haben mich die vielen verschiedenen Ansatzpunkte, erwähnte Fachliteratur und sehr wissenschaftliche Argumentationsweisen. So wird der Leser ebenfalls für die Gegenwart sensibilisiert – denn das „Recht auf Stadt – Henri Lefebvre“ (S. 294) ist heute noch immer ein Thema angesichts steigender Mietpreise und Ähnlichem. Des Weiteren gibt „Das ist unser Haus“ wertvolle Denkanstöße zur Verhältnismäßigkeit der Mittel und anderen Themengebieten. Alles in allem bin ich von diesem 300 Seiten umfassenden Buch mehr als begeistert. Es ist äußerst abwechslunsreich, informativ, spannend, anschaulich, strukturiert, gut recherchiert und verknüpft, sodass es einen tiefen Einblick in die Geschichte der Hausbesetzung – die bis heute andauert – bietet. Von mir gibt es daher eine klare Leseempfehlung und volle 5 Sterne!