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Das kalte Licht der fernen Sterne

Roman

(4)

Die matronenhafte Bibliotheksdirektorin Tamara, die mit dem kränklichen Wiktor ihren zweiten Frühling erlebt. Sergej mit den Kunstledersandalen, dessen Scheune begehrter Treffpunkt der Jugendlichen ist. Die drei »Schlampen«: Lena mit dem Oberlippenbart, Dina mit dem Vater im Knast und Oksana, Expertin für Schwangerschaftsabbrüche. Nastja beobachtet sie, seit sie ein kleines Mädchen ist. Zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter lebt sie in einem Städtchen unweit von Moskau, das bessere Tage gesehen hat. Die Bewohner hausen zwischen Eimern und Einweckgläsern, zwischen Plumpsklo und Gemüsegarten, trinken bitteres Bier und selbstgebrannten Schnaps, beschimpfen und vergnügen, lieben und schlagen sich. Zunächst scheint Nastja als Erzählerin wie über dem Geschehen zu schweben, dann jedoch zieht es sie mitten hinein in das Pop-up-Panorama der russischen Provinz. Sie erlebt Geschichten voller Poesie und Gewalt, Tragik und Humor, Episoden mit ungewissem Ausgang. Bis Nastja sich in den jungen Soldaten Dima verliebt und es so aussieht, als würde ihr Leben eine unvorhergesehene Wendung nehmen.
Anna Galkinas Blick kennt keine Scheu und kein Erbarmen, durchbohrt die Härte des sowjetischen Alltags, trifft mitten ins Herz. »Das kalte Licht der fernen Sterne« erzählt unerbittlich und doch unbeschwert, mit viel Humor und großer Warmherzigkeit, von Schicksalen, die lange nachhallen.

Portrait
Anna Galkina ist in Moskau aufgewachsen und Schülerin bei verschiedenen russischen Künstlern gewesen. Seit einigen Jahren lebt sie als freischaffende Malerin in Deutschland. Ihre Werke finden sich in vielen Privatsammlungen im In- und Ausland. Im Urania Verlag ist von ihr bereits erschienen: Dekorative Acrylmalerei auf Keilrahmen
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 224
Erscheinungsdatum 15.02.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-627-00224-4
Reihe Debütromane in der FVA
Verlag Frankfurter Verlags-Anstalt
Maße (L/B/H) 211/134/25 mm
Gewicht 361
Auflage 1
Buch (gebundene Ausgabe)
19,90
inkl. gesetzl. MwSt.
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Kundenbewertungen


Durchschnitt
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Übersicht
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Melancholie, Schönheit und Schmerz
von Runar RavenDark aus Solingen am 07.04.2016

Der Roman "Das kalte Licht der fernen Sterne" von Anna Galkina ist 192 Seiten lang und stammt von der Frankfurter Verlagsanstalt. Im Roman geht es um Nastja, die nach 20 Jahren an den Ort ihrer Kindheit zurückkehrt, sich umblickt, wo einst ihr Elternhaus stand und sich an ihr Leben zurückerinnert.... Der Roman "Das kalte Licht der fernen Sterne" von Anna Galkina ist 192 Seiten lang und stammt von der Frankfurter Verlagsanstalt. Im Roman geht es um Nastja, die nach 20 Jahren an den Ort ihrer Kindheit zurückkehrt, sich umblickt, wo einst ihr Elternhaus stand und sich an ihr Leben zurückerinnert. Wir erleben Russland nach der Sowjetunion, in einer kleinen Provinz bei Moskau. Die Ortschaft, das Land, die Menschen Atmosphäre und Stimmung werden festgehalten und in kleinen Geschichten widergegeben. Die Erzählungen beginnen in den 80ern und enden mit dem Umzug Nastjas. Ich bin skeptisch an den Roman herangegangen, weil ich ein paar schlechte Rezensionen im Vorfeld gelesen hatte, die dieses Buch als "ekelhaft" beschimpften. Dies hat sich absolut nicht bestätigt, im Gegenteil, ich bin absolut begeistert. Ich habe den Roman verschlungen und war traurig, dass er so schnell vorbei war. Fast schon poetisch wird die Landschaft, die Orte und die Natur wie ein Foto eingefangen und widergegeben. Bei vielen der kleinen Kurzgeschichten musste ich grinsen, weil ich Vieles aus meinem kleinen Dorf indem ich in Deutschland geboren wurde, aus den 80ern auch noch kannte. Einige Parallelen fand ich auch zur damaligen DDR, wo mein Mann groß wurde und mir seine Kindheitsgeschichten erzählte und aus den gewaltätigen Schulerziehungsfomen, die meine Mutter noch erlebte. Es hat sich angefühlt als würde ich eine Zeitreise von über 100 Jahren unternehmen in die Vergangenheit. Sind es tatsächlich erst 30 Jahre her? Wie stark hat sich die Welt, die Gesellschaft und die Normen verändert? Das war für mich ein absolut krasses Erlebnis. Ich hatte das Gefühl wieder in meinem kleinen Dorf zu sein und fühlte mich in meine Kindheit versetzt, hatte plötzlich sogar Gerüche von damals in der Nase und Geschmäcker auf der Zunge. Doch die Geschichten sind natürlich nicht nur zum Schmunzeln, sondern geben auch authentisch und ohne Beschönigung Armut und Gewalt wieder. Vorallendingen in Russland, welches dem Zerfall geweiht ist, wo die Gesellschaft implodiert und was die Perspektivlosigkeit der Menschen widerspiegelt. In einem Land im Umbruch, ohne wirkliche Autorität und Führung. Es war ein viel raueres und erbarmungsloses Leben, wo tatsächlich nur sehr starke Menschen groß werden. Das mögen Viele in der Form nicht kennen und vielleicht denkt man an Übertreibung, aber ich stamme selbst aus einem solchen Milieu, wenn auch nicht aus Russland, so kann ich bestätigen, dass die Szenen doch authentisch und nicht übertrieben dargestellt werden. Zumindest nicht bei den Geschichten, die bei mir selbst auch alte Wunden erneut aufrissen und mich zum Grübeln brachten. Der Roman ist also nichts für schwache Nerven und ich rate labilen oder triggergefährdeten Menschen vom Lesen ab. Für jeden Anderen kann dieses Buch jedoch zu einer tollen Leseerfahrung werden. Fazit: Die Geschichten hallen noch lange nach und begleiten mich durch den Alltag. Allein deshalb, ist das Buch schon eine klare Kaufempfehlung meinerseits. Ich war gefangen zwischen Melancholie, Schönheit und Schmerz. Das war ein absolut krasses Leseerlebnis, was ich in dieser Form noch nicht hatte.

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Ungeschönter Blick auf eine Kindheit und Jugend in der sowjetischen Provinz
von einer Kundin/einem Kunden am 22.04.2016

Das kalte Licht der fernen Sterne, so lautet der überaus poetische Titel des Debütromans von Anna Galkina, die geboren und aufgewachsen in Moskau, seit 1996 in Deutschland lebt. Das „kalte“ erstrahlt dabei in grellem Weiß, während das „Licht“ in wärmendem Rot gehalten ist (wie überhaupt die sehr schöne Aufmachung des... Das kalte Licht der fernen Sterne, so lautet der überaus poetische Titel des Debütromans von Anna Galkina, die geboren und aufgewachsen in Moskau, seit 1996 in Deutschland lebt. Das „kalte“ erstrahlt dabei in grellem Weiß, während das „Licht“ in wärmendem Rot gehalten ist (wie überhaupt die sehr schöne Aufmachung des Buches in der Frankfurter Verlagsanstalt ein Lob verdient.) Dieser Wechsel aus Kalt, rau, brutal und warm, nostalgisch, kindlich-sehnsuchtsvoll kennzeichnet auch ein wenig das ganze Buch. Es erzählt in ganz kurzen Abschnitten, episodenhaft, wie auf einer Perlenschnüre aufgereiht, aus dem Leben von Nastja. Ihre Kindheit in den Achtziger Jahren in einem kleinen Kaff unweit von Moskau ist alles andere als rosig und einfach. Die alleinerziehende Mutter bringt die kleine Familie zusammen mit der Großmutter mehr schlecht als recht über die Runden. Es herrscht sowjetische Mangelwirtschaft, für die elementarsten Dinge muss man stundenlang anstehen, die Wohnsituation ist katastrophal und viele selbstverständliche Dinge, wie zum Beispiel Toilettenpapier kaum zu bekommen. Nur die politische Indoktrination läuft perfekt, gerade auch in den Institutionen, die die kleine Nastja durchlaufen muss, wie Kindergarten und Schule. Die Erziehungsmethoden sind alles andere als pädagogisch, drakonische Strafen und Erniedrigungen sind an der Tagesordnung. Darin unterscheiden sich die „Bildungsanstalten“ kaum von der im Elternhaus gehandhabten Praxis. Auch hier herrscht hilflose, oft überforderte Lieblosigkeit und Gewalt. Gewalt ist neben Mangel auch das vorherrschende Motiv in Nastjas Kindheitserinnerungen. Eins bedingt dabei vielleicht auch das andere. Alkohol fließt in wahren Strömen. Trotzdem scheinen immer wieder auch Glücksmomente und sogar Poesie auf, stehen das „kalte Licht der fernen Sterne“ und der volle Geruch nach Äpfel, Birnen und Blumen neben dem des „Scheißhaufens“ und des Plumpsklos. Neben dem ungeschönten Blick auf die Missstände des Realsozialismus stehen auch nostalgische Momente. Härte und Leichtigkeit wechseln sich ab.Wie auch immer ein wunderbarer, leiser, aber oft bissig-ironischer Witz das Lesen auch der brutalsten Gegebenheiten erträglich macht. So nimmt die Gewalttätigkeit in der Mitte des Buches beträchtlich zu. Nicht zufällig fällt das in die Zeit des Erwachsenwerdens Nastjas. Sie wird zur Frau und muss die überall herrschende, meist sexualisierte Gewalt der Männer, der Großväter, „Onkels“, Mitreisenden im Zug zur Kenntnis nehmen. Aber auch die Rolle der Frauen und Mädchen ist nicht nur auf die der Opfer reduziert. Sie fügen sich zu bereitwillig, suchen geradezu die sexuelle Erniedrigung oder schauen ihr grausam-lüstern untätig zu. Das ist schwer auszuhalten und lässt sich nur durch die Allgegenwart von Gewalt, Alkoholismus und einem negativen Frauenbild erklären. Anna Galkina verschont den Leser nicht. Viele ihrer Schilderungen sind nur mit dem erwähnten Humor und den immer wieder aufblitzenden poetischen Beschreibungen zu ertragen. Und auch durch den wunderbaren Aufbau des Buches. Zwanzig Jahre nach dem als Schlusspunkt gesetzten Wegzugs der Familie nach Riga kehrt Nastja in die alte Heimat zurück. Sie reist mit dem Zug an und nähert sich dem Ort ganz langsam, nahezu touristisch. Sie beschreibt den Bahnhof, die Straßen des Städtchens, ihr altes Haus, den Garten usw. Damit nähert sich auch der Leser ihrem alten Leben an, um dann ab der Mitte des Buches vor so viel Gewalt, Hass und Untätigkeit fassungslos zu sein. Am Ende ist zwar die zarte Liebe zum Soldaten Dima ungewiss, aber mit dem Umzug nach Riga deutet sich zumindest die Hoffnung auf einen Neuanfang an. Ein nicht immer angenehm zu lesender, aber wichtiger und eindrucksvoller Einblick in den sowjetischen Alltag.

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Blick zurück
von solveig am 11.04.2016

„Der Ort meiner Kindheit ist ein Städtchen unweit von Moskau. Zwanzig Jahre sind seitdem vergangen. Ich bin wieder hier.“ Mit dieser nüchternen Feststellung beginnt Anna Galkina ihren Debütman. Ihre Protagonistin Nastja tritt gleichzeitig mit dem Wiedersehen ihrer alten Heimat auch eine gedankliche Reise in die Vergangenheit an, während der... „Der Ort meiner Kindheit ist ein Städtchen unweit von Moskau. Zwanzig Jahre sind seitdem vergangen. Ich bin wieder hier.“ Mit dieser nüchternen Feststellung beginnt Anna Galkina ihren Debütman. Ihre Protagonistin Nastja tritt gleichzeitig mit dem Wiedersehen ihrer alten Heimat auch eine gedankliche Reise in die Vergangenheit an, während der sie den Leser an den Reminiszenzen an ihre Kindheit und Jugend im Russland der 80er Jahre und prägenden Abschnitten ihres Lebens teilhaben lässt. Dabei beschwören ihre Erinnerungen, die als rasche Abfolge mal kurzer, mal längerer Szenen aufblitzen, ganz intensiv Farben, Geräusche und Gerüche. Der Leser nimmt Nastjas Umgebung und ihr Leben in Armut „mit allen Sinnen“ wahr, ungeschönt, drastisch, aber auch mit leisem Humor. Deutlich spürbar ist der Reifeprozess des jungen Mädchens: Sind die Schilderungen des noch kleinen Kindes sehr knapp gehalten, so werden sie mit zunehmendem Alter der Erzählerin länger und detaillierter. Die teilweise autobiografischen, collageartigen Erzählungen decken viele Seiten des täglichen Lebens in der damaligen Sowjetunion ab, sie zeichnen ein teils tragisches und schreckliches, teils aber sehr poetisches Bild. In sachlichem, distanziertem Stil, mit einem ironischen Unterton, beschreibt Galkina sehr eindrücklich ein Soziotop diverser Charaktere, anschaulich und originell. Angenehm fällt auf, dass kein Selbstmitleid im Spiel ist; es ist eine Rückschau, in der die früheren Emotionen immer mehr verblassen. Mein Fazit: „Das kalte Licht der fernen Sterne“ ist ein Roman, der gleichzeitig gut unterhält und verstört.

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