Das Marillenmädchen

Ungekürzte Lesung

(8)
Ein Marillenbaum in einem alten Wiener Garten. Seit ihrer Kindheit in den 1940er Jahren kocht Elisabetta jeden Sommer Marmelade ein. Und jedes Mal, wenn sie ein Glas aus dem alten Kellerregal in die Hand nimmt, es öffnet und den süßen Duft einatmet, erinnert sie sich an ihr Leben, an ihre in Dachau ermordete Familie, an ihre große Liebe Franz, an ihre Tochter Esther und ihre Enkelin Rahel. Elisabetta lebt zurückgezogen in ihrer Welt mit den Stimmen der Vergangenheit. Als die Tänzerin Pola bei ihr zur Untermiete einzieht, reißen die alten Wunden auf.
Portrait
Sprecherin: Hemma Michels Berufung ist es, in Geschichten einzutauchen, um sie hörbar zu machen. Die ausgebildete Sprecherin ist seit 2001 als künstlerische Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk in diversen Features und Literatursendungen zu hören. Darüber hinaus erzählt sie Ohrengeschichten im Kinderfunk und leiht im Bayerischen Fernsehen z.B. den „Lebenslinien“ ihre Stimme.
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Beschreibung

Produktdetails


Medium CD
Sprecher Hemma Michel
Anzahl 5
Erscheinungsdatum 23.09.2016
Sprache Deutsch
EAN 9783956391705
Genre Gesellschaftsroman, nach 1945, Gegenwartsliteratur
Verlag Audio media GmbH
Auflage 1
Spieldauer 375 Minuten
Verkaufsrang 6.018
Hörbuch (CD)
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„Der Marillenbaum und das Mädchen“

Monika Fuchs, Thalia-Buchhandlung Hamburg

Eigentlich dachte ich, ich müsste die Regensburger Autorin Beate Teresa Hanika durch einen Roman bereits kennen. Irgendwie kam mir den Name bekannt vor. Aber da habe ich mich getäuscht. Die 1976 geborene Autorin hat bisher einige Jugendbücher geschrieben, aber für Erwachsene ist der Roman „Das Marillenmädchen“ ihr Erstling. Ihr Jugendbuch „Rotkäppchen muss weinen“ (Fischer Taschenbuch) hat u.a. den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis gewonnen und war für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 nominiert.

Bei dem aktuellen Buch haben mich zuerst das schöne Cover und der Klappentext angesprochen. Ich dachte, es sei ein relativ sinnlicher Familienroman, in dem es sehr viel um Gerüche und Geschmack geht. Aber da habe ich mich gehörig getäuscht. Es ist ein ganz zarter, feiner Roman, der sich mit den Erinnerungen einer alten Frau beschäftigt. Und diese alte Frau ist Elisabetta Shapiro.

Elisabetta ist das jüngste Kind von Baruch und Sarah-Jaris Shapiro. Sie wurde in Wien geboren. Ihr Vater war ein angesehener Arzt in einem Krankenhaus, ihre Mutter eine große Opernsängerin. Neben Elisabetta gehörten noch die beide älteren Schwestern Rahel und Judith zur Familie. Die Familie hat fast den ganzen 2. Weltkrieg einigermaßen unbeschadet überstanden. Doch kurz vor Ende wurde die Familie noch verschleppt und in Dachau ermordet. Nur Elisabetta blieb durch einen Zufall davon verschont. Sie bleibt in ihrem Elternhaus fast ganz alleine. Nur eine Schildkröte, die ihr Vater einmal gefunden und auf den Namen Hitler getauft hatte, leistet ihr Gesellschaft. Irgendwann einmal hat Elisabetta begonnen, Untermieterinnen aufzunehmen. Zumeist sind dies Balletttänzerinnen. Im Moment ist dies eine Deutsche.

Die Geschichte von Elisabetta wird nun aber nicht chronologisch erzählt. Sondern es sind die Erinnerungen, die ihr kommen. Sie geht kaum noch aus dem Haus und scheint in der Gegenwart auch keine Freunde oder Bekannten zu haben. Sie lebt ganz allein in ihrer Welt und unterhält sich mit den Geistern ihrer verstorbenen Schwestern. Gerade ihre älteste Schwester Rahel macht ihr große Vorwürfe, dass sie ein deutsches Mädchen aufgenommen hat. Doch irgendwie hat dieses Mädchen es ihr angetan, denn auch sie umgibt eine Aura von Traurigkeit und Einsamkeit. Eingebettet in die Geschichte wird allerdings noch die Geschichte von Pola und Rahel, zwei jungen Frauen, die sich kennen- und lieben lernen. Am Anfang habe ich mich gefragt, was es mit der Geschichte von Pola und Rahel auf sich hat. Doch nach und nach versteht man als Leser, worauf die Geschichte hinausläuft.

Nachdem ich mich eingelesen hatte, hat dieser Roman einen großen Sog entwickelt. Und das, obwohl er doch sehr zart und fast schon vorsichtig daherkommt. Über die Erinnerungen lernen wir die Familie Shapiro immer mehr kennen. Auch den Nachbarsjungen Franz, der später noch eine wichtige Rolle spielen wird. Es ist kein klassischer Roman einer jüdischen Familie. Es ist kein Roman über die Verfolgung der Juden. Und es ist kein KZ-Roman. Aber es ist in ganz leisen Tönen ein Roman, der sich mit Antisemitismus auseinandersetzt. Und der im Laufe der Geschichte auch aufzeigt, dass dieser Antisemitismus noch nicht vorbei ist.

Dieser Roman ist Genuss und Arbeit in einem. Die Autorin hat eine ganz eigenartige Art ihre Geschichte zu erzählen. Die Sprache ist wunderschön, die Psychologie der einzelnen Personen gut herausgearbeitet. Doch die Erzählweise lässt einen immer wieder innehalten. Man muss aufpassen, dass man den Faden nicht verliert. Die Autorin ist eine Meisterin darin, etwas nur anzudeuten. Sie lässt uns Spielraum, uns unsere eigenen Schlüsse zu ziehen. Und es werden auch nicht alle Fragen, die im Laufe der Geschichte auftauchen, beantwortet. Für mich ist dies ein Buch, was sicherlich noch lange bei mir nachklingen wird!
Eigentlich dachte ich, ich müsste die Regensburger Autorin Beate Teresa Hanika durch einen Roman bereits kennen. Irgendwie kam mir den Name bekannt vor. Aber da habe ich mich getäuscht. Die 1976 geborene Autorin hat bisher einige Jugendbücher geschrieben, aber für Erwachsene ist der Roman „Das Marillenmädchen“ ihr Erstling. Ihr Jugendbuch „Rotkäppchen muss weinen“ (Fischer Taschenbuch) hat u.a. den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis gewonnen und war für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 nominiert.

Bei dem aktuellen Buch haben mich zuerst das schöne Cover und der Klappentext angesprochen. Ich dachte, es sei ein relativ sinnlicher Familienroman, in dem es sehr viel um Gerüche und Geschmack geht. Aber da habe ich mich gehörig getäuscht. Es ist ein ganz zarter, feiner Roman, der sich mit den Erinnerungen einer alten Frau beschäftigt. Und diese alte Frau ist Elisabetta Shapiro.

Elisabetta ist das jüngste Kind von Baruch und Sarah-Jaris Shapiro. Sie wurde in Wien geboren. Ihr Vater war ein angesehener Arzt in einem Krankenhaus, ihre Mutter eine große Opernsängerin. Neben Elisabetta gehörten noch die beide älteren Schwestern Rahel und Judith zur Familie. Die Familie hat fast den ganzen 2. Weltkrieg einigermaßen unbeschadet überstanden. Doch kurz vor Ende wurde die Familie noch verschleppt und in Dachau ermordet. Nur Elisabetta blieb durch einen Zufall davon verschont. Sie bleibt in ihrem Elternhaus fast ganz alleine. Nur eine Schildkröte, die ihr Vater einmal gefunden und auf den Namen Hitler getauft hatte, leistet ihr Gesellschaft. Irgendwann einmal hat Elisabetta begonnen, Untermieterinnen aufzunehmen. Zumeist sind dies Balletttänzerinnen. Im Moment ist dies eine Deutsche.

Die Geschichte von Elisabetta wird nun aber nicht chronologisch erzählt. Sondern es sind die Erinnerungen, die ihr kommen. Sie geht kaum noch aus dem Haus und scheint in der Gegenwart auch keine Freunde oder Bekannten zu haben. Sie lebt ganz allein in ihrer Welt und unterhält sich mit den Geistern ihrer verstorbenen Schwestern. Gerade ihre älteste Schwester Rahel macht ihr große Vorwürfe, dass sie ein deutsches Mädchen aufgenommen hat. Doch irgendwie hat dieses Mädchen es ihr angetan, denn auch sie umgibt eine Aura von Traurigkeit und Einsamkeit. Eingebettet in die Geschichte wird allerdings noch die Geschichte von Pola und Rahel, zwei jungen Frauen, die sich kennen- und lieben lernen. Am Anfang habe ich mich gefragt, was es mit der Geschichte von Pola und Rahel auf sich hat. Doch nach und nach versteht man als Leser, worauf die Geschichte hinausläuft.

Nachdem ich mich eingelesen hatte, hat dieser Roman einen großen Sog entwickelt. Und das, obwohl er doch sehr zart und fast schon vorsichtig daherkommt. Über die Erinnerungen lernen wir die Familie Shapiro immer mehr kennen. Auch den Nachbarsjungen Franz, der später noch eine wichtige Rolle spielen wird. Es ist kein klassischer Roman einer jüdischen Familie. Es ist kein Roman über die Verfolgung der Juden. Und es ist kein KZ-Roman. Aber es ist in ganz leisen Tönen ein Roman, der sich mit Antisemitismus auseinandersetzt. Und der im Laufe der Geschichte auch aufzeigt, dass dieser Antisemitismus noch nicht vorbei ist.

Dieser Roman ist Genuss und Arbeit in einem. Die Autorin hat eine ganz eigenartige Art ihre Geschichte zu erzählen. Die Sprache ist wunderschön, die Psychologie der einzelnen Personen gut herausgearbeitet. Doch die Erzählweise lässt einen immer wieder innehalten. Man muss aufpassen, dass man den Faden nicht verliert. Die Autorin ist eine Meisterin darin, etwas nur anzudeuten. Sie lässt uns Spielraum, uns unsere eigenen Schlüsse zu ziehen. Und es werden auch nicht alle Fragen, die im Laufe der Geschichte auftauchen, beantwortet. Für mich ist dies ein Buch, was sicherlich noch lange bei mir nachklingen wird!

Tatjana Hefter, Thalia-Buchhandlung Aschaffenburg

Eine alte Jüdin kocht jedes Jahr Marillenmarmelade. In ihrem Haus diskutiert sie mit ihren ermordeten Schwestern über ihre Erinnerungen und Gegenwärtiges.
Schönes, leises Buch.
Eine alte Jüdin kocht jedes Jahr Marillenmarmelade. In ihrem Haus diskutiert sie mit ihren ermordeten Schwestern über ihre Erinnerungen und Gegenwärtiges.
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
8 Bewertungen
Übersicht
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Ein Baum der Erinnerungen
von leseratte1310 am 30.12.2016
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Der Marillenbaum im Garten bringt seit eh und je Beständigkeit in Elisabettas Leben. Seine Früchte – mal mehr, mal weniger – verarbeitet sie zu Marmelade, die in sorgsam etikettierten Gläsern im Keller aufgehoben werden. Seit ihre Schwester und ihre Eltern in den vierziger Jahren abgeholt und nach Dachau gebracht... Der Marillenbaum im Garten bringt seit eh und je Beständigkeit in Elisabettas Leben. Seine Früchte – mal mehr, mal weniger – verarbeitet sie zu Marmelade, die in sorgsam etikettierten Gläsern im Keller aufgehoben werden. Seit ihre Schwester und ihre Eltern in den vierziger Jahren abgeholt und nach Dachau gebracht wurden, kocht sie ihre Marillenmarmelade und sie erinnert sich dabei an ihre Familie, an ihre Liebe Franz und an die Tochter Esther und die Enkelin Rahel. Obwohl Elisabetta eine Russin als Untermieterin hat, lebt sie zurückgezogen und meidet Kontakte. Dann ist die Russin plötzlich nicht mehr da und stattdessen ist die Tänzerin Pola eingezogen. Der Schreibstil ist ungewöhnlich und nicht einfach zu lesen, aber auch ein wenig poetisch. Am Anfang ist es nicht einfach, die Zusammenhänge zu erkennen. Dass es zwei Rahels gab, trägt mir zur Verwirrung bei. Die unterschiedlichen Zeitebenen erleben wir in Gedanken der Protagonistinnen. Elisabettas Gedanken flattern hin und her, so dass es etwas verschwommen anmutet, wirr wie die Gedanken einer einsamen alten Frau. Ihre Schwestern Rahel und Judith sind in ihren Gedanken sehr real. Rahel wirkt sehr erzieherisch, während Judith nachsichtig ist. So lernen wir so nach und nach Elisabettas Leben kennen, das einen sehr berührt. Aber auch wenn sie um ihre Lieben trauert, lässt sie Verbitterung und Hass doch nicht an sich herankommen. Pola hat auch keine einfache Vergangenheit, aber sie hat eine Freundschaft erlebt, die tiefer nicht sein konnte. Sie schleicht sich in Elisabettas Leben und ist einfach da. Die beiden nähern sich zaghaft und dann erkennt man, dass ihre Geschichten zusammenhängen. Es ist eine traurige Geschichte, aus der aber auch manchmal ein wenig trockener Humor hervorblitzt. So gibt es in dieser jüdischen Familie ein Schildkröte, die den Namen Hitler erhält. Aber es ist auch eine Geschichte, die Hoffnung gibt und Versöhnung zulässt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat mich das Buch immer mehr gepackt. Ein außergewöhnliches Buch, auf das man sich einlassen muss.

Ein schönes Buch...
von Doris Lesebegeistert am 27.12.2016
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Elisabeth hat ihre Familie auf tragische Weise verloren. Seither lebt sie zurückgezogen und schwelgt in Erinnerungen. Als die Tänzerin Pola bei ihr zur Miete einzieht, erfährt mal als Leser die ganze Geschichte…. Der erste Roman für Erwachsene, die Autorin hat vorher nur Jugendbücher geschrieben. Ich fand dieses Buch sehr... Elisabeth hat ihre Familie auf tragische Weise verloren. Seither lebt sie zurückgezogen und schwelgt in Erinnerungen. Als die Tänzerin Pola bei ihr zur Miete einzieht, erfährt mal als Leser die ganze Geschichte…. Der erste Roman für Erwachsene, die Autorin hat vorher nur Jugendbücher geschrieben. Ich fand dieses Buch sehr spannend und tragisch.

Ein besonderes Buch, das berührt und nachdenklich macht!
von Gina1627 am 01.11.2016
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Elisabetta ist eine in sich gekehrte alte Dame, die trotz wechselnder Untermieter einsam und traurig ist. Erst als Pola, eine neue Mieterin einzieht, taut sie langsam auf und lässt uns gedanklich an ihrer glücklichen Kindheit, unendlich schweren Vergangenheit in den Kriegsjahren und der Gegenwart teilhaben. Meistens sitzt... Elisabetta ist eine in sich gekehrte alte Dame, die trotz wechselnder Untermieter einsam und traurig ist. Erst als Pola, eine neue Mieterin einzieht, taut sie langsam auf und lässt uns gedanklich an ihrer glücklichen Kindheit, unendlich schweren Vergangenheit in den Kriegsjahren und der Gegenwart teilhaben. Meistens sitzt sie dabei unter ihrem geliebten Marillenbaum, der ihr als fester Bestandteil ihres Lebens Halt und Geborgenheit gibt. Ihm vertraut sie ihre ganzen glücklichen Momente, Ängste und Sorgen an. Das Marillenmädchen ist ein sehr berührendes Buch, das einem die Einsamkeit, Zerissenheit, Traurigkeit und Schuldgefühle im Leben von Elisabetta und die Geschichte ihrer Familie erzählt. Die Personen wurden liebevoll und auch grausam beschrieben, sodass man als Leser immer mitten in der Geschichte war und mitfieberte und litt. Durch Rückblicke, die stückchenweise immer wieder eingebaut wurden, bekommt das Buch seinen sensiblen und emotionalen Charakter. Der Schreibstil war besonders und erforderte viel Aufmerksamkeit beim Lesen, da die Erzählstränge oft fließend ineinander übergehen. Definitiv ein Buch, dass einem ein einzigartiges Leseerlebnis beschert. Das Buch hat mir gut gefallen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich war bedrückt und traurig beim Lesen und es hat mir viel Stoff zum Nachdenken gegeben. Verdient bekommt das Buch von mir 4 Sterne.