Der große rote Sohn

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Einblicke in ein ziemlich schillerndes Milieu – David Foster Wallace goes Pornoindustrie
Jedes Jahr findet im Caesars Palace in Las Vegas die Verleihung der Adult Video News Awards statt, der Oscars der Pornoindustrie. Im Auftrag der Zeitschrift Premiere besucht David Foster Wallace 1998 die Preisverleihung sowie die zugehörige Pornomesse und lässt sich dort von Branchenjournalisten mit so schönen Namen wie Dick Filth die subtilen Hierarchien, erbittertsten Branchenfehden und wildesten Gerüchte dieser ziemlich flamboyanten Parallelkultur näherbringen. Er schreibt über geklaute Trophäen, größenwahnsinnige Regisseure, naturschöne Darstellerinnen, wahre Klischees und das Pornobusiness als gänzlich ironiefreie Zone.

Brillant beobachtet und sehr, sehr lustig – David Foster Wallace at his best!
Rezension
"Wallace hat für seine Generation diesen großen amerikanischen Roman geschrieben." Die Welt 20171111
Portrait
David Foster Wallace, geb. 1962 geboren, gilt als einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Literatur. Er studierte Philosophie und unterrichtete zuletzt Creative Writing am Pomona College in Claremont, Kalifornien. David Foster Wallace starb am 12. September 2008.
Ulrich Blumenbach, geb. 1964 in Hannover, lebt in Basel. Er studierte Anglistik und Germanistik in Münster, Sheffield und Berlin. Seit 1993 übersetzt er Romane und Essays, u. a. von Paul Beatty, Agatha Christie, Kinky Friedman, Stephen Fry, Arthur Miller und Tobias Wolff ins Deutsche. 2009 erhielt er den Ledig-Rowohlt-Preis.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 112
Erscheinungsdatum 12.01.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-462-04821-6
Verlag Kiepenheuer & Witsch
Maße (L/B/H) 19/12,5/1,5 cm
Gewicht 154 g
Originaltitel Big Red Son
Übersetzer Ulrich Blumenbach
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Spaß für einen Nachmittag
von einer Kundin/einem Kunden aus Donauwörth am 16.01.2017

Obwohl ich schon viel über David Foster Wallace gehört habe, ist dies das erste Buch, das ich tatsächlich von ihm las und das mich nun einen Nachmittag lang bestens unterhalten hat. Schnelle Leser werden vermutlich schon nach einer Stunde durch den sehr großzügig gesetzten Text gepflügt sein; ich habe... Obwohl ich schon viel über David Foster Wallace gehört habe, ist dies das erste Buch, das ich tatsächlich von ihm las und das mich nun einen Nachmittag lang bestens unterhalten hat. Schnelle Leser werden vermutlich schon nach einer Stunde durch den sehr großzügig gesetzten Text gepflügt sein; ich habe auch deswegen länger gebraucht, weil ich parallel die einzelnen erwähnten Protagonisten gegoogelt habe. Darum geht es: 1998 besuchte David Foster Wallace die Verleihung des sogenannten ?Porno-Oscars? in Las Vegas und berichtet ? ursprünglich für das Magazin PREMIERE ?, was er auf und parallel zur zweitägigen Veranstaltung erlebte. Das Ergebnis ist eine zum Teil abschreckende, oft aber auch höchst amüsante Reportage über eine Parallelwelt, deren Ziel es eigentlich wäre, zu erregen, den geneigten Leser hier aber doch eher verwundert. Schleierhaft ist mir geblieben, warum der Autor von sich im Plural spricht; eventuell würde sich dies bei der Lektüre des Bandes CONSIDER THE LOBSTER erschließen, aus dem dieser Text stammt und der in Deutschland offensichtlich in Einzelausgaben verwertet wird. Von diesem winzigen Wermutstropfen abgesehen bin ich begeistert: David Foster Wallace schreibt mit scharfer Feder, und obwohl man dem Text von Anfang an anmerkt, dass er die Pornobranche verurteilt, wird immer wieder klar, dass er sich ihrer irritierenden Faszination nicht entziehen kann, ganz egal, ob ihm die Absurdität bewusst wird, am Büffet hinter einer gutgekleideten Dame anzustehen, deren Körperöffnungen er bereits in Großaufnahme gesehen hat, oder er gegen die Versuchung ankämpft, am Pissoir einen Blick auf das Gemächt eines bekannten Pornostars zu werfen. Diese Selbstironie, die kritischen Auseinandersetzungen mit dem Rotlichtmilieu sonst oft fehlt, hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ich habe oft geschmunzelt, ein paarmal laut gelacht, meine alte Liebe zur Fußnote als erzählerisches Stilmittel wiederentdeckt und mich bestens unterhalten gefühlt. Würde ich einen der in diesem Buch erwähnten Filme sehen wollen? Nein, bitte auf keinen Fall. Werde ich bald wieder ein Buch von David Foster Wallace lesen? Ja, auf jeden Fall!