Der verlorene Freund

Roman

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»Der verlorene Freund« erzählt von einer gedankenlosen Geste mit verhängnisvollen Folgen und der notwendigen Illusion menschlicher Nähe.

Zwei Männer kommen ins Gespräch, lernen sich kennen, freunden sich an. Eines Tages stürzt der eine, ein passionierter Kunstsammler, sich aus dem Fenster, der andere bleibt ratlos zurück. Er nimmt, um die Beweggründe des Verstorbenen zu verstehen, Kontakt zu dessen Familie und Bekannten auf. Eine seltsame Geschichte zeichnet sich ab, die Spur führt ihn in eine gottverlassene Bergarbeitersiedlung voller sonderbarer Figuren und zurück zu einem dunklen Familiengeheimnis. Und während er sich dort in den Unwägbarkeiten eines anderen Lebens zu verlieren droht, macht er schließlich eine Entdeckung von niederschmetternder Einfachheit.

Carlos María Domínguez, der große Solitär der südamerikanischen Literatur, hat einen großen kleinen Roman von eindringlicher Schönheit geschrieben, über Verlust und Verlorenheit und darüber, dass wir auch die nicht kennen, die uns vertraut sind.
Portrait

Carlos María Domínguez wurde 1955 in Buenos Aires geboren und lebt seit Ende der 1980er Jahre als Autor und Journalist in Montevideo. Seine 2002 veröffentlichte Langerzählung Das Papierhaus wurde in 20 Sprachen übersetzt und war in Deutschland ein großer Erfolg.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 166
Erscheinungsdatum 15.04.2013
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-42361-5
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 20,3/12,6/2,3 cm
Gewicht 218 g
Originaltitel Waldemar Hansen
Auflage 1
Übersetzer Susanne Lange
Buch (gebundene Ausgabe)
17,95
inkl. gesetzl. MwSt.
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Ein komplexes Leben hinter einfacher Fassade
von Michael Lehmann-Pape am 03.06.2013

Die schönen Künste, Malerei, Opern, dass ist die Welt von Waldemar Hansen. Ein genügsames, ruhiges Ruhestandsleben. „Ich begann ihn regelmäßig zu besuchen, weil ich einen dieser einsamen Männer in ihm vermutete, die in Montevideo immer für Überraschungen gut sind“. Einsam ein wenig ja, das ist Waldemar. Getrennt von seiner Frau,... Die schönen Künste, Malerei, Opern, dass ist die Welt von Waldemar Hansen. Ein genügsames, ruhiges Ruhestandsleben. „Ich begann ihn regelmäßig zu besuchen, weil ich einen dieser einsamen Männer in ihm vermutete, die in Montevideo immer für Überraschungen gut sind“. Einsam ein wenig ja, das ist Waldemar. Getrennt von seiner Frau, der Mutter seiner Tochter seit langem, sich sorgend um die Tochter all die Jahre, die allerdings seit geraumer Zeit erwachsen ist und in Italien lebt. Aber noch anderes trägt dieser Waldemar in sich, wie allerdings der Ich-Erzähler, aus dessen Perspektive Dominguez seine Geschichte erzählt, erst viel später feststellen wird. Nun ja, einige kleinere Ungereimtheiten, eine Reserviertheit was das Persönliche angeht, ein merkwürdiger Kamin in der Wohnung, dass fällt ihm bei seinen Besuchen schon auf, doch Waldemar geht nicht darauf ein. Allgemein, intellektuell, abstrakt sind die Gesprächsthemen der beiden älteren Herren bei ihren Treffen. Und dann springt Waldemar einfach aus dem Fenster und stirbt. Beerdigung, die Tochter reist an, eine Schwester, mit der kaum mehr Kontakt bestand. Ein Geschehen, ein Leben, das keine Ruhe lässt, dass den Ich-Erzähler auf den Weg bringt, den Grund für das Geschehen, diesen Selbstmord, herauszufinden. Sicher auch wegen eigener, leichter Schuldgefühle, denn hätte nicht er als einzig regelmäßiger Kontakt etwas ahnen, sehen müssen? So begibt sich der Protagonist des Buches auf eine Reise in die Vergangenheit, sucht die Familie, Bekannte Waldemars auf und dringt ein in ein Geflecht eines durchaus komplex scheinenden Lebens mit Tiefen. Und wird doch eine ganz einfache Lösung für all die Ereignisse finden. Aber kann er am Ende diese einfache Lösung glauben? Oder bleiben Fragen offen? Geschickt verwebt Dominguez die Ereignisse dieses Lebens und zeigt vor allem auf, das hinter einer (jeder?) einfachen Fassade und scheinbar ganz klarer Verhältnisse eine verzweigte, mit dem Leben und anderen verwobene Welt zu finden ist. Diese innere Ebene der Motive, der gelebten Leben, der Spuren, die ein solches Leben hinterlässt und denen man auf Dauer nicht entkommen kann, das ist das eigentliche Thema dieses Romans. In einer sehr verdichteten, auf den punkt gebrachten, äußerlich sachlich-ruhigen Sprache, die immer wieder an die Substanz der Personen rührt. Mit der Dominguez allein vom Sprachlichen her den Leser zu fesseln versteht. Selten versteht es ein Schriftsteller, mit eher wenigen, aber genau gesetzten Worten kräftige Bilder in den Raum zu setzen und das Innere einer Romanfigur mit ebenso knappen und präzisen Sätzen wie in einem stetigen Fluss auszuleuchten. So dass sich Motive und Lösungen von Fragen nicht immer ganz geklärt auf der Faktenebene, wohl aber im inneren Verständnis Waldemars durch den Leser zweifelsfrei ergeben. Sprachlich, im Erzählrhythmus und in der Offenlegung des Inneren der Personen ein sehr treffendes, lesenswertes Buch.