Die Familie Hardelot

Roman

(6)
Über den Niedergang einer Familie – das neue Meisterstück der Autorin von »Suite française«



Satt, selbstzufrieden und in der wohligen Gewissheit, dass sich nie etwas ändern wird: Die Fabrikantenfamilie Hardelot aus der französischen Provinz wiegt sich vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs in trügerischem Glück. Doch innerhalb einer Generation wird ihre bürgerliche Welt für immer hinweggefegt.



Im Frühjahr 1940 beginnt Irène Némirovsky die Arbeit an einem Buch, das ganz in der Tradition des großen europäischen Familienromans steht. Über Jahre hat sie die träge Selbstzufriedenheit der bürgerlichen Kreise, in denen sie verkehrte, beobachtet. Sie hat erlebt, wie diese Familien sich in Sicherheit wiegen und sich weigern, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Nun will Némirovsky ihnen den Spiegel vorhalten. Der Roman, der unmittelbar vor »Suite française« entstand, wurde erst posthum 1947 veröffentlicht und ist der illusionslose Abgesang auf ein Bürgertum, das feige vor der Wirklichkeit die Augen verschließt.



Ein großer Familienroman und zugleich ein Sittengemälde des französischen Bürgertums und seines Verfalls.




Rezension
"Einmal mehr zeigt sich Irène Némirovsky in diesem atmosphärisch dichten Roman über den Untergang einer Familie als berückende Erzählerin, als eine große Chronistin der Welt von gestern." Deutschlandradio Kultur
Portrait
Irène Némirovsky, geb. 1903 als Tochter eines reichen russischen Bankiers in Kiew geboren, kam während der Oktoberrevolution nach Paris. Dort studierte sie französische Literatur an der Sorbonne. Irène heiratete den weißrussischen Bankier Michel Epstein, bekam zwei Töchter und veröffentlichte ihren Roman 'David Golder', der sie schlagartig berühmt und zum Star der Pariser Literaturszene machte. Viele weitere Veröffentlichungen folgten. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Deutschen auf Paris zu marschierten, floh sie mit ihrem Mann und den Töchtern in die Provinz. Während der deutschen Besetzung erhielt sie als Jüdin Veröffentlichungsverbot. In dieser Zeit arbeitete sie an einem großen Roman über die Okkupation. Am 13.7.1942 wurde Irène Némirovsky verhaftet und starb wenige Wochen später in Auschwitz. 2005 entzifferte Némirovskys Tochter Denise Epstein das Manuskript, das als Suite française veröffentlicht und zur literarischen Sensation wurde.
Eva Moldenhauer, 1934 in Frankfurt/Main geboren, ist seit 1964 als Übersetzerin tätig. Sie übersetzte u.a. Claude Simon, Jorge Semprun, Agota Kristof, Jean Paul Sartre und Lévi-Strauss. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. 1982 mit dem "Helmut-M.-Braem-Preis" und 1991 mit dem "Celan-Preis". 2005 wurde sie für ihre Neu-Übersetzung von Claude Simons "Das Gras" für den "Preis der Leipziger Buchmesse" nominiert. 2012 wurde Eva Moldenhauer mit dem "Prix de l'Académie de Berlin".ausgezeichnet.
Zitat
"Spannend geschrieben, gut durchdacht und leicht zu lesen."
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 256
Erscheinungsdatum 09.11.2010
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8135-0375-3
Verlag Knaus
Maße (L/B/H) 22,2/14,5/2,6 cm
Gewicht 454 g
Originaltitel Le biens de ce monde
Übersetzer Eva Moldenhauer
Buch (gebundene Ausgabe)
19,99
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
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"Sie waren beisammen, sie waren glücklich"
von einer Kundin/einem Kunden aus Berlin am 29.08.2017

"Die Familie Hardelot" ist die gefühlvolle Zeichnung des Lebens von Pierre und Agnès vor dem brennenden Hintergrund der Katastrophe des 20. jahrhunderts und auf dem bleischweren Fundament der Familientraditionen des 19. Jahrhunderts. Beide Liebenden ertragen die Widrigkeiten ihrer Generation und das Erbe der Familien, indem sie einander treu sind:... "Die Familie Hardelot" ist die gefühlvolle Zeichnung des Lebens von Pierre und Agnès vor dem brennenden Hintergrund der Katastrophe des 20. jahrhunderts und auf dem bleischweren Fundament der Familientraditionen des 19. Jahrhunderts. Beide Liebenden ertragen die Widrigkeiten ihrer Generation und das Erbe der Familien, indem sie einander treu sind: "Sie waren beisammen, sie waren glücklich", lautet der programmatische erste Satz des Romans. "Die Güter dieser Welt" (Les biens de ce monde) lautet der französische Originaltitel in der wörtlichen Übersetzung, und gemeint ist: Wert haben nur die Menschen, ihre Gefühle und ihr Charakter sind die wahren Güter dieser Welt. Der Roman ist eine Übung für Némirovskys Meisterwerk "Suite francaise". Man liest auch die Hardelots mit dem bitteren Beigeschmack des Wissens, dass die Jüdin Irène Némirovsky das Ende des Krieges nicht erlebt hat, weil sie1942 von den Deutschen in Auschwitz ermordet wurde. "Das Gedächtnis der Völker ist etwas Schreckliches. (...) Sie erinnern sich, dass sie gelitten haben, aber sie wissen nicht, warum ..." (S. 205) Ein großs Buch - 4,5 Sterne, denn 5 sind der "Suite francaise" vorbehalten.

Wunderschönes Leseerlebnis
von Fenna Wächter am 24.09.2013
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Némirovsky beherrscht die Kunst, elegante Wendungen in die Geschichte einzubauen, die zu überraschenden Ergebnissen führen. Langweilig wird das Buch nie. Auf den ca. 250 Seiten passiert mehr als auf 500 Seiten in manch anderem Buch. Die Autorin prangert die Feigheit und Weltferne des französischen Bürgertums an, das seinen Kopf... Némirovsky beherrscht die Kunst, elegante Wendungen in die Geschichte einzubauen, die zu überraschenden Ergebnissen führen. Langweilig wird das Buch nie. Auf den ca. 250 Seiten passiert mehr als auf 500 Seiten in manch anderem Buch. Die Autorin prangert die Feigheit und Weltferne des französischen Bürgertums an, das seinen Kopf wieder und wieder in den Sand steckt. Gleichzeitig gesteht sie der Familie Hardelot in all ihrer Verbohrtheit doch eine wunderschöne Sache zu ? Liebe. Und das macht dieses Buch, das zwei Weltkriege umspannt, zu einem wunderschönen und kurzweiligen Leseerlebnis.

Ein sinnreicher Roman mit nostalgischem Charme
von M. Heinrich aus Dresden am 04.06.2011

Iréne Nemirovskys Romane sind beispielhafte Inszenierungen einer Welt, die sich einerseits berauschend und kultiviert, andererseits zutiefst ernüchternd präsentiert - insbesondere bedingt durch die Weltkriegsthematik. So auch "Die Familie Hardelot", womit Nemirovsky ein feinsinniges Sittengemälde des zerfallenden französischen Bürgertumes gelang. Betrachtet wird das ebenso unerbittliche wie aussichtslose Ringen einer gut... Iréne Nemirovskys Romane sind beispielhafte Inszenierungen einer Welt, die sich einerseits berauschend und kultiviert, andererseits zutiefst ernüchternd präsentiert - insbesondere bedingt durch die Weltkriegsthematik. So auch "Die Familie Hardelot", womit Nemirovsky ein feinsinniges Sittengemälde des zerfallenden französischen Bürgertumes gelang. Betrachtet wird das ebenso unerbittliche wie aussichtslose Ringen einer gut situierten Familie um ihre gesellschaftliche Identität - motiviert durch Angst vor der eigenen Ohnmacht. Obgleich zwei Kriege sie mit existenzialistischer Härte überwältigen, scheinen sie unfähig, diesen nachhaltig eine Lehre abzugewinnen. Alles, was sie einst ihr Leben nannten, entgleitet ihnen wie trockener Sand durch gepreizte Finger. Ein sinnreicher Roman mit nostalgischem Charme - eine Hommage an die sensible Beobachtungsgabe Nemirovskys.


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