Die Kieferninseln

Roman. Nominiert für die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2017

(16)

Gilbert Silvester, Privatdozent und Bartforscher im Rahmen eines universitären Drittmittelprojekts, steht unter Schock. Letzte Nacht hat er geträumt, dass seine Frau ihn betrügt. In einer absurden Kurzschlusshandlung verlässt er sie, steigt ins erstbeste Flugzeug und reist nach Japan, um Abstand zu gewinnen. Dort fallen ihm die Reisebeschreibungen des klassischen Dichters Bashō in die Hände, und plötzlich hat er ein Ziel: Wie die alten Wandermönche möchte auch er den Mond über den Kieferninseln sehen. Auf der traditionsreichen Pilgerroute könnte er sich in der Betrachtung der Natur verlieren und seinen inneren Aufruhr hinter sich lassen. Aber noch vor dem Start trifft er auf den Studenten Yosa, der mit einer ganz anderen Reiselektüre unterwegs ist, dem Complete Manual of Suicide.


Die Kieferninseln ist ein Roman von meisterhafter Leichtigkeit: tiefgründig, humorvoll, spannend, zu Herzen gehend. Im Teeland Japan mischen sich Licht und Schatten, das Freudianische Über-Ich und die dunklen Götter des Shintōismus. Und die alte Frage wird neu gestellt: Ist das Leben am Ende ein Traum?

Rezension
"Die Kieferninseln begnügt sich ... nicht mit dem Skurrilen, Grotesken, Verwirrenden. Vielmehr werden wir Zeugen einer eigenartigen Transformation, für die Japan die köstliche Hintergrundbemalung bietet."
Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau 11.09.2017
Portrait
Marion Poschmann, 1969 in Essen geboren, studierte Germanistik und Slawistik und lebt heute in Berlin. Für ihre Prosa und Lyrik wurde sie vielfach ausgezeichnet. Zuletzt erhielt sie den Peter-Huchel- Preis und den Ernst-Meister-Preis für Lyrik; ihr Roman Die Sonnenposition stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und gewann den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2013.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 164
Erscheinungsdatum 11.09.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-42760-6
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 20,3/12,6/2 cm
Gewicht 276 g
Auflage 5
Verkaufsrang 86.797
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Ein ungemein vielschichtiges Buch, das ich mit Genuss und Aufmerksamkeit gelesen habe und aus dem man viel über Japan erfahren kann. Unbedingt lesen! Ein ungemein vielschichtiges Buch, das ich mit Genuss und Aufmerksamkeit gelesen habe und aus dem man viel über Japan erfahren kann. Unbedingt lesen!

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Die gemeinsame Pilgerreise eines deutschen Bartforschers und eines japanischen angehenden Selbstmörders quer durch Japan gewährt tiefe Einblicke in Kultur und Gedankenwelt. Die gemeinsame Pilgerreise eines deutschen Bartforschers und eines japanischen angehenden Selbstmörders quer durch Japan gewährt tiefe Einblicke in Kultur und Gedankenwelt.

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Dieser kurze Roman nimmt einen mit auf eine Pilgerreise nach Japan. Die Hauptfigur fliegt kurzentschlossen nach Japan, um den Spuren Bashos zu folgen. Eher zufällig hält er in Tokio einen Selbstmordkandidaten von seiner Absicht ab und beschließt, nun in der Verantwortung, ihn mit auf seine Reise zu nehmen. Bewaffnet mit einem Handbuch für Selbstmörder suchen die beiden vorher noch passende Orte für Selbstmordkandidaten auf. Klingt skurril, ist aber eine wunderbare Geschichte, in einer sehr bildhaften Sprache und vermittelt ganz nebenbei auch so einiges an japanischen Sitten und Kultur.
Ein Buch über das Leben in all seinen Facetten!
Dieser kurze Roman nimmt einen mit auf eine Pilgerreise nach Japan. Die Hauptfigur fliegt kurzentschlossen nach Japan, um den Spuren Bashos zu folgen. Eher zufällig hält er in Tokio einen Selbstmordkandidaten von seiner Absicht ab und beschließt, nun in der Verantwortung, ihn mit auf seine Reise zu nehmen. Bewaffnet mit einem Handbuch für Selbstmörder suchen die beiden vorher noch passende Orte für Selbstmordkandidaten auf. Klingt skurril, ist aber eine wunderbare Geschichte, in einer sehr bildhaften Sprache und vermittelt ganz nebenbei auch so einiges an japanischen Sitten und Kultur.
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Ein interessanter, aber sehr theoretischer Text. Die Ausgangssituation ist wirklich spannend, wird allerdings recht schnell nebensächlich. Für Japan-Fans interessant. Ein interessanter, aber sehr theoretischer Text. Die Ausgangssituation ist wirklich spannend, wird allerdings recht schnell nebensächlich. Für Japan-Fans interessant.

„Highlight im LeseHerbst“

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Vor einiger Zeit fragte mich ein Kunde, ob ich ihm ein Buch empfehlen könne, das von einer Reise handelt. Es müsse sich dabei nicht unbedingt um eine tatsächliche Reise handeln, sondern es könne auch gerne eine innerliche Reise sein, oder eine Kombination von beiden. Zu der Zeit hatte ich dieses Buch noch nicht gelesen. Sonst hätte ich ihm das sofort empfohlen, denn in diesem Buch geht es genau darum.
Gilbert ist durcheinander. Er hat seine Frau Mathilde der Untreue beschuldigt und flüchtet so weit weg wie nur möglich: Er fliegt nach Tokyo. Was jetzt folgt, ist eine in Abschnitten surreal anmutende Geschichte.
An seinem ersten Tag in Tokyo trifft Gilbert Yosa, ein junger Japaner, der sich das Leben nehmen will. Gilbert nimmt ihn unter seine Fittiche und zusammen machen sie sich auf der Suche nach dem perfekten Ort für diese Tat. Sie folgen dazu quer durch Japan den Spuren vom berühmten klassichen Haiku-Dichter Basho.
In Briefen an Mathilde erzählt Gilbert von dieser Reise, von Yosa, und er überdenkt die Vergangenheit. Mir war lange nicht klar, wohin die Reise eigentlich geht. Um wen oder was geht es hier? Durch die ständig wechselnden Bilder und Perspektiven sieht man diese Geschichte und die Protagonisten wie durch ein Kaleidoskop.
Marion Poschmann hat mich mit diesem Roman völlig überzeugt. Ich finde die Geschichte faszinierend und zauberhaft, wunderbar erzählt ist sie sowieso. Ein Highlight in diesem LeseHerbst!
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Gilbert ist durcheinander. Er hat seine Frau Mathilde der Untreue beschuldigt und flüchtet so weit weg wie nur möglich: Er fliegt nach Tokyo. Was jetzt folgt, ist eine in Abschnitten surreal anmutende Geschichte.
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Gudrun Heeg, Thalia-Buchhandlung Remscheid

Ein kurzer Roman, der den Leser permanent hin und her wirft zwischen Traum und Realität, Ironie und Poesie. Viel zu schade zum schnellen Lesen! Ein stilistisches Meisterstück! Ein kurzer Roman, der den Leser permanent hin und her wirft zwischen Traum und Realität, Ironie und Poesie. Viel zu schade zum schnellen Lesen! Ein stilistisches Meisterstück!

„Die Kieferninseln“

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Nach einem schlechten Traum denkt Gilbert Silvester, Privatdozent und "Bartforscher", dass seine Frau ihn betrügt. In einer Kurzschlusshandlung reist er mit dem erstbesten Flugzeug nach Japan. Es wird ein hochkomischer Trip. Am Ende seiner Pilgerfahrt verschwinden die Dinge, es tauchen Geister auf...eine meisterhafte literarische Leistung. Großartige bildgewaltige Gegenwartsliteratur! Nach einem schlechten Traum denkt Gilbert Silvester, Privatdozent und "Bartforscher", dass seine Frau ihn betrügt. In einer Kurzschlusshandlung reist er mit dem erstbesten Flugzeug nach Japan. Es wird ein hochkomischer Trip. Am Ende seiner Pilgerfahrt verschwinden die Dinge, es tauchen Geister auf...eine meisterhafte literarische Leistung. Großartige bildgewaltige Gegenwartsliteratur!

„Kurzweiliger Dialog zwischen den Kulturen“

Christina Koberling, Thalia-Buchhandlung Chemnitz

Der Roman beginnt skuril und so schnell, dass der Protagonist, ein erfolgloser Privatdozent und...Bartforscher!!, sich nach nicht einmal 2 Seiten am anderen Ende der Welt wiederfindet, er als eingefleischter Kaffeetrinker im Teetrinkerland Japan!
Und das bleibt nicht die einzige Herausforderung auf seiner Reise. Diese beschreibt die Autorin mit poetischer Lakonie, aus der wunderbare Sätze entstehen.
Überaus intelligent verwebt sie die Erscheinungen von Natur und Kultur, streift auch das Werk der Zerstörung durch den Menschen, lässt vieles offen oder deutet nur an.
Hindurch zieht sich ein so feinsinniger ironischer Humor, dass dieser auch der tragischen Seite der Geschichte (er trifft auf einen jungen Mann ,der sich zu Tode stürzen will)
gerecht wird. Diese Buch ist eine Wohltat an sprachlicher Eleganz und Meisterhaftigkeit. Hier stimmt alles : Aufmachung, Umfang, Inhalt.
Ein ganz großartiger Roman, so schön geschrieben, dass ich mitunter die Handlung vergaß...
Der Roman beginnt skuril und so schnell, dass der Protagonist, ein erfolgloser Privatdozent und...Bartforscher!!, sich nach nicht einmal 2 Seiten am anderen Ende der Welt wiederfindet, er als eingefleischter Kaffeetrinker im Teetrinkerland Japan!
Und das bleibt nicht die einzige Herausforderung auf seiner Reise. Diese beschreibt die Autorin mit poetischer Lakonie, aus der wunderbare Sätze entstehen.
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Kristina Urban, Thalia-Buchhandlung Berlin

Gilbert bricht aus seinem ruhigen und überschaubaren Leben aus und philosophiert über die Unzulänglichkeiten seines eigenen Lebens. Anspruchsvoll und dicht geschrieben. Gilbert bricht aus seinem ruhigen und überschaubaren Leben aus und philosophiert über die Unzulänglichkeiten seines eigenen Lebens. Anspruchsvoll und dicht geschrieben.

Kristin Pein, Thalia-Buchhandlung Weimar

Mit beeindruckender Leichtigkeit angesichts tiefgründiger Themen erzählt Marion Poschmann von Leben, Traum, Tod - untermalt von wunderbaren Beschreibungen japanischer Landschaften. Mit beeindruckender Leichtigkeit angesichts tiefgründiger Themen erzählt Marion Poschmann von Leben, Traum, Tod - untermalt von wunderbaren Beschreibungen japanischer Landschaften.

„Auf der Suche“

Dorothea Weiss, Thalia-Buchhandlung Jena

Gilbert hat das Ziel in seinem Leben aus den Augen verloren. Aus einer Laune heraus nimmt er daher den nächsten Flieger nach Tokyo. Dort fallen ihm zuerst die Reisebeschreibungen des klassischen Dichters Basho und danach ein junger Japaner namens Yosa Tamagotchi, der seinem Leben ein Ende setzen will, in die Hände. Gilbert beschließt gemeinsam mit Yosa auf die Pilgerreise zu den Kieferninseln zu gehen, ganz nach Art der japanischen Wandermönche. Gilbert sucht seinen Platz zum Leben, Yosa einen zum Sterben....
Sehr tiefgründig, manchmal herrlich absurd aber immer mit humorvollem Respekt werden wir auf eine Reise durch Japan und seine wunderschöne Natur mitgenommen, die nicht nur das Leben der Figuren verändert. Verdienter Kandidat für den Deutschen Buchpreis 2017!
Gilbert hat das Ziel in seinem Leben aus den Augen verloren. Aus einer Laune heraus nimmt er daher den nächsten Flieger nach Tokyo. Dort fallen ihm zuerst die Reisebeschreibungen des klassischen Dichters Basho und danach ein junger Japaner namens Yosa Tamagotchi, der seinem Leben ein Ende setzen will, in die Hände. Gilbert beschließt gemeinsam mit Yosa auf die Pilgerreise zu den Kieferninseln zu gehen, ganz nach Art der japanischen Wandermönche. Gilbert sucht seinen Platz zum Leben, Yosa einen zum Sterben....
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Übersicht
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ein japanischer Geist
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Gilbert Silvester geht jegliche Fähigkeit zur Selbstreflexion vollständig ab. Seine Wahrnehmung ist seine Wirklichkeit ist die absolute, unumstößliche Wahrheit: er träumt, seine Frau habe ihn betrogen, also hat sie ihn betrogen, also lügt sie, wenn sie es abstreitet. Traum und Wirklichkeit sind fließende Konstrukte, deren Grenzen von Gilbert in... Gilbert Silvester geht jegliche Fähigkeit zur Selbstreflexion vollständig ab. Seine Wahrnehmung ist seine Wirklichkeit ist die absolute, unumstößliche Wahrheit: er träumt, seine Frau habe ihn betrogen, also hat sie ihn betrogen, also lügt sie, wenn sie es abstreitet. Traum und Wirklichkeit sind fließende Konstrukte, deren Grenzen von Gilbert in keinster Weise hinterfragt werden. Und so fliegt er nach Japan – obwohl er Ländern, in denen mehr Tee als Kaffee getrunken wird, grundlegend misstraut! –, beschließt, auf den Spuren des verehrten Dichters Matsuo Bash? zu wandeln, rettet den Studenten Yosa Tamagotchi vor dem Suizid und nimmt ihn kurzerhand mit auf seine merkwürdige Pilgerreise. Kulturschock? Ja und nein. Unbeirrt belehrt Gilbert seinen jungen Begleiter über die Kultur seines eigenen Landes, was der sich fast schon unterwürfig gefallen lässt, erweist sich jedoch selber als nahezu unbelehrbar. Fest entschlossen, auf seiner Pilgerreise Erleuchtung zu erleben, lässt er diese über weite Strecken des Buches dennoch nicht zu. Er will beeindruckt werden, ist aber unempfänglich: sowohl für die Schönheit imaginärer Kirschblüten (da die Jahreszeit die falsche ist für echte Blüten) als auch für das albtraumhafte Szenario des Selbstmordwaldes von Aokigahara, wo Yosa den idealen Ort für seinen Freitod sucht. Erst im Kabuki-Theater ist Gilbert gegen seinen Willen dann doch fasziniert, obwohl oder gerade weil ihm das Konzept vollkommen fremd ist. Die Autorin spielt mit dem klassischen Doppelgängermotiv: Gilbert spiegelt sich wider in Yosa, projiziert seine eigenen Schwächen, Ängste und Sehnsüchte auf den jungen Mann und würdigt ihn für genau diese herab. So sagt er, ohne sich der Ironie bewusst zu sein, er setze "keinerlei Vertrauen mehr in Yosas Vorschläge, die bisher samt und sonders davon zeugen, wie ein undisziplinierter Geist sich von verworrenen Gefühlen übermannen und sich zu irrationalen und sinnlosen Handlungen treiben lässt". So deutlich ist Yosa ein Spiegelbild von Gilbert, dass man sich als Leser fragen muss: gibt es diesen Studenten mit dem unwahrscheinlichen Nachnamen 'Tamagotchi' überhaupt? Befindet sich Gilbert wirklich auf einer Reise nach Matsushima oder ist das alles nur ein Traum? Die Autorin verzichtet auf einfache Erklärungen, so dass jeder Leser seine eigene Wahrheit finden muss. "Die Kieferninseln" ist eine sprachlich wunderschöne, inhaltlich außergewöhnliche Gratwanderung zwischen Schein und Sein. Dabei ist das Buch nicht nur durch seine lyrische Wortmalerei ansprechend, sondern auch durch sein feines Psychogramm eines unverbesserlichen Pedanten, mit dem man dennoch mitfühlen muss, da er, ob ihm das nun bewusst ist oder nicht, auf der Suche ist nach mehr als seiner beengten Existenz. Es ist kein Buch zum Verstand abschalten und berieseln lassen, dafür aber eines, das zeigt, dass anspruchsvolle Literatur nicht trocken und langweilig sein muss: die Geschichte ist unterhaltsam, sie ist spannend, sie ist manchmal von einer Art tragisch angehauchter Komik. Gilbert und Yosa sind eine sonderbare Reisegemeinschaft, innerhalb derer vieles ungesagt bleibt – aber es ist ein beredtes Schweigen, in das der Leser viel hinein interpretieren kann, so wie das japanische Haiku erst vollendet wird durch die Interpretation des Lesers. Matsuo Bash?s Leben spielt nur im Hintergrund eine Rolle, aber seine Lyrik schwingt mit in den Beschreibungen der Landschaften, den von Marion Poschmann gewählten Bildern und nicht zuletzt den von Gilbert und Yosa verfassten Haiku, so laienhaft diese auch sein mögen. Fazit: Ein Traum veranlasst den Bartforscher Gilbert Silvester dazu, seine Frau zu verlassen und ins erstbeste Flugzeug zu steigen. Dieses fliegt nach Japan, wo Gilbert den Dichter Matsuo Bash? für sich entdeckt, den Studenten Yosa Tamagotchi (!!) vor dem Selbstmord bewahrt und eine Pilgerreise zu den Kieferninseln antritt. Die Geschichte hat etwas Schwebendes, Schwereloses: Man weiß nie genau, wo die Grenzen zwischen Schein und Sein verlaufen – was erlebt Gilbert wirklich, was ist vielleicht nur ein Traum? Man kann vieles zwischen den Zeilen entdecken, hinterfragen, interpretieren, oder auch einfach die Schönheit der Sprache auf sich wirken lassen. Für mich ist dieses Buch ganz klar ein verdienter Anwärter auf den Deutschen Buchpreis!

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von miss.mesmerized am 10.09.2017

Ein Traum, so realistisch, dass er einfach wahr sein muss. Gilbert Silvester, Privatdozent und aktuell an Männerbärten forschend, hat geträumt, dass ihn seine Frau Mathilda betrügt und da sie ihn ohnehin verlassen wird, kann er auch direkt gehen. Kurzerhand bucht er einen Flug nach Japan, völlig sinn- und ziellos... Ein Traum, so realistisch, dass er einfach wahr sein muss. Gilbert Silvester, Privatdozent und aktuell an Männerbärten forschend, hat geträumt, dass ihn seine Frau Mathilda betrügt und da sie ihn ohnehin verlassen wird, kann er auch direkt gehen. Kurzerhand bucht er einen Flug nach Japan, völlig sinn- und ziellos und findet sich nur wenige Stunden später in einem sterilen Tokioter Hotel wieder. Er irrt durch die Stadt und wird Zeuge eines versuchten Selbstmordes in der U-Bahn. Yosa Tamagotchi wollte sich vor den Zug werfen, doch Silvester verhinderte dies durch seine Kontaktaufnahme. Nachdem er realisiert, welchem Schauspiel er gerade beigewohnt hat, überzeugt er den Japaner, dass die U-Bahn ein unwürdiger Ort für eine solche Tat ist. Das Land hat so viel inspirierendere Orte, an denen man sich das Leben nehmen kann. Der ohnehin verunsicherte Student gibt sich und sein Leben also in die Hände des Wissenschaftlers, der für Yosa den perfekten Ort zum Sterben finden will. Eine moderne Odyssee mit dem Ziel nicht der Heimkehr, sondern der Reise in die Ewigkeit, beginnt. Marion Poschmann hat einen geradezu lyrischen Roman verfasst, der eigentlich eher einer Novelle gleicht. Im Zentrum steht Gilbert Silvester, der in seinem Leben nur wenige der erhofften beruflichen Ziele realisieren konnte und nun aufgrund eines Traums die Flucht ans andere Ende der Welt angetreten hat. Orientierung und Halt in dieser außergewöhnlichen Situation gibt ihm ein Gedicht- und Erzählband des japanischen Schriftstellers Basho, dessen Reise er verfolgen wird. Über den zweiten Protagonisten erfahren wir nicht viel mehr als dass er große Selbstzweifel bezüglich seines Könnens hegt und sich daher das Leben nehmen will. Ein überschaubares Set an Figuren und Charakterzügen. Sie machen sich auf zu einer einstmals modernen Siedlung, die Vorbild für die Nachkriegsbauweisen im zerstörten Europa wurde und heute nur noch Verfall ausstrahlt. Auch der sogenannte Wald der Toten, Aokigahara, ist nicht der geeignete Ort, zu viele Leichen liegen dort schon rum als dass man in Ruhe seinen Frieden finden könnte. Der Mihara-Vulkan wäre eine angemessene Lokalität, doch diese liegt nicht auf ihrem Weg. Die Kiefernwälder in der Bucht von Matsushima könnten die Erfüllung bringen und sind ohnehin ein Ziel Gilbert Silvesters. Es ist nicht nur das ungewöhnliche Motiv, dass die beiden Figuren zusammen und durch den Roman führt, mit dem Marion Poschmann überzeugen kann. Die Erzählung lebt von der sprachlichen Umsetzung, die den feinen Unterschieden zwischen Westen und Osten in jeder Nuance gerecht wird und die scharfsinnigen Beobachtungen der Natur und der Menschen fabelhaft in Worte transformiert. Ihre Beschreibungen der Natur lassen eher an Poesie erinnern als an romanhafte Beschreibungen, hier greift sie vor allem auf fernöstliche Bilder der japanischen Mystik zurück, die dem Wald und den Bäumen übernatürliche Kräfte zuschreiben. Ein starker Kontrast zum eher verkopften und sachlichen Westen. Dort gibt es auch die Schattierungen nicht, die Zwischentöne und Nuancen, die Gilbert Silvester nur in Japan in der freien Natur finden und bewundern kann: „Die Schau der Naturerscheinungen war weder mit Kunst noch mit Architektur, noch mit Geschichte verbunden, sie war zart und geheimnisvoll, und wenn daraus doch eine Form von Bildung erwuchs, ließ sie sich hinterher weder erklären noch abrufen.“ (Pos. 1657) Eine Bildungsreise der ganz anderen Art, die erst in die Ferne und doch wieder zurück führt. Nominiert auf der Longlist des Deutschen Buchpreis 2017 und aufgrund der Sprachgewalt für mich ein klarer Favorit.