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Die Odyssee des Fälschers

Die abenteuerliche Geschichte des Konstantin Simonides, der Europa zum Narren hielt und nebenbei die Antike erfand

(2)
Der Meisterfälscher - wie Konstantin Simonides Griechenland erfand

Konstantin Simonides war der geschickteste und schamloseste Fälscher von alten Manuskripten im 19. Jahrhundert. Rüdiger Schaper bietet eine hinreißende biographische Erzählung, die zudem auf anschauliche Weise die Frage nach Originalität und Fälschung stellt. Das Buch weckt nicht nur Sympathien für seinen skurrilen Helden, sondern beschwört zugleich die Antikensehnsucht vom 19. Jahrhundert bis heute und zeigt, wie sich das moderne Europa seine Antike erfand.

Wir befinden uns am Beginn des 19. Jahrhunderts, Griechenland ringt um seine Freiheit, und auf einer kleinen Insel in der Ägäis erblickt Konstantin Simonides das Licht der Welt. Wegen eines Giftattentats auf den Klosterberg Athos verbannt, erlernt er dort die Kunst der Manuskriptbearbeitung. Dann beginnt seine Odyssee: Athen, Konstantinopel, Paris, Leipzig, London – überall taucht der geheimnisvolle Grieche auf und bietet Werke an, die jedes Sammlerherz höher schlagen lassen. Doch woher stammt seine Ware? Sind die von ihm angebotenen Kostbarkeiten echt? Turbulenzen sind Simonides’ Begleiter: ein internationaler Skandal, Gefängnisaufenthalt, eine gefälschte Biographie und ein Lebensende, das nebulös bleibt. Dies ist die wahre Geschichte eines genialen Fälschers, die uns bis heute in ihren Bann zieht.

Portrait
Rüdiger Schaper, Jahrgang 1959, leitet das Kulturressort des Berliner »Tagesspiegel«, für den er seit 1999 tätig ist. Zuvor war er zehn Jahre lang Kulturkorrespondent der »Süddeutschen Zeitung« in Berlin. Bei Siedler sind von ihm zuletzt »Die Odyssee des Fälschers. Die abenteuerliche Geschichte des Konstantin Simonides, der Europa zum Narren hielt und nebenbei die Antike erfand« (2011) und »Karl May. Untertan, Hochstapler, Übermensch« (2012) erschienen. Rüdiger Schaper lebt in Berlin.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Ja
Seitenzahl 208 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 10.02.2011
Sprache Deutsch
EAN 9783641053239
Verlag Siedler Verlag
Dateigröße 1953 KB
eBook
8,99
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„»Ein Fälscher ist einer, der sich im Jahrhundert geirrt hat.«“

Sabrina Bredlow, Thalia-Buchhandlung Jena

Auch heute noch soll der Name »Konstantin Simonides« bei Museumskuratoren und Sammlern Schrecken auslösen. Der umtriebige Grieche war im 19. Jahrhundert einer der fleißigsten Fälscher von antiken Manuskripten und gehört darum wohl zu den größten Ärgernissen der gelehrten Welt. Rüdiger Schaper folgt der Spur dieses scheuen und eitlen Lügners und schafft damit das überaus sympathische Bild eines Rebellen.
In den Freiheitskampf Griechenlands hineingeboren, wird sich Simonides Zeit seines Lebens auf seine ganz eigene Art für die Freiheit und das Ansehen seines Heimatlandes engagieren. Vieles an der Herkunft und Ausbildung des Protagonisten bleibt wohl Spekulation. Jedoch ist diese so abenteuerlich und geheimnisumwittert, wie sie nur das Leben schreiben kann: Höchstwahrscheinlich genießt er eine Ausbildung als Schriftgelehrter und Mönch auf dem Heiligen Berg Athos, wo er die alten Sprachen und Literatur kennen lernt, vor allem aber das Handwerkszeugs zur Herstellung von Schriftkopien! Für letzteres findet er dort ideale Bedingungen vor – Massen an alten und unentdeckten Manuskriptseiten, die lediglich abgeschabt, neu beschrieben und vielleicht mit »Homer« unterzeichnet werden müssen, um jeden Sammler und Gelehrten vor (Neu-)Gier danach lechzen zu lassen. Gut bestückt macht er sich auf nach Deutschland, Frankreich und England und versucht dort mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg reiche Mäzene und Gelehrte an der Nase herum zu führen. Dabei legt er sich Erzfeinde wie Konstantin von Tischendorf zu, der mit seiner Entdeckung des »Codex Sinaiticus« unter Paläografen einerseits unsterblich geworden ist, dessen „Entdeckung“ andererseits von Kritikern aber als schlichter Diebstahl gewertet wird. Schaper beleuchtet ebenso viele weitere Zeitgenossen und Kollegen des Konstantin Simonides auf eindrucksvolle Weise. Dabei gelingt es ihm, ein denkwürdiges Licht auf unsere gelehrte Welt und die Kultur zu werfen, mit der wir uns rühmen: »Was ist Kultur? Das Bild der Vergangenheit, der Geschichte, gefiltert durch gegenwärtige Techniken und Bedürfnisse, Erwartungen und Erkenntnisse. Wie wird Kultur bestimmt? Einfühlung liegt dicht bei Erfindung, Entdecken heißt Interpretieren.« (85)
Rüdiger Schaper hat mit diesem Buch nicht nur ein erstaunliches Portrait des Griechen Konstantin Simonides geschaffen, sondern darüber hinaus ein vortreffliches kritisches Bild des 19. Jahrhunderts und seiner Gelehrten. Er stellt interessante Fragen, schaut über den üblichen Tellerrand und lässt die immer noch hoch aktuelle Methode des »Copy and Paste« in einem völlig neuen, aber dennoch erstaunlich traditionsreichen Licht erscheinen.
Auch heute noch soll der Name »Konstantin Simonides« bei Museumskuratoren und Sammlern Schrecken auslösen. Der umtriebige Grieche war im 19. Jahrhundert einer der fleißigsten Fälscher von antiken Manuskripten und gehört darum wohl zu den größten Ärgernissen der gelehrten Welt. Rüdiger Schaper folgt der Spur dieses scheuen und eitlen Lügners und schafft damit das überaus sympathische Bild eines Rebellen.
In den Freiheitskampf Griechenlands hineingeboren, wird sich Simonides Zeit seines Lebens auf seine ganz eigene Art für die Freiheit und das Ansehen seines Heimatlandes engagieren. Vieles an der Herkunft und Ausbildung des Protagonisten bleibt wohl Spekulation. Jedoch ist diese so abenteuerlich und geheimnisumwittert, wie sie nur das Leben schreiben kann: Höchstwahrscheinlich genießt er eine Ausbildung als Schriftgelehrter und Mönch auf dem Heiligen Berg Athos, wo er die alten Sprachen und Literatur kennen lernt, vor allem aber das Handwerkszeugs zur Herstellung von Schriftkopien! Für letzteres findet er dort ideale Bedingungen vor – Massen an alten und unentdeckten Manuskriptseiten, die lediglich abgeschabt, neu beschrieben und vielleicht mit »Homer« unterzeichnet werden müssen, um jeden Sammler und Gelehrten vor (Neu-)Gier danach lechzen zu lassen. Gut bestückt macht er sich auf nach Deutschland, Frankreich und England und versucht dort mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg reiche Mäzene und Gelehrte an der Nase herum zu führen. Dabei legt er sich Erzfeinde wie Konstantin von Tischendorf zu, der mit seiner Entdeckung des »Codex Sinaiticus« unter Paläografen einerseits unsterblich geworden ist, dessen „Entdeckung“ andererseits von Kritikern aber als schlichter Diebstahl gewertet wird. Schaper beleuchtet ebenso viele weitere Zeitgenossen und Kollegen des Konstantin Simonides auf eindrucksvolle Weise. Dabei gelingt es ihm, ein denkwürdiges Licht auf unsere gelehrte Welt und die Kultur zu werfen, mit der wir uns rühmen: »Was ist Kultur? Das Bild der Vergangenheit, der Geschichte, gefiltert durch gegenwärtige Techniken und Bedürfnisse, Erwartungen und Erkenntnisse. Wie wird Kultur bestimmt? Einfühlung liegt dicht bei Erfindung, Entdecken heißt Interpretieren.« (85)
Rüdiger Schaper hat mit diesem Buch nicht nur ein erstaunliches Portrait des Griechen Konstantin Simonides geschaffen, sondern darüber hinaus ein vortreffliches kritisches Bild des 19. Jahrhunderts und seiner Gelehrten. Er stellt interessante Fragen, schaut über den üblichen Tellerrand und lässt die immer noch hoch aktuelle Methode des »Copy and Paste« in einem völlig neuen, aber dennoch erstaunlich traditionsreichen Licht erscheinen.

Kundenbewertungen

Durchschnitt
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Hoch gestapelt und tief gegraben!
von Ulrike Blatter aus Gottmadingen am 01.01.2014
Bewertet: Buch (gebunden)

Rüdiger Schaper ist kein Mathematiker, sondern Journalist und Autor, vorwiegend im Kulturressort. Für diese Biographie, die eher einem locker erzählten Essay-Roman gleicht (sofern diese literarische Gattung überhaupt existiert), hat er sich jedoch eine Gleichung mit sehr vielen Unbekannten vorgenommen ? ob diese Rechnung aufgeht? Constantin Simonides wurde 1820 geboren... Rüdiger Schaper ist kein Mathematiker, sondern Journalist und Autor, vorwiegend im Kulturressort. Für diese Biographie, die eher einem locker erzählten Essay-Roman gleicht (sofern diese literarische Gattung überhaupt existiert), hat er sich jedoch eine Gleichung mit sehr vielen Unbekannten vorgenommen ? ob diese Rechnung aufgeht? Constantin Simonides wurde 1820 geboren ? oder vielleicht doch 1824? Er starb vollkommen verarmt 1867 an der Lepra oder doch erst 1895? Der kühn gespannte Lebensbogen zwischen diesen ach, so wackeligen Lebensdaten, ist jedenfalls schwindelerregend. Er führt aus der Schattenwelt eines missbrauchten Kindes und Beinahe-Giftmörders, in die (nur vordergründig) stille Zurückgezogenheit des heiligen Berges Athos und von dort quer durch Europa und den Nahen Osten (wobei auch einige dieser Stationen zweifelhaft bleiben). Immer mit im Reisegepäck: Pergamente ? alte, uralte und auf alt getrimmte. Der Grundstock einer gloriosen Fälscher-Karriere. Denn damals ging es einem auf die Antike geradezu versessenen Bildungsbürgertum weniger darum, die europäische Früh-Geschichte zu entdecken, als sie sie (nach eigenem Gusto) neu zu erschaffen. Archäologie zerstörte damals mehr, als sie rettete, Forschungsexpeditionen glichen Plünderungszügen und Fälscher jedweder Couleur hatten Hochkonjunktur. So einer wie Simonides, der die Sucht nach angeblichen Originalen einfühlsam bediente, kam da gerade recht (wenn er auch nicht immer billig war). Kurz und gut: Rüdiger Schaper setzt mit offensichtlichem Vergnügen die dubiosen Bruchstücke einer zweifelhaften Existenz zu einem unterhaltsamen Kaleidoskop europäischer Kulturgeschichte und Charakterkunde zusammen. Und wie bei einem Kaleidoskop zerfällt das Bild immer dann wieder in seine Einzelteile, wenn man es zu erkennen glaubt. Für diese leichtfüßige Biographie hat Schaper in Archiven tief gegraben und Simonides hat genügend hoch gestapelt, so dass die Gleichung mit den vielen Unbekannten am Ende tatsächlich aufgeht: Hochgradiges Lesevergnügen wird abgerundet durch aktuelle Bezüge ? nicht nur in puncto Griechenlandpolitik. Es gibt sie nämlich noch: die begnadeten Fälscher, die es bis in die Sammlungen renommierter Museen schaffen ? oder in den Kulturteil der Zeitungen.