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Dunkel, fast Nacht

Roman

(2)

Eine Stadt ist in Aufruhr. Drei Kinder sind verschwunden. Die erfolglosen Ermittlungen schüren die Wut der Bürger, befeuern die Gerüchte. Verdächtigungen und Schuldzuweisungen greifen um sich. Gehetzt wird gegen die »Katzenfresser«, die Zigeuner. Im Radio und im Internet lodert die Sprache des Hasses.
Alicja Tabor hat diese Stadt früh verlassen. Nun kehrt sie als Journalistin zurück, um Nachforschungen über die rätselhaften Entführungen anzustellen. Sie quartiert sich im alten Haus ein, das seit dem Tod des Vaters leer steht; die Atmosphäre ist düster, die Stimmung im einst so geliebten Garten unheimlich. Ständig fühlt sie sich beobachtet, um sie herum ereignen sich unerklärliche Dinge.
Schon in Sandberg und Wolkenfern begegnete uns Joanna Bator als Virtuosin der Verknüpfung, die in den verschwiegenen Familiendramen die Geschichte einer Epoche aufleuchten lässt. Mit der ihr eigenen Subtilität schildert sie, wie Stimmungen kippen können, wie latente Ängste und Traumata sich in jähe Ausbrüche von Wahnsinn verwandeln. Dunkel, fast Nacht ist ein Roman über die Brüchigkeit einer Gesellschaft, die ihre gemeinsame Sprache verloren hat.

Rezension
"Beeindruckend ist, wie kunstfertig Bator die vielen kaleidoskopischen Elemente ihres Romans montiert ... "
Tobias Schwartz, Der Tagesspiegel 23.02.2016
Portrait
Joanna Bator, 1968 geboren, publizierte in wichtigen polnischen Zeitungen und Zeitschriften und forschte mehrere Jahre lang in Japan. Die deutsche Übersetzung ihres Romans Sandberg durch Esther Kinsky war ein literarisches Ereignis. Seither gilt Joanna Bator als eine der wichtigsten neuen Stimmen der europäischen Literatur. Für Dunkel, fast Nacht (2012) wurde sie mit dem NIKE, dem wichtigsten Literaturpreis Polens, ausgezeichnet. Joanna Bator ist Hochschuldozentin und lebt in Japan und Polen.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 511
Erscheinungsdatum 07.03.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-42497-1
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 203/128/35 mm
Gewicht 568
Originaltitel Ciemno prawie noc
Auflage 1
Buch (gebundene Ausgabe)
24,95
inkl. gesetzl. MwSt.
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Kundenbewertungen


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Von Katzenfrauen und Katzenfressern
von einer Kundin/einem Kunden aus Bergisch Gladbach am 06.08.2017

Unter den zeitgenössischen polnischen Autoren ist Joanna Bator in Deutschland vielleicht nicht die bekannteste, aber es lohnt sich ungemein, sie zu entdecken.Mit ihrem Debüt "Sandberg", einer Coming of Age Geschichte, die vom Heranwachsen in der niederschlesischen Stadt Walbrzych spielt, habe ich sie kennengelernt und war schon begeistert. Nun hat... Unter den zeitgenössischen polnischen Autoren ist Joanna Bator in Deutschland vielleicht nicht die bekannteste, aber es lohnt sich ungemein, sie zu entdecken.Mit ihrem Debüt "Sandberg", einer Coming of Age Geschichte, die vom Heranwachsen in der niederschlesischen Stadt Walbrzych spielt, habe ich sie kennengelernt und war schon begeistert. Nun hat sie mit ihrem dritten Werk ihr bisher reifstes Buch veröffentlicht, dessen Schauplatz wiederum das frühere deutsche Waldenburg ist, eine verarmte ehemalige Bergbaustadt. Es ist die Geschichte der Journalistin Alicja Tabor, die nach vielen Jahren in ihre Geburtsstadt kommt, um einen Artikel über drei verschwundene Kinder zu schreiben. In dem verlassenen Elternhaus, das unweit von Schloss Fürstenstein liegt, herrscht eine düstere Atmosphäre. Alicja erinnert sich an ihre Kindheit und ihre ältere Schwester Ewa, die für sie Mentorin und Beschützerin war. Im Nachbarhaus wohnt ein alter Mann namens Albert, ein Freund ihres verstorbenen Vaters, der Zeit seines Lebens nach einem vermeintlichen Nazischatz in den unterirdischen Gängen von Schloss Fürstenstein gesucht hat. Zusammen mit Albert und einem rätselhaften Deutschen geht sie der Sache mit den verschwundenen Kindern auf den Grund und was sie schließlich entdeckt ist so furchtbar, dass es einem den Atem verschlägt. Wie der Titel andeutet herrscht in diesem Roman sehr viel Dunkel. Es ist ein schonungsloses Porträt einer verunsicherten Gesellschaft, der Werte wie Solidarität und Mitmenschlichkeit abhanden gekommen sind. Neben den realistischen Aspekten arbeitet Frau Bator auch mit Methapern wie den Katzenfrauen. Leitmotivisch durchziehen diese seltsamen Frauen mit Namen wie Agnes Katzenpfot die Handlung, sind stets zur Stelle, wenn die Menschen von den "Katzenfressern" bedroht werden, die wohl symbolisch für grausame und sehr schlechte Menschen stehen und das sind vergewaltigende Sowjetsoldaten, Sadisten oder Kinderschänder. Es ist eine oft gespenstische Atmosphäre in dem Roman, Da gibt es Geister von jüdischen Ermordeten, die sich von Brotkrümeln auf dem Fensterbrett ernähren oder Geister von ehemaligen deutschen Hausbewohnern, die nachts um drei aufs Klo gehen. Die Geschichte reicht bis in die Zeit zurück, als die Deutschen aus Waldenburg vertrieben wurden und auch was Alicja schließlich über die wahren Hintergründe ihrer Schwester und der psychisch kranken Mutter erfährt, geht dem Leser unter die Haut. Eine unbedingte Leseempfehlung auf für deutsche Leser. Sprachlich und thematisch ein ganz starkes Werk.

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Dunkle Geschichte mit Sogwirkung
von einer Kundin/einem Kunden aus Köln am 03.06.2016

"Dunkel, fast Nacht" heißt der neue Roman von Joanna Bator. Sie hat dafür den polnischen Literaturpreis NIKE bekommen - und vollkommen zu Recht wird sie als eine der wichtigsten Stimmen in der zeitgenössischen europäischen Literatur bezeichnet. Mir selbst war die Autorin nicht bekannt - bis ich auf der litcologne bei... "Dunkel, fast Nacht" heißt der neue Roman von Joanna Bator. Sie hat dafür den polnischen Literaturpreis NIKE bekommen - und vollkommen zu Recht wird sie als eine der wichtigsten Stimmen in der zeitgenössischen europäischen Literatur bezeichnet. Mir selbst war die Autorin nicht bekannt - bis ich auf der litcologne bei einer Lesung von ihr war - die deutschen Texte hat Corinna Harfouch gelesen. Und daraufhin habe ich mir das Buch gekauft. Aber ich hatte immer ein wenig Angst vor der Lektüre, denn Buchtitel und Lesung wiesen auf dunkle und traurige Geschichten hin. Und so war es auch. Trotzdem hat dieses Buch eine Sogwirkung auf mich ausgeübt. Ich musste immer weiter lesen - denn das Buch ist auch sehr spannend - es gibt eine eingebaute Krimihandlung - und das Buch ist literarisch sehr hochwertig komponiert. Sprachgewaltig, Bildgewaltig und es gibt viele sprachliche Stilmittel, die sehr gekonnt eingesetzt werden, z.B. seitenweise Sequenzen aus Internetforen in der entsprechenden Sprache und assoziative Aneinanderreihungen von Angst-, Beschwörungs- und Schmähworten. Insgesamt kann man den Roman wohl am ehesten als "Schauerroman" bezeichnen. Teilweise surreal - manches wird im Nachhinein realistisch erklärt - manches bleibt rätselhaft und mystisch. Es gibt Anlehnungen an Hexengeschichten und an Schatzsucher-Geschichten. Im Kern geht es um die Bewältigung von historischer Geschichte, um Bewältigung von Traumata aufgrund von Kriegs- und Gewalterfahrungen, die sich in den Menschen eingenistet haben und die auch in den nächsten Generationen wieder zu Gewalt, Missbrauch von Kindern, Familientragödien und Einsamkeit führen. Einsam ist auch Alicja Tabor, eine erfolgreiche polnische Journalistin, die in ihre Heimatstadt Walbrzych zurückkehrt, um dort eine Reportage über drei verschwundene Kinder zu schreiben. Alicja war 15 Jahre nicht mehr in ihrem Elternhaus, sie hat es nach dem Tod ihres Vaters leer stehen lassen und so versucht, vor den Dämonen ihrer unglücklichen Kindheit zu fliehen. Schön waren in ihrer Kindheit nur die Liebe und Fürsorge ihrer älteren Schwester - dort diese hatte sich das Leben genommen, in einer der vielen Höhlen rund um Schloss Fürstenstein. Dieses ehemals deutsche Schloss und das ehemals deutsche Elternhaus von Alicja in der ehemals deutschen Stadt Waldenburg sind mit ihrer geschichtlichen Relevanz der Mittelpunkt des Romans. Grau, trist und düster wirken Stadt und Gegend, als seien die Menschen, die dort leben nie von ihren Traumata genesen, die sie durch Krieg und Flucht erlitten haben. Und seltsam verloren wirken sie, viele wohnen noch in den unverändert von den Deutschen übernommenen Häusern und Wohnungen und schaffen es nicht, sich eine eigene Identität aufzubauen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. "Uns verband, dass wir kein Zuhause hatten und Ersatz für etwas zu finden versuchten, was sich nicht ersetzen lässt: das richtige Leben" Es sind viele Geschichten, die noch erzählt werden müssen, damit die Gegenwart verstanden werden kann. Und es werden viele Geschichten erzählt. Von Albert, dem Nachbarn, der fast sein gesamtes Leben in Walbrzych verbracht hat. Und doch heimatlos ist. Von der Suche nach dem Schatz von Schloss Fürstenstein, dem sich Alicjas Vater gewidmet hat - statt sich um seine Kinder zu kümmern. Von den Katzenfrauen, die Katzen und Schloss beschützten und Menschen helfen, sonst aber quasi unsichtbar sind. Es wird erzählt von Ewa, der toten Schwester von Alicja. Und zwischen den Geschichten werden die in der Gegenwart verschwundenen Kinder gesucht. Und die aufgewühlte Stimmung in der Stadt geschildert, in der die verunsicherten und haltlosen Menschen ihr Heil in Verschwörungstheorien, krudem Aberglauben und Gewalt gegen Fremde suchen. Das ist spannend, bedrückend und beklemmend. Aber es gibt Lichtblicke. Einige Menschen - bezeichnenderweise gerade die Außenseiter der Gesellschaft - kümmern sich um die Suche nach den Kindern und helfen Alicja, die Geschichte ihrer Familie zu verstehen. Und es gibt schöne, unsentimental erzählte Liebesgeschichten. Insgesamt ein beeindruckendes, sprachgewaltiges Buch. Keine einfache Lektüre - aber lohnend.

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