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Ein grüner Junge

Roman

Fischer Klassik Plus

(1)

Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon.
Mit dem Autorenporträt aus dem Metzler Lexikon Weltliteratur.
Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK.

›Ein grüner Junge‹, der unbekannteste der späten Romane von Dostojewskij: ein Entwicklungsroman und die Geschichte von Vater und Sohn aus der Großstadt Sankt Petersburg, die ihre Bewohner zerreißt. In der Neuübersetzung von Swetlana Geier wird ›Ein grüner Junge‹ zu einer literarischen Wiederentdeckung ersten Ranges: »Seine Lektüre kann endlich zur glanzvollen Premiere werden« (Neue Zürcher Zeitung).

Portrait
Fjodor Michailowitsch Dostojewskij (1821-1881) war ursprünglich Leutnant in St. Petersburg. Er quittierte seinen Dienst 1844, um freier Schriftsteller zu werden. Seine Romane ›Verbrechen und Strafe‹, ›Der Spieler‹, ›Der Idiot‹, ›Böse Geister‹, ›Ein grüner Junge‹, ›Die Brüder Karamasow‹ sowie ›Aufzeichnungen aus dem Kellerloch‹ liegen im Fischer Verlag in der herausragenden Übersetzung von Swetlana Geier vor.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Ja
Seitenzahl 850 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 31.01.2012
Sprache Deutsch
EAN 9783104018881
Verlag Fischer E-Books
Dateigröße 1281 KB
Übersetzer Swetlana Geier
Verkaufsrang 45.711
eBook
12,99
inkl. gesetzl. MwSt.
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" Um so schöner ist es noch, als es ein Geheimnis ist "
von Jérôme aus Bad Eilsen am 05.03.2014
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

Der Protagonist Arkadij Dolgorukij ist das Sinnbild des jungen, ausgeschlossenen, von großen Minderwertigkeitskomplexen und Deklassierungen geprägten, leidenden Jünglings. Ins Leben gerufen wurde dieses Persöhnlichkeitsbild, aufgrund von Demütigungen, die auf seine uneheliche Geburt zurückzuführen sind und seinem Lehrer dadurch Anlass für Demütigungen und Beleidigungen gaben. Diese Ereignisse initiierten schließlich das... Der Protagonist Arkadij Dolgorukij ist das Sinnbild des jungen, ausgeschlossenen, von großen Minderwertigkeitskomplexen und Deklassierungen geprägten, leidenden Jünglings. Ins Leben gerufen wurde dieses Persöhnlichkeitsbild, aufgrund von Demütigungen, die auf seine uneheliche Geburt zurückzuführen sind und seinem Lehrer dadurch Anlass für Demütigungen und Beleidigungen gaben. Diese Ereignisse initiierten schließlich das klassische Zurückziehen in die Welt des Imaginären und Phantastischen. Er zieht sich in seine metaphorische Höhle zurück und entwickelt seine sogenannte " Idee ", so reich wie ein Rothschild zu werden. Seine Idee offenbart jedoch lediglich den intellektuellen Vorwand, dem dunklen Triebleben zu entsagen und sich an der Gesellschaft zu rächen. Dieses Vergeltungsstreben ruft jedoch die Sehnsucht nach Anerkennung hervor und fördert in dem durchaus intelligenten Arkadij, den Willen zur Macht über andere. Einer Einladung nach St. Petersburg folgend, entsteht nach und nach eine intensiver werdende Beziehung zu seinem Vater, den er bis dahin kaum kannte und muss sein bis dahin projiziertes und idealisiertes Bild von ihm, schließlich der Realität angleichen, wodurch zwischenzeitlich Komplikationen hervorgerufen werden. Doch Werssiloff ist nicht nur der selbstherrliche, weise Retter, der seinem Sohn aufzeigt, dass das Verfolgen von starken Ideen, nur einer Flucht vor dem praktischen Leben dienen und man sich in seinen Anschauungen auch hoffnungslos verlieren kann. Er erweist sich auch als der Nebenbuhler, um die von beiden begehrte Katharina. Sehr zum Unwillen von Arkadij, der unterschwellig die Absicht einer Familienzusammenführung anstrebt. In St. Petersburg fällt dem jungen, unerfahrenen und weltabweisenden Arkadij unabsichtlich ein wertvolles Dokument in die Hände, das ihn plötzlich zu einem wichtigen und einflussreichen Akteur macht. Mit einem Mal obliegt es seiner Macht, dass Schicksal anderer Menschen zu beeinflussen und genau danach sehnte er sich unbewusst. Doch sein Machtstreben mündet schon bald im Glücksspiel und in der Zusammenkunft mit Gaunern, vor allem sein früherer Schulfreund Lambert kommt zufällig hinter die Wichtigkeit jenes Dokumentes und beginnt einen intriganten Plan zu entwerfen, wodurch er auf hohen Profit spekuliert. Nachdem sich das Beziehungsgeflecht immer weiter zuspitzt und ständig neue Ansichten und Parameter die Situation unübersichtlich machen, fragt sich Arkadij in einem reflektierten Moment," wie es denn gekommen ist, dass so plötzlich eine ganz neue Welt angefangen hat." In diesem Moment kommt ihm wieder seine Idee zu Bewusstsein, der Gesellschaft zu entsagen und zurück zur Finsternis und Einsamkeit zu gelangen. Es kommen ihm jedoch Zweifel, ob diese Rückkehr noch möglich ist und so lässt er schon bald seinen Idealismus zurück und widmet sich seinem Plan die Familie wieder zusammenzuführen. Den Romanverlauf bekommt der Leser durch die Perspektive des Ich-Erzählers Arkadij geschildert, der durch ständige Vorgriffe, Rückblicke und Einschübe, dazu vielen Kleinigkeiten, einen flüssigen Ablauf sehr erschwert. Doch Arkadijs Perspektive der Erzählung, zeichnet sich auch durch Unwissenheit und Unreife aus, wodurch er das Verständnis der Personenkonfigurationen zusätzlich erschwert. So gibt es keine klaren Gewissheiten oder ein Vertrauen in die Intentionen und Motivationen der Personen. Meiner Ansicht nach, sollte man Dostojewskis Brillianz in diesem Werk eher in den genialen Dialogen, die sich in engen Dachkammern oder am Spieltisch abspielen, suchen, anstatt sich in der hohen Intertextualität zu verlieren.