Gebete für die Vermissten

(23)
Ladydi wächst in den mexikanischen Bergen auf, in einem Dorf ohne Männer, denn die sind auf der Suche nach Arbeit über die Grenze oder längst tot. Es ist eine karge und harte Welt, eine Welt, in der verzweifelte Mütter ihre Töchter als Jungen verkleiden oder sie in Erdlöchern verstecken, sobald am Horizont die schwarzen Geländewagen der Drogenhändler auftauchen. Aber Ladydi träumt von einer richtigen Zukunft, von Freundschaft, Liebe und Wohlstand. Ein Job als Hausmädchen in Acapulco verspricht die Rettung, doch dann verwickelt ihr Cousin sie in einen Drogendeal. Und plötzlich hält sie ein Paket Heroin in den Händen, und ein gnadenloser Überlebenskampf beginnt … Gebete für die Vermissten beschwört die unverbrüchliche Kraft der Hoffnung in einer schrecklichen Welt. In mutigen, schockierenden und bewegenden Bildern erzählt Jennifer Clement das Leben einer außergewöhnlichen jungen Heldin. »Man liest dieses Buch nicht, man verschlingt es.« DBC Pierre
Rezension
»Jennifer Clements Roman scheint selbst ein Akt des Widerstands zu sein, in einem Land, in dem sich weder Justiz noch Polizei noch Politik um das Problem der entführten Frauen kümmern.«
Jutta Schwengsbier, WDR 5 16.09.2014
Portrait
Jennifer Clement, 1960 in Connecticut geboren, wuchs in Mexiko-Stadt auf, studierte in New York und Paris Literaturwissenschaft und hat Lyrik und zwei Romane veröffentlicht. Für Gebete für die Vermissten recherchierte sie über zehn Jahre lang in der mexikanischen Provinz und führte Hunderte Interviews mit vom Drogenkrieg betroffenen Mädchen und Frauen.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz kein Kopierschutz (enthält ein Wasserzeichen) i
Seitenzahl 200, (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 15.09.2014
Sprache Deutsch
EAN 9783518739068
Verlag Suhrkamp
Verkaufsrang 55.341
eBook
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Hier spielt der authentische, sehr ergreifend erzähle Roman von Jennifer Clement, der auf einer mehrjährigen, intensiven Recherchearbeit vor Ort basiert. Eine Geschichte, die Gänsehaut hinterlässt…

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Eine literarische Betrachtung der Situation als Mädchen in manchen Teilen Mexikos.
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Kundenbewertungen


Durchschnitt
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Übersicht
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2

Entührte Töchter und verschwundene Männer
von einer Kundin/einem Kunden am 22.10.2015

Ladydi Gonzales wächst in den mexikanischen Bergen auf, dort wo fast nur noch Frauen in einer matriarchalischen Gesellschaft zusammenleben. Die Männer sind entweder nach Amerika ausgewandert, wo sie ihre Familien nach und nach vergessen haben, oder sind irgendwo in einem brutalten Drogenbandenkrieg ums Leben gekommen. Ladydis Vater ist nach... Ladydi Gonzales wächst in den mexikanischen Bergen auf, dort wo fast nur noch Frauen in einer matriarchalischen Gesellschaft zusammenleben. Die Männer sind entweder nach Amerika ausgewandert, wo sie ihre Familien nach und nach vergessen haben, oder sind irgendwo in einem brutalten Drogenbandenkrieg ums Leben gekommen. Ladydis Vater ist nach Amerika gegangen und hat dort anscheinend eine neue Familie gegründet. Ihre Mutter hat mit der eigentümlichen Namensgebung ihres Kindes, keineswegs ihre eigene Sehnsucht nach einem vermeidlichen prinzessinenhaften Leben kundgetan, sondern wollte damit ein Statement für all die von Männern verlassenen Frauen setzen. Zur deren eigenen Sicherheit wachsen die Mädchen allerdings als Jungen auf. Das Geschlecht wird so lange wie möglich verborgen gehalten, damit wenn die großen, schwarzen Autos der Drogenbarone kommen, die Mädchen nicht als solches erkannt werden. Clement hat für ihren deutschen Debütroman „Gebete für die Vermissten“ 10 Jahre lang in Mexico recherchiert und hat Hunderte von Interviews mit Mädchen und Frauen geführt. Dieses immense Hintergrundwissen, dass sie dabei angehäuft haben muss, rückt allerdings nicht in den Vordergrund. Die grandiose Schriftstellerin schafft es, jenes einfach ganz beiläufig im Hintergrund zu halten und was dem geneigten Leser nun vielleicht ein wenig verwundert ist, dass sie es vollbringt die Bestürzung und die Fassungslosigkeit darüber nur ansatzweise durchscheinen zu lassen und dadurch Ladydi einen realitätsnahen Touch verleiht, aus deren Perspektive diese Geschichte nunmal erzählt ist. Die Fabulierkunst ist ihr wohl in die Wiege gelegt worden. Denn diese poetische Sprachintensität, mit der Clement die Erzählung aufgreift und auch dadurch die brutale, mexikanische Gesellschaft porträtiert, fesselt beim Lesen, sodass man gar nicht mehr aufhören möchte. „Gebete für die Vermissten“ ist aber mehr als nur ein rotziger Pubertätsroman, so wie eine deutsche Tageszeitung schmählich behauptet hat. Es ist ein beeindruckendes Buch, hinter dem eine gehörige Portion Realität steckt, und bei dessen Lektüre einem der Schrecken in die Glieder fährt. Die Schriftstellerin Jennifer Clement, die laut Verlagsseite in New York und in Paris Literaturwissenschaft studierte, hat auf alle Fälle mein Interesse geweckt. Ich bin schon sehr gespannt was sie noch in petto hat.

Hat Ihnen diese Empfehlung geholfen?
Gebete für die Vermissten
von Tamaru am 16.08.2015
Bewertet: Buch (gebunden)

Erzählt wird die Geschichte von Ladydi, einem jungen Mädchen, das in einem kleinen Dorf in den Bergen Mexikos aufwächst. Einem Leben, das geprägt ist von Armut, der Abwesenheit der Männer, und der Angst vor den Drogendealern in den schwarzen Geländewagen, die kommen und die schönsten Mädchen entführen, um sie... Erzählt wird die Geschichte von Ladydi, einem jungen Mädchen, das in einem kleinen Dorf in den Bergen Mexikos aufwächst. Einem Leben, das geprägt ist von Armut, der Abwesenheit der Männer, und der Angst vor den Drogendealern in den schwarzen Geländewagen, die kommen und die schönsten Mädchen entführen, um sie zu verkaufen. Deshalb lernen die Mädchen schön früh, sich die Zähne zu schwärzen, die Haare abzuschneiden und zu verstecken. Aber Ladydi träumt von einem anderen Leben. Einem Leben in der Stadt wo sie Frau sein darf, lieben darf und arbeiten kann um ein besseres Leben zu haben. Als ihr ein Freund eine Stelle in Acapulco als Kindermädchen besorgt zögert sie deshalb keine Minute. Sie machen sich gemeinsam auf den Weg, doch unterwegs verwickelt er sie in ein schreckliches Verbrechen. Aber da sie mittlerweile weiß, wer Mike wirklich ist schweigt sie, nimmt es hin und gehorcht, wie sie es gelernt hat. Sie zieht in das Haus ihrer Arbeitgeber und verliebt sich noch am ersten Tag in einen jungen Gärtner,das Leben scheint es endlich gut mit ihr zu meinen. Doch dann holt das Geschehene sie ein und sie muss um ihr Leben kämpfen. Und hoffen, dass jemand für sie betet, so wie sie und ihre Freundinnen um die vermissten Mädchen gebetet haben. Das Buch hat mir sehr gut gefallen, der Schreibstil ist flüssig und sehr mitreißend. Dazu so bildhaft geschrieben, dass man sich die Landschaft und ihre Bewohner sehr gut vorstellen und von der ersten Seite an in das Leben von Ladydi und ihren Freunden eintauchen kann. Besonders Maria war mir von Anfang an sehr sympathisch. Was mir sehr gut gefällt, der Roman ist sehr realistisch geschrieben, die Situationen wirken nicht übertrieben oder ausgedacht. Da die Autorin sehr lange für diesen Roman recherchiert hat wird wohl mehr als nur ein Körnchen Wahrheit darin stecken. Klare Leseempfehlung für alle, die gerne in Geschichten von anderen Ländern eintauchen.

Hat Ihnen diese Empfehlung geholfen?
Bewegendes und packendes Buch, dessen Thema häufiger in der Öffentlichkeit besprochen werden sollte!
von einer Kundin/einem Kunden aus Essen am 23.01.2015
Bewertet: Buch (gebunden)

Ladydi lebt in einem mexikanischen Bergdorf, in dem Mädchen immer wieder in Erdlöchern verschwinden müssen und es, wie sich Ladydis Mutter ausdrückt, das Beste ist, wenn man ein hässliches Mädchen ist. Ein Ort, an dem man seine Töchter als Jungen verkleidet. Denn schöne Mädchen werden zu erst geholt. Von... Ladydi lebt in einem mexikanischen Bergdorf, in dem Mädchen immer wieder in Erdlöchern verschwinden müssen und es, wie sich Ladydis Mutter ausdrückt, das Beste ist, wenn man ein hässliches Mädchen ist. Ein Ort, an dem man seine Töchter als Jungen verkleidet. Denn schöne Mädchen werden zu erst geholt. Von den Männern in den schwarzen Geländewagen. Von Drogen- und Menschenhändlern. Ladydi malt sich ihre Zähne schwarz an, hat immer kurz geschnittene Haare, sieht kein bisschen weiblich aus und darf niemals einfach vor die Tür gehen, um zum Beispiel zu spielen. Das wäre nämlich viel zu gefährlich, denn jederzeit könnten die Männer auftauchen und sie holen. Dort zählt das Leben einer Frau oder eines Mädchens kaum etwas. In dem Dorf gibt es keine Männer mehr. Sie sind ausgewandert, auf der Suche nach Arbeit und schließlich ganz weggeblieben- oder sie sind einfach tot. Doch träumt Ladydi von einer besseren Zukunft: Sie möchte nicht ewig bei ihrer alkoholabhängigen Mutter bleiben, möchte sich nicht verstecken müssen, sondern Liebe, Freundschaft, Freiheit und Wohlstand kennen lernen. Und dann bietet sich ihr eine einmalige Chance, die ihr ganzes Leben verändern soll: Sie darf in Acapulco als Hausmädchen bei einer sehr reichen Familie arbeiten. Doch Mike, der auch aus ihrem Dorf stammt, verwickelt sie in einen Drogendeal. Ohne dass Ladydi etwas davon geahnt hätte. Doch kann sie sich nicht wehren, sie nimmt das Päckchen Heroin an sich. Und schon bald wird Ladydi noch größere Probleme bekommen und um ihre Freiheit und ihr Überleben kämpfen müssen. Die Autorin des Buches, Jennifer Clement, wuchs in Mexiko-Stadt auf. Für das Buch recherchierte sie über zehn Jahre lang und führte hunderte Interviews mit vom Drogenkrieg betroffenen Mädchen und Frauen vor Ort. Dem Buch lag auch noch ein Heft bei, in dem wichtige und vor allem schockierende und alarmierende Fakten und Schicksale errläutert und beschrieben werden. So erfährt man beim Lesen des Heftes zum Beispiel, dass laut Regierungsstatistiken die Zahl der Entführungen in Mexiko im letzten Jahr um 31% stieg. Diese Erhebungen erfassen aber lediglich die Fälle von Entführungen mit anschließender Lösegelderpressung. Ausschnitte aus Interviews verdeutlichen eindrucksvoll, dass dort eine Frau zu keinem Mann "Nein" sagen darf. Und der Polizei traue man nicht, da diese vielfach in die lokalen Mafiastrukturen verstrickt sei. Die Fälle von Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft und Sexhandel nähmen im alarmierendem Maße zu. Außerdem habe der Kampf gegen die Drogenkartelle in den letzten sechs Jahren an die 70.000 Menschen das Leben gekostet. Darüber hinaus schätzen Regierungsorganisationen die Zahl der Entführungen im Jahr 2012 auf 105.682, es gäbe eine Dunkelziffer von 99%. Nur 1.446 Entführungen wurden im Jahre 2013 zur Anzeige gebracht. Beim Lesen des Buches merkt man, wie intensiv sich die Autorin mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Man erhält sehr tiefe Einblicke in das Leben der Frauen Mexikos und liest über mehrere Schicksale. Das Buch ist sehr packend geschrieben, ich hatte es nach wenigen Stunden durchgelesen. Während des Lesens ist man immer erleichterter darüber, dass man an einem sicheren Ort lebt, sich nicht verstecken muss und seinen eigenen Willen haben darf, und vor allem, dass man als Mensch angesehen wird und nicht als ein Gegenstand, wie etwas dass man sich einfach nehmen darf, behandelt wird. Die verschiedenen Schicksale der Personen, auf die Ladydi trifft, und auch ihr eigenes, sind sehr berührend und fein ausgearbeitet, sodass die Charaktere sehr real wirken und man sie sich sehr gut vorstellen kann. Auch die Thematik des Buches finde ich ausgesprochen wichtig und meiner Meinung nach sollte sie viel häufiger in der Öffentlichkeit behandelt werden. Ich kann dieses Buch jedem weiter empfehlen, da es zum einen sehr gut geschrieben ist, den Leser also keineswegs mit Trockenheit langweilt, und zum anderen wegen des wichtigen Themas über das man sich informiert haben sollte.

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