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Hagard

Roman

(6)
In jedem seiner Romane wagt Lukas Bärfuss sich auf neues Terrain. In »Hagard« folgt er einem Verfolger, und als Leser fühlt man sich fortwährend ganz nah an dessen Kopf.
Ein Mann, eben stand er während des Feierabendgedrängels noch am Eingang eines Warenhauses, folgt aus einer Laune heraus einer Frau. Er kennt sie nicht, sieht sie auch nur von hinten, aber wie in einem Spiel sagt er sich: Geht sie dort entlang, folge ich ihr nicht weiter; geht sie in die andere Richtung, spiele ich das Spiel noch eine kleine Weile weiter. Es bedeutet ja nichts, niemand kommt zu Schaden, und der Abstand in der Menge ist so groß, dass die Frau es gar nicht bemerken wird. Eher ist es eine sportliche Aufgabe, sie in der Menge nicht zu verlieren.
In einer knappen Stunde hat Philip ohnehin einen wichtigen Termin. Aber schon fragt er sich, ob der nicht auch zu verschieben wäre, bis zur Abendverabredung bliebe ja noch etwas Zeit. Was ihn bewegt, ist erst einmal unklar. Ist der Verfolger einfach ein gelangweilter Schnösel? Ein Verrückter? Ein Verbrecher? Er scheint selbst vor etwas zu fliehen.
Etwas Bedrohliches liegt in der Luft, etwas Getriebenes. Ein atemloser Sog entsteht, in den auch der Leser gerät, je länger die Verfolgung anhält. Allen Sinneswahrnehmungen haftet etwas beunruhigend Surreales an. Die aufgerufenen Fragen über unsere Lebenswirklichkeit im 21. Jahrhundert gewinnen eine unabweisbare Schärfe.
Portrait
Lukas Bärfuss, geboren 1971 in Thun/Schweiz, zählt zu den erfolgreichsten Dramatikern der letzten Jahre. Seine Stücke werden weltweit gespielt. Bei der Kritikerumfrage der Zeitschrift Theater heute wurde Bärfuss zum Dramatiker des Jahres 2005 gewählt, neben zahlreichen anderen Auszeichnung erhielt er den Mühlheimer Dramatikerpreis. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Zürich. »Hundert Tage« ist der erste Roman des gefeierten Dramatikers.
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Beschreibung

Produktdetails


Format PDF i
Kopierschutz Ja
Seitenzahl 174 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 21.02.2017
Sprache Deutsch
EAN 9783835329539
Verlag Wallstein Verlag
eBook
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Sehr eindringlich. Das Buch hat mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Erzählt wird die Geschichte von einer dritten Person, die scheinbar nichts mit dem Geschehen zu tun hat.
Absolut lesenswert!
Phillip sieht eine Frau. Ihr Gesicht erkennt er nicht. Aus einem Affekt heraus beschließt er ihr zu folgen. Was zunächst nur eine kleine Spinnerei scheint, wird zum Wahn. Er folgt ihr immer weiter, vergisst Beruf, Familie und Pflichten. Doch warum folgt er ihr und was verspricht er sich davon?
Sehr eindringlich. Das Buch hat mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Erzählt wird die Geschichte von einer dritten Person, die scheinbar nichts mit dem Geschehen zu tun hat.
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
6 Bewertungen
Übersicht
1
3
0
2
0

Geschichte eines Stalkings - widersprüchlich, stilistisch ausgezeichnet
von einer Kundin/einem Kunden aus Berlin am 25.03.2017
Bewertet: gebundene Ausgabe

Bereits mit diesem Umschlagstext hatte mich das Buch im Buchladen in seinem Bann. Was mich dann erwartete? Nun, zunächst ein Ich-Erzähler, der scheinbar allwissend über der angekündigten Hauptperson schwebt. Sorgenvoll ist sein Ton und mit vielen offengebliebenen Fragen leitet dieser die Geschichte um den Ausbruch Philips ein. Wir erwischen Philip... Bereits mit diesem Umschlagstext hatte mich das Buch im Buchladen in seinem Bann. Was mich dann erwartete? Nun, zunächst ein Ich-Erzähler, der scheinbar allwissend über der angekündigten Hauptperson schwebt. Sorgenvoll ist sein Ton und mit vielen offengebliebenen Fragen leitet dieser die Geschichte um den Ausbruch Philips ein. Wir erwischen Philip anfangs in einer typischen Managersituation. Immer wieder mit seinem Smart Phone quercheckend und seine Assistenz konsultierend, bahnt er sich seinen Weg an einem Spätnachmittag zu einem nicht ganz unwichtigen Geschäftstermin. Aus Randsätzen und im Verlauf der Beobachtungen rund um die Figur wird dem Leser die Wichtigkeit des Termins für einen satten Gewinn klar. Wie nebenher eingestreut wird auch die Gesellschaftskritik und der auf dem Buchcover angekündigte "unbestechliche Blick" des Autors auf seine Umgebung und das heutige Leben. So werden während des Wartens die um Philip herumhechtenden Heimkehrer und Feierabendmacher gnadenlos unter die Lupe genommen. Trennscharfe Sätze sortieren die Passanten in Schubladen, Philip oder zumindest unser allwissende Ich-Erzähler legen den Finger in jede sich unter dem Mäntelchen eines scheinbaren Alltagserfolgs erschliessende Wunde. Hier die einsamen, langsam vor sich hin alternden Sekretärinnen und Angestellten, dort die noch naiv in die Zukunft blickenden Halbwüchsigen. An der Stelle musste ich schon mal schlucken. Aus welchem Recht heraus wird hier gestempelt? Einfach, weil es uns mit einer gewissen Befriedigung erfüllt mit dem Finger zu zeigen? Oder weil ein Tropfen Wahrheit der Aufrüttelung dienen soll? Wie dem auch sei, Philips Blick fängt sich in dem Moment auf einem Paar pflaumenlilaner Ballerinas. Das Kopfkino geht los. Die schlanken Fesseln und dezenten Details verleiten Philip seiner Fantasie und dem Jagdinstinkt freien Lauf zu lassen. Das Spiel beginnt, Philip folgt der jungen Frau über eine Brücke und Uferstrasse zu einem Geschäft und der Spannungsbogen fängt an zu steigen. Er lässt sich nicht beirren durch ihren Abstecher in ein Pelzgeschäft. Vielmehr interpretiert er immer mehr Details in die Tatsache, dass die Frau einen Pelz aus dem Geschäft abgeholt hat. Sie wird immer mehr zu seinem persönlichen Rätsel, seinem Mysterium, welches er unbedingt lösen will. Das muss man Lukas Bärfuss wirklich lassen. Seine ungewöhnlichen Vergleiche, Kopfkinobilder und vor allem das alles durchziehende stilistische Mittel der rhetorischen Frage schafft es den Leser wunderbar am Geschehen zu beteiligen. Und so lassen wir uns auch auf Philips Spiel ein, finden es amüsant. Der Stil des Buches findet seinen Widerhall in weiteren Fragen, die im Kopf des Lesers entstehen. Letzte Details Eines kann ich an der Stelle noch preisgeben, denke ich, ohne einen richtigen Spoiler. Philip entwickelt weitere Tricks, um seine Jagd auf gar keinen Fall abbrechen zu müssen, nur weil mittlerweile der Abend hereingebrochen ist und er ohne Jacke und ohne weiteren Plan irgendwo in der Vorstadtpampa steht. Im letzten Drittel des Buches schwenkt die Handlung jedoch um, Philip driftet von einer Rückkehr in sein bürgerliches Managerdasein weiter ab und der Autor führt noch weitere Gestalten ein, die für einen Abschluß der Geschichte sorgen. Ich persönlich empfand die Einführung derselben als zu "hoppladihopp", geradezu aus dem Zusammenhang gerissen und konnte zwar den geschickten Umschwung der Erzählerperspektive durchaus geniessen, die eigentliche Lösung des Rätsels jedoch nicht wirklich. Fazit Daher vergebe ich zwar für das in den Medien vielbesprochene Werk ebenfalls eine gute Bewertung möchte aber auf meiner Kritik beharren, ob sich denn da der Autor am Ende die Lösung einfach gemacht hat. Ist da die Abgabedeadline dazwischengegrätscht oder war eine Schreibblockade der Bösewicht? Oder langte ihm einfach die Message über die Zerbrechlichkeit unseres Daseins und wie schnell eine einzelne ungewöhnliche Entscheidung den Weg in den Wahn ebnen kann...? Stilistisch ist das Buch trotzdem ausgezeichnet und verdient die positive Bewertung diesbezüglich.

Hagard
von einer Kundin/einem Kunden aus Mettmenstetten am 24.03.2017

Das Buch langweilt, ist wirr und unglaubwürdig, endet fahrig, ist das Geld und die investierte Zeit nicht wert. Habe mich bis zum Ende durchgequält und geärgert.

Für mich enttäuschend
von einer Kundin/einem Kunden aus Bern am 14.03.2017
Bewertet: gebundene Ausgabe

Den Anfang dieser Erzählung fand ich gut geschrieben, aber nach rund 30 Seiten begann sie mich zu nerven und langweilen, weil es irgendwie nicht mehr vorwärts geht. Warum um alles in der Welt spricht Philip diese fremde Frau nicht endlich an? Ist er psychisch krank? Dazu jede Menge oberflächliche,... Den Anfang dieser Erzählung fand ich gut geschrieben, aber nach rund 30 Seiten begann sie mich zu nerven und langweilen, weil es irgendwie nicht mehr vorwärts geht. Warum um alles in der Welt spricht Philip diese fremde Frau nicht endlich an? Ist er psychisch krank? Dazu jede Menge oberflächliche, pauschale Kurzkritik und Fragerei im Text verwoben, schnell angerissen und schon kommt die nächste Moralinspritze. Auch die Sicht auf Leute, die er beobachtet, wirkt oft arrogant und womöglich verquer, da er ihre Lebensläufe ja gar nicht kennt. Wirkt wie ein Schwerenöter, der vom Hundertsten ins Tausenste hinterfragt und doch nie entsprechend handelt. Alles irgendwie zu theoretisch und künstlich aufgebauscht. Eher ein verstockter Romantiker mit seinen eh subjektiven Schlüssen, die bei anderen Personen ganz anders ausfallen könnten. Reflektieren wird einem schwer gemacht, beinahe sinnlos. Der Autor bringt sich auch selber noch ein. Falls er die Geschichte absichtlich scheitern lassen wollte, fragt man sich, was das soll. Den Leser veräppeln? Das Ende des zum Glück dünnen Buchs wird auch nicht besser, hat mich zusehends ratlos und nichtssagend zurück gelassen. Schade, sein "Koala" gefiel mir wesentlich besser oder einige seiner mehr satirischen Theaterstücke. Ist selbstverständlich nur meine subjektive Sicht. Möchte an dieser Stelle doch noch auf das allerdings sehr anspruchsvolle Sachbuch von Prof. Peter Fuchs hinweisen "Der Fuss des Leuchtturms liegt im Dunkeln - Eine ernsthafte Studie zu Sinn und Sinnlosigkeit". Passt irgendwie gut zum Thema und darüber hinaus zu einigen Verwerfungen unserer Zeit.