Ich nannte ihn Krawatte

Roman

(26)
Wer in einem Lachen nichts anderes als ein Lachen hört, der ist taub

Ist es Zufall oder eine Entscheidung? Auf einer Parkbank begegnen sich zwei Menschen. Der eine alt, der andere jung, zwei aus dem Rahmen Gefallene. Jeder auf seine Weise, beide radikal, verweigern sie sich der Norm. Erst einem fremden Gegenüber erzählen sie nach und nach ihr Leben und setzen zögernd wieder einen Fuß auf die Erde. Milena Michiko Flašars Parkbank befindet sich in Japan und könnte doch ebenso gut anderswo in der westlichen Welt stehen. Dieser Roman stellt der Angst vor allem, was aus der Norm fällt, die Möglichkeit von Nähe entgegen – sowie die archaische Kraft der Verweigerung.

Portrait
Milena Michiko Flašar, geboren 1980 in St. Pölten, hat in Wien und Berlin Komparatistik, Germanistik und Romanistik studiert. Sie ist die Tochter einer japanischen Mutter und eines österreichischen Vaters, lebt als Schriftstellerin in Wien und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 144
Erscheinungsdatum 10.03.2014
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-442-74656-9
Verlag btb
Maße (L/B/H) 18,9/11,8/1,5 cm
Gewicht 155 g
Abbildungen 1 schwarzweisse Abbildungen
Verkaufsrang 23.553
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Annette W. , Thalia-Buchhandlung Berlin

Ein leises, zartes, ehrliches Buch mit schöner Sprache, Anmutig, nie banal oder umgangssprachlich wirkend.Absolut empfehlenswert! Ein leises, zartes, ehrliches Buch mit schöner Sprache, Anmutig, nie banal oder umgangssprachlich wirkend.Absolut empfehlenswert!

„Für mich eins der ungewöhnlichsten, intensivsten und schönsten Bücher, die ich kenne “

Claudia Engelmann, Thalia-Buchhandlung Korbach

Hikikomori nennt man in Japan Menschen, die sich wegen des großen Leistungsdrucks in Schule und Gesellschaft verweigern, das Haus ihrer Eltern nicht mehr verlassen und sich völlig zurückziehen. Ein solcher ist der Ich-Erzähler dieses schmalen Buches, der sich als seinen Rückzugspunkt eine Bank in einem Park erkoren hat. Dort verbringt er seine Tage damit, seinen Gedanken nachzuhängen und die Menschen zu betrachten. Eines Tages fällt ihm ein älterer Mann auf, in Anzug und mit Krawatte bekleidet, der auch jeden Tag im Park zu sein scheint. Beide kommen ins Gespräch, vertrauen sich nach und nach ihre Lebensgeschichten und ihre Gedanken an, vielleicht gerade, weil sie einander fremd und doch so ähnlich sind. Der Mann mit Krawatte hat vor Monaten seinen Arbeitsplatz verloren, hat dies aber seiner Frau aus Scham verschwiegen und verbringt nun seine Arbeitstage dort im Park. Ihn treiben die Schatten seiner Vergangenheit umher, denn er konnte sein behindertes Kind nicht lieben und keine Beziehung zu ihm aufbauen. Auch der namenlose Hikikomori ist ein beziehungsloser und einsamer Mensch, sein Leben wird bestimmt durch einen Verrat, dessen er sich schuldig fühlt.
Beide Männer, der eine jung, der andere schon älter, entsprechen nicht der gesellschaftlichen Norm, leisten jeder auf seine Weise einen stillen Widerstand und verweigern sich der hochmodernen, schnelllebigen, oft brutalen Zeit. Milena Michiko Flasar, die Mutter Japanerin und der Vater Österreicher, ist es gelungen, einen wunderbaren Roman zu erschaffen, der die westliche und die östliche Welt verbindet, denn im Grunde spielt es keine Rolle, in welchem Land die Parkbank steht. Wie ein ruhig fließender Fluss, fast ein wenig kontemplativ, nimmt die Geschichte den Leser mit in eine Welt, die die Autorin mit wenigen Worten, fast wie kalligraphische Pinselstriche skizziert und so die Protagonisten zum Leben erweckt. Leise, eindringlich, fast hingehaucht sind die kurzen Sätze und doch von solcher Wahrhaftigkeit, Klarheit und manchmal großer Wucht. Flasar hat ein kleines Meisterwerk geschrieben, das jeden Leser berühren wird. Für mich eins der ungewöhnlichsten, intensivsten und schönsten Bücher, die ich kenne.

Hikikomori nennt man in Japan Menschen, die sich wegen des großen Leistungsdrucks in Schule und Gesellschaft verweigern, das Haus ihrer Eltern nicht mehr verlassen und sich völlig zurückziehen. Ein solcher ist der Ich-Erzähler dieses schmalen Buches, der sich als seinen Rückzugspunkt eine Bank in einem Park erkoren hat. Dort verbringt er seine Tage damit, seinen Gedanken nachzuhängen und die Menschen zu betrachten. Eines Tages fällt ihm ein älterer Mann auf, in Anzug und mit Krawatte bekleidet, der auch jeden Tag im Park zu sein scheint. Beide kommen ins Gespräch, vertrauen sich nach und nach ihre Lebensgeschichten und ihre Gedanken an, vielleicht gerade, weil sie einander fremd und doch so ähnlich sind. Der Mann mit Krawatte hat vor Monaten seinen Arbeitsplatz verloren, hat dies aber seiner Frau aus Scham verschwiegen und verbringt nun seine Arbeitstage dort im Park. Ihn treiben die Schatten seiner Vergangenheit umher, denn er konnte sein behindertes Kind nicht lieben und keine Beziehung zu ihm aufbauen. Auch der namenlose Hikikomori ist ein beziehungsloser und einsamer Mensch, sein Leben wird bestimmt durch einen Verrat, dessen er sich schuldig fühlt.
Beide Männer, der eine jung, der andere schon älter, entsprechen nicht der gesellschaftlichen Norm, leisten jeder auf seine Weise einen stillen Widerstand und verweigern sich der hochmodernen, schnelllebigen, oft brutalen Zeit. Milena Michiko Flasar, die Mutter Japanerin und der Vater Österreicher, ist es gelungen, einen wunderbaren Roman zu erschaffen, der die westliche und die östliche Welt verbindet, denn im Grunde spielt es keine Rolle, in welchem Land die Parkbank steht. Wie ein ruhig fließender Fluss, fast ein wenig kontemplativ, nimmt die Geschichte den Leser mit in eine Welt, die die Autorin mit wenigen Worten, fast wie kalligraphische Pinselstriche skizziert und so die Protagonisten zum Leben erweckt. Leise, eindringlich, fast hingehaucht sind die kurzen Sätze und doch von solcher Wahrhaftigkeit, Klarheit und manchmal großer Wucht. Flasar hat ein kleines Meisterwerk geschrieben, das jeden Leser berühren wird. Für mich eins der ungewöhnlichsten, intensivsten und schönsten Bücher, die ich kenne.

„Sehnsucht nach Nähe“

Erika Föst, Thalia-Buchhandlung Pforzheim

Ein Hikikomori, - so werden in Japan Menschen genannt, die für längere Zeit, oft Jahre, den Kontakt zur Außenwelt gänzlich abgebrochen haben, - und ein Salaryman (männlicher Angestellter) sind die Protagonisten in diesem Buch. Die beiden Männer treffen auf einer Parkbank aufeinander. Zunächst verbringt jeder die Zeit auf der Bank in seiner eigenen Gedankenwelt. Sie sehen sich jeden Tag, immer sitzen sie nebeneinander, die Stunden vergehen, ohne dass sie ein Wort miteinander gewechselt hätten. Allmählich öffnen sie sich und jeder erzählt dem anderen Bruchstücke aus seinem Leben. Beide sind Außenseiter, die dem Leistungsdruck und den Erwartungen der Gesellschaft nicht mehr gerecht werden können. Die Angst vor der Normalität des Alltags treibt sie in die Isolation.
Ein wirklich bemerkenswerter Roman! Sehr lesenswert! weniger
Ein Hikikomori, - so werden in Japan Menschen genannt, die für längere Zeit, oft Jahre, den Kontakt zur Außenwelt gänzlich abgebrochen haben, - und ein Salaryman (männlicher Angestellter) sind die Protagonisten in diesem Buch. Die beiden Männer treffen auf einer Parkbank aufeinander. Zunächst verbringt jeder die Zeit auf der Bank in seiner eigenen Gedankenwelt. Sie sehen sich jeden Tag, immer sitzen sie nebeneinander, die Stunden vergehen, ohne dass sie ein Wort miteinander gewechselt hätten. Allmählich öffnen sie sich und jeder erzählt dem anderen Bruchstücke aus seinem Leben. Beide sind Außenseiter, die dem Leistungsdruck und den Erwartungen der Gesellschaft nicht mehr gerecht werden können. Die Angst vor der Normalität des Alltags treibt sie in die Isolation.
Ein wirklich bemerkenswerter Roman! Sehr lesenswert! weniger

Jannika Krause, Thalia-Buchhandlung Göttingen

Ein Buch über zwei Personen, die aus dem "genormten" Leben entkommen. Jedes Wort passt und fühlt sich richtig an. Ich war nach den ersten Seiten schon begeistert. Ein Buch über zwei Personen, die aus dem "genormten" Leben entkommen. Jedes Wort passt und fühlt sich richtig an. Ich war nach den ersten Seiten schon begeistert.

N. Gatzke , Thalia-Buchhandlung Berlin

Zwei Männer am Rande der japanischen Leistungsgesellschaft offenbaren, was sie ihren Familien nie anvertrauen konnten - behutsam und berührend Zwei Männer am Rande der japanischen Leistungsgesellschaft offenbaren, was sie ihren Familien nie anvertrauen konnten - behutsam und berührend

Michael Wasel, Thalia-Buchhandlung Münster

Ein ganz besonderes Buch, das uns zeigt, wie sehr der Druck der Gesellschaft einen Menschen in die Tiefe reißen kann, aber auch Mut macht, sich dem Leben wieder zu stellen! Ein ganz besonderes Buch, das uns zeigt, wie sehr der Druck der Gesellschaft einen Menschen in die Tiefe reißen kann, aber auch Mut macht, sich dem Leben wieder zu stellen!

Sabrina Küpper, Thalia-Buchhandlung Neu-Ulm

Es ist lange her das er sein Zimmer verlassen hatte. Seine Geschichte mit seiner großen liebe war genauso weg gesperrt wie er ... Es ist lange her das er sein Zimmer verlassen hatte. Seine Geschichte mit seiner großen liebe war genauso weg gesperrt wie er ...

Nina Aselmann, Thalia-Buchhandlung Hagen

Die Chronik zweier Leidenden, die sich auf einer Parkbank trafen. Der eine jung, der andere alt. Betörend, traurig, großartig. Die Chronik zweier Leidenden, die sich auf einer Parkbank trafen. Der eine jung, der andere alt. Betörend, traurig, großartig.

„Das Schicksal von Einzelgängern ausdrucksstark und heilend erzählt “

Irene Hantsche, Thalia-Buchhandlung Jena, Goethe-Galerie

Menschen, die aus der Gesellschaft „herausgefallen“ sind, sich dem Leben verweigern oder dem Leistungsdruck nicht mehr standhalten, gibt es nicht nur in Japan. Von zwei Außenseitern in diesem Land aber handelt dieses Buch der Halbjapanerin Flasar. In 114 Kapiteln erzählt uns die junge Autorin von zwei Menschen der japanischen Gesellschaft, die sich eher zufällig in einem Park begegnen. Mit großem Respekt und Feingefühl nähert sie sich insbesondere dem Icherzähler, dem zwanzigjährigen Mann, der seit zwei Jahren sein Zimmer kaum verlässt und den Kontakt zur Außenwelt vehement vermeidet. Zunächst zögernd und unbeholfen erzählt er Wochen nach dem ersten Treffen dem sehr viel älteren Mann „Krawatte“ bruchstückhaft aus seinem Leben, und „Krawatte“ wiederum berichtet von sich.
In sehr bildhafter und poetischer Sprache wird dem Leser in wenigen Worten das Schicksal von Einzelgängern in der Gesellschaft, von Menschen, die der Norm nicht entsprechen, sich unsichtbar machen und sich jeglicher Verantwortung entziehen, nahegebracht. Die Autorin erzählt von der Scham der Betroffenen, und am Rande auch von der Ohnmacht der Eltern im Umgang mit problematischen Jugendlichen.
Wir dürfen den Icherzähler auf seinen ersten Schritten zurück ins Leben begleiten. „Ich nannte ihn Krawatte“ ist ein berührendes, ausdrucksstarkes, heilendes und optimistisches Buch, dem ein großer Leserkreis zu wünschen ist.
Menschen, die aus der Gesellschaft „herausgefallen“ sind, sich dem Leben verweigern oder dem Leistungsdruck nicht mehr standhalten, gibt es nicht nur in Japan. Von zwei Außenseitern in diesem Land aber handelt dieses Buch der Halbjapanerin Flasar. In 114 Kapiteln erzählt uns die junge Autorin von zwei Menschen der japanischen Gesellschaft, die sich eher zufällig in einem Park begegnen. Mit großem Respekt und Feingefühl nähert sie sich insbesondere dem Icherzähler, dem zwanzigjährigen Mann, der seit zwei Jahren sein Zimmer kaum verlässt und den Kontakt zur Außenwelt vehement vermeidet. Zunächst zögernd und unbeholfen erzählt er Wochen nach dem ersten Treffen dem sehr viel älteren Mann „Krawatte“ bruchstückhaft aus seinem Leben, und „Krawatte“ wiederum berichtet von sich.
In sehr bildhafter und poetischer Sprache wird dem Leser in wenigen Worten das Schicksal von Einzelgängern in der Gesellschaft, von Menschen, die der Norm nicht entsprechen, sich unsichtbar machen und sich jeglicher Verantwortung entziehen, nahegebracht. Die Autorin erzählt von der Scham der Betroffenen, und am Rande auch von der Ohnmacht der Eltern im Umgang mit problematischen Jugendlichen.
Wir dürfen den Icherzähler auf seinen ersten Schritten zurück ins Leben begleiten. „Ich nannte ihn Krawatte“ ist ein berührendes, ausdrucksstarkes, heilendes und optimistisches Buch, dem ein großer Leserkreis zu wünschen ist.

„Ungleich gesellt sich gern!“

Saidjah Hauck, Thalia-Buchhandlung Köln, Rhein-Center

Zwei Männer begegnen sich auf einer Parkbank irgendwo in Japan. Sie könnten kaum unterschiedlicher sein: der Eine, jung, ein so genannter "Hikikomori", der sein Zimmer eigentlich nie verlässt, der Andere viel älter, ein "Salaryman" mit Anzug und gestreifter Krawatte. Erst grüßen sie sich zaghaft aber schon bald vertiefen sie sich in Gesprächen über das Leben im Allgemeinen und ihr Leben im Besonderen und freunden sich an. Wunderbares, tiefgründiges Kammerspiel, das berührt und zum Nachdenken anregt. Manche Passagen sind sprachlich und gedanklich so schön, dass man sie zwei mal liest. Einfach klasse! Zwei Männer begegnen sich auf einer Parkbank irgendwo in Japan. Sie könnten kaum unterschiedlicher sein: der Eine, jung, ein so genannter "Hikikomori", der sein Zimmer eigentlich nie verlässt, der Andere viel älter, ein "Salaryman" mit Anzug und gestreifter Krawatte. Erst grüßen sie sich zaghaft aber schon bald vertiefen sie sich in Gesprächen über das Leben im Allgemeinen und ihr Leben im Besonderen und freunden sich an. Wunderbares, tiefgründiges Kammerspiel, das berührt und zum Nachdenken anregt. Manche Passagen sind sprachlich und gedanklich so schön, dass man sie zwei mal liest. Einfach klasse!

„"Wunderbar!"“

Christina Andraschke, Thalia-Buchhandlung Erlangen, Arcaden

Vielen Dank an die junge japanisch-österreichische Autorin Milena Michiko Flasar für dieses wunderbare, schmale, literarische Büchlein. Es passiert sehr wenig, aber das Wenige hat mich sehr berührt. Ganz großartig! Meine erste "5-Sterne-Empfehlung" im neuen Jahr. Bitte lesen Sie selbst. Vielen Dank an die junge japanisch-österreichische Autorin Milena Michiko Flasar für dieses wunderbare, schmale, literarische Büchlein. Es passiert sehr wenig, aber das Wenige hat mich sehr berührt. Ganz großartig! Meine erste "5-Sterne-Empfehlung" im neuen Jahr. Bitte lesen Sie selbst.

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Kundenbewertungen

Durchschnitt
26 Bewertungen
Übersicht
23
3
0
0
0

Ich nannte ihn Krawatte
von einer Kundin/einem Kunden am 30.06.2015
Bewertet: eBook (ePUB)

Zwei japanische Verweigerer, gescheitert am Leistungsdruck und dem Normdenken der Gesellschaft, teilen sich eine Parkbank. Täglich treffen sich der junge Taguchi Hiro und der Geschäftsmann „Krawatte“ und beginnen sich ihre Vergangenheit anzuvertrauen. Allmählich entwickelt sich zwischen den beiden eine zarte Freundschaft, bis sie eines Tages einen Deal schließen…. Milena... Zwei japanische Verweigerer, gescheitert am Leistungsdruck und dem Normdenken der Gesellschaft, teilen sich eine Parkbank. Täglich treffen sich der junge Taguchi Hiro und der Geschäftsmann „Krawatte“ und beginnen sich ihre Vergangenheit anzuvertrauen. Allmählich entwickelt sich zwischen den beiden eine zarte Freundschaft, bis sie eines Tages einen Deal schließen…. Milena Michiko Flasar´s Roman ist teilweise sehr melancholisch, trostlos, aber auch voll Hoffnung und Mut. Lesenswert!

unbedingt lesen
von einer Kundin/einem Kunden am 08.03.2014

Beinahe täglich begegnen sich ein verwahrlost aussehender, junger Mann und ein sehr viel älterer Geschäftsmann im Park. Anfangs jeder für sich und ohne sich gegenseitig Beachtung zu schenken sitzen sie sich gegenüber. Irgendwann beginnen sie einander aus ihrem Leben zu erzählen. Die Parkbank wird tagsüber für beide zum Zufluchtsort. ......."Diese Bank,... Beinahe täglich begegnen sich ein verwahrlost aussehender, junger Mann und ein sehr viel älterer Geschäftsmann im Park. Anfangs jeder für sich und ohne sich gegenseitig Beachtung zu schenken sitzen sie sich gegenüber. Irgendwann beginnen sie einander aus ihrem Leben zu erzählen. Die Parkbank wird tagsüber für beide zum Zufluchtsort. ......."Diese Bank, auf der ich lernen sollte, dass nichts so bleibt, wie es ist..........Ich meine, es sind meine Augen, die zuallererst krank geworden sind. Mein Herz ist ihnen lediglich gefolgt. Und so saß ich in viel zu dünnem Gewand. Noch dünner die Haut, unter der ich fröstelte.".......... Unbedingt lesen - großes Leseerlebnis

Ich nannte ihn Krawatte
von Thomas Schneider aus Mannheim am 03.11.2012
Bewertet: Kunststoff-Einband

Ein jugendlicher Hikikomori bricht eines Tages aus seiner selbst auferlegten Isolation aus. In einem Park setzt er sich auf eine Bank. Tagelang beobachtet er nun auf einer gegenüberliegenden Bank einen älteren Herrn, der immer zur selben Zeit ankommt, den ganzen Tag an diesem Ort verbringt, dann immer zur selben... Ein jugendlicher Hikikomori bricht eines Tages aus seiner selbst auferlegten Isolation aus. In einem Park setzt er sich auf eine Bank. Tagelang beobachtet er nun auf einer gegenüberliegenden Bank einen älteren Herrn, der immer zur selben Zeit ankommt, den ganzen Tag an diesem Ort verbringt, dann immer zur selben Zeit geht. Irgendwann nickt der junge Einsame dem alten Einsamen zu, lädt ihn zu sich herüber ein. Aus einer ersten flüchtigen Unterhaltung wird in der Folge oberflächliche Bekanntschaft, schließlich enge Vertrautheit: Denn jeder erzählt dem anderen seine Geschichte. Flasar beschreibt zwei Individuen, die sich durch auffallendes Anderssein in einer Gesellschaft des zwanghaften Durchschnittlichseins verloren haben. Unterschiedlich in ihrer gesellschaftlichen Andersartigkeit sind sie doch gleich: Fremdbestimmt und schamhaft versteckt. Manche von Flasars Sätzen wirken wie melancholischen Tanka entlehnt, transportieren eine melodische Fremdartigkeit, die uns Europäern nur durch den kommunizierten Inhalt vertraut ist. Immer wieder verwendet sie dafür knappe Sätze, grammatikalisch unvollständig, die effektvoll Scham und Schweigenwollen ausdrücken. Mich beeindruckt an diesem Buch die schriftstellerische Fähigkeit zur erzählerischen Beschränkung auf Wesentliches. Sie führt dazu, dass Bedeutsames sich hier in Handlung und Buchumfang auf engem Raum abspielt und so der Großteil des verbleibenden Raums frei bleibt für die Gedanken und Gefühle der Leser.