Kette und Kreuz

Lust und Leiden vor 500 Jahren … Band 3 der Mittelalter-Trilogie von Gerwalt

9783936708691LeseprobeRüdiger seufzte. Er wusste, was Dorell trieb - die Anwesenheit Katharinas, von der sie offensichtlich auch von der Existenz seiner Peinkammer erfahren hatte.
Es schien ihm nicht der richtige Weg und auch nicht der richtige Zeitpunkt zu sein, aber Dorell abzuweisen wäre jetzt noch schlimmer gewesen.
»Gretlin soll heute bei Fronica schlafen«, sagte er. »Halte dich bereit, ich werde dich heute Abend holen.«
Dorell schmiegte sich an ihn, und er hielt sie fest im Arm. Sie zitterte. Er kommt in die Schlafkammer, und er ist ihr fremd. Ohne ein Wort nimmt er sie am Arm und führt sie die Stiege hinunter, über den Hof zum Kellerabgang, den er inzwischen wieder freigelegt hat. Sie folgt ihm die kalte Steintreppe hinunter, sie ist barfuß und nur im Hemd.
Das Gewölbe ist mit Fackeln erleuchtet, ein Kohlebecken glüht und wärmt den Raum. Sie sieht die Ketten und Foltergeräte, die sie nicht kennt, deren Zweck sie aber erahnt. Mit einem Ruck reißt er ihr das Hemd herunter. Er hat eine lederne Maske in der Hand, die er ihr nun aufsetzt und an ihrem Hinterkopf festschnallt. Dann hält er ihr ein Stück poliertes Metall vor, und sie sieht sich selbst, eine kleine, üppige Frau, nackt und mit einer Schweinemaske vor dem Gesicht.
»Sieh dich an!« Seine Stimme ist fremd, und sie klingt kalt. »Sieh dich an. Sieh, was du bist: nicht Dorell, nicht meine Frau - du bist ein Stück Fleisch. Ein Stück Fleisch, das gleich schreit.«
Er steckt ihr etwas in den Mund, und als er daran dreht, wird es immer weiter und drückt ihr die Zunge in den Unterkiefer und presst oben gegen den Gaumen. Sie gurgelt.
»Es gibt kein Zurück, Hurenfleisch. Jetzt nicht mehr.«
Er hat sie gepackt und kettet sie zwischen zwei Säulen, mit gespreizten Armen und Beinen. Ihr wird schwindelig vor Anspannung, fast sehnt sie den ersten Schlag herbei, aber sie hat Angst. Als der Schlag dann kommt, ist er von brutaler Härte, das Leder der Peitsche beisst sich in ihren Rücken, und sie schreit. Er peitscht sie ohne Rücksicht, und bald ist sie heiser. Sie will ihm dienen, und sie will ihm doch alles geben, was er braucht. Aber sie weiß jetzt, dass sie ihm nicht genügen kann; sie wird es nicht aushalten. Sie ist verzweifelt. Doch die Mundpflaume verhindert, dass sie um Gnade bettelt, und die Maske verdeckt ihre Tränen. Sie hat keine Wahl.
[Nach seinem Ritterschlag und in seiner neuen, mühsam wiederaufgebauten Burg überfällt ihn nach der »Einweihungsparty« der Puller von Hohenheim, der mächtige Rivale:] Sie hatten ihre Dorfbewohner auf die neu aufgebaute Burg eingeladen. Rüdiger hatte ein Reh, ein paar Wildschweine und Fasane erlegt, die Frauen hatten Brot gebacken und Suppe gekocht.
Da es immer noch sommerlich warm war, hatten sie die Tafel in dem kleinen Hof der Kernburg aufgebaut, wo auch das Feuer brannte, auf dem sich die Wildstücke auf dem Spieß drehten, eine Aufgabe, bei der sich Mertlin und Rudolf gewissenhaft abwechselten.
Die wenigen Bauern und Bäuerinnen sahen die Burg mit großen Augen an und mit nicht weniger großen die Burgbewohner. Rüdiger hatte seine Dreiviertelrüstung aus dem Schwabenkrieg angelegt und sah hinreichend kriegerisch aus, Katharina wie immer so elegant wie Dorell liebreizend. Fronica hingegen wirkte furchterregend tüchtig, aber sie ließ keine Befangenheit aufkommen, sondern bewirtete die Bauern zuvorkommend und mit großzügigen Portionen. Rüdiger hatte genug Wein gekauft, aber er selbst hielt sich mit dem Trinken zurück.
Die Dorfbewohner waren da weniger zurückhaltend - es schien, als ob gerade eine große Last von ihnen abfiel, und sie aßen und tranken, bis sie schließlich einer nach dem anderen von den Bänken sanken. Rüdiger lächelte Dorell zu, und spät in der Nacht gingen sie endlich in ihre Schlafkammer. Sie waren beide sehr müde und schliefen sofort ein.
Am nächsten Morgen, kurz vor Sonnenaufgang, wurden sie angegriffen. Rüdiger wachte auf, weil die Hunde anschlugen. Diese waren - wie immer nachts - in der Vorburg eingeschlossen, die jetzt menschenleer war. Ein verirrter Bauer aus der Burg konnte die Hunde kaum geweckt haben, denn die Zugbrücke zwischen Kern- und Vorburg war - wie jede Nacht - hochgezogen. Das Bellen brach in einem schrillen Heulen ab, dann brüllte jemand auf. Einer der Hunde musste zugebissen haben. Rüdiger sprang aus dem Bett. »Weck Katharina und Fronica und holt die Arkebusen. Es ist soweit.«
Dorell rannte los. Rüdiger griff sein Schwert und die Jagdarmbrust und hetzte zum Torturm hinauf. Er betete, dass kein Bauer dem Feind das Tor öffnen würde, aber diejenigen, die er sehen konnte, schliefen friedlich ihren Rausch aus.
Oben auf der Plattform spannte er die Armbrust und spähte hinunter. Zuerst konnte er nichts Ungewöhnliches erkennen, doch dann sah er, wie ein Schatten in den Halsgraben unterhalb der Zugbrücke glitt. Er überlegte, ob er gleich schießen sollte, doch dann beschloss er, noch zu warten. So schnell würden sie die hohen Mauern nicht überwinden können. Dorell kam mit zwei Arkebusen in der Hand auf die Plattform. Auch Mertlin war bei ihr. »Sind die anderen auf ihren Plätzen?« Mertlin nickte. »Sag ihnen, sie sollen noch nicht schießen. Ich gebe das Zeichen, wenn möglichst viele von den Kerlen aus der Deckung sind. Sag zuerst Fronica Bescheid, dann geh zu deiner Mutter auf die Schildmauer und bleib bei ihr. Sie kann dort oben sicher Unterstützung gebrauchen.«
Mertlin huschte davon.
Dorell gab Rüdiger eine der Arkebusen in die Hand. Die Lunte glimmte bereits. Er dankte ihr mit einem Lächeln.
Weitere Schatten huschten in den Graben, eine Sturmleiter mit sich ziehend. Einer verschwand im Haus gegenüber der Schildmauer, und nach einer Weile öffnete sich dort ein Fensterladen. Der Schütze im Haus sollte den anderen vermutlich Feuerschutz geben, Rüdiger glaubte erkannt zu haben, dass er einen Bogen getragen hatte. Somit würde er relativ schnell schießen können, aber kaum zu Katharina oben auf der Schildmauer hinaufreichen, und Fronica hinter ihrer Schießscharte war ebenfalls sicher vor seinen Pfeilen. Ein Mann war etwas entfernt in der Vorburg stehen geblieben, vermutlich der Puller selbst, um den Überblick zu wahren. Vielleicht kann Fronica ihn erwischen, dachte Rüdiger.
Als die Männer im Graben versuchten, die Sturmleiter aufzurichten, brüllte Rüdiger: »Arnsberg schießt!«, und die Arkebusen donnerten alle fast gleichzeitig los. Ein Schrei aus dem Graben zeigte an, dass es dort unten zumindest einen Treffer gegeben hatte. Unter den Angreifern brach ein Chaos aus. Die Leiter stürzte um, Kriegsknechte versuchten, so schnell als möglich zurück in die Vorburg zu gelangen. Der Bogenschütze schoss Pfeil um Pfeil ab, die jedoch wirkungslos über die Brüstung des Torturmes pfiffen. Rüdiger stellte die Arkebuse weg und griff nach der Armbrust. Er schickte den Flüchtenden einen Bolzen nach und registrierte mit Genugtuung, dass dieser einem der Angreifer in den Rücken fuhr. Dorell lud ihre Arkebuse, dann die Rüdigers. »Schieß auf den Schützen hinter dem Fenster«, sagte Rüdiger, und legte selbst an. Oben von der Schildmauer aus donnerte es ein zweites Mal, und Rüdiger sah, dass die Kugel in der Fachwerkwand einschlug. Katharina hatte den Schützen also ebenfalls registriert. Rüdiger schickte seine Kugel hinterher, dann Dorell. Wieder lud Dorell die Feuerwaffen, während Rüdiger die Armbrust spannte und wartete, dass sich ein Gegner zeigte. Von unten aus der Schießscharte donnerte es; Fronica hatte wohl eine Bewegung gesehen. Rüdiger spähte in die Richtung von Fronicas Schussfeld, aber er konnte nichts erkennen. Die Minuten verrannen, doch es geschah nichts mehr. Rüdiger ging in das Palais zurück, an den verkaterten und verstörten Bauern vorbei, und legte seine Rüstung an. Er pfiff nach Mertlin, und der erschien auch prompt. »Sag den Frauen, dass ich denke, die Kerle haben sich zurückgezogen. Ich gehe raus und sehe nach. Sie sollen auf alles schießen, was sich dort draußen bewegt, nur nicht auf mich. Und sie sollen die Fenster im Auge behalten. Hast du das verstanden, Mertlin?«
Der Junge nickte und wiederholte, was Rüdiger gesagt hatte. Dann rannte er los.
Rüdiger ging zu Fronica und bat ihr, ihm zu folgen und die schmale Zugbrücke wieder hinter ihm hochzuziehen.
Dann zog er sein Schwert und trat auf die Vorburg hinaus.
Alles blieb ruhig. Er ging zu dem Gebäude gegenüber dem Halsgraben, wo sich der Bogenschütze verschanzt hatte - aber auch dort blieb es still. Rüdiger trat durch die aufgesprengte Tür in das Innere. Zuerst fand er den Kadaver des Rottweilers, der seine Wachsamkeit mit dem Leben bezahlt hatte. Aber auch der Bogenschütze war tot, die Brust durch eine Arkebusenkugel zerschmettert. Es war Linhardt, der Knappe des Pullers.
Rüdiger ging wieder hinaus. Er durchsuchte nun die Vorburg, aber von den Angreifern war nichts mehr zu sehen - außer reichlichen Blutspuren.
Der Stall war nicht angetastet; dort fand er auch die Hündin, die lahmte und offensichtlich verletzt war. Er strich dem Tier sacht über den Kopf, dann kehrte er in die Kernburg zurück. Dort erhob sich Geschrei unter den Bauern, und als Rüdiger ins Tal hinunter sah, erkannte er auch, warum. Einer der Bauernhöfe brannte. Rüdiger stieß einen Fluch aus. »Stellt eine Wache auf!«, sagte er barsch und zog sich in seine Schlafkammer zurück. Nach etwa einer Stunde kam er wieder heraus, umarmte Katharina, Fronica und Dorell und küsste sie, dann packte er Mertlin an den Schultern. »Du bist ein feiner Kerl, Mertlin. Du hast uns heute wahrlich keine Schande gemacht.«
Er nahm sich eine Schaufel und grub ein Grab für den getöteten Knappen etwas abseits der Burg. Den Hund begruben sie in der Vorburg, und Gretlin schmückte sein Grab mit Blumen. Sie weinte bitterlich.
Gegen Mittag wagten sich die Bauern schließlich wieder in das Dorf zurück; das abgebrannte Haus war ein leerstehendes gewesen, aber die Warnung war unübersehbar.
Rüdiger fühlte ihre ohnmächtige Wut und ihre Enttäuschung über seine Machtlosigkeit nur allzu deutlich, und er lächelte grimmig.
Er sprach nicht viel, und am nächsten Tag zog er sein Kettenhemd an und sein altes, rotes Gewand darüber, damit man es nicht sehen konnte. »Wenn ich in drei Tagen nicht zurück bin, dann verlasst Ihr die Burg und geht zu Otilia«, sagte er zu Dorell und küsste sie sanft auf die Stirn. Dorell kannte ihn gut genug, um ihn nicht zu fragen, was er vorhatte. Sie wusste, er würde ihr keine Antwort geben.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 164
Erscheinungsdatum 30.06.2010
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-936708-69-1
Verlag Marterpfahl
Maße (L/B/H) 21,1/14,8/1,2 cm
Gewicht 246 g
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