Lieutenant Gustl

Novelle

Reclam Universal-Bibliothek 18156

(2)
»Dummer Bub.« Diese beiden Worte, ausgesprochen von einem Bäcker, genügen, um Lieutenant Gustl zu vernichten. Seine Ehre ist nicht wieder herzustellen, denn sein Kontrahent ist nicht satisfaktionsfähig. Den Tod als einzigen Ausweg vor Augen irrt Gustl durch die Straßen Wiens. Arthur Schnitzlers als innerer Monolog gestaltete Novelle gibt unmittelbaren Einblick in das Bewusstsein des (Anti-)Helden, der von Standesdünkel und Vorurteilen gesteuert den autoritären Charakter der späten Habsburgermonarchie verkörpert.
Rezension
Den österreichischen Schriftsteller Arthur Schnitzler (1862 bis 1931) habe ich früh als Dramatiker schätzen gelernt. Seine Stücke "Liebelei" und "Reigen", die einst Skandal machten, tauchen noch heute immer wieder auf den Spielplänen auf. Aber auch als Erzähler sind Schnitzler Meisterstücke von erstaunlicher Modernität gelungen, darunter zwei Novellen, die durch den so genannten inneren Monolog den klassischen Erzähler zum Verschwinden bringen: Die Ich-Figuren "Lieutenant Gustl" und "Fräulein Else" teilen gleichsam ihr unmittelbares gegenwärtiges Erleben mit und bringen Inhalte zur Sprache, die dem Bereich des Unbewussten oder Vorbewussten angehören. (...) Beide Novellen - ästhetisch, psychologisch und sozialgeschichtlich gleichermaßen gewichtig - sind jetzt in Reclams Universalbibliothek neu erschienen, mit ausführlichen Nachworten; zu "Fräulein Else" liegt außerdem ein Band mit "Erläuterungen und Dokumenten" vor. Dies ermöglicht eine intensive Lektüre der Texte, weist auf Feinheiten hin und gibt Antworten auf Fragen, die uns (geben wir′s nur zu) beim "normalem" Lesen gar nicht einfallen würden. Frankenpost Da es bis heute weder eine historisch-kritische noch eine kritische Ausgabe der Werke Schnitzlers gibt, ist es ein wirkliches Verdienst des Reclam Verlags, die paradigmatische Erzählung in der originalen Textgestalt des Erstdrucks von 1901 wieder zugänglich gemacht zu haben. Der sorgfältigen Neuedition durch die Schnitzler-Spezialistin Konstanze Fliedl sind hilfreiche Stellenkommentare zum Text und ausführliche Literaturhinweise beigegeben (besorgt von Evelyne Polt-Heinzl) Das kenntnisreiche Nachwort der Herausgeberin lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers auf Aspekte in Schnitzlers programmatischem Erzähltext, die eine erneute Lektüre zu einem spannenden Ereignis werden lassen. Basler Zeitung
Portrait
Arthur Schnitzler (15. 5. 1862 Wien – 21. 10. 1931 ebd.) studierte ab 1879 Medizin in Wien mit anschließender Promotion und arbeitete als Arzt und Assistent seines Vaters; nach dem Tod des Vaters hatte er eine eigene Praxis. Daneben betrieb er mehr und mehr seine schriftstellerische Tätigkeit. Schnitzler ist einer der bedeutendsten Vertreter der Wiener Moderne um 1900. Das Unbewusste und Motive des Fin-de-Siècle-Lebensgefühls bestimmen seine psychologische Darstellungskunst.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Herausgeber Konstanze Fliedl
Seitenzahl 101
Erscheinungsdatum 01.01.2001
Serie Reclam Universal-Bibliothek 18156
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-018156-0
Verlag Philipp Reclam Jun.
Maße (L/B/H) 150/100/6 mm
Gewicht 57
Verkaufsrang 7.904
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12 Stunden im Leben des Leutnant Gustl
von Mario Pf. aus Oberösterreich am 27.09.2005

Arthur Schnitzlers einst heftig umstrittenes Werk Lieutenant Gustl ist eines jener Bücher, die im Nachhinein, wie jetzt an die 100 Jahre danach, sehr seltene und authentische Einblicke in die Welt von Gestern erlauben. Dem kommt zugute, dass Lieutenant Gustl sich des Monologs bedient und so ist der Buchtitel Programm.... Arthur Schnitzlers einst heftig umstrittenes Werk Lieutenant Gustl ist eines jener Bücher, die im Nachhinein, wie jetzt an die 100 Jahre danach, sehr seltene und authentische Einblicke in die Welt von Gestern erlauben. Dem kommt zugute, dass Lieutenant Gustl sich des Monologs bedient und so ist der Buchtitel Programm. Der Leser wird unweigerlich in die Welt des Lieutenant Gustl entführt und man fühlt sich in den Protagonisten hineinversetzt. Rückwirkend bedeutet dies, dass man die damalige Welt eben durch die subjektive Sichtweise des Lieutenant Gustl wahrnimmt. Diese tiefen Einblicke in die Lebensweise und Lebensphilosophie eines jungen Habsburgeroffiziers namens Gustl schildern ungefähr einen Ablauf von 12 Stunden. Dabei durchläuft Gustl einen geistigen und emotionalen Wandel, von Langeweile, über Wut, bis zu Selbstmordgedanken. Doch auch die Wirkung eines „eine Nacht darüber schlafen“ kommt in dem Entwicklungsprozess Gustls zum Tragen. Diese Moral von der Geschicht geht jedoch über eine bloße Moralpredigt hinaus, sie verkörpert vielmehr genau jenen Prozess den viele Menschen durchaus schon an sich selbst beobachtet haben. Kurzum: Lieutenant Gustl ist ein Monolog der den Rahmen einer Schilderung von Gedanken sprengt und gleichzeitig einen deutlich erkennbaren Entwicklungsprozess im Verlauf von 12 Stunden zeigt. Erwähnenswert ist hierbei auch noch, dass die sprachliche Gestaltung des Werkes sich durchaus noch an die der Originalausgabe hält (Also nicht wegen der Schreibweise wundern).

Herrliche Wiener Suderei
von Daniela Ammann aus Wien am 06.02.2013

Lieutnant Gustl besucht ein Oratorium im Musikverein. Die Karten hat er von einem Kollegen geschenkt bekommen, jedoch gefällt es ihm nicht wirklich. Er findet es langweilig und schweift immer wieder mit den Gedanken ab. Er will so schnell wie möglich raus und gerät dadurch in eine Konfrontation mit dem... Lieutnant Gustl besucht ein Oratorium im Musikverein. Die Karten hat er von einem Kollegen geschenkt bekommen, jedoch gefällt es ihm nicht wirklich. Er findet es langweilig und schweift immer wieder mit den Gedanken ab. Er will so schnell wie möglich raus und gerät dadurch in eine Konfrontation mit dem Bäckermeister bei der Garderobe. Gustl ist dem sehr großen Bäckermeister ausgeliefert und kann nichts machen als dieser seinen Säbel packt und ihn in seine Schranken weist. Daraufhin beginnt Gustls Wanderung durch Wien. Allein mit seinen Gedanken. Er spielt das Szenario im Kopf immer wieder durch und versucht eine Lösung zu finden. Doch er landet immer beim selben Schluss: er muss sich selbst töten und alle anderen sind Schuld. Während er letzte Verfügungen durchgeht und doch noch einen Ausweg zu finden, schläft er auf einer Parkbank im Prater ein. Als er erwacht ist es Früh und er führt seinen Monolog fort. Schließlich geht er ins Kaffeehaus um zu frühstücken bevor er sich erschießt. Dort erfährt er, dass der Bäckermeister vom Schlag getroffen wurde und gestorben ist. Gustl ist glücklich, dass er sich nun doch nicht umbringen muss. Ein wahrlich großartiges Werk der österreichischen Literatur von Schnitzler zudem ausgezeichnet editiert von der Schnitzler-Expertin Konstanze Fliedl.


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