Lügen über meinen Vater

Ausgezeichnet mit dem Corine - Internationaler Buchpreis, Kategorie Belletristik 2011

(7)
Eine Geschichte von alttestamentarischer Wucht

Der Vater war ein Nichts. Als Säugling auf einer Türschwelle abgelegt. Zeitlebens erfindet sich John Burnsides Vater in unzähligen Lügen eine Herkunft, will Anerkennung und Bedeutung. Er ist brutal, ein Großmaul, ein schwerer Trinker, ein Tyrann. Seine Verachtung zerstört alles, die Mutter, die Familie, John. Dieser hat als junger Mann massive Suchtprobleme, landet in der Psychiatrie und erkennt schließlich in den eigenen Exzessen den Vater. Erst die Entdeckung der Welt der Literatur eröffnet ihm eine Perspektive.

Nur einem Autor vom Kaliber John Burnsides kann es gelingen, eine solche, auch noch autobiographische Geschichte in Literatur zu überführen. So ist dieses Buch ein radikal wahrer Blick in die menschlichen Abgründe und zugleich eine Feier der Sprache.

Portrait
John Burnside, geb. 1955 in Schottland, ist einer der profiliertesten Autoren der britischen Gegenwartsliteratur. Der Lyriker und Romancier wurde vielfach ausgezeichnet. 2012 erhielt er den Spycher: Literaturpreis Leuk.
Bernhard Robben, geboren 1955, war nach dem Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie als Deutschlehrer in Nordirland tätig. Seit 1986 arbeitet der Spezialist für irische und angelsächsische Literatur als freier Übersetzer und Journalist. Nebenbei ist er ehrenamtlicher Bürgermeister von Brunne, wo er seit 1992 mit seiner Familie lebt. 2003 wurde er für die Übersetzung des Romans "Abbitte" von Ian McEwan und für sein Lebenswerk mit dem Übersetzerpreis der Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW ausgezeichnet. 2013 wurde Bernhard Robben mit dem "Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis" für sein literarisches Lebenswerk auf dem Gebiet der Übersetzung aus dem Englischen gewürdigt.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 384
Erscheinungsdatum 09.01.2017
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-328-10172-7
Verlag Penguin Verlag
Maße (L/B/H) 18,6/11,8/3 cm
Gewicht 314 g
Originaltitel A Lie about my Father
Übersetzer Bernhard Robben
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Kundenbewertungen

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unbedingt lesen
von einer Kundin/einem Kunden am 22.05.2013
Bewertet: eBook (ePUB)

Es gibt Menschen, die machen andere Menschen klein und es gibt Menschen, die machen andere größer. Der Vater von John Burnside gehört der ersten Kategorie an. Als schwerer Alkoholiker terrorisiert und quält er seine Familie mit unvorstellbarer Härte, Kälte und Brutalität. Schon als kleiner Junge wird John mitten in der... Es gibt Menschen, die machen andere Menschen klein und es gibt Menschen, die machen andere größer. Der Vater von John Burnside gehört der ersten Kategorie an. Als schwerer Alkoholiker terrorisiert und quält er seine Familie mit unvorstellbarer Härte, Kälte und Brutalität. Schon als kleiner Junge wird John mitten in der Nacht von seiner Mutter gewarnt, damit er sich rechtzeitig durchs Fenster vor seinem Vater in Sicherheit bringen kann. Seiner Mutter gelingt es in all den Jahren nicht sich von ihrem gewalttätigen Mann zu trennen. Als Teenager rutscht John selbst in die Abhängigkeit von Drogen. Außer Kontrolle wirft er wahllos ein was er in die Hände bekommt. Als er eines Tages überdosiert, verliert er beinahe sein Leben. Er wird in die Psychiatrie eingewiesen. Es wird ein schwerer Weg heraus aus der Abhängigkeit, ein schwerer Weg heraus aus den selbstzerstörenden Erinnerungen. Es sind unvorstellbare Bilder, die dieser Roman hervorruft. Großartig. Unbedingt lesen.

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Ich verbeuge mich vor Burnside, dem es gelingt,aus einer derartigen Kindheits- und Jugenderfahrung, die nur um Haaresbreite an der Vernichtung vorbeigeht, funkelnde Literatur zu schlagen. Die Energie des sprachlichen Gestus ist atemberaubend. Diese Geschichte wirft den Leser in einen Mahlstrom des Erlebens und Empfindens, in eine gefährliche Hingabe an... Ich verbeuge mich vor Burnside, dem es gelingt,aus einer derartigen Kindheits- und Jugenderfahrung, die nur um Haaresbreite an der Vernichtung vorbeigeht, funkelnde Literatur zu schlagen. Die Energie des sprachlichen Gestus ist atemberaubend. Diese Geschichte wirft den Leser in einen Mahlstrom des Erlebens und Empfindens, in eine gefährliche Hingabe an ein schonungsloses, großes und tief bewegendes Erzählen, einen Tornado der Sprache, aus dem man anders hervorkommt, als man hineingegangen ist.

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Alkohol, Härte, Egozentrik, Lüge und Betrug, das ist, wie sich im Leben der Familie diese innere Haltung des Vaters ganz praktisch darstellt, die den Sohn angewidert, ohne Mitleid und voller Hass zurücklässt. Gefühle, die er wohlweislich dem Vater gegenüber nicht zeigt, doch die sich im Leben irgendwann einmal mit... Alkohol, Härte, Egozentrik, Lüge und Betrug, das ist, wie sich im Leben der Familie diese innere Haltung des Vaters ganz praktisch darstellt, die den Sohn angewidert, ohne Mitleid und voller Hass zurücklässt. Gefühle, die er wohlweislich dem Vater gegenüber nicht zeigt, doch die sich im Leben irgendwann einmal mit Wucht Bahn brechen werden. Gefühle gegenüber einem Vater, der ebenso als Kind bereits nicht gewollt war, der als Säugling vor einer fremden Tür abgelegt wurde und Zeit seines Lebens nach Anerkennung giert. Den auch ein schwerer Unfall und die darauf folgende Anteilnahme der anderen innerlich nicht weicher macht. Da ist einer, der einfach am "Rande der Dunkelheit steht und sich unbeobachtet glaubt". Am Rande einer inneren, menschlichen Dunkelheit. Schonungslos erzählt John Burnside bildhaft, schmerzhaft die tiefsten Abgründe der Gefühle und der Gewalt, auch gegen sich selbst,offenlegend und mit erzählerischer Wucht. Es gibt für den aufwachsenden John kein Entrinnen. Er ist es, der an der Bürde scheitern muss, an der er zum Teil innerlich zerbricht. Eine Mutter, die kein Gegengewicht zu bilden vermag, eine Schwester, die vom Vater kaum wahrgenommen wird und eben er, der früh lernt, seine wirklichen Gefühle tunlichst zu verbergen, denn Rücksicht kennt der Vater nicht, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. Wie spürbar schmerzlich, als Leser mit zu erleben, wie zu diesem Verbergen auch die Gefühle der Liebe gehören, die so gar keinen Widerhall finden, die das Kind so unglaublich mit sich allein lassen. Sogar ohne großen Anlass agiert dieser Vater, lässt Burnside auf jeder Seite den Leser daran teilhaben, wie ein unberechenbarer Vater vor allem eines verfolgt, sein bisschen kümmerliche Dominanz an denen auszulassen, wo eine Gegenwehr nicht möglich ist. Ohmacht ist es, völlige Ohnmacht prägte das innere Erleben des John Burnside zu jenen Zeiten. Eine Ohnmacht, die Burnside in solcher Klarheit zu schildern versteht, dass man das Buch einfach nicht aus der Hand legen kann. Es gehört Mut dazu, diese autobiographische Geschichte zu schreiben und auch sich selbst in seiner eigenen Schwachheit und Problematik vor den Augen der Welt offen zu legen und es gehört ein tiefes, schriftstellerisches Talent dazu, diese Lebensgeschichte in genau dieser radikalen und wahren Sprache schreiben zu können, die dem Leser Satz für Satz im Innersten mitnimmt und in das eigene Leben eindringt.