Neue Wirtschaftspolitik

Was Europa aus Japans Fehlern lernen kann

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Im Jahr 1990 erlebte Japan eine nie gekannte Wirtschaftskrise. Binnen Jahresfrist verlor der Nikkei-Index über 40 Prozent. Die fallenden Börsen schlugen bis auf den Immobilienmarkt durch. Banken sperrten Kredite, Firmen mussten Insolvenz anmelden, Grundstückspreise fielen, bis sie 1996 in den Städten 50 Prozent unter den Höchstwerten vor 1990 lagen. Noch heute spürt Japan die Folgen dieser Krise. Richard A. Werner war über ein Jahrzehnt in Japan und erlebte hautnah das Entstehen dieser Krise und die Versuche, die Rezession zu bekämpfen, mit. In seinem Werk zieht er die Parallelen zwischen der damaligen Situation in Asien und unserer heutigen in Europa. Er zeigt, mit welchen politischen und wirtschaftlichen Strategien, Japan der damaligen Situation Herr zu werden versuchte, welche Fehler gemacht wurden und was erfolgreich war.
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Produktdetails

Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 496
Erscheinungsdatum 02.07.2007
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-8006-3247-3
Verlag Franz Vahlen
Maße (L/B/H) 248/170/34 mm
Gewicht 959
Abbildungen XX, mit Abbildungen 25 cm
Auflage 1
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38,00
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Die Macht der Allokateure
von Kai Ruhsert am 23.12.2008

Nicht Deregulierung und Liberalisierung, sondern eine ausreichende und zielgerichtete Bankkreditversorgung ist Richard Werner zufolge Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand. Die Hauptverantwortung für Spekulationskrisen und Rezessionen sieht er bei den Zentralbanken. Seine Thesen scheinen außergewöhnlich solide empirisch fundiert zu sein. So muss ausnahmslos jede Annahme sich empirischen Tests unterziehen. Viele... Nicht Deregulierung und Liberalisierung, sondern eine ausreichende und zielgerichtete Bankkreditversorgung ist Richard Werner zufolge Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand. Die Hauptverantwortung für Spekulationskrisen und Rezessionen sieht er bei den Zentralbanken. Seine Thesen scheinen außergewöhnlich solide empirisch fundiert zu sein. So muss ausnahmslos jede Annahme sich empirischen Tests unterziehen. Viele Aussagen der traditionellen Ökonomie (der angebots- wie der nachfrageorientierten) scheitern daran und stellen sich als Irrtümer heraus. Zur Erklärung der Wirtschaftskrise im Japan der Neunziger entwickelt Richard Werner recht ungewöhnliche Hypothesen. Im Mittelpunkt des Buches steht die ökonometrische Gewinnung eines Wachstumsmodells auf Basis der japanischen Wirtschaftsdaten. Ein iterativer Granger-Kausalitätstest ergibt, dass weder das Geldangebot noch die kurz- oder langfristigen Zinssätze Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben. Als signifikant erweist sich nur die Bankkreditschöpfung für BIP-relevante Investitionen. Der Bankkreditmarkt jedoch ist ein rationierter Anbietermarkt; einen markträumenden Gleichgewichtspreis als Ergebnis von Angebot und Nachfrage gibt es bei Bankkrediten nicht. Das Volumen an ausgebrachten Krediten hängt nicht von der Nachfrage der Kreditnehmer, sondern von der Risikobereitschaft der Banken und von ihren Refinanzierungsmöglichkeiten ab. Letztere werden von der Zentralbank bestimmt, die somit über ein mächtiges Werkzeug verfügt: Sie kann die Bankkreditschöpfung unabhängig vom Zinsniveau regulieren. Staatliche Konjunkturprogramme ohne erhöhte produktive Bankkreditschöpfung müssen wegen eines Kapitalverdrängungseffekts fehlschlagen. Denn wenn Investitionen nicht aus Bankkrediten finanziert werden, wird bloß vorhandenes Kapital von einer Verwendung ab- und in eine andere umgelenkt; das jedoch schafft keine neue Kaufkraft, keinen Nachfrageschub und kein Wachstum. Richard Werner sieht die Ursachen für Bankenkrisen in einer Fehlsteuerung durch die Zentralbanken sowie in einer unzureichenden Regulierung der Kreditvergabe. Die Praxis der Kreditschöpfung folge nur noch den betriebswirtschaftlichen Einzelinteressen der Banken und nicht mehr den gesamtwirtschaftlichen Notwendigkeiten. Staatliche Eingriffe in die Geschäftspolitik der Geschäftsbanken seien daher zwingend notwendig (wie z.B. in Japan lange Zeit erfolgreich praktiziert). Richard Werner entwickelt Grundlagen für ein neues Verständnis der Wirkungen von Geld- und Fiskalpolitik. Seine Argumentation zeichnet sich durch Klarheit und Stringenz aus. Grundkenntnisse in angewandter Statistik sind an manchen Stellen des Buches hilfreich, um Details der empirischen Untersuchungen nachvollziehen zu können; doch auch wer darauf verzichtet, darf sich auf eine interessante und teilweise geradezu spannende Lektüre freuen.


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