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Roppongi

Requiem für einen Vater

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„Als ich mich vor drei Jahren mit meiner Familie in Tokio aufhielt, wo wir im Stadtteil Roppongi wohnten, starb im Alter von 99 Jahren mein Vater, der mir ein Jahr vor seinem Tod in einem kurzen, aber dramatischen Telefonmonolog mitteilte, daß, wenn es soweit sei, ich nicht zu seinem Begräbnis kommen solle.“
»In Roppongi erinnert sich der Georg-Büchner-Preisträger 2008 an seinen im biblischen Alter verstorbenen Vater. Es ist ein „Gedenkmonument nachgetragener Liebe. Das ‚Requiem für einen Vater’ besitzt die Gnade der Leichtigkeit, hat jene Musikalität der Satzperioden und die von Ilse Aichinger an Winkler gerühmte ‚fanatische Genauigkeit’, die einen Schreibenden zum Dichter werden lassen. ‚Ja, Vater, mach’s gut’, vernehmen wir da als Nachruf, ‚ich wünsche dir eine gute Reise’.« Ulrich Weinzierl in seiner Laudatio auf den Georg-Büchner-Preisträger
Portrait
Josef Winkler, geb. am 3.3.1953 in Kamering bei Paternion in Kärnten. Nach der Volksschule besuchte er drei Jahre lang die Handelsschule in Villach. Nachdem er zunächst im Büro einer Oberkärntner Molkerei beschäftigt ist, besuchte er die Abendhandelsakademie in Klagenfurt und arbeitete tagsüber im Betrieb eines Verlags, der Karl-May-Bücher produziert, seit 1971 dann in der Verwaltung der neuen Hochschule für Bildungswissenschaften in Klagenfurt. In seiner Freizeit besuchte er germanistische und philosophische Vorlesungen. Seit 1982 ist Josef Winkler freier Schriftsteller. Er lebt derzeit in Klagenfurt. 2008 erhielt Josef Winkler den Georg-Büchner-Preis.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 130
Erscheinungsdatum 07.12.2009
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-46140-2
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 192/117/15 mm
Gewicht 114
Auflage 1
Buch (Taschenbuch)
7,00
inkl. gesetzl. MwSt.
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Prosaische Vergeichsstudie zu Tod und Brauchtum
von Herbert Huber aus Wasserburg am Inn am 06.11.2010

Josef Winkler weilt mit Familie in Japan, genauer: in Roppongi, einem Stadtteil Tokios, da ereilt ihn die Nachricht vom Tod seines 99-jährigen Vaters im fernen Kärnten. Dieser hatte ihm ein Jahr zuvor die Teilnahme an seinem Begräbnis telefonisch untersagt. Zu sehr hatte der sperrige Sohn die Rituale, Brauchtum und... Josef Winkler weilt mit Familie in Japan, genauer: in Roppongi, einem Stadtteil Tokios, da ereilt ihn die Nachricht vom Tod seines 99-jährigen Vaters im fernen Kärnten. Dieser hatte ihm ein Jahr zuvor die Teilnahme an seinem Begräbnis telefonisch untersagt. Zu sehr hatte der sperrige Sohn die Rituale, Brauchtum und Gepflogenheiten seiner Heimat bezweifelt, ja, abgelehnt.; in seinen Werken blossgestellt. Das nutzt Josef Winkler zu einer langen Suada – er nennt es im Untertitel "Requiem für einen Vater", wohlgemerkt, für einen Vater – über den Tod in verschiedenen Kulturen. Ein Vergleich religiöser Bräuche wird gleich eingeschlossen. So wie die Muslime nach Mekka und Medina pilgern, die Christen nach Lourdes, Me?ugorje und Santiago de Compostela, so reisen die Hindus nach Varanasi am Ganges (früher Benares genannt) und pflegen dort ihre – für uns – sonderbaren Todesbräuche. Winkler wandert mit dem Notizbuch an den Ganges und schildert das Geschehen in epischer Fülle. An der richtigen Stelle, das ist weit hinten in dem kurzen Text (bei späteren Auflagen prangt "Novelle" im Untertitel), nachdem den Lesern die haarsträubenden Rituale der Christen und Hindus vor Augen geführt wurden, kommt ein Hauptargument fürs Christentum aus dem Mund des Vaters (verkürzt): „Der Mensch braucht einen Halt“ (S. 154). Es hat für den aufmerksamen Leser keine Kraft mehr. Wenn das Christentum Halt gibt, dann auch der Hinduismus. Inzwischen wurde durch viele Verhaltensweisen der Katholiken in Kärnten bis hin zum häufigen Freitod klar: Das Christentum gibt keinen verläßlichen Halt. Da kann auch die Verwendung von Gold und Blattgold im Hinduismus wie im Katholizismus nicht mehr kaschieren. An die Nieren ging mir dies (doch nicht nur dieses): „stieß das katholische Pärchen, unmittelbar nach einem Gottesdienst mit noch unverdautem Leib Christi in ihrem Magen, mit einem Besenstiel ein Schwalbennest unter der Dachrinne vom Hausbalkon. Zwei, drei Tage lang flatterte eine Schwalbenmutter immer wieder, schreiend und jammernd, vor dem Balkon, an den Fenstern meines Schreibzimmers vorbei.“ (S. 89-90) Durch zahlreiche Wiederholungen und verbale Schleifen seift Winkler den Leser ein. Ähnlich machte es sein Landsmann Thomas Bernhard. Während jener hämmert scheint mir Winkler sogar abwechslungsreicher zu schreiben und eher einzureiben. Roppongi bietet ethnologische und vergleichende Religions-Studien mit hohem Aufklärungs- und  Unterhaltungswert. Die oft drastischen Szenen im Stadttheater Kamering, Kärnten, und Varasani, Indien, sollte man aushalten. Wer als Gläubiger noch meint, die anderen Religionen seien absonderlich, dem empfehle ich dieses Buch.

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