Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung

Ein Lustspiel in 3 Aufzügen

Reclam Universal-Bibliothek 397

(1)
Vielfältig sind die komischen Mittel dieses einzigartigen deutschen Lustspiels: die Sprache changiert in Spott, Witz und Sarkasmus und geht in der Karikatur und im Grotesken weit über die Begriffsreihe des Titels hinaus, die szenischen Formen aber vermischen alle Traditionen von der Comedia dell'arte über das Mysterien- und Fastnachtsspiel und die Zauberposse bis zum Klappmechanismus des Puppen- und Marionettentheaters - ein Geniestreich aus dem Jahre 1822.
Portrait
Christian Dietrich Grabbe, 11. 12. 1801 Detmold - 12. 9. 1836 ebd. G., Sohn eines Zuchthausaufsehers, absolvierte das Gymnasium in Detmold und studierte von 1820 bis 1822 Jura in Leipzig, dann bis 1823 in Berlin. Anschließend kehrte er nach vergeblichen Versuchen, eine Stelle an einem Theater zu ¿nden, nach Detmold zurück, wo er 1824 sein juristisches Examen ablegte. 1826 trat er in den Dienst der Regierung des Fürstentums Lippe-Detmold, zunächst als Vertreter des Militärrichters (Auditeur), dann 1828 als dessen Nachfolger. 1833 heiratete er Louise Clostermeier; ein Jahr später gab er seine Stellung auf, um sich ganz seinen literarischen Arbeiten zu widmen. Eheprobleme, sein Alkoholismus und Schwierigkeiten mit seinem Verleger führten zur Krise. Er verließ Detmold und gelangte über Frankfurt a. M. im Dezember 1834 nach Düsseldorf, wo ihm K. Immermann behil¿ich war. Tödlich erkrankt, kehrte er 1836 nach Detmold zurück. G. war ausschließlich Dramatiker; allerdings wurde nur eines seiner Stücke, die Tragödie Don Juan und Faust, zu seinen Lebzeiten aufgeführt (1829). Charakteristisch für seine Dramatik ist die grundsätzliche Abkehr von der harmonisierenden und idealisierenden Ästhetik der Klassik und Romantik; wesentliche Anregungen emp¿ng er dagegen von Shakespeare und der Dramatik des Sturm und Drang. Seine Stücke zeigen die Destruktion bürgerlicher und christlicher Wert- und Ordnungsvorstellungen. Das tragische oder tragikomische Scheitern seiner Helden ist Folge von Zufall oder Willkür, nicht Ausdruck der Gültigkeit einer höheren Weltordnung oder eines sinnvollen Geschichtsverlaufs. Gerade sein einziges Lustspiel Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung, das Züge der romantisch-ironischen Literaturkomödie übersteigert, demonstriert diese Desillusionierung besonders radikal. Zukunftsweisend ist die Gestaltung der Massenszenen in dem späten Napoleonstück, die auf die Gegebenheiten des zeitgenössischen Theaters wenig Rücksicht nimmt. Das gilt auch für die epische Anlage des Dramas mit seiner eindringlichen Darstellung der sozialen und ökonomischen Verhältnisse. In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (.) - © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 86
Erscheinungsdatum 01.01.1986
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-000397-8
Verlag Philipp Reclam Jun.
Maße (L/B/H) 14,8/9,5/0,9 cm
Gewicht 58 g
Verkaufsrang 56.045
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Im zarten Alter von 20 Jahren schrieb Christian Dietrich Grabbe (1801-1836) bereits sein zweites großes Stück. Sein Erstling, "Herzog Theodor von Gothland", war ein fast unaufführbarer Monolith nach Art von Shakespeares "Titus Andronicus" oder "Hamlet" gewesen, in dem am laufenden Band gemordet wurde. Blut, Haß und Hölle waren sowas... Im zarten Alter von 20 Jahren schrieb Christian Dietrich Grabbe (1801-1836) bereits sein zweites großes Stück. Sein Erstling, "Herzog Theodor von Gothland", war ein fast unaufführbarer Monolith nach Art von Shakespeares "Titus Andronicus" oder "Hamlet" gewesen, in dem am laufenden Band gemordet wurde. Blut, Haß und Hölle waren sowas wie die Leitmotive. Die Reaktion darauf - es ist die Zeit des Biedermeier und der Romantik! - war vorprogrammiert: Obwohl man Grabbes Talent anerkannte, zeigte man sich verstört und riet von einer Veröffentlichung ab. Gekränkt nahm sich Grabbe vor, mit einem Lustspiel einen schnellen Publikumserfolg zu erringen. Zu diesem Zweck schickte er seinen Erstling samt Blut, Haß und Hölle auf's Clown-College, und schwuppdiwupp war "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" geboren. Darin, so könnte man den Inhalt zusammenfassen, schickt er den Teufel aus, um in der Provinz unter allen Ständen und Umständen Unheil zu stiften. Aber wie es sich für eine anständige Posse gehört, ist die Handlungsführung schablonenhaft und vernachlässigt. Hauptsache ist, dass die Pointen sitzen. Und für Spaß ist denn auch tatsächlich reichlich gesorgt! Ich beschränke mich auf zwei Beispiele: Da ist zum einen der Freiherr von Mordax. Der verliebt sich 'unsterblich' in Liddy: "Die Liddy ist ein prächtiges Tier und behagt mir superbe! [...] Ich will sie heiraten oder totstechen!" Der Teufel nun verspricht, diesem die Angebetete zuzuspielen, wenn er, um sich ihrer als 'würdig' zu erweisen, zwölf Schneidergesellen um die Ecke bringt. - Liebe vermag alles, denkt sich Mordax und legt los! An anderer Stelle werden zeitgenössische Autoren seichter Unterhaltungsliteratur genüßlich durchgehechelt. Grabbe nimmt sich dafür so viel Zeit, dass man fast meinen möchte, er glaube, sich schriftstellerisch ausgerechnet ihnen gegenüber behaupten zu müssen. Später aber heißt es plötzlich: "Das ist der vermaledeite Grabbe, oder wie man ihn eigentlich nennen sollte, die zwergige Krabbe, der Verfasser dieses Stücks! Er ist so dumm wie'n Kuhfuß, schimpft auf alle Schriftsteller und taugt selber nichts, hat verrenkte Beine, schielende Augen und ein fades Affengesicht!" So geht es hier zu. Selten musste ich beim Lesen eines Lustspiels so oft wirklich auflachen wie hier! Dass so mancher Witz allzu platt ist, sieht man Grabbe da gerne nach. Den erhofften Durchbruch konnte Grabbe übrigens auch mit dieser Komödie nicht feiern und wurde in der Folge mehr und mehr zum Säufer. Lediglich Heinrich Heine war von Grabbe derart angetan, dass er sein Talent Shakespeare nahe rückte. Aber selbstverständlich hinkt der Vergleich: - - - So turbulent komisch war Shakespeare nie!