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Theorie des Handelns

Zur Rekonstruktion der Beiträge von Talcott Parsons, Emile Durkheim und Max Weber

(1)

Im einzelnen geht es hier um die Integration von kausalem Erklären und hermeneutischem Verstehen, theoretischer Abstraktion und empirisch-historischer Konkretion auf metatheoretischer Ebene sowie von positivistischer Konflikttheorie und Nutzentheorie und idealistischer Entwicklungslogik und Lebensweltsoziologie auf objekttheoretischer Ebene. Hier sollen die Herausbildung dieser Synthese und Ansätze ihrer Weiterführung durch eine rationale Rekonstruktion der voluntaristischen Theorie des Handelns an den Beiträger von Talcott Parsons, Emile Durkheim und Max Weber aufgezeigt werden. Zuerst wird die Theorie des Handelns auf dem heutigen Stand der Entwicklung im Werk Parsons' herausgearbeitet. Danach folg eine Reformulierung der Beiträge Durkheims und Webers in Blickwinkel der theoretischen Weiterführung. Die Spannung zwischen Positivismus und Idealismus und die Schritte zu einer voluntaristischen Handlungstheorie bilden den Gegenstand einer vergleichenden Betrachtung von Weber und Durkheim. In einer Schlußbetrachtung wird ein Resümee der »dialektischen« Aufhebung von Positivismus und Idealismus in der voluntaristischen Theorie des Handelns gezogen.

Portrait

Richard Münch, geboren 1945, lehrt Soziologie an der Universität Bamberg. Zuletzt erschien in der edition suhrkamp Die akademische Elite (es 2510), Münchs vieldiskutierte Studie zur Hochschulreform.

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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 693
Erscheinungsdatum 25.01.1988
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-518-28304-2
Verlag Suhrkamp Verlag AG
Maße (L/B/H) 180/110/31 mm
Gewicht 373
Auflage 1
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15,00
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Die Dialektik einer voluntaristischen Handlungstheorie
von Zitronenblau am 27.03.2011

Münchs 'Theorie des Handelns' entlang der Rekonstruktion Parsons, Durkheims und Webers würde ich einen Klassiker der Soziologie nennen. Ich weise kurz darauf hin, dass die Theorieentwicklung vom kantianischen Ursprung einer Überwindung der idealistisch-positivistischen Dualität ausgeht und diese 'dialektisch' zu überwinden sucht. Die Grundannahme der Theorie sei, 'dass jedes Handeln immer... Münchs 'Theorie des Handelns' entlang der Rekonstruktion Parsons, Durkheims und Webers würde ich einen Klassiker der Soziologie nennen. Ich weise kurz darauf hin, dass die Theorieentwicklung vom kantianischen Ursprung einer Überwindung der idealistisch-positivistischen Dualität ausgeht und diese 'dialektisch' zu überwinden sucht. Die Grundannahme der Theorie sei, 'dass jedes Handeln immer als Ergebnis einer bestimmten Art der Beziehung zwischen analytisch differenzierbaren Sphären (Subsystemen) zu begreifen ist.' Die Ordnung des (sozialen) Handelns wird durch ein voluntaristisches Prinzip (freiwillige Anerkennung gemeinsamer Werte) vorausgesetzt, obschon diese Werte in einer kollektiven Solidarität verankert sein müssen, die über zweckrationales Individualhandeln und einer Partikularsolidarität hinausgeht. Die Verknüpfung individueller Handlungsautonomie und sozialer Ordnung wird durch das Theorem der Interpenetration eines normativen Bezugsrahmens mit den dynamischen Sphären des Handelns möglich. Konstitutive Elemente sind Symbole (Kultursystem), soziale Rollen und Interaktion (Sozialsystem) und Bedürfnisdispositionen (Persönlichkeitssystem). Handlungsorientierungen lassen sich koordinieren durch das AGIL-Vierfunktionenschema: das zentrale Analyse-Instrument in der voluntaristschen Handlungstheorie (Conditio humana, Handlungssystem, Sozialsystem). Zudem wird die kybernetische Bedingungs-Steuerungs-Hierarchie übernommen; ein Mittel zur präzisen Bestimmung von Interpenetrationsarten zwischen einzelnen Subsystemen, koordiniert in den Dimensionen Symbolkomplexität und Handlungskontingenz. Die Werkzeuge dienen der Analyse der systemischen Differenzierungen (Condition humana, Gesellschaft, Handlung). Anklang findet ferner die Konflikttheorie, die Theorie der generalisierten Medien, die Evolutions- und die Schichtungstheorie als 'Anwendungsfälle der Theorie des Handelns',die Macht-, ökonomische, idealistische Kultur- und normative Theorie. Von Durkheim übernimmt Münch die Begriffe mechanische Solidarität und organische Solidarität. Die kollektive Solidarität wird in der Frage nach der Universalisierbarkeit und Institutionalisierung von Normen besprochen (soziale Ordnung). 'Ein gemeinsamer Symbolpool, eine gemeinsame normative Ordnung, eine gemeinsame Sanktionsbereitschaft sowie die konkrete Erwartungs-Handlungs-Abstimmung zwischen Ego und Alter [...] sind die Grundelemente [...].' Die Vergemeinschaftung ist neben den anderen Grundtypen der sozialen Beziehungen (Diskurs, Tausch und Herrschaft) der Typus, der 'den höchsten Grad an Geordnetheit der Relationen zwischen Symbolwelt und Handlungswelt aufweist.' Münch schenkt der Persönlichkeit (Sozialisation, Entwicklung) ex aequo Achtung (s. 'Kult des Individuums', 'zivile Religion'). Dies reicht hin zur Typologisierung der Integration und Desintegration von Individuum und Gesellschaft. Nach einer Analyse der marxschen Arbeitswerttheorie wird der Schlüssel zu den Strukturproblemen der modernen Gesellschaft in der Anatomie, den Eigengesetzlichkeiten und Wertantinomien des modernen okzidentalen Rationalismus geortet. Münch widmet sich den Handlungstypen Webers (zweck- und wertrational, affektuell, traditional) und bespricht die Beziehung zwischen religiöser Ethik und Welt. Sein Zugeständnis vor dem Hintergrund der Verständigung ist die Akzeptanz einer je schon vorausgesetzten Lebenswelt, ['] ein gewisses gemeinsames Vorverständnis nicht-thematisierter symbolischer Bedeutungen und spezieller Regeln' (kollektive Repräsentation). Das Verständigungsproblem, vor allem hinsichtlich der Sprache, wird von Münch kaum zur Geltung gebracht. Dies ist im Lichte der Gehlenschen These, dass Sprache die Institution der Institutionen sei, kaum verständlich. Münch bespricht das Sakrale und Profane (Kovergenz und Divergenz Durkheim - Weber) und die Verklammerung beider Phänomene durch Interpenetration: 'Erst dadurch kann eine voluntaristische Ordnung entstehen.' Der geprägte Terminus autonome Moral verankert das individual-autonome Handeln und das allgemeine Regel-Folgen als Prämissen des individuellen Handelns.

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