Überall ist Mittelalter

Von der Gegenwart einer vergangenen Zeit

Beck Reihe 1473

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"Überall ist Mittelalter" - nach seiner vielgerühmten "Einladung ins Mittelalter" (bsr 1357) öffnet uns Horst Fuhrmann jetzt die Augen für die fortdauernde Gegenwart mittelalterlicher Prägungen: sowohl in den sichtbaren Zeugnissen wie in den inneren Einstellungen, in der Abwendung vom Mittelalter ebenso wie in seinen Verwertungen. Das ist bei Fuhrmann jedoch keine blasse These, sondern pralle, konkrete Schilderung ein Lesevergnügen.

Portrait
Horst Fuhrmann, langjähriger Präsident der "Monumenta Germaniae Historica" und em. Professor für Geschichte an der Universität Regensburg, war bis 1997 Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 328
Erscheinungsdatum 21.07.2010
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-406-60487-4
Verlag C. H. Beck
Maße (L/B/H) 19/12,6/2,7 cm
Gewicht 317 g
Abbildungen mit 37 Abbildungen
Auflage 3. Auflage
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„Unser Leben ist ein Geschäft, das damalige war ein Dasein.“ (Jacob Burckhardt)
von B.C. aus Berlin am 07.11.2016

Wir nehmen gerne das Wort „Zustände wie im Mittelalter“ in den Mund und suggerieren uns selbst damit, alles sei weit hinter uns, irgendwie überwunden. Für uns selbst, die wir schlechte Zustände anderer anprangern wollen. Ist es aber nicht. Keinesfalls. Mit diesem Buch tauchen wir tief ein in die Gewohnheiten... Wir nehmen gerne das Wort „Zustände wie im Mittelalter“ in den Mund und suggerieren uns selbst damit, alles sei weit hinter uns, irgendwie überwunden. Für uns selbst, die wir schlechte Zustände anderer anprangern wollen. Ist es aber nicht. Keinesfalls. Mit diesem Buch tauchen wir tief ein in die Gewohnheiten und Sachlagen des Mittelalters, die Einstellungen und Lebensweisen, die Kriege und Schlachten, seien diese verbaler oder echter, tötender Natur. Wir lernen die Lesarten und Interpretationen kennen, die sich in dem Fach Geschichte äußern und oft auch zerreißen. Geschichte ist vor allem auch das Erzählen von fiktiven Geschichten, die Narration hat unzählige Spielarten, von denen die jeweilige Wirklichkeit abzugrenzen ist. Die Annäherung an das Mittelalter, unsere direkte Vorzeit, gelingt mit diesem umfassenden Buch hervorragend und sehr ausführlich, es ist in 4 Kapitel gegliedert: Gegenwärtigkeiten (Begrüßungsrituale, Haus und Garten, Fälschungen) Rückerinnerungen (Deutsches Ärgernis, Barbarossa, Quedlinburg) Abwendungen (Zinsverbot, Pfarrersfrau, Verdienste, Tod) Verwertungen und Verwerfungen (Umberto Eco, Kammeier, Kantorowicz) Unsere Grußformeln heute stammen aus dem Mittelalter, das Grüß Gott wird im süddeutschen Raum schon seit tausend Jahren benutzt. Es meint eben nicht, dass der andere Gott grüßen soll (deswegen wäre die Adressierung eines 95-jährigen in dieser Form problematisch, „ich werd’s ausrichten, habe ich schon gehört), sondern meint: Gott grüße Dich oder Gott möge Dir wohlgesonnen sein. Sogar das „Guten Tag“ ist noch eine Kurzform des früheren: Gott schenke Dir einen guten Tag. Gott ist imaginär also immer noch mitzudenken, die Ausprägungen im eher protestantischen Teil Deutschlands verloren das Grüß Gott, während es im katholischen und pietistischen Raum auch heute noch maßgebend ist. in diesen Tagen hat das Grüßen und Verabschieden seine Bezüge verloren, es unterliegt Moden und letzten Endes ist es eine Funktion der Zeit und des Listen-Abarbeitens, auf offener Straße hat man keine Zeit mehr zum Grüßen, weil man permanent mit dem Geschäft verbunden ist: „Unser Leben ist ein Geschäft, das damalige war ein Dasein.“ (Jacob Burckhardt) Insbesondere dieser erste Teil über das Grüßen war sehr beeindruckend. Auf offenem Feld, morgens um 6, begegnen uns heute Menschen, die einen nicht grüßen, selbst wenn man sie zuerst anspricht. Man darf ihnen das nicht mal übelnehmen, sind sie doch schon so in ihre Geschäfte vertieft, dass sie einfach keine Zeit mehr finden für ein Gesicht oder eine Stimme gegenüber. Die Gestaltung der Abschiedsformeln ist weitaus weniger ausgeprägt im Deutschen, man erinnere sich an die Diskussion der Gute-Nacht-Adressen der Nachrichtensprecher. In mir klingt eher ein kurzes, prägnantes „Machen Sie’s gut“ oder ein „Kommen Sie gut über die Nacht“, aber nichts, das wirklich optimistisch, bestimmt und glücklich machend wäre. Schön war früher das „Gott behüte Dich“. Das geläufige „Auf wiedersehen“ ist sehr jung, es soll sich erste im 19. Jh. entwickelt haben und aus dem Französischen (Au Revoir) abgeleitet sein. Ich erinnere mich, dass mein Vater es benutzte und dabei in eine Art Sing-Sang einstimmte, in dem seine Melodie gute Wünsche mitschwingen lassen sollte. Philipp Melanchthon aus Bretten, die intellektuelle rechte Hand von Martin Luther, hatte in seinem Haus in Wittenberg jene Ökonomie aufgebaut, die so typisch ist für das Mittelalter. Der Garten hinter dem Haus war Grundlage zum Überleben für die Familie und auch Studenten, die damals selbstverständlich mit der Familie Melanchtons unter einem Dach lebten. Die Frau war nicht nur die treue Ehefrau und Kindererzieherin, sondern auch jene, die für das tägliche Essen zu sorgen hatte. Das ging am schnellsten und billigsten mit einem eigenen Garten. Noch immer bin ich beeindruckt von diesem Garten hinter dem Melanchthonhaus, heute ein wunderschönes Museum mit Kräterbeeten. Der Gelehrte des Mittelalters hing am Tropf einer einzigen Bedingung: der christlich religiösen. „Im Früh- und bis weit in das Hochmittelalter hinein war es meist ein Kirchenamt, das den Gelehrten ernährte, denn Bildung und Wissenschaft lagen in den Händen der Geistlichkeit.“ „Wer hat denn die Deutschen zu Richtern über die Völker bestellt?“ Mit dieser Anklage des Johann von Salisbury (1115-1180) wird vieles deutlich, das man möglicherweise in Deutschland nicht zur Kenntnis nehmen will. Sie gipfeln auch in einer Aussage von Bismarck im Reichstag: „Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt.“ Es steht heute außer Frage, das Mittelalter liebte die Deutschen nicht, es baute sich mit dem näheren Kennenlernen eine Erbfeindschaft zwischen Franzosen und Deutschen auf, die Goethe im Faust in die Worte goss: „Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden.“ Die gegenseitigen Beschimpfungen machen ein ganzes Lexikon aus und umso höher ist die Leistung von de Gaulle und Adenauer zu werten, die diese Gegnerschaft in Freundschaft umpolten. Wirklich? Muss man allerdings fragen. Sind Vorurteile, Stereotype so schnell abbaubar und verschafft sich ein rechthaberischer, andere dominieren wollender Geist vielleicht doch immer wieder die Oberhand, in Verkleidung anderer Verhaltensweisen, die von einer tiefen Überzeugung für die eigene Wahrheit ausgeht? Ernst H. Kantorowicz sagte über Stefan George, er lehre, „dass wie einst Hellas auf engstem Raum so dereinst Deutschland auf einem Raum wiederum das Gesamt aller menschlichen Gestaltungen und Kräfte werde entstehen lassen.“ Die dahinter liegenden Kräfte seien das geheime Deutschland, dem sich auch Graf Stauffenberg verpflichtet sah. Die Seiten über das Werk und Leben von Ernst H. Kantorowicz sind eine gute Einführung in die Gedanken dieses Geschichtswissenschaftlers, dessen Thesen nicht allen gefielen, aber der doch als einer der größten seiner Zunft gelten kann. Hochinteressant und erklärend vor allem die Erklärungen des Autors über Umberto Eco, der im Grund das Mittelalter dazu benutzte, um aktuelle Stoffe und Endzeitphrophetien zu verbreiten. Seine zentrale Lehre an das Heute: Fürchte die Wahrheitspropheten…und fürchte vor allem jene, die bereit sind, für die Wahrheit zu sterben: gewöhnlich lassen sie viele andere mit sich sterben, oft bereits vor sich, manchmal an ihrer Stelle…vielleicht gibt es nur eines zu tun, wenn man die Menschen liebt: sie über die Wahrheit zum Lachen bringen, denn die einzige Wahrheit heißt: lernen, sich von der krankhaften Leidenschaft für die Wahrheit zu befreien. Man muss dieses Buch nicht in einem durchlesen, es hat faszinierende Kapitel, durchaus wissenschaftlich geschrieben, aber immer erhellend und auf das Wesentliche verweisend, vom profanen Alltag hin zu höchsten metaphysischen, komplexen Sphären.