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"Und trotzdem war's 'ne schöne Zeit"

Kinderalltag im Nationalsozialismus

(1)
Als die NSDAP 1933 die Macht in Deutschland übernahm, wurde auch der Alltag von Kindern durch die vom Nationalsozialismus beabsichtigte Umgestaltung der Gesellschaft stark beeinflusst. Kinder mussten nun lernen, »richtig« zu grüßen; ihre Freundschaften konnten durch die rassistische Politik des Nationalsozialismus beendet oder beeinträchtigt werden; sie wurden zu Denunziationen aufgefordert; politische Maßnahmen und Ereignisse waren Gesprächsthemen im Familienkreis, die zu Konflikten führen konnten. »Politik« war also im Alltagsleben der Kinder gegenwärtig – wenn auch in unterschiedlicher Intensität und ohne dass dies allen Betroffenen immer bewusst war.
Heidi Rosenbaum untersucht in ihrer groß angelegten Studie, die auf zahlreichen Zeitzeugengesprächen basiert, das alltägliche Leben von Kindern in vier Milieus: dem gehobenen Bürgertum einer Universitätsstadt, der Arbeiterschaft einer Kleinstadt, einem protestantischen und einem katholischen Dorf in Niedersachsen. Dabei kann sie zeigen, dass Brüche und Kontinuitäten den Alltag der Kinder unterschiedlich stark prägten.
Portrait
Heidi Rosenbaum war von 1993 bis zu ihrer Pensionierung 2006 Professorin für Europäische Ethnologie an der Universität Göttingen.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 681
Erscheinungsdatum Februar 2014
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-593-50098-0
Verlag Campus Verlag
Maße (L/B/H) 218/154/45 mm
Gewicht 1036
Abbildungen 27 Abbildungen in schwarzweisse
Auflage 2. Auflage
Buch (Taschenbuch)
29,90
inkl. gesetzl. MwSt.
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Ist der Titel nur dumm und naiv oder doch ironisch gemeint und will provozieren?
von Franz Morick aus Farven am 26.03.2015

Die folgende Kritik bezieht sich nur auf das Kapitel IV – „Das katholische Dorf Obernfeld im Eichsfeld“. Warum ich dieses Buch gekauft habe? Zwei Gründe: Weil meine Eltern Kinder unterm Hakenkreuz waren (der Großvater ist auf dem Foto im Buch Seite 548 zu sehen). Aber auch der Titel „Und... Die folgende Kritik bezieht sich nur auf das Kapitel IV – „Das katholische Dorf Obernfeld im Eichsfeld“. Warum ich dieses Buch gekauft habe? Zwei Gründe: Weil meine Eltern Kinder unterm Hakenkreuz waren (der Großvater ist auf dem Foto im Buch Seite 548 zu sehen). Aber auch der Titel „Und trotzdem war es eine schöne Zeit" provoziert. Ist ein solcher Titel nur dumm und naiv oder doch ironisch gemeint und will provozieren? Das Buch will mit dem touch einer wissenschaftlichen Arbeit glänzen. Aber schon im Vorwort findet man den ersten methodischen Fehler bei der Auswahl der Zeitzeugen: „Den Hinweis auf sie (gemeint sind die Zeitzeugen) erhielt ich von Kontaktpersonen in den Orten …“. Da ich nun immer noch Wurzeln in dem Ort habe, kann ich leider (katholisch wie ich erzogen bin) nicht das schreiben, was ich jetzt denke. Zur Kritik, die kürzer als die 681 Seiten des Buches ausfallen soll - auch wenn dies schwer fällt. Hier exemplarisch fünf, mal banale und mal schwerwiegende Punkte: (1) Das Buch beschreibt nur - eine Analyse oder Projektion auf die Zeit nach dem Nationalsozialismus fehlt. Das Buch ist und will unpolitisch sein - gerade das macht es politisch gefährlich. (2) Die Autorin versucht z.B. eine Korrelation zwischen Hygiene, Wasserversorgung, Kindheit und Nationalsozialismus aufzuzeigen - ähnlich wie Hitler und Kanarienvögel. Mal sind an die Wasserversorgung von 1928 eher wenige und dann zwanzig Seiten später die meisten Häuser angeschlossen. Zugegeben - eigentlich unwichtig. Aber warum soll ich annehmen, dass die Autorin an anderen wichtigeren Stellen präziser gearbeitet hat. (3) Seitenweise werden Wahlergebnisse dieser Zeit mit dem Tenor zitiert, so „schlimm" war das nicht. Nein, es war viel schlimmer! Auch in Obernfeld wurden zu dieser Zeit Wahlergebnisse durch die eigenen Mitbürger manipuliert. Sicher, dies kann man den veröffentlichten Wahlergebnissen nicht ansehen und somit der Autorin auch nicht ankreiden. Aber eine professionelle Auswahl der Zeitzeugen hätte das Buch hier wirklich bereichern können. Leider ist mein Zeitzeuge dafür in den 1980er Jahren verstorben - ein guter Mensch und eine in Obernfeld anerkannte Persönlichkeit. Aber es gibt in Obernfeld noch heute Menschen, die dies bestätigen könnten. (4) Zu eventuellen antisemitischen Aktionen schreibt die Autorin: „Da im Ort keine Juden lebten, ist es möglich, dass die Obernfelder davon verschont geblieben sind." Wie soll man einen solchen Satz verstehen? Da haben die Obernfelder aber noch mal Glück gehabt?! Wer leidet denn hier? Potentielle Täter oder die 1,5 Mil. Kinder die man aus dem „Kinderalltag im Nationalsozialismus" für immer rausgerissen hat? (5) Wie sehr der Nationalsozialismus die Kinder geprägt hat, zeigt sich noch Generationen später. Ich erinnere mich an viele Gespräche mit Zeitzeugen in den 1970er Jahren. Da gab es dreißig Jahre später die alten Feindschaften zwischen Nachbarn mit unterschiedlichen politischen Überzeugungen immer noch - natürlich nicht offen ausgetragen. Da konnten es die „kleinen" Landwirte den „großen" Bauern immer noch nicht verzeihen, dass diese die Ländereien der Kleinen im Prinzip schon unter sich aufgeteilt hatten - die hätten ja ihr bisschen Land nach der Zwangsumsiedlung in die neuen Ostgebiete nicht mehr gebraucht. Interessant wird es auch, wenn sich eine Generation später Kinder aus den zwei verschiedenen Lagern finden und eine große gemeinsame Hochzeit ansteht. Der Einfluss des Nationalsozialismus auf die Kinder war sehr viel größer als die Autorin es beschreibt. Er endete auch nicht 1945 und zeigt sich noch heute. Kurzum: Es gibt bessere Bücher über Kindheit und Nationalsozialismus. Manche sind dabei sogar informativer, politischer und gleichzeitig unterhaltsamer als das Buch von Frau Rosenbaum. Franz Morick

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