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Verzweiflung und Verbrechen

Menschen vor Gericht

(1)
»Jutta Voigt ist eine Meisterin der Übergänge, eine Virtuosin der Verdichtung.« Der Tagesspiegel.
In ihren brillanten Gerichtsreportagen richtet Jutta Voigt den Blick weniger auf die großen und kleinen Verbrechen, die vor dem Richter verhandelt werden, als vielmehr auf die Menschen und die Schicksale hinter den Fällen. Ihre Stärke ist, dass sie nie objektiv bleibt, sondern Mitgefühl mit den „Gefallenen“ zeigt, denn ihr geht es vor allem um die Frage: Gerechtigkeit, was ist das?
In den Gerichtssälen formiert sich ein grotesker Reigen der Typen, Charaktere und Milieus. Ein Reigen, dessen Protagonisten aus der Reihe tanzten und stürzten, der Reigen der Rechtsbrecher, bizarr, komisch, zerstörerisch. Ein Panorama der sieben Todsünden und ihrer Abarten. Wie auf der allegorischen Tafel des Pieter Breughel, wo lauter Einzelne lauter sinnlosen Beschäftigungen nachgehen und sich der Sinn des Lebens in geschäftiger Gleichgültigkeit verliert. Der Reigen im Gerichtssaal stellt sich aus der Abfolge der Verhandlungstermine her, dem Auftritt der Angeklagten und ihrer Delikte. Der Unterschied zwischen Mord und Ladendiebstahl, Mord und Körperverletzung: Das eine ist groß, das andere klein, das eine lächerlich, das andere tragisch. Mörder sind besser dran als Ladendiebe. Der Mörder wird vor Gericht als ganzer Mensch wahrgenommen, als Individuum mit Schicksal und Vergangenheit. Vor dem Amtsgericht, wo die kleinen Vergehen geahndet werden, zählt allein das Delikt, der Beschuldigte ist in der Regel nicht von Belang. Keiner hier will wissen, wie der Angeklagte denkt und welch traumatisches Erlebnis sein Handeln beeinflusst haben könnte. Gerichtsreporter tauchen in diese Welten ein und bleiben objektiv. Jutta Voigt ist nicht objektiv geblieben. Opfer oder Täter nahe gekommen zu sein, bedeutet, im Reigen der Rechtsbrecher ein paar Schritte mitgetanzt zu haben. Bedeutet Mitgefühl. Mitleid mit den Gefallenen.
Rezension
" Eine Gesellschaftschronik von der Zuhörerbank aus. " Mitteldeutsche Zeitung, 19.10.2016 " [...] einfühlsam beobachtet und erzählt [...] das ist einfach sehr, sehr spannend. " Radio Berlin, 20. Februar 2017
Portrait
Jutta Voigt, geboren in Berlin, Studium der Philosophie an der Humboldt-Universität, Redakteurin, Essayistin und Kolumnistin bei den Wochenzeitungen Sonntag, Freitag, Wochenpost und Zeit. 2000 Theodor-Wolff-Preis.
Bei Aufbau erschienen: „Der Geschmack des Ostens. Vom Essen, Trinken und Leben in der DDR“, „Westbesuch. Vom Leben in den Zeiten der Sehnsucht“. Zuletzt: „Spätvorstellung. Von den Abenteuern des Älterwerdens“. Neu im Aufbau Verlag erscheinen 2016 von Jutta Voigt: „Stierblutjahre. Die Boheme des Ostens“ und „Verzweiflung und Verbrechen. Menschen vor Gericht“
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Seitenzahl 240
Erscheinungsdatum 17.10.2016
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-7466-3183-7
Verlag Aufbau
Maße (L/B/H) 190/113/22 mm
Gewicht 248
Auflage 1. Auflage
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VERZWEIFLUNG UND VERBRECHEN - Eine eindrucksvolle Auswahl von Jutta Voigts Gerichtsberichten aus über 20 Jahren
von j.h. aus Berlin am 29.10.2016

"Mörder sind besser dran als Ladendiebe. Der Mörder wird vor Gericht als ganzer Mensch wahrgenommen, als Individuum mit Schicksal und Vergangenheit. Man lässt sich Zeit mit ihm, forscht seine Kindheit aus, erkundigt sich einfühlsam nach Lebensumständen und seelischem Befinden. Der Mörder ist als Mensch ein Gegenstand von Interesse, er... "Mörder sind besser dran als Ladendiebe. Der Mörder wird vor Gericht als ganzer Mensch wahrgenommen, als Individuum mit Schicksal und Vergangenheit. Man lässt sich Zeit mit ihm, forscht seine Kindheit aus, erkundigt sich einfühlsam nach Lebensumständen und seelischem Befinden. Der Mörder ist als Mensch ein Gegenstand von Interesse, er bedeutet etwas, weil seine Tat von Bedeutung ist. Vor dem Amtsgericht, wo die kleinen Vergehen geahndet werden, zählt allein das Delikt, der Beschuldigte ist in der Regel nicht von Belang. Man erfragt seine Personalien und wieviel Euro ihm monatlich zur Verfügung stehen, damit man in etwa einen Rahmen hat für die Höhe der Geldstrafe. Keiner will hier wissen, wie der Angeklagte denkt und welch traumatisches Erlebnis sein Handeln beeinflusst haben könnte." (S. 8) Jutta Voigt (*1941) hat genauer hingesehen, hat sich Gedanken gemacht über Motive und Hintergründe. War es Verzweiflung in einer scheinbar ausweglosen Situation, die einen Mensch zum Dieb werden ließ oder krimineller Antrieb? Ist die "Erschleichung von Beförderungsleistungen" wirklich ein Fall für die Justiz? Und was ging der häufig verhandelten Beamtenbeleidigung eigentlich voraus? Welche Chance haben Entlastungszeugen, wenn sich die Kollegen eines Polizisten einig sind? "Auf den Wartebänken vor dem Gerichtssaal kann man Polizisten in Zivil und Angeklagte kaum unterschieden. Gleiche Haarschnitte, gleiche T-Shirts, gleiche Turnschuhe, ein Milieu. Junge Männer, die es auf verschiedene Seiten verschlagen hat." (S. 44) Die 60 über etwa 20 Jahre in "Wochenpost", "Woche" (beide inzwischen eingestellt), "Die Zeit" und "Berliner Zeitung" veröffentlichten Gerichtsberichte (leider undatiert) wirken gelegentlich wie sprachlich kunstvolle Miniaturen aus einem kalten Land. Es ist eben sehr einfach, für Bagatelldelikte schnelle und harte Urteile zu sprechen. Die Autorin versucht, mit einem Blick hinter die Kulissen und die durch die Vielzahl der Fälle bedingte kalte Routine der Amtsroben zum Nachdenken über einige Fälle und deren gesellschaftlich bedingte Ursachen anzuregen. Neben den kleinen Tätern tauchen auch spektakuläre Fälle wie der Mord an dem Frankfurter Multimillionär Jakub Fiszman oder der Fall des betrügerischen Baulöwen Dr. Jürgen Schneider auf. Um deutsch-deutsche Vergangenheit vor dem Hintergrund des Kalten Krieges geht es in den Prozessen um den Tod des DDR-Grenzers Reinhold Huhn und den Fall des gestellten Überläufers Werner Teske (letzte DDR-Hinrichtung 1981). Als "Intermezzo" eingefügt sind Kurzporträts des vor der Pension stehenden langjährigen Amtsrichters Rüdiger Warnstädt und einer Kleptomanin aus Leidenschaft, Gedanken über Mode in Moabit sowie die 10 Jahre nach der Tat erfolgte schriftliche Entschuldigung eines ausländerfeindlichen Schlägers bei seinem italienischen Opfer. Die als AUFBAU-Taschenbuch erschienene Zusammenstellung ist kurzweilig zu lesen und regt zum Nachdenken an.

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