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War das die Wende, die wir wollten?

Gespräche mit Zeitgenossen

(1)
War das die Wende, die wir wollten? Diese Frage bewegt bis heute die Menschen im Osten. Aus den Anworten darauf ist ein ungewöhnliches Buch entstanden - kritisch, nachdenklich, zornig. Ehrlich.
Mit dabei Jutta Wachowiak (Schauspielerin), Ronald Paris (Maler und Grafiker), Rainer Kirsch (Schriftsteller), Hans-Eckardt Wenzel (Musiker und Regisseur), Peter Bause (Schauspieler), Daniel Rapoport (Wissenschaftler), Victor Grossman (Journalist), Gisela Oechel­haeuser (Kabarettistin), Peter-Michael Diestel (Anwalt), Walfriede Schmitt (Schauspielerin), Gerd Fehres (1989/1990 Botschafter in Ungarn), Manfred Stolpe (Ministerpräsident a. D.), Nico Hollmann (Musiker), Willibald Nebel (Kalikumpel Bischofferode), Alicia Garate (chilenische Emigrantin)
Portrait
Burga Kalinowski, in Österreich geboren und in der DDR aufgewachsen. Sie lernte Bibliothekarin, ging ans Theater und entschied sich schließlich für den Journalismus. Nach der Wende war sie frei tätig für Fernsehen und Printmedien. Sie führte u. a. Interviews mit Stephane Hessel, Walter Momper, Friedrich Schorlemmer, Hans Modrow, Florian Havemann. Kalinowski lebt in Berlin.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Ja
Seitenzahl 320 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 31.03.2015
Sprache Deutsch
EAN 9783355500203
Verlag Neues Leben
eBook
12,99
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WAR DAS DIE WENDE, DIE WIR WOLLTEN? - Keine einfachen Antworten auf eine nur scheinbar simple Frage
von j.h. aus Berlin am 02.11.2015
Bewertet: Buch (Taschenbuch)

25 Jahre liegt der Fall der Berliner Mauer nun schon zurück, fast ebenso lange die deutsch-deutsche Währungsunion und letztendlich die deutsche Einheit. Daraus resultiert ein medialer Gedenk-Marathon, dem kaum auszuweichen ist. Eine Erinnerungskultur allerdings auch, die mit nahezu inszeniert wirkender Gleichförmigkeit immer wieder die gleichen Bilder und die hinreichend... 25 Jahre liegt der Fall der Berliner Mauer nun schon zurück, fast ebenso lange die deutsch-deutsche Währungsunion und letztendlich die deutsche Einheit. Daraus resultiert ein medialer Gedenk-Marathon, dem kaum auszuweichen ist. Eine Erinnerungskultur allerdings auch, die mit nahezu inszeniert wirkender Gleichförmigkeit immer wieder die gleichen Bilder und die hinreichend bekannten Akteure rekapituliert. "Mittlerweile trauen etliche DDRler ihrem eigenen Leben nicht mehr so ganz über den Weg. Ein bemerkenswerter Propaganda-Erfolg der neuen Erinnerungs- und Gedenkkultur: Das politisch Zeitgemäße als Erinnerungsimplantat." (S. 9) Die Berliner Journalistin Burga Kalinowski (geboren in Österreich und aufgewachsen in der DDR) nahm das zum Anlass, 42 Gespräche mit sehr bekannten oder gänzlich unbekannten Zeitgenossen zu führen, von denen nun 27 im vorliegenden Buch veröffentlicht wurden. Menschen, die die politische Wende aus gänzlich unterschiedlichen Positionen erlebten und ebenso differenzierte Erwartungshaltungen haben. "Trotzdem muss ich sagen, die blühenden Landschaften, von denen Kohl gesprochen hat, sie sind für mich da, die blühenden Landschaften, aber es fehlt so vieles dazwischen - an Arbeit, an Menschlichkeit, an Verständnis. Es ist viel verloren gegangen." (S. 19) Das ist das Fazit des Schauspielers Peter Bause, dessen Interview dank alphabetischer Ordnung am Anfang steht. Peter-Michael Diestel zieht eine durchaus desillusionierende Bilanz der gegenwärtigen Politik und ihrer Akteure ("Marionettentheater") und der frühere DDR-Botschafter in Ungarn erinnert sich an die schwierige Zeit in Budapest während der Botschaftsbesetzung. Rainer Kirsch berichtet über die Auflösungserscheinungen im DDR-Schriftstellerverband 1990 und Christa Luft zieht eine kritische Bilanz der Tätigkeit der Treuhand-Anstalt. Hier wird Zeitgeschichte anders als aus den medial gewohnten Perspektiven in zum Nachdenken anregender Form dargeboten. Das gilt auch ganz besonders für den Bergarbeiter aus Bischofferode, der die willkürliche Schließung der Kaligrube trotz erkundeter Vorkommen für 40 Jahre und Bedarf am Markt in Erinnerung ruft. "So war das Klima dieser 89er Endzeit: Es passierte eigentlich nichts. Es wurden Zustände verwaltet. Heute wird eigentlich auch nur Zustand verwaltet. Auf einem höheren materiellen Niveau und einer größeren Abgesichertheit. Bewegung findet nicht statt. Und weit und breit keine Aussicht auf einen 4. November." (Steffen Mensching, S. 145) Jener 4. November 1989 nimmt mit dem Cover-Foto und sehr unterschiedlichen Erinnerungen einen zentralen Platz in dem Buch ein. 5 Tage vor dem Mauerfall schienen noch sehr unterschiedliche Entwicklungen möglich und nie wieder war das allgemeine Interesse an Politik so hoch. Daran erinnert sich auch Gerhard Wolf - mit Jahrgang 1928 der älteste Befragte. Der jüngste Gesprächspartner (Jahrgang 1971) wartet mit einem medial durchaus beachtenswerten Fazit auf: "Heute werden Individuum und individuelle Entwicklung unentwegt propagiert und verlautbart, aber praktisch verhalten sich die Leute viel, viel gleichförmiger." (S. 214) Neben 25 Gesprächen sind die Beiträge von Gisela Oechelhaeuser und Walfriede Schmitt eher als streitbare Statements zu sehen. Burga Kalinowski hat die Gespräche einfühlsam und zurückgenommen geführt, wobei die Interviewten letztendlich sehr viel Persönliches erzählten. Eine einfache Antwort auf die Eingangsfrage vermochten sie allerdings nicht zu geben. "War das die Wende, die wir wollten?" scheint eine einfache Frage. Eine Frage, die sich zwangsläufig vor allem an jene richtet, die im Osten Deutschlands aufgewachsen sind und die Wendezeit bewusst wenigstens als junge Erwachsene erlebt haben. Dennoch kann es auf die einfache Frage wohl keine einfache Antwort geben. Mit einem simplen JA oder NEIN werden die wenigsten antworten. Viele Chancen blieben bewusst oder zwangsläufig ungenutzt. Und vieles konnte so einfach nicht weitergehen - weil Utopien eben auf Dauer nicht lebensfähig sind. Die sehr persönlichen Auskünfte der 27 Zeitgenossen laden zum persönlichen Diskurs ein. Und genau darin liegt das Verdienst dieses im VERLAG NEUES LEBEN erschienenen Buches jenseits einer offiziell gesteuerten Erinnerungskultur. Ein sehr empfehlenswertes Buch, das man vor der letzten Seite nur ungern wieder aus der Hand legt.


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